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Koh Samui & Bankgok, Thailand - 22. bis 27. Juli 2016

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Ein kleines bisschen Wehmut schwebte schon seit geraumer Zeit mit und verstärkte sich natürlich gegen Ende unserer grossen Reise immer mehr. In ein paar Tagen würde unser Abenteuer ein Ende nehmen. Bis dahin wollten wir noch ein paar Tage Strand, Sonne und Crossfit auf Koh Samui geniessen. Wir mieteten uns erneut einen Scooter und erkundeten unseren Haus-Strand "Chaweng" ausgiebig. Hier wird einem das volle Touristenprogramm mit Strand-Massagen, aufdringlichen Verkäufern und Mövenpick-Eis geboten. Nicht so unser Ding, aber das Hotel war gut und nach zwei Tagen mussten wir auch schon wieder weiter. Per Flugzeug ging es zurück in die einzigartige und quirlige Landeshauptstadt. Wir wohnten etwas Abseits von der Touristenmeile "Khasan Road", wo ich mir zwei Mass-Anzüge für unglaublich wenig Geld schneidern liess. Die Termine fürs Anprobieren mussten wir um die Spiele der Fussball-EM planen, weil auch die Thais total fussball-verrückt sind. Nach einmal Ausmessen und einmal Zwischen-Anprobe waren die Anzüge innerhalb von nur 24 Stunden fertig; und auch die Qualität war überdurchschnittlich gut. Unglaublich! Am Abend schauten wir uns noch das Gegurke unserer Nati gegen Polen an und verloren bei Shaqiris Jahrtausend-Goal die Stimme vor lauter Schreien. Leider hat das ganze Geschrei nichts genutzt, dafür fand der Pole am Nebentisch sein Lächeln wieder.

Für die allerletzte Nacht gönnten wir uns noch ein Zimmer im Siam@Siam Hotel, wo wir im Januar bereits logierten. Weil das Wetter schlecht war, kümmerten wir uns um den Blog, verkündeten via Facebook unser SEXIT (Sevi Exit) und RAUT (Rapha Out) und genossen ein super Abschiedsessen in unserem todschicken Bunker. Für etwas Aufregung sorgte noch mein Mami. Sie hat uns erst einen Tag später zurückerwartet und so für ein wenig Verwirrung bei Angehörigen und Freunden gesorgt. Bei der Passkontrolle realisierten wir, dass wir das Visum für Thailand auf den Tag genau eingehalten haben. Zum Glück konnten wir so ohne zusätzliche Formalitäten ausreisen und pünktlich auf dem Gate eintreffen. Neben all der Schwermut machte sich nämlich allmählich auch ein wenig Vorfreude  auf die Schweiz breit.

die fleissigen Schneiderleins

Koh Tao, Thailand - 5. bis 21. Juni 2016

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Koh Tao ist die drittgrösste Insel des Samui Archipels, 21 Quadratkilometer gross und gilt bei Tauchanfängern als beliebtestes Tauchgebiet in Südostasien. Auch ich habe hier vor rund 7 Jahren meine Open-Water Tauchlizenz erworben. Weil mein rechtes Ohr seit einem Tauchunfall in Panama bereits bei geringer Druckzunahme anfängt zu pfeifen, konnten wir die Horden von "Tauchschul-Schleppern" bei unserer Ankunft am Pier getrost ignorieren.

Wir logierten ironischerweise trotzdem in einem Dive-Resort. Aus zwei Gründen haben wir uns im Ban’s Dive Resort eingebucht: Erstens wegen der zentralen Lage mitten am Sai Ree Beach und zweitens wegen den beiden Pools. Dummerweise entpuppte sich das Hotel als wahre Tauchfabrik und die Pools war praktisch ununterbrochen von Tauchern besetzt. Und als wir nach dem Check-In im "Golf-Wägeli" den Hügel hochgekarrt wurden (weit weg vom Strand), ärgerten wir uns gewaltig. Aber nur für kurze Zeit. Es stellte sich heraus, dass wir von einem Upgrade profitiert hatten und wir freuten uns über das geräumige Zimmer und den super Ausblick - ein wenig abseits vom ganzen Trubel.

Wir stürchelten sofort los, um uns beim sympathischen Schweizer Oli einen Scooter zu mieten. Damit steuerten wir als erstes einige Restaurants, Fitnesscenter und Yoga-Schulen an, um unser neues Territorium abzugrenzen. Beim Monsoon Gym kauften wir spontan je ein 12er Abo. Ich liebäugelte schon länger damit, in Thailand einmal Muay Thai auszuprobieren. Zu meiner grossen Überraschung sprang Rapha auf den Zug mit auf.

