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Ride & River / von La Paz nach Rurrenabaque - 21. bis 30. September 2015

(Video)

Endlich war es so weit. Wir freuten uns schon lange auf dieses "once in a lifetime" Abenteuer mit Gravity. Innerhalb von 6 Tagen sollte es per Mountainbike und Boot von den Anden bis in den Amazonas runter gehen. Dabei würden wir Orte sehen, wo sich kaum je ein Tourist hinverirrt, im Dschungel trekken, auf Strohbetten und in Zelten schlafen und uns in Flüssen waschen. Das Abenteuer begann allerdings viel früher, als wir erwartet hatten...

Wir fanden uns pünktlich um 06.40 Uhr im Gravity Workshop ein, wo wir von Moe, unserem Guide, empfangen und ausgerüstet wurden. Jeder kriegte einen Helm, Ellbogen- und Knieschutz, Handschuhe, Overall und Regen-Poncho. Alles sehr professionell und von guter Qualität. Wir lernten da auch gleich zwei weitere Teilnehmer kennen. Louise und Nick, ein aufgestelltes, junges Ehepaar aus Südafrika. Komplettiert wurde unsere temporäre Familie mit Alejandro (zweiter Guide), Mauricio (dem Fahrer), Franco (seinem Sohn) sowie fünf Neuseeländern, die wir noch am Flughafen abholen mussten. Unser Gefährt für die nächsten Tage stand auch schon bereit. Ein 4x4 Bus, der mehr wie ein Monster-Truck aussieht, weil ihn Mauricio extra für diese Tour umgebaut hat. Nachdem wir das Monstrum mit Bikes und Gepäck beladen hatten, sprang allerdings der Motor nicht an. Mauricio wollte unter dem Wagen nach dem Rechten sehen, als plötzlich Panik ausbrach. Sein Handschuh fing Feuer und aus dem Motor rauchte es. Zum Glück konnte Mauri den Handschuh gerade noch rechtzeitig abwerfen und wir opferten gedankenschnell all unser Trinkwasser, um den Brand zu löschen. Das war knapp! Glücklicherweise befindet sich der Tank hinten am Fahrzeug und war damit weit weg vom Brandherd. Es stellte sich heraus, dass die Deppen bei der Tankstelle nach dem Wahl-Wochenende wohl immer noch im Tiefschlaf waren und versehentlich Benzin statt Diesel getankt hatten. Also musste Mauri zuerst mal die Tanks leer kriegen. In der Zwischenzeit gingen wir mit Moe Kaffee trinken und nahmen dann die Seilbahn in das höher gelegene El Alto, wo uns Mauricio wieder abholen sollte. Er brachte den Wagen tatsächlich wieder zum laufen und lud uns unterwegs auf. Wir fuhren direkt zum Flughafen, um die wartenden Kiwis abzuholen. Nach einer etwa dreistündigen Fahrt erreichten wir den Startpunkt auf ca. 4'700 m für die erste Fahrradtour. Moe instruierte uns und wir gaben Pacha Mama, unseren Bikes und uns selbst einen Schluck Feuerwasser, um noch mehr Unglück von uns abzuwenden. Es ging gemächlich los; wir fuhren die meisten der rund 37 km auf asphaltierter Strasse. Erst am Schluss wurden noch ein paar Singletrails gefahren. Noch vor dem Eindunkeln erreichten wir das wunderschöne Sorata auf 2'721 m, wo wir eine tolle Unterkunft bezogen. Beim Abendessen lernten wir die Gruppe besser kennen. Die Kiwis haben uns am ersten Abend schon zu sich nach Neuseeland eingeladen. Ich glaube wirklich es gibt kein freundlicheres Volk auf diesem Planeten.

Am zweiten Tag mussten wir schon früh los. Mit dem Truck ging es eine spektakuläre Strasse hoch. Wir passierten surreale Landschaften, wo Lamas und wilde Pferde weideten und hatten eine phantastische Aussicht auf die über 6'000 Meter hohen, schneebedeckten Bergriesen. Die Strasse war zum Teil arg abschüssig und wir waren sehr froh, dass wir mit Mauricio einen erfahrenen Fahrer hatten. Auf 4'800 m sattelten wir wieder unsere Bikes und düsten rund 65 km und über 4'000 Höhenmeter den Berg runter. An diesem 2. Tag waren etliche Singletrails dabei, so dass wir voll auf unsere Kosten kamen. Je weiter runter wir kamen, desto mehr Sauerstoff strömte in unsere Lungen und es wurde erheblich wärmer. Hier gibt es viele Coca-Plantagen und Moe hat uns eine gezeigt und erklärt, wie wichtig diese Pflanze für die Kultur der Bolivianer ist. Er fügte an, dass wir Ärger bekommen würden, wenn uns der Coca-Bauer hier stehen sähe. Gerade noch rechtzeitig, bevor ich die Pflanzen bewässern konnte. "Jesus Sevi!!!" - war Moe's Kommentar dazu. Weil uns die heutige Unterkunft bereits im Vorfeld als "Shit-Hole" angepriesen wurde, beschlossen wir, uns in einem kleinen Fluss zu waschen. Was für eine Wohltat. Und genau die richtige Entscheidung. Das Hotel war nämlich wirklich alles andere als einladend. Die Strohbetten waren ziemlich unbequem und die Bilder der Toilette möchte man so schnell wie möglich wieder aus dem Gedächtnis eliminieren. Wir waren zum Glück hundemüde und nach einem leckeren Essen, welches die Guides für uns zubereitet hatten, und ein paar Bierchen sind wir trotzdem schnell eingeschlafen.

