Posts mit dem Label Begegnungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Begegnungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Zuhause, Schweiz - ab 27. Juni 2016

"Jemand hat mir mal gesagt, die Zeit würde uns wie ein Raubtier ein Leben lang verfolgen. Ich möchte viel lieber glauben, dass die Zeit unser Gefährte ist, der uns auf unserer Reise begleitet und uns daran erinnert, jeden Moment zu genießen, denn er wird nicht wiederkommen. Was wir hinterlassen ist nicht so wichtig wie die Art, wie wir gelebt haben. Denn letztlich [...] sind wir alle nur sterblich."

Jean-Luc Picard

Und plötzlich waren wir wieder zu Hause...

Wir freuten uns sehr über das Empfangs-Komitee, welches zu später Stunde am Flughafen Zürich auf uns wartete. Nach einem kurzen Schwatz ging es auch schon in unser temporäres Zuhause bei meinen Eltern in Brugg. Bereits am nächsten Morgen fühlte sich unsere 533-tägige (!) Reise wie ein Traum an, der gar nie wirklich stattgefunden hatte. Ein Gefühl, dass einem bisweilen den Atem stocken lässt, weil man einfach nicht begreifen will, wie schnell die Zeit an einem vorbei gerast ist und halt wirklich alles irgendwann zu einem Ende kommt. Um lange darüber zu sinnieren, blieb uns aber eigentlich gar keine Zeit. Bereits am nächsten Tag fand das Brugger Jugendfest statt. Sehr praktisch, wenn man die Willkommens-Party nicht selber organisieren muss. Wahnsinnig, wie viele Leute uns auf unsere Reise angesprochen haben.

Nach dem Fest-Wochenende begann ich, mich intensiv um eine neue Stelle zu kümmern. Rapha hatte ja bereits Vorgespräche für eine Rückkehr an ihren alten Arbeitsort geführt. Die Verhandlungen hat sie dann schnell zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht. Das war in doppelter Hinsicht gut für uns. Erstens nahm es mir ein wenig Druck weg und zweitens konnten wir so bereits nach einem neuen Heim Ausschau halten.

Neben der Arbeits- und Wohnungssuche hielten uns auch noch andere Sachen auf Trab. Ich durfte als Trauzeuge für Maass und Sarah (Zeuge Massahrovas) den Polterabend organisieren, habe die Mini-Z Meisterschaft reanimiert und wieder Inline-Hockey-Trainings besucht. Rapha verbrachte ein paar geruhsame Tage mit Antje in den Dolomiten und besuchte ihre Familie in allen Landesteilen. Gemeinsam haben wir Crossfit in Baden ausprobiert uns ein Wohnmobil gekauft (vielen Dank Familie Imgrüt) oder mit Freunden und Familie Zeit in den Bergen verbracht. Um es kurz zu machen: unsere Terminkalender waren innert kürzester Zeit komplett voll.

Nachdem die Suche nach Heim und Arbeit lange sehr harzig verlief, stiessen wir Mitte Juli endlich auf das Objekt unserer Begierde. Wir hatten uns vor einiger Zeit spasseshalber mal eine Liste "erbrainstormt" mit Punkten, die unsere Traumwohnung zu erfüllen hat. Diese Wohnung deckt unglaubliche 17 von 18 Anforderungen ab. Da der Vermieter im selben Haus wohnt, mussten wir auch hier zum Vorstellungsgespräch antraben. Und weil wir uns alle auf Anhieb sympatisch waren, erhielten wir prompt den Zuschlag. Wir konnten unser Glück kaum fassen.

Als nächstes ging es darum, unser Restvermögen sinnvoll in Mobiliar zu investieren. Also pilgerten wir von Möbelhaus zu Möbelhaus. Weil neuerdings jeder Schirmständer frei konfigurierbar ist und wir bis aufs Bett alles neu kaufen mussten, kann man sich etwa vorstellen, wie zeitintensiv diese Angelegenheit war. Aber irgendwann waren dann auch Sofa, Schrank, Esstisch etc. bestellt und wir hatten endlich auch mal wieder Zeit, um den schönen Sommer zu geniessen.

Ende September gab es dann erneut gute Nachrichten. Ich erhielt die Stelle als Compliance Officer bei der Zürich Versicherung und stürzte mich am 1. Oktober wieder in den Arbeitsalltag.

Unser Zweites Leben hat also langsam Strukturen bekommen und wir sind glücklich darüber, wieder hier zu sein. Bleibt zu hoffen, dass wir noch lange von unseren Erfahrungen und Erlebnissen zehren können.

Ein riesengrosses Dankeschön zum Schluss noch an meine Eltern. Ohne Euch wäre unsere Integration nicht so einfach vonstatten gegangen. Vielen tausend Dank für das Dach über dem Kopf, die tolle Verpflegung, den fahrbaren Untersatz und vor allem die gemeinsame Zeit. Schön, dass ihr da seid und wir uns auf Euch verlassen können.

Vielen Dank auch an die gesamte Verwandtschaft und an alle unsere Freunde. Dass eine Freundschaft über so lange Zeit ohne persönlichen Kontakt nicht nur erhalten bleibt, sondern dass wir diese praktisch nahtlos weiterführen konnten, ist fast die schönste Erkenntnis unserer Auszeit.

Illustration einer grösseren Lücke im Lebenslauf 

Kuala Lumpur, Malaysia - 27. bis 29. Mai 2016

Der Flug von Bali nach Kuala Lumpur in Malaysia war unglaublich holprig und wir waren froh, als wir endlich wieder festen Boden unter den Füssen hatten. Der Flughafen befindet sich sehr weit ausserhalb der Stadt und so kamen wir nach einer einstündigen Taxifahrt erst nach Mitternacht in unserem AirBnB an. Nikolas, unser Gastgeber, nahm uns in Empfang und führte uns in unser Zimmer. Wir konnten kaum glauben, was wir sahen. Völlig sprachlos genossen wir eine atemberaubende Sicht auf die berühmten Petronas Tower und die umliegende Skyline.

Am nächsten Morgen lernten wir Nikolas und seine thailändische Freundin Sasha besser kennen. Nikolas hat seinen Job als Autoverkäufer an den Nagel gehängt und betreibt sein AirBnB jetzt vollberuflich. Im Ganzen vermietet er 5 Zimmer in seinem tollen Appartement fast zuoberst in einem  40-stöckigen Wolkenkratzer. Zur Wohnung gehört auch eine grosse Terrasse mit fantastischem Blick auf die Stadt.

Nach einem kurzen Schwatz machten wir uns auf den Weg zur Shopping Mall nebenan. Hier deckten wir uns mit neuen Sportkleidern und den dringend benötigten neuen Turnschuhen ein.

Am späten Nachmittag kamen wir ziemlich erschöpft vom Shoppingwahn zurück. Aus einem Mittags-Schlaf wurde allerdings nichts. Nikolas lud uns spontan zum Apero auf dem Balkon ein und weil wir uns so gut verstanden, beschlossen wir, am Abend gemeinsam auszugehen. Wir fuhren ins trendige Quartier Jalan Alor, wo uns unsere Gastgeber ihr Lieblings-Thai-Restaurant zeigten. Wir überliessen das Bestellen den Locals und teilten uns das Essen. Wahnsinnig gut und wahnsinnig scharf!!! Danach streiften wir ein wenig durchs Quartier. Wenn man bedenkt, dass Malaysia ein muslimisches Land ist, dann würde man so eine Ausgeh-Meile hier nicht unbedingt erwarten. Es gibt unglaublich viele Bars und Kneipen. Auf einer Strassenkreuzung bestaunten wir einen Drummer, der ein Live-Konzert gab, bis uns ein Knall und eine Druckwelle zusammenzucken liess. Das war im ersten Moment ziemlich unheimlich. Da aber keine Panik ausbrach, waren es wohl nur irgendwelche Böller, die hinter uns gezündet worden sind. Wir beschlossen dennoch, uns auf den Heimweg zu begeben.

Am zweiten Tag haben wir wieder mal ausgeschlafen. Gegen Mittag sind wir dann mit der U-Bahn zu den Batu Caves gefahren. Diese heilige Stätte etwas ausserhalb der Stadt ist sehr sehenswert. Danach haben wir die Stadt unter die Lupe genommen. Via KL Sentral sind wir nach China Town gefahren. Dort habe ich mir original Bose-Lautsprecher und ähnliche Artikel made in China für sehr wenig Geld gegönnt. Auch die Marktstände im Pasar Seni, das Sultan Abdul Samad Building und natürlich KLCC mit den Petronas Towern haben wir besucht. Alles sehr eindrücklich und mit den gut funktionierenden öffentlichen Verkehrsmitteln sehr einfach zu erkunden. Wir kamen spät nach Hause und mussten am nächsten Morgen früh weiterfliegen. So konnten wir uns leider nicht einmal mehr persönlich von Nikolas und Sasha verabschieden. Schade, aber was wir von Malaysia gesehen haben, machte uns gwundrig für mehr. Vielleicht kommen wir ja wieder einmal hierhin. Dann ist das AirBnB von unseren neuen Freunden Nikolas und Sasha ganz sicher unsere erste Anlaufstelle. Danke für die tolle Zeit und die unglaubliche Gastfreundschaft.

Zimmer mit Aussicht

Bali, Indonesien - 29. April bis 26. Mai 2016

(Video)

Wir sind am späten Nachmittag in Denpasar auf Bali gelandet. Auf dieser Insel haben wir vor knapp zehn Jahren unseren ersten "grossen" gemeinsamen Urlaub als Rucksacktouristen verbracht. Dieses Mal haben wir die Einreiseformalitäten studiert (das haben wir für Australien ja auf die schmerzliche Tour gelernt). Als Schweizer bekommt man bei der Einreise automatisch ein 30-tägiges Aufenthaltsrecht in Indonesien. Da wir nicht genau wussten, wie lange wir bleiben würden, kauften wir uns bei der Ankunft in Denpasar aber für USD 35 das verlängerbare Visum. Nur dieses lässt sich nach Ablauf der 30 Tage um einen weiteren Monat verlängern. Nach den ganzen Formalitäten waren wir froh, dass wir uns vorab beim Hotel einen Abholservice bestellt hatten. Der Taxifahrer wartete in der Ankunftshalle schon geduldig auf uns. Auf dem Weg zum Hotel beobachteten wir das heillose Chaos auf den Strassen und waren froh, dass wir nicht selber fahren mussten und wir uns in Canggu, etwas ausserhalb der grossen Touri-Orte, einquartiert hatten. Das Serenity Eco Guesthouse war unser Zuhause für die ersten Tage. Hier wollten wir vor allem Yoga praktizieren und so Körper und Seele nach den Reisestrapazen der vergangenen Monate wieder etwas erden. Das Hotel wartete mit einem unglaublichen Yoga-Programm auf. Pro Tag werden hier 10 verschiedene Körperverrenkungs-Praktiken durchgeführt. Bereits am ersten Tag stürzten wir uns in eine Vinyasa Klasse für Anfänger. Rapha war natürlich im Vorteil, weil sie wesentlich beweglicher ist als ich und im Gegensatz zu mir auch etwas Yoga-Erfahrung mitbrachte. Bei mir ging es in den ersten Stunden im Wesentlichen darum, mich nicht zu verknoten und entweichende Gase zu unterdrücken. Aber ich merkte schnell, dass mir die drolligen Posen gut taten und mit der Zeit sogar Spass machten.