So kam es, dass wir bereits am Montag, morgens um acht, in den Genuss unserer ersten Kampfsport-Lektion kamen. Unsere Trainer hiessen Om, Si und Chang und sprachen fast kein Englisch. Das war zum Teil ziemlich drollig. "Balanbalanbalan" heisst zum Beispiel, dass man auf seine Balance achtgeben soll. Nachdem die Thais unsere Hände verbandagiert hatten, ging es bereits los. Und zwar ohne grosses Vorgeplänkel. Wir mussten als blutige Anfänger bereits Kicks, Ellbogen und alle erdenklichen Faustschläge austeilen. Das war bei der Hitze extrem anstrengend, machte aber richtig Spass. So kam es, dass wir innert zwei Wochen 16 Mal ins Training gingen. Zum Teil besuchten wir auch die High Intensive Intervall Trainings oder die Yin Yoga Kurse im Ocean Sound. Das ging zum Teil ziemlich an die Substanz. Wir hatten beide mit diversen Prellungen zu kämpfen und am Schluss waren auch die Füsse ein Problem. Aber wir waren ziemlich stolz auf unsere Fortschritte, die wir in so kurzer Zeit verzeichnen konnten.

Zwischen den Trainings erkundeten wir die Insel mit ihren vielen tollen Stränden oder gönnten uns ein paar Massagen. Besonders schön war der Kayak-Ausflug zu der Shark Island und die Schnorchel Tour rund um Koh Tao und der Nang Yuan Insel. Als tückisch erwiesen sich die Korallen. Wir haben uns beide beim Schnorcheln gewaltig die Füsse aufgeschnitten. Das haben wir dann natürlich jeden Tag im Training bei den Kicks gespürt.

Nach ein paar Wochen haben wir uns in Koh Tao wie zu Hause gefühlt. Eine Katze hat sich in unserem Zimmer einquartiert, wir hatten unsere Restaurant-Favoriten (Barracuda, Fitness Café, Coconut Monkey, Yin&Yang, La Carotte qui rit und Fizz Beachlounge) und lernten im Monsoon Gym nette Menschen kennen. Die Thais nannten uns konsequent Nico & Tim (was zu einiger Verwirrung führte) und Om nahm uns sogar mit zu einem Muay Thai Kampf ins Stadion. Auch als passiver Sportkonsument kam ich mit dem Stanley Cup, der Copa America und der Fussball-EM voll auf meine Kosten. Die Schweizer Nati metzgete sich ganz gut und qualifizierte sich für die nächste Runde. Für etwas Aufregung sorgte lediglich der Parkplatz für unseren Scooter, direkt unter einem Baum gelegen. Wir fanden es schlau, dort im Schatten zu parkieren, weil dann die Sitzfläche von der Sonne nicht so aufgeheizt wird. Nachdem wir bei der Ankunft wie immer mit dem ganzen Oberkörper die tief hängenden Äste touchiert hatten, entdeckten wir direkt über unseren Köpfen eine ziemlich grosse Schlange. Fortan bevorzugten wir Parkmöglichkeiten an der prallen Sonne, möglichst weit weg von irgendwelchem Gebüsch.

Für die letzten fünf Tage gönnten wir uns ein ziemlich edles Hotel mit privatem Pool und fantastischer Aussicht hoch über der Sai Ree Beach. Ein wunderschöner Abschluss auf dieser paradiesischen Insel.

Ankunft am Pier

Koh Phangan, Thailand - 30. Mai bis 4. Juni 2016

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Nach einem kurzen Flug landeten wir noch vor dem Mittag auf Koh Samui und organisierten gleich am Flughafen die Fähre auf die Nachbarinsel Koh Phangan. Diese Insel im Thailändischen Golf haben wir uns ausgesucht, da es hier eine gut bewertete Kiteschule gibt und wir Kitesurfen unbedingt mal ausprobieren wollten. Was wir halt nicht wussten war, ob es mit dem Wind auch hinhauen würde. Die Jahreszeit ist dafür eher ungünstig. Im Phangan Beach Resort angekommen, checkten wir gleich mal die Lage: Bei der Kiteschule am Strand war grade niemand und Wind gab es auch keinen. So relaxten wir in der wunderschönen Hotelanlage unter Palmen direkt am Strand und lernten an der Poolbar ein paar andere Gäste kennen.