Traurig war niemand, als wir gleich am nächsten Morgen weiter zogen. Die Route des dritten Tages war eher flach und ein ständiges Auf und Ab. Die 55 km waren auf unseren schweren Downhill-Maschinen, bei brütender Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit nicht so leicht zu bewältigen. Immerhin konnten wir uns zwischendurch in einem Fluss abkühlen. Gegen Ende des Tages zogen dicke Wolken über uns auf und wir hatten just unser Ziel in Mapiri erreicht, als ein heftiges Gewitter einsetzte. Das war wirklich eine Punktlandung. Nun mussten wir von Alejandro, Mauricio, Franco, den Bikes und unserem lieb gewonnenen Monster-Truck Abschied nehmen. Hier war Endstation für unsere Fahrzeuge.

Am nächsten Tag ging es dann per Boot auf dem Rio Mapiri weiter. Nach drei Stunden machten wir Halt in Guanay. Hier organisierten wir unsere Camping-Ausrüstung und den Proviant für die nächsten Tage. Nach weiteren drei Stunden auf dem Fluss kamen wir dann in unserem ersten Camp an. Ein wirklich idyllischer Ort neben einem Fluss mit kristallklarem Wasser. Nachdem die Zelte aufgestellt waren, bestiegen wir den schwindelerregenden Aussichtspunkt über dem Camp und nahmen anschliessend ein erfrischendes Bad im Fluss. Der Abend am Lagerfeuer wurde dann sehr gemütlich. Wir haben Marshmallows gegrillt und rausgefunden, dass man in Gegenwart von Neuseeländern immer noch nicht mit dem Americas-Cup-Sieg der Alinghi prahlen sollte.

Am nächsten Morgen machten wir zuerst eine zweistündige Wanderung zu einem wunderschönen Wasserfall, wo wir schwimmen konnten. Danach ging es auf dem Fluss weiter. Wir machten Halt in kleinen verschlafenen Nestern. Im Verlauf des Nachmittages erreichten wir den Rio Beni und bald auch die Grenze zum Naturschutzgebiet Madidi. Bis hierhin war der Fluss gesäumt von Goldschürfern. Von grossen Abbauanlagen bis hin zu Ein-Mann-Betrieben mit primitivsten Werkzeugen, alle suchen hier nach dem grossen Glück. Wir schlugen unsere Zelte an einem weiten Sandstrand nahe des Flusses auf. Noch vor dem Abendessen zogen wir los auf eine nächtliche Dschungeltour. Leider konnten wir ausser ein paar Baumratten (die uns unser Guide dreist als Baby-Monkeys verkaufen wollte) keine Tiere sehen. Aber die Stimmung im dunklen Dschungel, mit den vielen Geräuschen war schon einmalig. Nach dem Abendessen sind die meisten schnell ins Zelt. So mussten Moe und ich alleine die Wein- und Bierreserven aufbrauchen. Es war ein gemütlicher Abend am Lagerfeuer. Allerdings habe ich erst am nächsten Tag gemerkt, dass mich die Sandflies total verstochen hatten. Es juckte mich noch tagelang am ganzen Körper.