Am dritten Tag mieteten wir uns für schlappe CHF 4.50 pro Tag einen Scooter und erkundeten damit die Umgebung. Um ehrlich zu sein, beschränkte sich unser Radius auf genau drei Strassen im Umkreis von ca. 3 Kilometern. Aber hier gab es erstaunlich viel zu entdecken: Strände mit Bars, Boutiquen, eine Underground-Location mit Skate-Pool und vor allem unglaublich gute Restaurants mit kreativer und gesunder Küche zu super Preisen. Auf einer Erkundungsfahrt entdeckten wir beiläufig auch das Bali Fit. Dieses Fitnesscenter bietet Gruppenfitness- und Yogakurse an. Wir entschlossen uns spontan, hier einen Monats-Pass zu buchen und quartierten uns in einem tollen Hotel an der gleichen Strasse ein. Das Zimmer dort hätte uns bei einer Online-Buchung USD 250 pro Nacht gekostet. Die "Walk-in-Rate" betrug gerade mal USD 50. Im Ressort gab es zwei Pools und wir waren meistens die einzigen Gäste. Wir entwickelten eine Tagesroutine, die etwa wie folgt ausschaute:

06.45 Tagwache
07.30 Training im Bali Fit
08.30 Proteinshake am Pool
10.30 Yin Yoga im Bali Fit
12.00 Frühstück / Lunch
14.00 Entspannen am Pool oder in der Massage
18.15 Yoga
20.00 Abendessen

Das Bali Fit wurde eine Art zu Hause für uns und wir waren begeistert von den Coaches. Mark, Clare, Lucy und Rachel brachten uns viel bei und forderten uns gewaltig. Vor allem die metabolischen Trainings-Sessions hatten es in sich, brachten uns regelmässig ans Limit und wir litten teilweise gewaltig an Muskelkater. Wir freundeten uns im Bali Fit mit anderen "Leidensgenossen" an. Vor allem Declan und Rommer sind uns schnell ans Herz gewachsen.

Canggu haben wir dann tatsächlich noch für einen Abend verlassen. Den Geburtstag von Rapha wollten wir am Strand von Seminyak feiern. Hier hatten wir bei unserem letzten Bali-Besuch im Restaurant Gado Gado eines der besten Desserts aller Zeiten gegessen. Zwar erkannten wir den Ort (wurde zugebaut) und das Restaurant (wurde umgebaut) nicht wieder, aber die Nachspeise schmeckte wirklich noch genauso gut wie anno dazumal.

Etwas weniger Glück hatte ich ein paar Tage später beim Verspeisen eines Fischgerichts. Bereits im Restaurant fing ich an zu schwitzen, bekam Herz-Rasen, rote Augen und komische Verfärbungen am ganzen Körper. Ich schaffte es gerade noch zurück ins Hotel, wo mich Rapha mit kalten Umschlägen und einem Antiallergikum wieder aufpäppelte. Der ganze Spuck dauerte ca. drei Stunden und dann war zum Glück wieder alles in Ordnung.

Nach knapp einem Monat mussten wir Canggu und unsere neu gewonnen Freunde schweren Herzens verlassen. Wir hatten das Visum bewusst nicht verlängert und uns einen Weiterflug über Kuala Lumpur nach Koh Samui gebucht. Nach einem letzten Training überreichte uns Mark noch ein "Training for Warriors" Armband mit der Bemerkung "we don’t sell it, you have to earn it"!

Es ist anzunehmen, dass viele Leser diese Art des Zeitvertreibens im Inselparadies nicht nachvollziehen können (mein Mammi benutzte das Wort "Kasteien"). Für uns war es aber gegen Ende unserer langen Reise genau das Richtige. Und da wir Bali schon mal bereisten, hatten wir deshalb auch nicht das Gefühl, dass wir etwas verpassen. Bali übte eine ganz eigene Magie auf uns aus, die sich schwer in Worte fassen lässt. Es ist definitiv ein Ort, mit dem uns sehr intensive Gedanken verbinden und wir sind fast sicher, eher früher als später wieder hierhin zurück zu kehren.

Bali Klassiker

East Coast, Neuseeland - 24. März bis 3. April 2016

(Video)

Wir waren etwas angeschlagen von der Marathon-Wanderung vom Vortag und gönnten uns eine erholsame Nacht auf dem Holiday Park Campground in Invercargill. Allerdings war es mit der Ruhe schnell vorbei, als sich Hani, unser AirBnB Gastgeber aus Auckland, bei uns meldete. Er hatte nämlich Post für uns bekommen und nun, nach der dritten scharfen Mahnung, endlich daran gedacht, uns zu kontaktieren. Die ursprüngliche Forderung von 45 NZD belief sich durch Mahngebühren und Inkassospesen inzwischen schon auf 100 NZD. Wir hatten keine Ahnung, wofür wir belangt werden sollten. Also riefen wir sofort beim Inkassobüro an, wo man uns auf die Sprünge half. Es handelte sich um eine Parkbusse vom 28. Januar, eingefangen in Dunedin. Da wir das Auto erst eine Woche später gekauft hatten und wir bis anhin noch gar nicht in Dunedin waren, war schnell klar, dass wir das Knöllchen von unseren Vorgängern «geerbt» hatten. Das interessierte die Dame am anderen Ende der Leitung aber leider nicht die Bohne. Erst unser Besuch bei der kostenlosen Rechtsberatung (bitte die Wortkombination «kostenlos» und «Rechtsberatung» mal kurz wirken lassen) und zwei weitere Telefonate brachten die Hyänen zur Räson.

Nach getaner Arbeit verliessen wir Invercargill in Richtung Catlins. Wir fuhren über die «Scenic Route» zur Curio Bay, wo wir Delphine und mit viel Glück sogar einen der seltenen «Yellow-Eyed» Pinguine beobachten konnten. Der Zeltplatz an der Curio Bay war fantastisch (vielen Dank Mel C. aus B. für den Tipp). Auf der Fahrt durch die Catlins machten wir kurze Spaziergänge entlang der Strasse zum Slope Point (der südlichste Punkt Neuseelands, mit seinen lustigen, vom Wind frisierten Wäldern), den McLean Falls (wunderschöner Wald), dem Lost Gipsy Bus (ein Sammelsurium skuriler Bastlereien und Sammlungen), den Purakaunui Falls (sahen auf dem Prospekt besser aus als in Echt) und dem Nugget Point (wunderschöner Leuchtturm hoch über den Klippen). Ich fand diesen «Stop-and-go»-Reisestil ziemlich anstrengend. Aber die wilde Küste hier ist schon etwas ganz Spezielles und steht in krassem Gegensatz zur Golden Bay auf der anderen Seite der Insel.

Nach so viel Wildnis haben wir uns in Dunedin wieder einmal in einem Hostel einquartiert. Da gerade Karfreitag war, lief in der ganzen Stadt rein gar nichts. Also tranken wir in der Küche eine Flasche Wein und freundeten uns mit Juli und Connor an. Mit Juli machten wir am nächsten Morgen einen kleinen Stadtbummel und besuchten den Farmers-Market am Bahnhof. Unterwegs habe ich noch den Eingang zum Club gesehen wo F.K. nun aus V. und ich vor 12 Jahren rausgeworfen worden sind. So viele tolle Erinnerungen hier an jeder Ecke. Am Nachmittag sind wir auf die vorgelagerte Halbinsel Otago gefahren und danach haben wir uns in der Spights Brauerei etwas Währschaftes gegönnt.

Am Ostersonntag verliessen wir Dunedin ohne konkretes Ziel. Wir fuhren der Ostküste entlang weiter nordwärts, machten bei den Moeraki Boulders halt und fuhren dann bei Oamaru landeinwärts. Die Landschaft wurde schnell wieder alpiner und beim Lake Pukaki verschlug es uns wirklich fast die Sprache. Dieser See ist so schön, dass es fast schon kitschig ist. Wir campten am Fusse des Mount Cook und machten am Morgen eine leichte Wanderung zum höchsten Berg Neuseelands (3'724 m). Danach fuhren wir zum Lake Tekapo (ebenfalls wunderschön) und anschliessend weiter Richtung Geraldine. Hier wollten wir eigentlich Mary noch besuchen (die Schwester von Andy). Aber weil wir sie nicht kontaktieren konnten, fuhren wir einfach weiter bis nach Akaroa.

Von Akarao war es nur noch ein Katzensprung nach Christchurch und ich wurde allmählich ziemlich nervös. Hier hatte ich vor 12 Jahren einen unglaublich tollen und intensiven Monat verbracht. Wir wussten natürlich, dass die Stadt seit dem verheerenden Erdbeben von 2011 nicht mehr dieselbe war. Trotzdem waren wir vom Ausmass der Zerstörung geschockt. Aber mal der Reihe nach. Ich wollte meiner damaligen Gastfamilie ein Geschenk kaufen und für F.K. aus V. bei der Laube am Fluss einen Schatz vergraben (an diesem Platz haben wir meist die Tage ausklingen lassen). Also kauften wir uns die Utensilien im Supermarkt und fuhren via Sumner (wo es noch einigermassen ok aussah) nach New Brighton. Nur konnte ich da mein altes Quartier nicht mehr finden. Ein Blick auf die Karte half mir zu verstehen, dass wir eigentlich schon am richtigen Ort waren. Nur war kein einziges Haus mehr dort und wir standen vor einer grossen Wiese, wo nur noch die betonierten Einfahrten daran erinnerten, dass hier mal Menschen gelebt haben. Die Strasse mit der Laube war komplett gesperrt und die Laube selber existierte auch nicht mehr. Uns standen die Tränen wirklich zuvorderst und wir machten uns völlig desillusioniert auf den Weg zu unserem Hostel. Am nächsten Tag wollten wir die Innenstadt erkunden. Auch hier traf mich fast der Schlag. Der Cathedral Square ist kaum wiederzuerkennen. Die Kathedrale ist zum Teil eingestürzt und die Gebäude drum herum entweder gesperrt, abgerissen oder ebenfalls eingestürzt. Es war wirklich traurig, diesen einst so lebendigen Platz so anzutreffen. Zwischen all den Bauruinen werden emsig neue Gebäude hochgezogen (sofern es die Statik erlaubt) und wenigstens war der Hagley Park noch derselbe. So versprüht die Stadt schon auch einen eigenen Charme und eine gewisse optimistische Haltung. Aber es war extrem schwierig für mich, all die schönen Erinnerungen durch die aktuellen Eindrücke überschattet zu sehen. 