Am nächsten Morgen fand gleich vor unserem Bungalow ein Boot Camp statt und so starteten wir mal wieder mit viel Bewegung in den Tag. Gleich nach dem Frühstück lernten wir Danny kennen. Ihm gehört die Welt ääh die Kiteschule. Der Thailänder hat viele Jahre in den USA gelebt, spricht einwandfrei englisch und hört sich selber sehr gerne reden. Mal abgesehen davon machte er und sein Equipment einen kompetenten Eindruck.

Es fehlte nach wie vor an genügend Wind. Wir entschieden uns trotzdem, schon mal mit der Theorie anzufangen. Das geht ja auch ohne Wind. Leider hatten wir die kommenden Tage windtechnisch so gar kein Glück und konnten die Theorie vorerst nicht in die Praxis umsetzen. 

Kiter-Danny mag wohl ein Poser sein, aber er versteht es, Leute zusammenzubringen und er hatte tolle Ausflugstipps für uns parat. Wir mieteten einen Roller, fuhren damit quer über die Insel und entdeckten wunderschöne Strände. Die Fahrten waren allerdings allgemein nicht sehr entspannend. Die Strassen sind teilweise extrem steil und grösstenteils unbefestigt, die Thais fahren wie die Irren, die Touristen haben null Erfahrung oder sind besoffen, was zu vielen Unfällen führt. Wir waren jedesmal froh, heil von A nach B zu kommen. 

Am fünften Tag hatten wir dann endlich etwas Wind und konnten uns am Kite versuchen. Als erstes ging es im seichten Wasser und ohne Board an den Füssen darum, den Drachen zu lenken. Das ist gar nicht so einfach und wir staunten, wieviel Kraft ein bisschen Wind schon produzieren kann. Leider kam ich mit dem Kite und vorallem mit Danny's militärischem Umgangston nicht so gut klar. Nach gut einer Stunde hatte ich die Schnauze voll und warf das Segel. Sevi hat sich da um einiges geschickter angestellt. Nach der zweiten Session war dann aber auch für ihn Schluss. Einerseits, weil der Wind schon wieder weg war und die Aussichten für die kommenden Tage miserabel waren. Andererseits hatte sich Danny wohl ein paar Mal zu oft im Ton vergriffen. Da hört der Spass auf. Vielleicht probieren wir es irgendwann unter besseren Bedingungen nochmal. 

Wir genossen ein paar ruhige Tage auf der schönen Insel. Nach unserem Aktivmonat in Bali war es uns allerdings schon fast zu ruhig: Tage ohne sportliche Betätigung kamen uns schon ganz komisch vor. Deshalb suchten wir nach einer neuen Herausforderung. Sevi hatte mal wieder eine seiner glorreichen Ideen: Muay Thai Kampfsport sollte es diesmal sein... Nach etwas Recherchieren fanden wir heraus, dass es auf der Nachbarinsel Koh Tao eine Schule gibt, die neben Muay Thai auch noch Jiu Jitsu und ein tägliches HIIT Gruppentraining anbietet. Zudem gehört ein Fitnesscenter mit dazu. Für den Kampfsport konnte ich mich im besten Willen nicht begeistern, aber bei dem Angebot war für uns beide was dabei. 

Und so eröffneten wir ein neues Kapitel und setzten mit der Fähre rüber auf Koh Tao.