Als wir am nächsten Morgen zu unserem nächsten Dschungel-Marsch aufbrachen, konnten wir wenige Meter von unserem Camp entfernt frische Jaguarspuren sehen. Wahrscheinlich hat uns das Kätzchen die längste Zeit beim Rotwein trinken beobachtet. Die Tiere sind schon da, können sich aber in dem riesigen Park gut vor uns verstecken. Denn auch auf dem Morgentrekk konnten wir leider keine Tiere sehen. Das Mittagessen haben wir dann auf dem Boot eingenommen. Am Nachmittag kamen wir an unserem Ziel in Rurrenabaque an. Das Dorf ist viel schöner, als wir es uns vorgestellt hatten. Wir haben im tollen Hostel Oriental ein günstiges Zimmer bezogen, uns erst mal eine Dusche gegönnt und uns in der Hängematte erholt. Im Verlauf des Nachmittages hat dann so ziemlich jeder mal über Bauchschmerzen und Durchfall geklagt. Kein Wunder, wenn man bedenkt, wie die hygienischen Standards der letzten Tage waren. Kochen mit Wasser aus dem verdreckten Fluss, Abwasch mit dem selben Wasser und Zubereitung der Hühnchen auf dem Boot sind schon eine Herausforderung für unsere industrialisierten Verdauungstrakte. Der Spuck war dann zumindest bei Rapha und mir aber schnell wieder vorbei. Das Abschiedsessen konnten aber die wenigsten richtig geniessen.

Am Sonntag mussten wir uns von den Neuseeländern verabschieden. Wir hatten eine wirklich tolle Gruppe mit vielen lustigen Momenten und wir haben uns vorgenommen, unsere neuen Freunde im nächsten Jahr am anderen Ende der Erde zu besuchen. Louise und Nick, die beiden Südafrikaner, sind mit einer anderen Tour weiter in die Pampas gezogen. Wir hatten erst mal genug von Wildlife und beschlossen deshalb, einfach einige Tage im Ort zu bleiben und die warmen Temperaturen zu geniessen. Wir faulenzten nach belieben und rafften uns nur zum Baden und zum Essen auf. Das hat sehr gut getan. Vor allem schätzten wir die Wärme, nachdem wir uns die letzten Monate immer in höheren und damit kälteren Gefilden aufgehalten hatten. Am Dienstag-Abend kamen unsere südafrikanischen Freunde aus den Pampas zurück und wir verbrachten noch einmal einen geselligen Abend zusammen. Wir werden die beiden vermissen.

Der Rückflug nach La Paz dauerte zwar nur 40 Minuten, war für mich aber der reinste Horror. Die kleine Propellermaschine schaukelte ganz gewaltig und Rapha die Ärmste musste mich bei einigen Hyperventilations-Attacken beruhigen. Es ging zwar alles gut, aber ich werde mich ganz bestimmt nie wieder bei vollem Bewusstsein in so eine Klapperkiste setzen. Grosse Flugzeuge können die Strecke übrigens nicht fliegen, weil es von Rurre nach La Paz die ganze Zeit und viel zu steil nach oben geht. Wir sind also gut wieder in unserer WG angekommen und gönnten uns nach den Flugstrapazen ein leckeres Raclette bei Jean-Claude im Restaurant Swissfondue.

El Tocoloco

Iquitos, Peru - 1. bis 5. Juli 2015

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Es war schon 8 Uhr, als wir in Iquitos endlich von Bord durften. Die Mototaxis standen schon Schlange, wir nahmen gleich das erste und los ging's. Mein allererster Eindruck: wir sind hier in Bangkok. Es ist heiss, stickig, es wimmelt von TukTuks, überall Streetfood- und Marktstände - ein farbenfrohes, lautes Gewusel. Iquitos. 400'000 Einwohner. Am Amazonas. Nur auf dem Luft- oder Wasserweg zu erreichen. Mich hat die Stadt auf Anhieb begeistert und in ihren Bann gezogen. Unterwegs im TukTuk ist dann zweimal der Motor abgesoffen und zum Schluss verlangte der Fahrer stinkfrech 15 Soles (CHF 4,50) und damit den dreifachen Preis, dieser Halsabschneider! Hat uns mal wieder einer über den Tisch gezogen! Bis wir das realisiert hatten, war das Mototaxi schon weg. Naja, wir sprechen hier von ein paar Franken, aber es geht ums Prinzip! Kurz das angedachte Hostal aufgesucht, Gepäck abgeladen und ab zum Frühstücken. Gleich um die Ecke gabs ein Bistro mit dem besten Frühstück seit Monaten. Lecker Baquette und Gipfeli - und richtigen Kaffee! Wir waren happy und ab da jeden Tag mindestens einmal im Bistro.