Wir waren froh, als wir die Stadt wieder verliessen. Vor uns lag Kaikoura, wo wir eine Whale-Watching-Tour buchten. Per Schnellboot ging es weit raus aufs Meer und dort horchte der Kapitän mit einem Ortungsgerät den Ozean ab. Die Wale machen beim Auftauchen nämlich ein spezielles Geräusch uns so kann man dann rechtzeitig am richtigen Ort sein, wenn die dicken Fische ihre Fontänen in die Luft schiessen und mit der Flosse winken. So funktioniert es zumindest in der Theorie. In der Praxis war es dann leider so, dass wir kreuz und quer über den Ozean düsten und nirgends einen Walfisch zu Gesicht bekamen. Erst beim letzten Versuch hörte unser Stevie-Wonder-Verschnitt einen Wal. Wir sahen ihn von Weitem noch ein paar Sekunden an der Oberfläche, dann tauchte er ab und war weg. Schade. Vom Tourenanbieter gab es anschliessend 80 % des Preises zurück.

Nach dieser eher enttäuschenden Tour fuhren wir ganz in den Norden der Insel nach Nelson. In diesem schönen Städtchen verbrachten wir ein paar erholsame Tage, trafen uns nochmal mit Juli und liessen unsere Zeit auf der Südinsel gemächlich und bei ein paar Bierchen ausklingen.

Traumstrand an der Curio Bay

Wanaka, Neuseeland - 11. bis 15. März 2016

(Video)

Wir hatten mit Andy vereinbart, dass wir uns vor der Abfahrt in Franz Josef bei ihm melden würden. Dummerweise ist die ganze Westküste ein einziges, grosses Funkloch und wir konnten erst nach vier Stunden Fahrzeit mit ihm Kontakt aufnehmen. Da waren wir schon am Lake Wanaka und standen praktisch vor seiner Haustür. Andy war am Telefon wenig überraschend etwas wortkarg. Er meinte, dass er erst abends um acht Uhr zu Hause wäre. Wir entschuldigten dafür, dass wir uns nicht früher gemeldet hatten und fuhren nach Wanaka rein, um die Zeit in einem Café zu überbrücken und eine Flasche Wein als Gastgeschenk zu organisieren. Als wir im Laden standen, rief uns Andy noch einmal an und meinte, wir sollten jetzt gleich zu seinem Haus fahren, wo seine Frau Myl mit dem Abendessen auf uns warten würde… Also machten wir uns schleunigst auf den Weg. Das Haus steht etwas ausserhalb von Wanaka auf einem grosszügigen Grundstück mit tollem Garten und einer herrlichen Aussicht auf die Berge. Myl begrüsste uns herzlich und erklärte uns, dass Andy gerade als Pilot mit einer Gruppe Geologen um die Gletscher fliegt. Nun war uns auch klar, wieso er am Telefon so kurz angebunden war. Sie zeigte uns unser Zimmer und da klingelte auch schon wieder das Telefon. Erneut war es Andy aus dem Flugzeug, der wissen wollte, ob wir Lust hätten, spontan mit ihm nach Queenstown zu fliegen. Was für eine Frage! Einige Minuten später flog er mit der kleinen Maschine eine extra Schlaufe über sein Haus. Derweil sprangen wir ins Auto und fuhren zum Flughafen Wanaka, wo Andy schon auf uns wartete. Was für ein Empfang! Bei gutem Wetter flogen wir über den Crown Range Pass in rund 20 Minuten nach Queenstown. Als die Maschine im Hangar verstaut war, hatte Andy auch endlich Feierabend und wir konnten uns richtig begrüssen. Wir fuhren in seinem Wagen über den Pass zurück nach Wanaka. Bereits bei der ersten Steigung wusste ich genau, um welche Strecke es sich hierbei handelte. Hier hatte ich zusammen mit F.K. aus B. vor 12 Jahren unser Auto verloren. Die verhängnisvolle(n) Kurve(n) sahen immer noch genau gleich aus, und ich musste Andy natürlich die ganze Geschichte erzählen. Seine berechtigte Frage war nur: «What drugs did you guys take»… Wer die ganze Geschichte kennt, kann diese Reaktion sicher nachvollziehen und verstehen, dass es für mich eine sehr emotionale Sache war, so unvermittelt wieder an diesem verhängnisvollen Ort zu stehen… Zurück in Wanaka, stand auch schon ein leckeres Essen für uns bereit. Danach sind wir todmüde ins Bett gefallen. Was für ein Tag!

Am nächsten Morgen sind wir von Kinderstimmen geweckt worden. Es stellte sich heraus, dass Mary mit ihren Enkelkindern zu Besuch war. Mary ist Andys Schwester und war ebenfalls mit uns in Bolivien am Biken. Was für eine tolle Überraschung! Sie war die letzten Tage im Gebirge am Wandern und liess sich am Morgen von einem ihrer Söhne per Helikopter aus dem Outback abholen, um uns zu besuchen. Klingt vielleicht komisch, ist aber so. Andy belustigte die zwei Jungs (und auch sich selber) mit einer selbst gebastelten "Orange Gun", mit der er Äpfel und anderes Grünzeug durch die Luft schleuderte. Nach einem gemeinsamen Frühstück gingen wir mit ihm an die grösste Landwirtschaftsmesse des Landes (so eine Art Neuseeländische Olma), die zufälligerweise gerade in Wanaka stattfand. Dort sahen wir verschiedenen Wettbewerben zu und flanierten gemeinsam übers Gelände. Anschliessend besuchten Rapha und ich ein Rodeo und dann gab es auch schon wieder Nachtessen. Lammfilet... hmmmm!

Für den nächsten Tag organisierte uns Andy zwei Plätze für eine Bootstour mit Eco Wanaka Adventures auf dem Lake Wanaka. Um neun Uhr schipperten wir mit unserem Guide Chris zur Insel Mou Waho in der Mitte des Sees. Chris erklärte uns mit viel Enthusiasmus, wie hier die vom Aussterben bedrohten Wekas wieder aufgezüchtet werden und wie seine Organisation den einheimischen Waldbestand schützt. Bei jeder seiner Tour pflanzen die Teilnehmer einen Baum auf der Insel. Besonders schön und wohl auch ziemlich einzigartig war der See auf der Insel im See. Die Wekas waren sehr zutraulich und selbstverständlich pflanzen auch wir einen Baum.

Für den Nachmittag hatte uns Andy dann zwei Fully-Bikes flott gemacht. Damit steuerten wir den nahe gelegenen Deans Bank Track an, der sich wunderschön dem Hawera River entlang schlängelt. Wir sind lange nicht mehr im Sattel gesessen und die 30 Kilometer brachten uns ganz schön ausser Atem. Aber der Singletrail war toll und wir genossen den Bikeausflug sehr. Am Abend habe ich Andy dann noch beim Holzhacken geholfen, was noch anstrengender war als das Biken.

Am vierten Tag wollten wir unbedingt die Gegend noch ein wenig erwandern. Wir waren nicht sehr motiviert, weil unsere Beine vom Biken immer noch stark in Mitleidenschaft gezogen waren. Aber weil das Wetter so toll war, entschlossen wir uns spontan, auf den Mount Roy zu klettern. Die 1'200 Höhenmeter waren schon ziemlich anstrengend. Aber die Aussicht auf den See und die südlichen Alpen waren die Strapazen definitiv wert.

An unserem letzten Tag bei Myl und Andy schlug das Wetter um und es regnete den ganzen Tag. Nach dem Mammut-Programm der vergangenen Tage kam uns der Regen sehr gelegen und wir nutzten die Zeit, um endlich wieder einmal unseren Blog nachzuführen. Am Nachmittag fuhren wir in die Stadt, um auf der DOC-Info unsere Möglichkeiten für den bereits gebuchten Routeburn Track (unsere nächste Destination) zu erörtern. Die Wettervorhersage für die kommenden Tage war nämlich sehr wechselhaft und wir hatten keine Lust, diese vier- bis sechstägige Wanderung im Dauerregen zu absolvieren. Leider konnten wir an der Buchung nichts mehr ändern, da alle Hütten komplett ausgebucht waren. Wir entschieden uns deshalb, das Programm einfach zu verkürzen und nur einmal in der ersten Hütte zu übernachten. Am Abend luden wir Myl und Andy zum Abendessen in ein Restaurant ein. Es war ein toller Abend und ein würdiger Abschluss unseres Besuchs bei den Woods. Vielen herzlichen Dank an dieser Stelle für die unglaubliche Gastfreundschaft! Wir haben es sehr genossen und Wanaka hat uns unglaublich gut gefallen. Wir fragten Andy beiläufig noch, wo wir allenfalls einen Rundflug zum Milford Sound buchen könnten. Er meinte nur, dass er uns für morgen allenfalls in einer Tour unterbringen könnte und uns auf den stolzen Preis von 500 NZD pro Person ziemlich sicher einen Rabatt von 50 % gewähren könnte. Es scheint, als stünden wir derzeit wirklich auf der Sonnenseite des Lebens. Mal schauen, was der morgige Tag uns bringt…

Anfahrt auf Wanaka

Golden Bay, Neuseeland - 4. bis 7. März 2016

(Video)

Ich war ziemlich nervös, als wir Motueka in Richtung Golden Bay verliessen. Unser nächstes Ziel war nämlich das Hostel Shambhala in der Nähe der Hippie-Hochburg Takaka. Dieses Hostel war eines der Top-Highlights auf meiner Neuseeland-Reise vor zwölf Jahren. Auf der spektakulären und kurvigen Fahrt über den Pass des Mount Takaka mischte sich zur Vorfreude auch etwas Unbehagen. Ich hatte Bammel davor, dass der Ort nicht mehr die selbe, magische Wirkung auf mich haben würde und sich dadurch die tollen Erinnerungen "entwerten". Bereits fünf Minuten nach der Ankunft und einem kurzen Streifzug durchs riesige Gelände waren diese Zweifel verflogen. Das Shambhala ist immer noch ein Paradies auf Erden. Alles ist noch so, wie ich es in Erinnerung hatte. Das Haupthaus mit der Küche, der fantastische, wilde Haus-Strand, der gepflegte Garten mit der Laube und dem Teehaus, die Veranda mit der atemberaubenden Sicht aufs Meer, das Yoga-Haus auf dem Hügel und auch die Kompost-Toilette waren alle noch da und nichts ist in die Jahre gekommen. Auch John, der sich hier verewigt hat, scheint eher jünger geworden zu sein. Kein Wunder, wenn man hier lebt.