Ankunft auf Koh Samui

Bali, Indonesien - 29. April bis 26. Mai 2016

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Wir sind am späten Nachmittag in Denpasar auf Bali gelandet. Auf dieser Insel haben wir vor knapp zehn Jahren unseren ersten "grossen" gemeinsamen Urlaub als Rucksacktouristen verbracht. Dieses Mal haben wir die Einreiseformalitäten studiert (das haben wir für Australien ja auf die schmerzliche Tour gelernt). Als Schweizer bekommt man bei der Einreise automatisch ein 30-tägiges Aufenthaltsrecht in Indonesien. Da wir nicht genau wussten, wie lange wir bleiben würden, kauften wir uns bei der Ankunft in Denpasar aber für USD 35 das verlängerbare Visum. Nur dieses lässt sich nach Ablauf der 30 Tage um einen weiteren Monat verlängern. Nach den ganzen Formalitäten waren wir froh, dass wir uns vorab beim Hotel einen Abholservice bestellt hatten. Der Taxifahrer wartete in der Ankunftshalle schon geduldig auf uns. Auf dem Weg zum Hotel beobachteten wir das heillose Chaos auf den Strassen und waren froh, dass wir nicht selber fahren mussten und wir uns in Canggu, etwas ausserhalb der grossen Touri-Orte, einquartiert hatten. Das Serenity Eco Guesthouse war unser Zuhause für die ersten Tage. Hier wollten wir vor allem Yoga praktizieren und so Körper und Seele nach den Reisestrapazen der vergangenen Monate wieder etwas erden. Das Hotel wartete mit einem unglaublichen Yoga-Programm auf. Pro Tag werden hier 10 verschiedene Körperverrenkungs-Praktiken durchgeführt. Bereits am ersten Tag stürzten wir uns in eine Vinyasa Klasse für Anfänger. Rapha war natürlich im Vorteil, weil sie wesentlich beweglicher ist als ich und im Gegensatz zu mir auch etwas Yoga-Erfahrung mitbrachte. Bei mir ging es in den ersten Stunden im Wesentlichen darum, mich nicht zu verknoten und entweichende Gase zu unterdrücken. Aber ich merkte schnell, dass mir die drolligen Posen gut taten und mit der Zeit sogar Spass machten.

Am dritten Tag mieteten wir uns für schlappe CHF 4.50 pro Tag einen Scooter und erkundeten damit die Umgebung. Um ehrlich zu sein, beschränkte sich unser Radius auf genau drei Strassen im Umkreis von ca. 3 Kilometern. Aber hier gab es erstaunlich viel zu entdecken: Strände mit Bars, Boutiquen, eine Underground-Location mit Skate-Pool und vor allem unglaublich gute Restaurants mit kreativer und gesunder Küche zu super Preisen. Auf einer Erkundungsfahrt entdeckten wir beiläufig auch das Bali Fit. Dieses Fitnesscenter bietet Gruppenfitness- und Yogakurse an. Wir entschlossen uns spontan, hier einen Monats-Pass zu buchen und quartierten uns in einem tollen Hotel an der gleichen Strasse ein. Das Zimmer dort hätte uns bei einer Online-Buchung USD 250 pro Nacht gekostet. Die "Walk-in-Rate" betrug gerade mal USD 50. Im Ressort gab es zwei Pools und wir waren meistens die einzigen Gäste. Wir entwickelten eine Tagesroutine, die etwa wie folgt ausschaute:

06.45 Tagwache
07.30 Training im Bali Fit
08.30 Proteinshake am Pool
10.30 Yin Yoga im Bali Fit
12.00 Frühstück / Lunch
14.00 Entspannen am Pool oder in der Massage
18.15 Yoga
20.00 Abendessen

Das Bali Fit wurde eine Art zu Hause für uns und wir waren begeistert von den Coaches. Mark, Clare, Lucy und Rachel brachten uns viel bei und forderten uns gewaltig. Vor allem die metabolischen Trainings-Sessions hatten es in sich, brachten uns regelmässig ans Limit und wir litten teilweise gewaltig an Muskelkater. Wir freundeten uns im Bali Fit mit anderen "Leidensgenossen" an. Vor allem Declan und Rommer sind uns schnell ans Herz gewachsen.

Canggu haben wir dann tatsächlich noch für einen Abend verlassen. Den Geburtstag von Rapha wollten wir am Strand von Seminyak feiern. Hier hatten wir bei unserem letzten Bali-Besuch im Restaurant Gado Gado eines der besten Desserts aller Zeiten gegessen. Zwar erkannten wir den Ort (wurde zugebaut) und das Restaurant (wurde umgebaut) nicht wieder, aber die Nachspeise schmeckte wirklich noch genauso gut wie anno dazumal.

Etwas weniger Glück hatte ich ein paar Tage später beim Verspeisen eines Fischgerichts. Bereits im Restaurant fing ich an zu schwitzen, bekam Herz-Rasen, rote Augen und komische Verfärbungen am ganzen Körper. Ich schaffte es gerade noch zurück ins Hotel, wo mich Rapha mit kalten Umschlägen und einem Antiallergikum wieder aufpäppelte. Der ganze Spuck dauerte ca. drei Stunden und dann war zum Glück wieder alles in Ordnung.

Nach knapp einem Monat mussten wir Canggu und unsere neu gewonnen Freunde schweren Herzens verlassen. Wir hatten das Visum bewusst nicht verlängert und uns einen Weiterflug über Kuala Lumpur nach Koh Samui gebucht. Nach einem letzten Training überreichte uns Mark noch ein "Training for Warriors" Armband mit der Bemerkung "we don’t sell it, you have to earn it"!