Wir hatten kurz überlegt, von Iquitos nochmal ein paar Tage in den Regenwald zu fahren. Aber es lief recht harzig. Von der angefragten Finca erhielten wir keine Antwort und die anderen Lodges waren uns zu esoterisch oder zu stark Ayahuasca-orientiert. Ach ja... Ayahuasca... dieser halluzinogene Pflanzensud soll Körper und Geist reinigen und einen in höhere geistige Dimensionen bzw. in Trance versetzen. Zusammen mit Voodoo und Coca omnipresent in dieser Stadt. Keiner, der nicht davon spricht oder deswegen hier ist. Wir begegnen dem Ganzen sehr skeptisch und mit gemischten Empfindungen. Einerseits wissen wir schlicht zuwenig darüber, andererseits hat die Anwendung unter Aufsicht von (selbsternannten...?) Schamanen eher bedenkliche Auswirkungen auf den Menschen. Wir lassen da mal schön die Finger davon. Aber die spirituellen Schwingungen kriegen selbst wir als dafür kaum zugängliche Wesen zu spüren. Wir beide hatten nachts ganz intensive Träume - meine handelten von so vielen vergessen geglaubten/gehofften Momenten meiner Teenagerzeit... es war dermassen real, dass mich die Gedanken daran nicht mehr losgelassen haben. Ich habe mich tagelang wie in einer Blase im Kreis gedreht... diese unfreiwillige Rückführung hat mich erst im Flieger Richtung Lima wieder losgelassen. Eigenartig und kräfteraubend. Aber ich will jetzt nicht mehr weiter darüber nachdenken.

Die Tage in Iquitos verbrachten wir mit kleinen Ausflügen in und ausserhalb der Stadt. So besuchten wir die Pilpintuwasi-Schmetterlingsfarm in Padre Cocha, wo auch noch andere Tiere untergebracht sind, die irgendwo illegal als Haustiere gehalten wurden und glücklicherweise entkamen. Zwischendurch schaute sich Sevi die letzten Spiele der Copa America an. Und der Markt im Stadtteil Belén war natürlich ein Highlight sondergleichen.... hier kriegt man einfach alles! Vor allem alles, was illegal ist... Tukan- und Schildkrötenfleisch, Schlangen- und Krokodilleder, präparierte Affenköpfe und, und, und.... der weitläufige Markt ist an Düften, Gestank, Farben und Skurrilem nicht zu überbieten. Ein unvergleichliches teils befremdliches Erlebnis. Zwischenzeitlich hatte ich mich auch noch erkältet und so lief weiter nicht viel mehr. Wir schlenderten durch das quirllige Iquitos, unterhielten uns mit mehr oder weniger interessanten Leuten und planten unsere Weiterreise nach Huaraz. 5 volle Tage in dieser Stadt waren dann auch mehr als genug und wir freuten uns auf angenehmere Temperaturen.

Frühstück im Amazon Bistro

Auf dem Amazonas von Lagunas nach Iquitos, Peru - 28. bis 30. Juni 2015

Da unser Frachter nach Iquitos erst gegen Abend am Hafen von Lagunas erwartet wurde, hatten wir den ganzen Tag Zeit, zu entspannen und die vielen Eindrücke aus dem Regenwald etwas setzen zu lassen. Wir gaben unsere Wäsche ab und gingen gemütlich bei Paólas Familie frühstücken. Es war Sonntag und auf dem Hauptplatz war grade eine Schulfeier. Alle Schüler waren rausgeputzt und in ihrer Schuluniform und wurden klassenweise vom Schulrektor geehrt. Da hat man mal wieder gesehen, wie kinderreich Südamerika doch ist.... vor allem in einem solchen "Kaff" wie Lagunas, mit bloss 10'000 Einwohnern.

Um 13.00 stand dann plötzlich Paóla vor unserer Tür und meinte, das Schiff käme nun doch früher als erwartet und wir müssten innerhalb einer Stunde am Hafen sein - da kam just etwas Hektik auf. Zum Glück war unsere Wäsche schon trocken und wir konnten packen. Keine 10 Minuten später setzte ein tropischer Regen ein.... gut, war da unsere Wäsche nicht mehr auf der Leine! Schnell das Hostel bezahlt und im Mototaxi zum Hafen. Unterwegs wollten wir uns noch Hängematten für die Schifffahrt kaufen. Leider waren alle Läden geschlossen (Sonntag). Sevi hat sich dann am Hafen nochmal auf die Suche gemacht, und ist prompt fündig geworden. Das Schiff kam dann übrigens doch erst um 17.00.... die paar Stunden haben wir also am Hafen totgeschlagen.

Die M/F Gilmer IV, ein verrostetes und bereits in die Jahre gekommenes Frachtschiff ist in drei Klassen eingeteilt. Auf dem untersten Deck werden Tiere und die ganze Fracht verstaut. Die zweite Klasse auf dem mittleren Deck ist die etwas günstigere Passagier-Kategorie und wird von den meisten Einheimischen gebucht. Auf dem obersten Deck befinden sich die erste Klasse sowie 6 Kabinen. Meine anfängliche Skepsis gegenüber der Schifffahrt hat sich schnell gelegt. Beim Boarding hat alles wunderbar geklappt und unsere Kabine sowie die Toiletten an Bord waren wider erwarten recht sauber. An Deck hängten wir unsere Hängematten auf, machten es uns gemütlich und quatschten mit den wenigen anderen Backpackern. An Bord waren rund 300 Menschen und nur 10 davon Touristen. Der Sonnenuntergang - begleitet von rosa Delfinen - war spektakulär. So schön hatten wir den schon ewig nicht mehr gesehen! An Deck wurde es dann allmählich recht frisch und wir zogen uns für die Nacht in unsere Kabine zurück. 