Rapha fühlte sich auch auf Anhieb wohl und wir bezogen ein Doppelzimmer, natürlich mit Meerblick. Hier genossen wir die Ruhe und Abgeschiedenheit, machten am Morgen bei der Yoga-Klasse mit, und relaxten den Tag durch. Am Abend spazierten wir jeweils zum 2 Kilometer entfernten Restaurant "Mussel Inn". Diese kultige Busch-Beiz liegt mitten im Nirgendwo und ist immer gut besucht. Hier wird bei Live-Musik hausgemachtes Bier serviert und wir tranken uns durch die Karte. Unser Favorit war Captain Cooker, ein tolles Bier! Noch märchenhafter war dann der Nachhauseweg. 20 Meter neben dem Pub führt ein Pfad in den stockfinsteren Wald hinein, wo man Glühwürmchen bestaunen kann. Den Rest des Weges liefen wir unter einem fantastischen Sternenhimmel mit der gut sichtbaren Milchstrasse und dem Kreuz des Südens. Wie konnte ich Narr nur am Shambhala zweifeln…

Nach zwei herrlichen Tagen machten wir uns auf, um dem nördlichsten Zipfel der Insel einen Besuch abzustatten. Nach einer kurzen Fahrt erreichten wir Farewell Spit. Wir waren unschlüssig, was wir dort machen sollten und entschlossen uns, einfach mal ein paar Meter am Strand entlang zu laufen. Weil die Landschaft so toll war, liefen wir immer weiter und kämpften uns mehrmals über die Sanddünen und durch das Buschgestrüpp von einer zur anderen Seite dieser schmalen Küstenzunge. Auf dem Rückweg gerieten wir in einen starken Sandsturm und mussten gegen den Wind ankämpfen. Wir waren beide ziemlich platt, als wir endlich wieder beim Parkplatz angelangt sind. Wir fuhren die wenigen Kilometer zum Wharariki Beach Holiday Camp und checkten dort ein. Auch hier wollten wir nur kurz zum Strand laufen und auch hier zog uns ein mächtiger Sandsturm entgegen. Aber angetrieben von Rapha's neuem Slogan (always go the extra mile) liefen wir noch ein paar extra Schlaufen am Strand. Zum Glück! Der Strand ist gespickt von tollen Höhlen und Dünen, welche die meisten anderen Touristen nicht zu Gesicht bekommen weil sie zu früh umdrehen. Am Ende des Tages sind wir mal wieder über 20 Kilometer gelaufen; in Flip-Flops wohlgemerkt…

Am nächsten Tag haben wir noch die steilen Klippen mit dem Leuchtturm besucht und den Farewell Spit von einem Aussichtspunkt aus bestaunt. Danach ging es zurück ins Shambhala und ins Mussel Inn. Hier könnten wir problemlos einige Wochen verbringen. Aber wir mussten weiter. Neuseeland hat noch so viel zu bieten...

Der Hausstrand vom Shambhala

Tongariro NP & Wellington, Neuseeland - 21. bis 25. Februar 2016

(Video)

Mit ein paar Tagen Verspätung starteten wir endlich mit unserer ersten mehrtägigen Hüttenwanderung. Ein Bus brachte uns zum Ausgangspunkt des Trecks. Wir wussten, dass wir uns den Weg während den ersten 5 Stunden mit den «Tagestouristen» vom Tongariro Crossing teilen mussten. Diese kürzere Tageswanderung gehört zu einer der Top-Aktivitäten in ganz Neuseeland. Trotzdem hatten wir nicht mit einer solchen Menschenmasse gerechnet. Die ersten Stunden hatten mit Wandern relativ wenig zu tun und wir reihten uns widerwillig in die Lemming-Kolonne ein. Der Aufstieg gleich zu Beginn war ziemlich knackig und machte uns mehr zu schaffen, als wir gedacht hatten. Mit relativ viel Gepäck beladen ist es ziemlich mühsam, wenn man nicht sein eigenes Tempo gehen kann. Zudem kamen unsere neuen Wanderschuhe erstmals zum Einsatz und wir hatten beide mit diversen Druckstellen an den Füssen zu kämpfen. Die Aussicht oben entschädigte uns aber für alles. Es hat sich definitiv gelohnt, die Wanderung zu verschieben und auf besseres Wetter zu hoffen. Bei Top-Bedingungen und klarer Sicht genossen wir den Blick ins Tal und auf die umliegenden Vulkane. Nach einem kurzen Zwipf auf dem Mount Tongariro begann auch schon wieder der Abstieg vorbei an wunderschönen, türkisfarbenen Lagunen. Dabei ist Rapha unglücklich auf dem Lawa-Geröll ausgerutscht und hat sich beim Sturz die Hand aufgeschnitten. Auch das Display der Kamera ging dabei in die Brüche. Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert. Nachdem sich unser Weg von den Tages-Ausflüglern endlich getrennt hatte, machten wir eine Mittagspause an einem kleinen See. Endlich kehrte Ruhe ein! Wir wanderten noch rund 2 Stunden durch ein wunderschönes Tal und kamen gegen fünf Uhr in der Oturere Hut, unserer ersten Hütte, an. Die Unterkunft war sehr spartanisch eingerichtet und wir bezogen ein Bett direkt in der Küche/Aufenthaltsraum. Das Tolle an so einer Hütte ohne Rückzugsraum ist, dass alles sehr familiär zu- und hergeht. Dazu trug auch der Hüttenwart Bruce massgeblich bei. Nach einer kurzen Instruktion musste sich jeder kurz selber vorstellen und so war das Eis bereits gebrochen. Da es hier keine Duschen gibt, liefen wir zu einem Wasserfall, um uns dort im kristallklaren und saukalten Wasser frisch zu machen. Nach einem feinen «Z’Nacht» (Spaghetti an Pesto) genossen wir zum Tagesabschluss den Sonnenuntergang und legten uns bereits um neun Uhr schlafen.

Nach einer sehr kalten Nacht begann unser Tag mit einem tollen Sonnenaufgang. Danach liessen wir es extrem gemütlich angehen. Heute stand nur eine leichte, dreistündige Wanderung auf dem Programm. Es blieb mehr als genug Zeit für einen Schwatz mit dem Ranger und anderen Wanderern und für ein kräftigendes Frühstück. Die Wanderung war erneut spektakulär und die Landschaft veränderte sich laufend. Bereits am frühen Mittag sind wir bei der Waihohonu Hut, unserer zweiten Unterkunft, angekommen. Diese Hütte mutete eher wie eine Berg-Lodge an und bietete grosszügige Aufenthaltsbereiche und einen wunderschönen Blick durch die riesigen Fenster auf die Berge. Wir hatten erneut nette Gespräche mit den anderen Wanderern und gönnten uns eines dieser ultraleichten und ultraschnell gekochten Gerichte zum Abendessen. Es schmeckte überraschend gut und übertraf unsere Erwartungen bei Weitem. Jemand klärte uns dann freundlicherweise noch auf, dass es sich bei dem Vulkan, den wir seit zwei Tagen umrundeten, um denjenigen handelt, indem Frodo den Ring entsorgen musste. Somit haben wir, ohne es zu wissen, die erste «Lord of the Rings»-Attraktion abgehackt. Bei den vielen Gesprächen realisierten wir wieder einmal, wie privilegiert wir sind, soviel Zeit zur Verfügung zu haben. Die meisten anderen Gäste spulten die Strecke in zwei Tagen ab und spurteten regelrecht von Hütte zu Hütte. Zeit ist eben nicht nur Geld!

Am nächsten Tag sollte das Wetter mit lokalen Niederschlägen etwas schlechter werden. Als wir starteten, begann es zu nieseln und kurze Zeit später war von den Bergen nichts mehr zu sehen. Es schüttete wie aus Kübeln. Der Wind sorgte dafür, dass wir den Regen immer frontal ins Gesicht abbekamen, ganz egal in welche Richtung wir marschierten. Nach fünf Stunden kamen wir endlich in Whakapapa Village an. Wir waren trotz guter Ausrüstung nass bis auf die Knochen und freuten uns auf die heisse Dusche auf dem Campingplatz und auf unser trockenes Schneckenhaus.

Nach einer warmen und erholsamen Nacht besuchten wir am Vormittag mit Mordor und dem Tawhai Wasserfall noch zwei andere Lord-of-the-Rings-Drehorte in unmittelbarer Nähe. Danach steuerten wir direkt nach Wellington. Unterwegs machten wir bei einem Tank-Stopp auch gleich den Öl-Check und wunderten uns nicht schlecht, wie durstig unsere Furia Roja war. Wir mussten einen ganzen Liter Öl nachschütten. Zudem musste der Kuh-Dung endlich vom Unterboden weggewaschen werden. So schickten wir Furia auch noch in die Waschstrasse. Wir haben uns beide fürchterlich erschrocken, als beim Einseifprogramm der am Heck angebrachte Rückspiegel in die Brüche ging. Aber auf den können wir zum Glück guten Gewissens verzichten.

In Wellington haben wir wieder einmal ein AirBnB gebucht. Unser Gastgeber heisst Greig und hatte ein Doppelzimmer zu unschlagbaren 30 NZD mitten in der Stadt ausgeschrieben. Greig begrüsste uns mit einem Bier. Er war total verschwitzt, weil er so kurz vor dem eintrudeln der Gäste noch alle Zimmer auf Vordermann bringen musste. Er betreibt sein AirBnB erst seit einer Woche, hat aber schon 30 Gäste beherbergt! Unglaublich. Mit seiner chaotischen und verpeilten Art wirkte er ein wenig überfordert aber absolut liebenswürdig. Die Wohnung ist übrigens eine echte Bruchbude inmitten einer Bonzen-Gegend (laut Greig «the most shitty house of the whole street»). Wir fühlten uns trotzdem wohl. Wenig später trafen mit Esther und Marc auch noch zwei bekannte Gesichter vom Tongariro Treck im selben Haus ein. Kleine Backpacker-Welt! Wir beschlossen, wieder einmal auszugehen und fanden auf Greigs Empfehlung hin einen netten Italiener im Stadtzentrum. Dabei hat Rapha versehentlich zum Apéro eine ganze Flasche Rotwein bestellt. So wurde der Abend a) teurer und b) kürzer als erwartet.

Am zweiten Tag machten wir einen Stadtbummel ins Zentrum und entlang der Cuba Street. Wir kauften uns eine neue, kleine Fotokamera als Ersatz für die zerbrochene, genossen in einem Englischen Pub je 500g Steak und schauten uns Dead Pool in einem wahnsinnig schönen Kino an. Wellington mit den vielen tollen Bars und schönen Restaurants hat uns unglaublich gut gefallen und wir haben uns vorgenommen, auf der Rückfahrt ein paar Tage länger zu bleiben.

Für den Moment hiess es aber, Abschied zu nehmen von der Stadt und damit auch von der Nordinsel. Am frühen Morgen setzten wir mit der Fähre auf die Südinsel über.


Frodo's Kletterparadies

Northland, Neuseeland - 7. bis 15. Februar 2016

(Video)

Was gibt es Schöneres, als den Tag mit einem reichhaltigen veganischen Frühstücksbuffet zu starten? Richtig: Eier, Speck, Butter, Wurst undsoweiterundsofort. Aber egal. Nach Toast und von Hippie-Händen gekneteter Guacamole verabschiedeten wir uns von Tom und Päde. Danke Euch beiden für die tolle Zeit! 