Es ist anzunehmen, dass viele Leser diese Art des Zeitvertreibens im Inselparadies nicht nachvollziehen können (mein Mammi benutzte das Wort "Kasteien"). Für uns war es aber gegen Ende unserer langen Reise genau das Richtige. Und da wir Bali schon mal bereisten, hatten wir deshalb auch nicht das Gefühl, dass wir etwas verpassen. Bali übte eine ganz eigene Magie auf uns aus, die sich schwer in Worte fassen lässt. Es ist definitiv ein Ort, mit dem uns sehr intensive Gedanken verbinden und wir sind fast sicher, eher früher als später wieder hierhin zurück zu kehren.

Bali Klassiker

Östliche Nordinsel, Neuseeland - 4. bis 14. April 2016

Nach einer gemütlichen Fahrt über den Queen Charlotte Scenic Drive entlang des Marlborough Sounds und einer dreistündigen Fahrt mit der Fähre sind wir abends um sechs Uhr nach Wellington zurückgekehrt. Erneut haben wir uns für ein AirBnB entschieden. Dieses Mal erwischten wir ein schönes Zimmer in einer richtig coolen Loft-Wohnung mitten in der Stadt. Am ersten Tag haben wir endlich das Nationalmuseum "Te Papa" besucht. Hier wird auf sechs Ebenen die Geschichte Neuseelands von der ersten Besiedlung bis zum heutigen Staat erklärt. Das war spannend, machte uns aber hundemüde. Schon bald hatten wir genug gesehen und sind per Cable Car zum botanischen Garten hochgefahren. Da schlenderten wir durch die verschiedenen, schön angelegten Gärten und genossen die Ruhe.

Weil wir vom Reisetempo der vergangenen Wochen immer noch groggy waren, entschieden wir uns, eine weitere Nacht in Wellington zu bleiben. Wir spazierten am Pier entlang und beobachteten die wahnsinnig vielen Jogger mit ihren teilweise unglaublich ungesund anzuschauenden Laufstilen, wanderten auf den Mount Victoria hoch, wo wir einen tollen Ausblick auf die Stadt geniessen konnten, flanierten anschliessend an der Cuba Street und kehrten im charmanten Kaffee Fidel ein. Zudem konnte ich mich endlich dazu durchringen, mir die dringend benötigten Schuhe zu kaufen.

Wellington ist eine tolle Stadt und wir genossen die Zeit sehr. Etwas mühsam war lediglich, dass wir keinen fixen Parkplatz hatten. So musste ich immer morgens kurz vor acht und abends um sieben unser Fahrzeug umparken. Dafür sparten wir so ein paar Bazen an Parkgebühren und gönnten uns in der tollen Pizzeria Napoli ein super Abendessen. Dummerweise ist mir dort wie vor ein paar Wochen beim Beissen erneut ein Stück einer Zahnfüllung abgebrochen. Am nächsten Tag kam es dann noch schlimmer. Der Zahn pochte konstant und ich musste am Tag unserer Weiterreise notgedrungen wieder einen Zahnarzt aufsuchen. Wir hatten Glück und konnten kurzfristig einen Termin für den Nachmittag vereinbaren. Erneut gingen wir ins Nationalmuseum, um dort die Zeit tot zu schlagen. Rapha ging es auch nicht besonders gut. Bei ihr machte sich so etwas wie eine grosse Reise-Müdigkeit bemerkbar. Nachdem mein Zahn endlich geflickt war, schleppten wir uns nach Marlborough auf den Zeltplatz und fielen dort um sechs in einen komatösen Schlaf. Wirklich ein anstrengender Tag!

Am nächsten Morgen hatte sich Rapha zum Glück etwas erholt und mein Kiefer funktionierte auch wieder... Um Raphas "Travel Blues" entgegen zu wirken, wollten wir das Reisetempo noch mehr drosseln. Allerdings hatten wir nur noch wenige Tage Zeit, bis wir zurück in Auckland sein mussten. Wir fuhren deshalb ohne Stopp via Napier nach Te Urewera am Lake Waikaremoana. Es war eine lange, aber sehr schöne und abwechslungsreiche Fahrt und der Zeltplatz am See war mit einer der schönsten Plätze auf unserer Reise. In der Nacht regnete es heftig und der Morgen war verhangen. So entschlossen wir uns, gleich direkt nach Rotorua aufzubrechen. Dabei hatten wir auf der 70 Kilometer langen Gravel-Road wirklich Glück, als der Wagen ins Schleudern kam. Irgendwie ein wenig sinnbildlich für die letzten Tage.