Zum Sonnenaufgang waren wir wieder draussen auf Deck. Ach war das schön! Den Tag verbrachten wir mit quatschen, lesen und schlafen in der Hängematte. Zwischendurch gab es auch mal was zu essen - gar nicht mal so schlecht. Weil die Peruaner total fussballverrückt sind und Peru gerade das Viertelfinal der Copa America gegen Chile bestritt, legten wir pünktlich zum Anpfiff in Nauta an. Die meisten Passagiere gingen hier von Bord und das Abladen der Ware hat gute zwei Stunden gedauert. Wir haben das Fussballspiel im Radio mitverfolgt. Peru hat verloren... die Peruaner nahmen es relativ gelassen hin und unsere Fahrt ging weiter. Kurz nach Nauta fliessen die beiden Flüsse Marañón und Ucayali zusammen und ab da heisst er Amazonas! Um 22.00 passierten wir diese Stelle - ein toller Gänsehaut-Moment, sich am Ursprung des riesigen Amazonas zu wissen! 

Kurz vor Sonnenaufgang trafen wir nach rund 44 Stunden am Handelshafen von Iquitos ein. Wir mussten noch einen Moment an Bord bleiben und konnten das emsige Treiben vom Oberdeck aus beobachten. Beim Zusammenpacken mussten wir dann leider feststellen, dass eine unserer Hängematten nicht mehr da hing und über Nacht den Besitzer gewechselt hat.... hier kommt einfach alles weg, was nicht niet- und nagelfest ist.... Gut, hatten wir für unser ganzes Zeug eine abschliessbare Kabine. Eine lohnenswerte Investition. Trotz dieses Wermutstropfens sind wir beide überglücklich, uns für diesen Weg entschieden zu haben! Wir sind um viele Bilder und Erlebnisse reicher.

Baden ist. Überall. Auch in Lagunas.

Tiere der Reserva Pacaya Samiria (nur Fotos)


Reserva Pacaya Samiria (Lagunas), Peru - 20. bis 27. Juni 2015

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"Wir könnten ja mit dem Boot über den Amazonas nach Iquitos reisen". Rapha war nicht gerade begeistert von dieser Idee. Aber der Gedanke hat sich nun mal in meinem Hirn eingenistet. Und je länger mir dieser durch den Kopf geisterte, desto mehr wollte ich diese Reise machen. Iquitos ist die grösste Stadt der Welt, die nur per Boot oder Flugzeug erreichbar ist. Es führt keine Strasse dahin. Diese Information allein genügte mir, um dorthin zu wollen. Ein echtes Abenteuer - halt völlig abseits der ausgetretenen Touristenpfade.

Leider habe ich Rapha damit etwas überfahren. Sie tendierte eher dazu, die Küste anzusteuern und ein paar Tage am Strand zu verbringen. Nach langem Hin und Her haben wir uns dann darauf geeinigt, zuerst mal den Nationalpark Pacaya Samiria im Amazonas-Delta anzusteuern und dann spontan vor Ort zu entscheiden, wie es weiter gehen soll.

Im völlig überfüllten Kleinbus (12 Stunden ohne Kopfstütze) sind wir von Chachapoyas via Tarapoto nach Yurimaguas gefahren. Dort wurden wir spät am Abend von Winston erwartet, den wir vorab für die Dschungeltour im Nationalpark kontaktiert hatten. Er hat uns in seinem privaten TukTuk zu unserem Hostel und anschliessend in sein Büro gefahren. Nach guter Beratung haben wir uns entschieden, am nächsten Tag mit dem Schnellboot nach Lagunas zu fahren (5 Stunden), von dort aus eine 6-tägige Dschungeltour zu machen und danach mit dem Cargo-Frachter in zwei Tagen nach Iquitos zu fahren. Dieser Plan stimmte nun auch für Rapha, weil es einfach zu viele Reisestunden gewesen wären, um auf dem Landweg an die Küste zurück zu fahren.