Uns blieben rund 10 Tage bis zu unserer ersten grossen Wanderung im Tongariro Nationalpark. Bis dahin wollten wir das Gebiet nördlich von Auckland erkunden. Bei schlechtem Wetter fuhren wir mit dem Fernziel Cape Reinga los Richtung Norden. Wir liessen uns treiben und steuerten am frühen Nachmittag spontan zu den Kai Iwi Lakes. Kurz vor der Ankunft drückte die Sonne durch und die Seen glitzerten fast kitschig in karibischen Blautönen. Was für ein Anblick! Spontan entschieden wir uns, die erste Nacht «on the road» auf dem Campingplatz direkt am See zu verbringen. Die Anlage war sehr spartanisch ausgestattet. Es gab nur ein WC-/Dusch-Häuschen und es nieselte praktisch den ganzen Rest des Tages. So verkrochen wir uns schon früh in unser rollendes Schneckenhaus.

Am nächsten Tag wurden wir von der Sonne wach geküsst. Nach einem Workout und einem leckeren Frühstück bepackten wir unsere Furia Roja und hielten weiter gegen Norden. Die Gegend hier ist berühmt für die mächtigen Kauri Bäume. Von denen gibt es allerdings nicht mehr allzu viele, weil die Europäer in ihrer Profitgier fast alle abgeholzt haben. Im Trounson Kauri Park und im Waipoua Kauri Forest konnten wir uns einige dieser Baumriesen anschauen. Darunter auch den mächtigsten Kauri Baum Neuseelands «Tane Mahuta» mit einem Durchmesser von 6 Metern und einer Höhe von 18 Metern. Auf der ganzen Fahrt waren wir immer wieder «geflasht» von der Natur. Alle 20 Minuten wähnten wir uns in einem anderen Land. Mal sah es aus wie bei uns auf dem Bözberg oder im Emmental mit saftigen Weiden und Kühen, mal wie im karibischen Dschungel oder wie in Kanada. Endgültig die Sprache verschlagen hat es uns, als wir die Bucht von Hokianga Harbour mit ihren Sanddünen und Mangroven erblickten. Wir fanden in Rawene einen top Campingplatz, wo wir mit netten Leuten einen geselligen Abend verbrachten.

Weil wir am dritten Tag die Fähre um ein paar Minuten verpassten, entschieden wir uns, die Bucht zu umfahren. So landeten wir versehentlich im Wairere Boulders Park, der von einem Schweizer Pärchen geführt wird. Wir wollten uns eigentlich nur mal kurz über den Ort informieren, aber Rita hat uns gleich in Beschlag genommen und wir sind erst nach 40 Minuten zum ersten Mal zu Wort gekommen. Also haben wir uns den Park fast notgedrungen und für NZD 30 auch noch angeschaut. Durch das Umfahren der Bucht und den Parkbesuch haben wir viel Zeit verloren und uns wurde schnell klar, dass wir es nicht mehr bis nach Cape Reinga schaffen würden. Als nach dem Einkauf auch noch Regen einsetzte, steuerten wir in Houhora den Wagener Holiday Park an und verbrachten einen gemütlichen Abend im überdachten BBQ-Bereich.

Tags darauf strahlte die Sonne. Wir machten Halt bei Te Paki, um uns die wunderschönen Sanddünen anzuschauen, welche sich vor der Küste auf eine Höhe von 150 Meter auftürmen. Danach erreichten wir endlich Cape Reinga mit dem malerischen Leuchtturm. Die Touristen-Massen besuchen diesen Ort in einem 11-stündigen Tagesausflug von Bay of Islands aus und haben keine Zeit für die kurze Wanderung zum Te Werahi Beach. Glück für uns. Wir hatten den vielleicht schönsten Strand, den wir je gesehen haben, ganz für uns alleine. Auf dem Weg dorthin konnten wir direkt vor der Klippe zwei Walfische beobachten, wie sie sich ihren Weg vom Tasmanischen See in den Pazifischen Ozean bahnten. Der Wahnsinn! Völlig geflasht von diesem mystischen Ort machten wir uns auf zum Kapowairua Zeltplatz an der Spirits Bay. Auch dieser Platz war einfach nur wunderschön. Wir campierten nur wenige Meter vom Strand entfernt und wurden, weil es gerade so gepasst hat, noch mit einem bilderbuchmässigen Sonnenuntergang belohnt. Dass der Tag nicht perfekt war, lag an den folgenden drei Gründen:

  1. Dem zweistündigen Kampf mit einem Sandkorn in meinem Auge, den ich jämmerlich verlor.
  2. Dem ziemlich hohen Haufen Kuhscheisse, den ich am Nachmittag überfahren hatte und der nun unter dem gesamten Fahrzeugboden klebend seine Duftwolken absonderte, sobald Furia warm wurde....
  3. Den 50 Moskitos, die sich in der Nacht durch einen 5 cm grossen Fensterspalt in unser Fahrzeug geschlichen hatten und getötet werden mussten.

Auch der nächste Tag hatte wieder viel zu bieten. Wir genossen den Morgen am Haus-Strand und sind dann wieder zurück Richtung Süden gefahren. Mit dem Rarawa Beach besuchten wir einen weiteren menschenverlassenen Strand mit schneeweissem Sand und kristallklarem Wasser an der Pazifikküste. Ganz anders präsentierte sich die Küste am 90 Miles Beach auf der anderen Seite der Insel. Die Tasmanische See ist sehr viel rauer und der Strand entsprechend wild. Auf der Karikari Halbinsel fanden wir wieder einen tollen Campingplatz direkt am Strand (Maitai Bay Camping Ground). Nach dem Badeplausch versuchten wir uns als Heimwerker und modifizierten unser Auto. Als erstes fixierten wir einen Haken an der Klappschublade unter unserem Bett, damit wir diese nicht immer von Hand hochhalten müssen. Dann fixierten wir ein Moskitonetz beim Fenster, damit die Blutfresser uns wenigstens in der Nacht in Ruhe lassen und zu guter Letzt befestigte ich eine Halterung für die Action Cam. Wir sollten unser Auto im Anschluss an unsere Reise nach Europa verschiffen und damit die zahlreichen Tuning-Veranstaltungen aufsuchen. Damit wir auch diesen Tag nicht als perfekt abbuchen konnten, hatte Rapha die glorreiche Idee, sich aufs offene Sackmesser zu setzen. Sie hat sich dabei die Schere ziemlich wüst in den Hintern gerammt. Die Wunde konnten wir aber ganz gut selbst versorgen: Es sah zum Glück schlimmer aus, als es tatsächlich war.

Eigentlich wollten wir am nächsten Tag weiterfahren. Aber uns gefiel es so gut, dass wir noch einmal hier übernachteten. Wir genossen einen gemütlichen Tag am Strand und konnten die Erlebnisse der letzten Tage ein wenig sacken lassen. Mit unseren Nachbarn, einem Rentnerpärchen aus Affoltern a.A. verstanden wir uns prächtig und wir liessen den Tag bei einem gemeinsamen Apéro ausklingen.

Nach einem gemütlichen Morgen machten wir uns auf zu der Bay of Islands. Eines der Top-Highlights im Norden. Leider war die Wettervorhersage für die nächsten Tage schlecht und so entschlossen wir uns, auf eine teure Kreuzfahrt zu den Inseln zu verzichten. Wir machten stattdessen eine kleine Wanderung zu den Haruru Falls. Hier war wieder einmal der Weg das Ziel. Ein fantastischer Pfad schlängelte sich der Bucht entlang durch Wälder und Mangroven zu einem (mikrigen) Wasserfall. Den Rest der Zeit nutzten wir für organisatorische Sachen (Blog, Reiseplanung, Finanzen nachführen etc.) und zum Ausspannen in der Lobby. Wir hatten die letzten 7 Tage ja kein Internet. Einen Umstand, den wir sehr genossen. Auch hier auf dem Zeltplatz in Waitangi muss man sich 1 GB für 24 Stunden Wifi für fünf Dollar extra kaufen.

Am Montag haben wir uns in Hamilton mit Mario verabredet. Wir verliessen Northland und trafen Mario und seine Freunde Céline und Danny 360 km weiter südlich in einem Motel etwas ausserhalb der Stadt. Es wurde ein gemütlicher Abend mit viel Bier und guten Gesprächen. Danke Mario für die tolle Zeit auf dieser Seite der Erde. Du bist ein super Kerli und ich hoffe, der Reisevirus hat Dich so richtig gepackt :-)

Wollten joggen gehen, sieht nach Regen aus.

Bangkok, Thailand - 14. bis 18. Januar 2016

Und da war es schon wieder Zeit, aufzubrechen! Wir freuten uns auf das quirrlige Bangkok. Mit British Airways ging es zuerst nach London. Der Weiterflug verspätete sich dann allerdings um 5 Stunden, da unsere Maschine aus technischen Gründen ausgewechselt werden musste... langsam gewöhnen wir uns dran...

Sevi's Eltern schenkten uns zwei Nächte im Siam@Siam Boutique Hotel Bangkok, was normalerweise nicht in unserem Langzeit-Reisebudget liegt. Wow, war das Zimmer schön! Und die Aussicht auf das National Stadium erst! Als wir um die Mittagszeit im Hotel ankamen, wollten wir uns eigentlich nur kurz hinlegen, fielen aber beide in einen komatösen Schlaf. Wir sind gar nicht mehr richtig wach geworden und haben uns abends lediglich eine Kleinigkeit zu Essen aufs Zimmer bestellt. Dafür waren wir um 5 Uhr in der früh beide hellwach. Und weil wir uns eh vorgenommen hatten, wieder was für unsere körperliche Fitness zu tun, standen wir bereits um 6 Uhr im hoteleigenen Fitnessraum. Die Bewegung tat gut - und das reichhaltige Frühstücksbuffet hatten wir uns auch gleich dazuverdient. Den restlichen Tag verbrachten wir im Infinity Pool und gönnten uns eine klassische Thai-Massage. Wenn schon, denn schon!

Am Abend trafen wir uns mit Corinne, Marco und ihren Drillingen Lili, Emma und Carlos zum Essen in einer Strassenküche. Wir wussten bereits vorher, dass die Familie Urlaub in Thailand macht und wir uns zur gleichen Zeit in Bangkok aufhalten. Toll, hat das mit dem Treffen geklappt! Wir staunten nicht schlecht, wie gut die Kleinen mit der Stadt, dem Klima und dem Essen zurecht kamen! Als krönender Abschluss gönnten Sevi und ich uns noch einen (überteuerten) Drink auf der Dachterrasse unseres Hotels und genossen die Sicht auf die Stadt.