Winston hat uns am nächsten Tag abgeholt und zum Hafen gebracht. Ein vierzig Meter langes Boot mit ca. 80 Plätzen wartete da auf uns; bis auf den letzten Platz gefüllt und nicht sehr komfortabel. Wir waren froh, als wir nach gut 5 Stunden endlich in Lagunas ankamen. Dort wurden wir bereits von Paóla erwartet. Sie brachte uns zum Hostel und half uns am nächsten Tag bei den Formalitäten. Wir mussten zuerst zur Bank, um den Parkeintritt einzuzahlen und danach zur Polizei, um uns registrieren zu lassen. Da trafen wir dann auch auf unsere Guides, dem Ehepaar Abraham und Florina.

Schnell noch alles Nötige auf ein Mototaxi verladen und los gings. Nach 40-minütiger Fahrt zum Parkeingang stiegen wir ins Kanu um. In diesem Einbaumkanu wurden wir von Abraham (unserem Guide) und Florina (unserer Köchin) in Richtung Rio Samiria gondoliert. Erst jetzt realisierten wir allmählich, dass wir auf diesem Ausflug die Tage vorwiegend auf dem Fluss verbringen würden. Je weiter wir vorankamen, desto dichter wurde der Dschungel. Abraham war ein unglaublich guter Guide. Er hat Tiere gesehen, die wir aus nächster Nähe erst nach einigen Minuten erkennen konnten. Hier eine kleine Auflistung: Blaue und rote Aaras, Faultiere, Affen aller Art, Leguane, graue und rosa Delfine, Flussotter, Anakonda und andere Schlangen, Pirañas und andere Fische, viele Vögel (Adler, Tukane...), Kaimane, Krokodil, Eichhörnchen (das war grösser als viele der Missgeburten, die bei uns noch als Hunde durchgehen), Baumratten und Schildkröten. Es war schlicht der Wahnsinn!

Übernachtet haben wir in einfachen, offenen Hütten ohne Strom und Betten. Florina hat uns jeden Abend eine Matte ausgelegt und ein Moskitonetz gespannt, und so haben wir auf dem Boden in unseren Seidenschlafsäcken geschlafen. Die Geräuschkulisse war atemberaubend. Mehr Dschungel geht nicht. Am ersten Tag gabs noch Dusche und Toilette im Camp. Aber auf diesen Komfort mussten wir ab dem zweiten Camp verzichten. Fliessendes Wasser gabs nur noch im Fluss. Wir haben die Abkühlung sehr genossen. Allerdings nicht sehr lange. Am dritten Tag durften wir uns nämlich als Fischer versuchen. Nach nur 2 Minuten hatten wir beide je einen roten Piraña aus dem Fluss gezogen. Das hat uns dann irgendwie von weiteren Badegängen abgehalten.... Fortan haben wir uns das Wasser zum Duschen mit einem Plastikbehälter geschöpft. Im selben Gefäss haben wir auch unsere Kleider gewaschen und daraus gegessen. Alles sehr einfach.

Das Essen war übrigens vorzüglich. Unglaublich, wie Florina uns mit einfachen Mitteln verwöhnt hat. Es gab täglich frischen Fisch, meist schon zum Frühstück (Fischknusperli). Gekocht wurde am offenen Feuer und mit Wasser aus dem Fluss. Im selben Fluss wurden auch Mensch und Geschirr gewaschen. Wir waren froh, dass unsere von der Industrie deformierten Wohlstandsmagen nicht komplett kolabierten.

Am dritten Abend wollten wir eigentlich nachts nochmal mit dem Kanu los, um Krokodile aufzuspüren. Leider hat es dann so stark geregnet, dass wir unverrichteter Dinge zu Bett gegangen sind. Nachts um drei Uhr hat uns Abraham geweckt und irgendetwas von "Cocodrillo" geschwafelt. Völlig schlaftrunken haben wir uns, leicht angesäuert, aus unseren Schlafsäcken geschält und wollten uns für die Bootstour bereit machen. Da haben wir gesehen, dass Abraham ein schwarzes Krokodil gefangen und wie einen Hund vor unserer Hütte angebunden hatte. Er ist dafür extra mitten in der Nacht los gefahren, um uns eine Freude zu machen. Fortan lebten wir aber mit der latenten Angst, dass er uns auch noch eine Anakonda vors Bett legt.

Nach sechs Tagen auf dem Fluss sind wir voller Eindrücke wieder in Lagunas angekommen. Die Expedition war ein unbeschreibliches Erlebnis. Tagelang vom Kanu aus die Natur geniessen und Tiere beobachten, widrigen Wetterbedingungen, Moskitos und Stechfliegen trotzen und die einfachen Dinge des Lebens schätzen. Manchmal braucht es so wenig zum perfekten Glück!

auf dem Río Marañón

Ecuador Rundreise - 15. April bis 1. Mai 2015

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Dorit und Jürgen lernten wir letztes Jahr in Kuba kennen. Wir haben uns super verstanden und die beiden haben sich spontan entschlossen, uns auf einer Etappe unserer grossen Reise zu begleiten. Schnell einigten wir uns auf Ecuador. Im Dezember machten wir dann Nägel mit Köpfen und buchten gemeinsam eine Rundreise bei World Insight.