Leider waren wir am nächsten Morgen wieder so früh wach. Jetlag lässt grüssen! Wir nutzten die Gelegenheit, statteten dem Fitnessraum und dem Pool einen frühmorgendlichen Besuch ab und genossen den ruhigen Vormittag. Dann mussten wir auch schon wieder auschecken und zum Flughafen Dong Mueang fahren, von wo unser Weiterflug über Kuala Lumpur nach Sydney startete. Soweit klappte alles wunderbar, wir fanden uns zurecht und standen gutgelaunt am Check-in, als uns die zierliche, junge Dame am Schalter mitteilte, dass sie uns leider heute nicht in den Flieger nach Australien einsteigen lassen kann.... Grund dafür war das fehlende Visum, dass wir vergessen hatten zu beantragen.... wie peinlich! Da wir früh genug am Flughafen waren, beantragten wir das Visum gleich sofort online - aber die Bearbeitung eines Antrages kann 24 Stunden dauern. So mussten wir, als klar wurde, dass wir den Flug verpassen würden, uns auf einen Plan B einstellen. Also informierten wir unsere Unterkunft in Sydney und fanden gleich ein günstiges Hotel in der Nähe des Flughafens, wo wir uns für die Nacht einquartierten. Wir hatten ein riesiges Zimmer, es gab super leckeres Essen und wir genossen den zusätzlichen Abend in Bangkok.

Zum Frühstück war dann auch unser australisches Visum da. Juhui! Also los zum Flughafen, Flug umbuchen und abfliegen. Soweit unser Plan. Die nette Dame am Schalter hatte uns nämlich am Vortrag versichert, das ginge problemlos, wir müssten lediglich eine Bearbeitungsgebühr bezahlen. Supi. Als wir dann erneut am Schalter von Air Asia standen, war das Mädel nicht mehr dasselbe und wir mussten unsere Geschichte von vorne erzählen. Die Dame wollte dann den vollen Differenzbetrag haben. Als wir nämlich im letzten Herbst diesen Flug buchten, war das ein super Schnäppchen und der aktuelle Preis für die Strecke Bangkok - Sydney belief sich aktuell auf das Dreifache! Konkret wollten Air Asia von uns zusätzliche USD 1'500 kassieren! Dann kam noch dazu, dass sie an diesem Tag gar nicht flogen... will heissen, nochmal eine Nacht Bangkok. Wir waren erst mal schockiert, liessen aber nicht locker. Nach ca. 1 Stunde hin und her wurde der Supervisor hinzugezogen und kurze Zeit später erhielten wir neue Tickets für den folgenden Tag für USD 200! Wir bezahlten also nur die sogenannten Umtriebskosten und waren total happy über soviel Glück im Unglück.

Wir entschlossen uns, die nun hoffentlich wirklich letzte Nacht im Zentrum von Bangkok zu verbringen. Wir fanden eine günstige und gute Unterkunft an der Ram Buttri Road und verbrachten dann den Abend an der Khaosan Road. Länger würden wir das da auch gar nicht aushalten - zu touristisch. Am nächsten Morgen frühstückten wir gemütlich und fuhren (zum Dritten mal innert 3 Tagen) zum Dong Mueang Flughafen. Australien, wir kommen (jetzt)!

Air Asia, die Holzklasse unter den Airlines, empfing uns mit einer der ältesten Maschine ihrer Flotte. Bis nach Kuala Lumpur ging das ja gerade noch. Aber die 8 Stunden von Kuala Lumpur nach Sydney sassen wir eingepfercht in Sitzen, die auf kleine Asiaten zugeschnitten sind - und selbst die haben kaum Platz. Bildschirme gab es keine und somit keinerlei Unterhaltungsprogramm. Das Essen war schlicht ungeniessbar und die Getränke nicht im Flugpreis inbegriffen. Augen zu und durch! An Schlaf war leider nicht zu denken - unter solchen Bedingungen hilft nicht mal mehr Dormicum! Aber wir wollen hier nicht meckern - schliesslich war - und blieb - dies ein Budgetflug :-)

Bangkok

Home Sweet Home, Schweiz - 17. Dezember 2015 bis 13. Januar 2016

Als wir für unseren Rückflug in Rio einchecken wollten, war der Schalter von Iberia nicht geöffnet und die Menschenschlange bereits riesig. Zum Glück hatten wir online eingecheckt und konnten uns deshalb beim Priority Desk einreihen. Aber auch hier ging es nicht vorwärts. Irgendwann sickerte durch, dass unser Flug ausfallen würde. Eine offizielle Information gab es aber nicht. Wenigstens wurden jetzt die Schalter besetzt und die Passagiere manuell abgefertigt. Weil immer noch nicht informiert wurde, flippten einige Personen komplett aus und wären wohl handgreiflich geworden, wenn nicht das Sicherheitspersonal noch rechtzeitig eingeschritten wäre. Nach elend langer Wartezeit konnten wir den armen Iberia-Mitarbeiter am Schalter überzeugen, uns auf den Flug von British Airways via London umzubuchen. Wir hatten grosses Glück und sollten schlussendlich nur 5 Minuten später als ursprünglich geplant in Zürich landen. Nachdem wir das ganze Check-In Prozedere hinter uns gebracht hatten, fanden wir am Gate endlich Zeit, unsere Familien über die Änderungen via WhatsApp zu informieren. Fix und fertig setzten wir uns ins Flugzeug. In London Heathrow realisierten wir, dass der ausgefallene Flug in der Schweiz registriert worden ist, unsere WhatsApp-Nachrichten aber offensichtlich nicht angekommen sind. In diversen Chats wurde geschrieben, dass wir wohl nicht wie geplant in Zürich eintreffen werden. Wie wir nachträglich mitbekamen, wurde just an jenem Abend in Brasilien ein WhatsApp-Streik durchgeführt. Weil Andy (er flog etwas früher als wir über Porto) unsere Nachrichten in Rio noch erhalten hatte und er auch in einem der Chats dabei war, konnte er die Situation zum Glück rechtzeitig klären. So konnten wir uns nach all dem Chaos doch noch über einen tollen Empfang am Flughafen Kloten freuen. Es war fantastisch, so viele Familienmitglieder und Freunde nach so langer Zeit wieder zu sehen. Vielen herzlichen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt! Wir haben uns wahnsinnig darüber gefreut.

Nach einem Apéro am Flughafen mit Champagner und Mandelgipfeli (vielen Dank dafür Mammi!), sind wir dann mit unserem Chauffeur Poletti zu meinen Eltern gefahren. Hier quartierten wir uns für die nächsten Wochen ein. Allerdings hielt es uns nicht lange dort. Bereits am nächsten Tag wollten wir unsere Freunde treffen, um unser Wiedersehen zu feiern. Rapha organisierte einen Mädels-Abend in Baden mit leckerem Fondue und ich konnte einen feuchtfröhlichen Abend in meiner geliebten Hallte mit vielen Freunden geniessen. Tags darauf fuhr Rapha in die Innerschweiz, wo sie einige Tage mit Familie, Freunden und ihrem Göttibueb Matteo verbrachte. Ich fuhr nach Flims zu Tom’s Geburtstag. Nach zwei Partys in den ersten zwei Tagen war ich danach erst einmal fix und fertig. Ich genoss ein paar geruhsame Tage mit meinem Vater (Mammi war in Dresden). Es folgten die Weihnachtsfeiern mit meiner Familie in Brugg, bei Rapha’s Familie in Altdorf und tags darauf in Sissach. Dabei lernten wir auch viele neue Menschen kennen. Es war nämlich ein sehr kinderreiches Jahr und wir sahen die kleine Mila, den kleinen Dan und den noch kleineren Luca zum ersten Mal. Auch den Nachwuchs von Maasssarahti (vielen Dank für den super Brunch) und Don Miguel (dem liefen wir zufällig in Zürich über den Weg) lernten wir in den folgenden Tagen kennen.

Auch in den Tagen nach Weihnachten platzte unsere Agenda aus allen Nähten. Rapha blieb noch ein paar Tage in Sissach und ich freute mich auf das traditionelle Raclette-Essen in der Halle. Zwischendurch machten wir noch die letzten Einkäufe - diverse Ausrüstungsgegenstände mussten dringend ersetzt werden – und erledigten Bürokram (Steuern, Blog, Rechnungen, Videos und Fotos ausmisten…). Am Silvester waren wir bei Tami und Dome eingeladen. Wir genossen einen gemütlichen Abend bei leckerem libanesischem Essen und gingen anschliessend nach Baden wo wir Ruth, Schlatti, Flo und Mario pünktlich zum Korken-Knall trafen. Anschliessend besuchten wir noch ein Konzert im altehrwürdigen Royal. Dort sah ich Mättu, die Hurricanes-Goalie-Legende, zum ersten Mal seit Jahren wieder. Zufällig war sein Bruder Silvan auch da. Der wohnt nämlich unterdessen in Sydney und wir werden ihn in ein paar Wochen dort besuchen. Zufälle gibt’s!

Nach Silvester wurde es dann endlich etwas ruhiger. Rapha machte sich erneut auf, ihre Familienangehörigen in der ganzen Schweiz zu besuchen. Vorher kontrollierte sie noch die Jahresabschlüsse für den weltgeilsten Verein «Mini-Z Racing Team Switzerland» und schrieb den Revisionsbericht. Derweil hielten wir die jährliche GV ab und ich organisierte mit Gesi zusammen die Geburi-Sause für Samstag. Wir liessen uns wieder mal nicht lumpen und kauften Alk in rohen Mengen zusammen. Die mittlerweile legendäre Party war wieder einmal ein voller Erfolg und wir feierten bis in die frühen Morgenstunden. Auch hier ein herzliches Dankeschön an alle die dabei waren.

Es folgten noch drei Abschiedsessen in Folge. Am Sonntag mit Tami und Poletti im roten Haus, am Montag bei Käthi und Fabi beim leckersten Tischgrill, den wir je hatten und am Dienstag mit meiner Familie im Gotthard. Dann hiess es bereits wieder Abschied nehmen. Die Zeit verging wie im Flug und wir genossen es sehr, so viele von euch endlich wieder zu sehen. Danke für die Zeit und die Gespräche!

Wie es war, "Urlaub" zu Hause zu verbringen? Total schräg! Wir hatten beide das Gefühl, gar nie weg gewesen zu sein. Das hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt, aber es spricht für die Freundschaft, wenn man nach so langer Zeit, praktisch nahtlos wieder ansetzen kann. Man kann sich auch vorstellen, dass uns bei diesem Monsterprogramm schlicht die Zeit gefehlt hat, um das Erlebte zu verarbeiten. Daneben war es auch einfach super entspannend, mal keine neuen Eindrücke verarbeiten zu müssen. Wir konnten unsere Batterien vollständig aufladen und freuen uns nun auf neue Eindrücke und komplett andere Kulturen auf der anderen Seite der Erde. Neben Familie und Freunden haben wir vor allem die lokale Küche vermisst. Hier haben wir in den letzten Wochen praktisch nichts ausgelassen (es gab: Gschwällti mit Chäs, Wurst- und Käsesalat, Fleischvogel, Bals Kebab, Fondue, Raclette, Cervelat, Cordon-Bleu, Brätchögeli mit Herdöpfelstock, Zopf, Gipfeli…)

Unseren Eltern danken wir von ganzem Herzen für Ihre Unterstützung. Ohne Euch wäre dieses Abenteuer nicht möglich. Es war schön, so viel Zeit mit euch zu verbringen und ihr habt uns unglaublich gut verköstigt. Wir freuen uns schon auf nächsten Sommer. Aber jetzt geht es zuerst einmal weiter nach Bangkok.

Welcome "Home"

Rio de Janeiro, Brasilien - 10. bis 16. Dezember 2015

(Video)

"Ist es tatsächlich möglich, dass die 11 Monate in Südamerika schon bald um sind?" Wir wollten es kaum glauben. Mit gemischten Gefühlen machten wir uns auf den Weg nach Rio de Janeiro, wo wir uns mit Andy treffen wollten. Einerseits freuten wir uns auf ihn, auf die gemeinsame Woche in Rio und auf Weihnachten zuhause, andererseits war das alles irgendwie unbegreiflich und surreal.

Mal abgesehen von dem Gedanken-Karussell verlief die Fahrt nach Rio problemlos. Nach knapp 4 Stunden erreichten wir den Stadtteil Copacabana und fanden auf Anhieb die Adresse, wo wir für die kommende Woche ein Appartement gemietet hatten. Nur leider wussten wir die Wohnungsnummer nicht und der Portier nahm es da sehr genau. Mit den paar Brocken portugiesisch kamen wir leider nicht weit und der gute Herr war so gar nicht kooperativ.Nachdem er uns 10 Minuten auflaufen liess gelang es uns irgendwie, ihm mit Händen und Füssen klar zu machen, wer wir sind und was wir wollten. Die Wohnung liegt im 10. Stock, ist  hell und gross, an super Lage und ideal für 3 Personen.

Nach einer kleinen Verschnaufpause erkundeten wir die nähere Umgebung und assen an der Copacabana eine Kleinigkeit. Am Abend machten wir uns dann auf den Weg zum Flughafen, um Andy abzuholen. Der landete zwar pünktlich in Rio, musste aber eine Ewigkeit auf sein Gepäck warten. So sind wir erst nach Mitternacht vom Flughafen weggekommen. Es reichte gerade noch für ein Willkommens-Bierchen, bevor wir alle drei müde ins Bett fielen.

Am nächsten Tag ging's dann gleich in die Vollen: Es war schön und heiss, und so spazierten wir der Copacabana entlang, wo uns dann zufällig Belinda über den Weg lief. Nach einem Begrüssungs-Caipirinha entschlossen wir, das schöne Wetter auszunutzen und gleich zu viert den Zuckerhut zu besuchen. Die Aussicht von da oben ist einfach traumhaft! Man bekommt einen wunderbaren Gesamteindruck von der Stadt. Später fuhren wir dann an den Strand von Ipanema und verpassten vor lauter Caipirinha den Sonnenuntergang!

Tags darauf schauten wir uns die Innenstadt an. Die Hitze - es war an die 35° C - und die allgemeine Katerstimmung setzten uns ganz schön zu. Und so beschlossen wir, frühzeitig in die etwas kühlere Wohnung zurückzukehren. Am Abend setzte ein heftiges Gewitter ein, was uns aber nicht davon abhielt, fürs Abendessen in strömendem Regen in die nahe gelegene Churrascaria zu laufen. Zurück im Appartement, fielen wir satt und müde in einen komatösen Schlaf.

Am dritten Tag (es war Sonntag) wurde eine Demonstration erwartet und so beschlossen wir, uns nicht an der Copacabana aufzuhalten sondern mit der Fähre nach Niterói rüberzufahren. Es war noch heisser als am Vortag und der kleine Spaziergang entpuppte sich als eine echte Herausforderung. Zurück in der Innenstadt besuchten wir nur noch rasch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten wie die Kathedrale und das Aquädukt - mehr lag wegen der Hitze nicht mehr drin.

Sevi und Andy gingen am Montag ohne mich in die Favela von Santa Marta. Ich hatte mich erkältet (wahrscheinlich wegen den Klimaanlagen überall) und musste passen. Am Abend fühlte ich mich etwas besser. Andy schickte uns zwei alleine ins Restaurant und so gingen Sevi und ich nochmal in der Churrascaria essen und setzten uns später mit einem Caipi an den Strand.

Am Dienstag war ich dann auch wieder voller Tatendrang und zu Dritt fuhren wir per Taxi und Minibus auf den Corcovado zur Christus-Statue "Cristo Redentor". Es war wahnsinnig heiss und es hatte wahnsinnig viele Leute auf der Plattform - im Gegenzug war aber die Aussicht wahnsinnig beeindruckend :-) Anschliessend "schleppten" wir uns noch zur Escadaria Selarón, dieser bekannten Fliesentreppe im Stadtteil Santa Teresa. Den Abend verbrachten wir wieder bei Caipirinha am Strand von Ipanema. Und diesmal verpassten wir den fantastischen Sonnenuntergang nicht! 

Die Woche ging extrem schnell vorüber und schon mussten wir zusammenpacken. Auf diesen Tag konnte ich mich irgendwie nicht vorbereiten. Der Gedanke ans Heimfliegen raubte mir für einen kurzen Moment beinahe den Atem. "Wie bitteschön kann es denn sein, dass das Jahr schon um ist???" Und schon im nächsten Moment freute ich mich riesig, Familie und Freunde endlich wieder zu sehen. Ein Wechselbad der Gefühle. Andy, Sevi und ich fuhren in einer unglaublich langen Taxifahrt (wir benötigten wegen dem vielen Verkehr satte 2,5 Stunden) zum internationalen Flughafen. Da Andy über Portugal und wir über Spanien flogen, verabschiedeten wir uns. Für Andy lief ab da alles rund. Sevi und ich mussten noch ein paar Stunden ausstehen, da unser Iberia-Flug nicht durchgeführt werden konnte. Nach vielen Stunden ungewissem Rumstehen und warten wurden wir dann zum Schluss auf British Airways umgebucht und konnten kurz nach Mitternacht endlich in den Flieger steigen. Und so verliessen wir am 17. Dezember nach 11 Monaten diesen wunderbaren Kontinent. Mir war gleichzeitig zum Heulen und zum Lachen zumute.

Copacabana
(Foto: Andreas Fässler)

Paraty und Ilha Grande, Brasilien - 30. November bis 9. Dezember 2015

(Video)

Die vorerst letzte lange Busreise auf diesem Kontinent führte uns zuerst für einen kurzen Zwischenstopp nach Sao Paulo. Die rund 20-stündige Fahrt verbrachten wir ganz unverhofft recht komfortabel - wir hatten nämlich ohne es zu wissen "Cama" gebucht - sehr breite und bequeme Sitze, die sich beinahe flach herunterklappen lassen. So schliefen wir ein paar Stunden und trafen am nächsten Tag gegen Mittag am Busbahnhof von Sao Paulo ein. 

Der nächste Bus nach Paraty fuhr erst um 16 Uhr. Wir mussten also ein paar Stunden totschlagen und unsere Gastgeberin informieren, dass wir erst spät abends eintreffen würden. Wir kamen bei strömendem Regen gegen 22 Uhr an. Zum Glück holten uns Rejane und Lily am Busterminal ab. Wir waren nicht sicher, ob das uralte, rostige und lottrige Fahrzeug, in das wir einstiegen, es überhaupt noch 10 Meter schafft... zumal die unbefestigten Strassen in einem miserablen Zustand waren. Durch die starken Regenfälle der vergangenen Tage stand alles knöcheltief unter Wasser. Doch wir kamen heil in der Unterkunft an. Die schöne Anlage mit zwei Bungalows und einer Aussenküche steht etwas ausserhalb von Paraty und ist von tropischen Pflanzen und einem Teich umgeben. Ein Paradies - leider auch für Moskitos! Besonders bei diesem Wetter! Was für ein Glück, dass wir unser Moskitonetz dabei hatten. Wiedermal waren wir froh, es die ganze Zeit mitgeschleppt zu haben.

Da unsere Gastgeberin Rejane am nächsten Tag überstürzt abreiste, um irgendwo eine private Angelegenheit zu klären, kümmerte sich derweil Lily um uns. Sie holte uns am nächsten Tag ab und wir fuhren gemeinsam in der Schrottlaube ins Örtchen. Da es bald wieder zu regnen begann, brachen wir den Rundgang jedoch frühzeitig ab und gingen nur noch rasch einkaufen. Die kommenden Tage schüttete es ununterbrochen wie aus Kübeln. So verbrachten wir die meiste Zeit auf der trockenen Veranda und genossen die Ruhe - wir waren nämlich die einzigen Gäste und Rejane war ja auch nicht da. Dafür aber ihre Haustiere: 3 Hunde und geschätzte 12 Katzen kamen immer mal wieder bei uns zu Besuch oder verbrachten die Tage bei uns.

Bald schon hatten wir dann aber genug vom Rumhängen und Nichtstun und waren froh, abzureisen. Zum Glück holte Lily uns wieder ab und fuhr mit uns zum Busbahnhof. Die Strassen im Quartier standen inzwischen nämlich komplett unter Wasser und überall bildeten sich schlammige Seen. Wir wollten als nächstes auf die Ilha Grande - mit ihren über 80 Stränden eine der bekanntesten Inseln Brasiliens. Mit dem Bus ging es zuerst in 2 Stunden nach Angra dos Reis und von da in einer 40-minütigen Bootsfahrt rüber auf die Insel. Der Himmel war zwar nach wie vor bedeckt, aber es regnete nicht! Wir hatten wieder AirBnB gebucht. Diesmal bei Paulo in Vila do Abraão, dem Hauptort der Insel. Wir wurden herzlich begrüsst und gleich mit den wichtigstens Infos und Tipps versorgt. Den Nachmittag und Abend verbrachten wir dann am Strand bei (zu) vielen Caipirinhas und einem leckeren Abendessen (es gab brasilianischen Fischeintopf "moqueca de peixe"). 

Tags darauf schien endlich wieder mal die Sonne! Nachdem uns Paulo ein super Frühstück zubereitet hatte, fuhren wir mit einem Boot in den Südosten der Insel und gingen von da aus zu Fuss an den knapp 2,5 km langen Sandstrand von Lopes Mendes. Wunderschön! Am Abend trafen wir uns wieder mit Belinda, die wir bei den Wasserfällen kennengelernt hatten. Wir gingen schön was Essen und Caipi trinken. Eigentlich waren Belinda und ich danach so richtig in Partylaune. Aber Paulo wollte uns unbedingt zuhause noch seine Version von Caipirinha zubereiten. Der Abend endete damit, dass wir uns auf der Couch (langweilige) Youtube-Videos reinzogen und danach keiner mehr so richtig Bock auf Ausgang hatte. Gingen wir halt ins Bett. Spät genug war es.