Trotz der Vorfreude auf die beiden traten wir den Flug von Medellín via Bogota nach Quito mit gemischten Gefühlen an. Wir fühlten uns ein wenig ums Paradies (Kolumbien!) betrogen und wussten noch nicht so recht, wie wir auf die neuen Begebenheiten wie Selbstbestimmung vs. Fremdbestimmung, das Reisetempo und die Gruppe reagieren würden.

Am ersten Reisetag haben wir bei einem Stadtrundgang durch Quito die anderen Teilnehmer kennengelernt: Unsere Familie für die folgenden drei Wochen bestand aus 13 Personen plus Guide und Fahrer. Als Erster aus der Masse heraus gestochen ist Nobby. Ein Eintracht-Fan mit filigranen Füssen. Ansonsten war die Stimmung noch etwas zurückhaltend. Wir haben die historische Altstadt mit der Kathedrale, dem Plaza de la Independencia und den Kirchen San Fransisco und La Compañia angeschaut. Dabei fiel das Atmen auf 2'800 Meter Höhe schon ziemlich schwer. Am nächsten Tag ging es per Seilbahn auf den Hausberg Pichincha auf über 4'000 Meter über Meer. Auf dieser Höhe kamen dann zu den Atemschwierigkeiten auch noch Kopfschmerzen dazu. Gelohnt hat es sich wegen der Wahnsinns-Aussicht auf die Stadt und die umliegenden Vulkane aber auf jeden Fall.

Am vierten Tag fuhren wir nach Otavalo zum Indianermarkt. Unterwegs stoppten wir beim Äquatordenkmal bei Cayambe, wo unser Guide David viel Interessantes über die Bedeutung und die Vermessung des Äquators durch die Inkas zu erzählen wusste. Der Samstagsmarkt in Otavalo ist riesig, voller Farben und Gerüche und herrlich anzuschauen. Auf dem Weg nach Ibarra besuchten wir auch noch eine Weberei in Peguche. Die Unterkunft in Ibarra war ein krasses Gegenstück zu unserem gewohnten Backpacker-Dasein. Die Hacienda Chorlaví verfügte neben einem Wellness-Bereich und einem schicken Restaurant auch über einen Billardtisch. Eine gute Fügung, denn Billard und Bier waren der perfekte Rahmen, um die Gruppenmitglieder baesser kennen zu lernen. Anke und Mike haben sich als echte Billard-Cracks entpuppt. Und auch mit Jochen und Beate war das Eis dann schnell gebrochen. Am nächsten Tag machten wir uns auf zur Wanderung entlang des Kraterrandes der Laguna Cuicocha. Auf 3'000 Meter waren wir auch hier wieder recht schnell ausser Atem. Leider sind wir auf halbem Weg in ein heftiges Gewitter gekommen und mussten umkehren.

Weiter ging es nach Papallacta und da gleich auf eine kleine Wanderung an einem herrlichen Flüsschen entlang. Im Hotel hatten wir das Thermalbad direkt vor unseren Zimmern. Herrlich! Leider war nicht viel Zeit, um es richtig auszukosten. Am nächsten Tag haben wir das Hochland nämlich bereits wieder verlassen und sind in das Amazonas-Tiefland nach Misahuallí zu unserer Lodge am Napo-Fluss gefahren. Wir haben dort unter anderem eine wunderschöne Flussfahrt auf dem Napo gemacht und den ökologischen Zoo „Amazoonico” besucht. Die Philosophie dieser Institution ist ein wenig fragwürdig. Am Eingang stand ein kleiner Käfig mit einem Menschen drin. Uns wurde erläutert, dass es sich bei demselben um einen Volunteer handelt. Alle Mitarbeiter müssen regelmässig einen Tag in diesem Käfig verbringen, damit sie verstehen lernen, wie man sich als eingesperrtes Tier fühlt... Wenn die wirklich Tiere wieder auswildern wollen, sollten sie meines Erachtens lieber üben, wie man Käfige eliminiert. Der "Erfolg" spiegelt sich dann auch in der Auswilderungsqoute von 30 % wider. Den Menschen im Käfig haben sie übrigens erfolgreich wieder "ausgewildert". Während wir die (grösstenteils gestörten) Tiere im Zoo angeschaut haben, ist der nämlich aus dem Käfig gehechtet, als eine Kreuzotter aus dem Gebüsch direkt auf ihn zugesteuert ist. Zum Glück sass unser Guide noch dort und konnte das Arschlochtier mit einem Stock verscheuchen. Nicht auszudenken, was sonst passiert wäre. Gegen diese Viecher gibt es nämlich kein Gegengift. Unser Guide meinte nur lapidar, dass man das gebissene Körperteil halt hätte amputieren müssen.