Auch am nächsten Tag war das Wetter ganz ok und wir machten eine wunderbare, halbtägige Bootstour. Zurück bei Paulo, lud der uns zum Grillieren ein. Der Abend endete leider damit, dass Paulo zu einem elektrischen Notfall gerufen wurde, wir mit seinen Gästen alleine blieben und die Würste auf dem Grill dem schweren Gewitter, welches einsetzte, zum Opfer fielen.

Die nächsten Tage regnete es wieder und so unternahmen wir nicht mehr wirklich viel. Ich hatte nochmal einen netten Abend mit Belinda, bevor sie nach Rio weiterfuhr. Am letzten Tag unternahmen Sevi und ich einen kleinen Spaziergang am Strand entlang zu den Ruínas do Lazaretto und zum Aquädukt. Dann hiess es Abschied nehmen von der Insel. Wir mussten ja schliesslich pünktlich in Rio sein, um Andy vom Flughafen abzuholen.

Praia Lopes Mendes, Ilha Grande

Foz do Iguaçu, Brasilien - 27. bis 29. November 2015

(Video)

Foz do Iguaçu hat uns mit Regenwetter empfangen und wirkte nicht gerade einladend. Nach einer verhältnismässig kurzen, 14-stündigen Busfahrt aber fast ohne Schlaf sind wir total gerädert im Hostel angekommen. Unser Zimmer stand zwar noch nicht bereit, aber wir durften ohne Aufpreis die Zeit am Frühstücksbuffet totschlagen. Toller Service! Um elf Uhr konnten wir endlich einchecken und sind kurz darauf in einen komatösen Schlaf gefallen. Da konnte auch die gratis Caipirinha-Runde nichts ändern. Im Halbschlaf habe ich uns an der Tanke noch etwas zu essen besorgt, um anschliessend gleich wieder weiter zu schlafen.

Am nächsten Tag regnete es immer noch. Wir beschlossen, trotzdem zu den berühmten Wasserfällen zu fahren; ihres Zeichens UNESCO-Weltnaturerbe, Highlight jeder Südamerika-Reise und natürlich auch der Grund unseres Besuches. Die Wasserfälle liegen etwa zu dreiviertel auf argentinischem Staatsgebiet. Diesen Teil wollten wir uns zuerst anschauen. Im Bus haben wir Belinda aus Züri kennengelernt. Da sie eine Bootstour zum Wasserfall gebucht hatte und wir nicht, zogen wir getrennt los, um den Nationalpark zu erkunden. Wieder einmal hatten wir unglaubliches Glück, denn just in dem Moment, als wir beim Park angekommen sind, hörte es auf zu regnen. Wir gingen als erstes zum Teufelsschlund (Garganta del Diablo). Über eine gewagte Stegkonstruktion wurden die Touristenmassen quer über den Fluss direkt zur Kante des gigantischen Wasserfalles geleitet. Aufgrund der hohen Niederschlagsmenge in den letzten Tagen stürzte überdurchschnittlich viel Wasser die 82 Meter herab. Das war wahnsinnig beeindruckend und wir wurden durch die aufstäubende Gischt ziemlich nass. Anschliessend sind wir die zwei Wanderwege abgelaufen, bei denen sich immer wieder tolle Ausblicke auf die Fälle offenbarten. Abends um fünf sind wir beim Parkplatz wieder auf Belinda gestossen. Die ärmste musste sich komplett neu einkleiden, weil sie nach der Bootsfahrt nass bis auf die Haut war.

Zurück im Hostel liessen wir dieses Mal die Caipi-Runde nicht aus. Lucas aus Sao Paulo, der 13 Sprachen fliessend spricht, gesellte sich zu uns. Gemeinsam gingen wir in einer Churrascaria essen. Hierbei handelt es sich um ein typisch brasilianisches Lokal, bei dem man sich am Buffet mit Beilagen bedient und die Angestellten im Minutentakt mit Fleischspiessen vorbei kommen. Wenn man nicht „nein“ sagen kann, ist man nach 10 Minuten gemästet wie ein Schwein (und von dem gibt’s auch reichlich auf den Teller).

Am zweiten Tag stand noch die brasilianische Seite auf dem Programm und wir machten uns gemeinsam mit Belinda auf den Weg. Zuerst schauten wir uns den gigantischen Vogelpark an. Die meisten Tiere machten eher einen depressiven Eindruck oder sind sonst wie verhaltensgestört. Kein Wunder, da für sie kaum Rückzugsraum besteht und jeden Tag tausende von Besuchern vorbei strömen.

Nach dem Vogelpark entschloss ich mich spontan, einen Helikopterflug zu buchen. Die Wasserfälle sehen aus der Luft fast noch spektakulärer aus. Erst von oben sieht man, wie tief eingebettet im Dschungel diese liegen. Der 90 USD teure Spass war aber nach acht Minuten bereits wieder vorbei. Zu Dritt zogen wir los, die Wasserfälle noch einmal von unten zu bestaunen. Auch von dieser Seite ein riesen Spektakel.

Es blieb noch Zeit für ein gemütliches Essen direkt am Fluss. Danach brachte uns der Shuttlebus zum Hostel zurück. Belinda war so lieb und liess uns in ihrem Zimmer Duschen. Das war vor der anstehenden 27-stündigen Reise Gold wert. Vielen herzlichen Dank Belinda und auf ein baldiges Wiedersehen.

Von Colonia del Sacramento nach Punta del Diablo, Uruguay - 9. bis 15. November 2015


Ein Leben ohne Termine ist pures Glück und führt zu absoluter Entschleunigung. Dies hat sich vor allem auch auf unser Reisetempo ausgewirkt. So langsam aber sicher lief uns aber die Zeit davon! Wir mussten also dringend einen Zacken zulegen.

Mit der Fähre setzten wir von Buenos Aires, Argentinien nach Colonia del Sacramento in Uruguay über. Nach der reibungslosen Überfahrt mit Cüpli in der ersten Klasse stellten wir mit Entsetzen fest, dass die Argentinier an der Grenze ihre Pesos nicht zurück kaufen wollten und der Kurs auf der Uruguayo Seite 50 % unter dem offiziellen Bankkurs lag. Eben noch triumphierten wir über das chaotische Währungssystem, nun nervten wir uns gewaltig über den Währungsverlust. Der Ärger war allerdings schnell verflogen. Wir kontaktierten gleich nach unserer Ankunft Iseli und Claudia. Von denen wussten wir, dass sie uns entgegen reisen. Wir organisierten ein Treffen ein paar Tage später in Piriápolis und verkauften ihnen das Geld zum Vorzugskurs. So konnten alle profitieren. Nach so viel Arbeit wollten wir uns endlich das Städtchen Colonia ansehen. Wir kletterten auf den Leuchtturm und schlenderten durch die Strassen. Sehr hübsch aber auch sehr übersichtlich. Ein plötzlich aufziehender Sturm beendete unseren Spaziergang jäh. Tags darauf zogen wir weiter in die Hauptstadt Montevideo. Im Bus hatten wir high-speed-Wifi!!! Das ist hier eben Standard. Wir kamen uns ohnehin vor, wie wenn wir in einer anderen Welt unterwegs wären. Alles ist sauber hier. In den Bussen lungern keine düsteren Gestalten rum und die grüne Natur mit den Wäldern erinnerte uns stark an die Schweiz. Montevideo hakten wir auch an einem Tag ab. Wir mussten schliesslich weiter nach Piriápolis. Wir hatten uns dort nämlich doppelt verabredet. Am Nachmittag zu Kaffee und Kuchen bei einer Freundin von Rapha und am Abend mit Iseli für geschäftliche Angelegenheiten. Der besagte Deal war schnell unter Dach und Fach. Danach genossen wir einen der allerschönsten Sonnenuntergänge, den wir je gesehen haben (voll Premium halt) und ein leckeres Essen im Ort. War toll die beiden noch einmal gesehen zu haben.

Da wir ja neuerdings voll im Stress waren, mussten wir auch hier am nächsten Tag wieder weiterziehen. Als nächstes auf unserer Check-Liste: Punta del Este. Die Stadt sieht mit den Hochhäusern direkt am Strand ein wenig aus wie Miami. Da die Hauptsaison hier noch nicht begonnen hat, blieb uns das ganz grosse Touristen-Tohuwabohu zum Glück erspart. Bei unserer Ankunft kehrte das Wetter und am nächsten Tag schüttete es wie aus Eimern. Bei Rapha hat der Wetterumschwung auch gleich eine kurzzeitige Reisedepression ausgelöst. Unser neuer Reiserythmus hat das Ganze sicher noch verstärkt. Wir verlängerten im Hotel und beschlossen, drei Tage später einen Direktbus nach Florianópolis, Brasilien zu buchen, um länger am Strand zu entspannen. Am nächsten Tag besserte sich aber Rapha's Stimmung wie auch das Wetter zum Glück wieder. Wir liehen uns Velos und kurvten am Stadtstrand rum, besuchten Los Dedos (das Wahrzeichen der Stadt - eine Steinskulptur in Form einer Hand), und andere Sehenswürdigkeiten.

Für die letzten beiden Tage in Uruguay mieteten wir uns ein Auto, um die Küste noch ein wenig zu erkunden. Das war am Anfang schon komisch, nach so langer Zeit wieder am Steuer zu sitzen. Wir besuchten die Hippie-Komune in Cabo Polonio, wo wir vom Parkplatz aus in abenteuerlichen Gefährten über die Dünen zum Strand chauffiert wurden. Ein wirklich schöner Ort, indem es keine Elektrizität gibt. Auch hier steht ein malerischer Leuchtturm. Ich habe noch nie so viele davon gesehen. In Punta del Diablo fanden wir per Zufall ein wirklich tolles Hostel. Gemeinsam mir einem brasilianischen Pärchen genossen wir ein phantastisches Abendessen, bei dem wir uns mit Händen und einem wilden Mix aus Spanisch, Portugiesisch und Englisch verständigten. Funktioniert hat es wunderbar und die beiden waren sehr sympatisch. Es braucht manchmal halt wirklich nicht viel für einen gemütlichen Abend.

Tags darauf fuhren wir via Paloma und der Laguna de Rocha wieder zurück nach Punta del Este. Es blieb gerade noch genug Zeit und Geld, um ein Eis zu essen und danach das Restaurant "La Vista" zu besuchen. Es stellte sich heraus, dass  es sich hierbei um ein Dreh-Restaurant handelt, mit toller Sicht über die ganze Stadt. Ich wollte unbedingt noch eine 360 Grad-Timelapse-Aufnahme dort oben machen. Aber das blöde Ding drehte sich so langsam, dass ich nur einen Drittel davon im Kasten hatte, bevor wir die Aktion abbrechen mussten um unseren Bus noch zu erwischen. Wir rannten zum Auto runter, fuhren zum Hotel, um unsere Sachen zu packen, gaben den Wagen ab und kamen etwas verschwitzt und gestresst auf dem letzten Drücker am Busterminal an. Wie war das nochmal mit unserem neuen Reisetempo?

Colonia del Sacramento