Vom Dschungel ging es dann durch eine spektakuläre Landschaft weiter in Richtung Baños. Unterwegs stoppten wir beim Wasserfall Pailón del Diablo. Ein echtes Highlight von einem Mordswasserfall. Über schwindelerregende Hängebrücken und ein paar Stufen konnten wir direkt unter die Wassermassen absteigen und die Naturgewalt aus einem ungewohnten Winkel erleben. 

Am nächsten Tag wollten wir in Baños Reiten gehen. Rapha musste leider aussetzen, weil sie es seit der Ankunft in Quito mit dem Magen hatte. (Die Hälfte der Gruppe hat es im Amazonas übrigens auch mit Magen-Darm erwischt). Die Reittour wurde dann zur Tortur. Mein Gaul war voll der Asi. Es war schon fast fahrlässig, einem Anfänger so ein dämliches Pferd zu geben. Sogar der Guide (sein Name war Antonio Banderas...) hatte Mühe, dieses blöde Tier im Zaum zu halten. Und Gisela wurde von ihrem Pferd sogar gebissen....

Tags darauf fuhren wir weiter zum Chimborazo-Vulkan, wo wir eine Wanderung von rund 4'800 auf 5'050 m gemacht haben. Die Höhe war vor allem für Rapha heftig, lag sie doch am Vortag noch im Bett. Aber oben ankommen, waren die Strapazen gleich wieder vergessen.

Am 12. Tag stand die Fahrt mit der Riobamba-Andenbahn zur Teufelsnase auf dem Programm. Eine spektakuläre Fahrt, die es aber nicht ganz mit der Räthischen Bahn aufnehmen kann ;-) Vor der Zugfahrt hatten wir noch etwas Zeit, übe den Markt von Alausí zu schlendern. Der war ziemlich chaotisch, aber sehr farbenfroh und schön. Am späteren Nachmittag kamen wir dann in Ingapirca an, wo wir bei Regen und Wind die Inka-Ruinen besichtigten und uns dann im nahen Hotel aufzuwärmen versuchten. Gut, hat David Wärmeflaschen für uns besorgt! 

Und weiter ging's nach Cuenca. Eine schöne, koloniale Stadt mit Blumenmarkt, Kathedrale und quirliger Markthalle. Rapha hatte trotz einer Antibiotika-Kur immer noch den Toutsuiter. Das hat uns aber nicht daran gehindert, Meerschweinchen ("cuy") zu essen. Fazit: Die Viecher sind zu rein gar nichts zu gebrauchen. Wir haben uns dann aber doch entschlossen, die Sache mit der Verdauung untersuchen zu lassen. David hat uns dabei super unterstützt. Er hat uns zum Labor begleitet und die Ergebnisse direkt an seinen Onkel, der Arzt ist, weitergeleitet. Der Befund war eindeutig: Wir hatten Amöben aufgelesen. Das heisst, wir wurden von den beiden überflüssigsten Lebewesen auf diesem Planeten (Meerschweinchen und Amöben) bewohnt! Wir haben uns sofort mit den nötigen Medikamenten eingedeckt und die Parasiten gekillt. Am nächsten Tag war Rapha bereits wie ausgewechselt und dem Ausflug in den El Cajas-Nationalpark stand nichts mehr im Weg. Leider hat es auf der Wanderung mal wieder heftig geregnet und das letzte Stück war mehr Schlammschlacht als Fussmarsch. 

Vilcabamba, die letzte Station auf dem Festland, konnten wir bei bestem Wetter so richtig geniessen. Wir logierten in der Hostería Izhcayluma und machten eine wunderschöne Wanderung. Die Umgebung und die Anlage haben uns so gut gefallen, dass wir uns gut vorstellen können, später hier noch einmal vorbei zu kommen. Liegt ja auf dem Weg nach Peru.

Zuerst wollten wir aber noch auf die Galápagos Inseln. Eine lange Busfahrt führte uns von Vilcabama nach Guayaquil. Dort hiess es, von David und Wilson Abschied zu nehmen. Die beiden sind uns in den letzten Wochen richtig ans Herz gewachsen. David war nicht nur unglaublich kompetent, sondern auch ein herzensguter Mensch mit viel Humor. Und Wilson ist der aufmerksamste und beste Fahrer ever! Vielen Dank für alles!

Quito