In Rotorua wollten wir wieder zu Kräften kommen. Wir schauten uns im Kino den sehr guten, neuseeländischen Film "Hunt for the Wilder People" an. Ansonsten liess ich Rapha so viel Freiraum wie möglich. So mietete ich mir ein Mountainbike und erkundete auf eigene Faust die Weltklasse-Trails im Redwood Forest. Rapha unternahm derweil Spaziergänge am See und in der Stadt und kam so allmählich wieder auf den Damm. Ein besonderes Highlight war das Thermalbad im Kerosene Creek, einem natürlich beheizten Bach etwas ausserhalb der Stadt.

Nach einer halben Woche in Rotorua fühlten wir uns bereit, um weiter zu ziehen. Das nächste Ziel war der Hot Water Beach auf der Halbinsel Coromandel. Der Strand heisst so, weil hier Thermalwasser aus dem Boden sickert und man sich seinen eigenen Hot-Pool graben kann. Weil dies nur rund 1 Stunde vor oder nach der Flut möglich ist, machten wir uns schon vor Sonnenaufgang auf den Weg. Leider waren wir trotzdem etwas spät dran und die besten Plätze waren bereits vergeben. So genossen wir halt einfach die ersten Sonnenstrahlen am schönen Strand - etwas abseits des ganzen Trubels. Weiter ging es danach zur Cathedral Cove, einer sehr malerischen Bucht ganz in der Nähe und mir noch bestens in Erinnerung. Wir machten in Thames auf einem Spielplatz kurz halt, wo ich vor 12 Jahren mit Fabian, Anni und Olga die Sterne beobachtet habe (das ist jetzt nicht irgend eine schlüpfrige Anspielung. Wir haben wirklich die Sterne beobachtet!) und gönnten uns kurz vor Auckland noch einmal zwei Nächte auf einem super luxuriösen Zeltplatz mit eigenem Thermalbad und Tennisplatz. So kurz vor dem Ende unserer Reise kam schon ein wenig Wehmut auf. Bald würden wir unsere geliebte Furia Roja verkaufen müssen.

Windy Wellington

Golden Bay, Neuseeland - 4. bis 7. März 2016

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Ich war ziemlich nervös, als wir Motueka in Richtung Golden Bay verliessen. Unser nächstes Ziel war nämlich das Hostel Shambhala in der Nähe der Hippie-Hochburg Takaka. Dieses Hostel war eines der Top-Highlights auf meiner Neuseeland-Reise vor zwölf Jahren. Auf der spektakulären und kurvigen Fahrt über den Pass des Mount Takaka mischte sich zur Vorfreude auch etwas Unbehagen. Ich hatte Bammel davor, dass der Ort nicht mehr die selbe, magische Wirkung auf mich haben würde und sich dadurch die tollen Erinnerungen "entwerten". Bereits fünf Minuten nach der Ankunft und einem kurzen Streifzug durchs riesige Gelände waren diese Zweifel verflogen. Das Shambhala ist immer noch ein Paradies auf Erden. Alles ist noch so, wie ich es in Erinnerung hatte. Das Haupthaus mit der Küche, der fantastische, wilde Haus-Strand, der gepflegte Garten mit der Laube und dem Teehaus, die Veranda mit der atemberaubenden Sicht aufs Meer, das Yoga-Haus auf dem Hügel und auch die Kompost-Toilette waren alle noch da und nichts ist in die Jahre gekommen. Auch John, der sich hier verewigt hat, scheint eher jünger geworden zu sein. Kein Wunder, wenn man hier lebt.

Rapha fühlte sich auch auf Anhieb wohl und wir bezogen ein Doppelzimmer, natürlich mit Meerblick. Hier genossen wir die Ruhe und Abgeschiedenheit, machten am Morgen bei der Yoga-Klasse mit, und relaxten den Tag durch. Am Abend spazierten wir jeweils zum 2 Kilometer entfernten Restaurant "Mussel Inn". Diese kultige Busch-Beiz liegt mitten im Nirgendwo und ist immer gut besucht. Hier wird bei Live-Musik hausgemachtes Bier serviert und wir tranken uns durch die Karte. Unser Favorit war Captain Cooker, ein tolles Bier! Noch märchenhafter war dann der Nachhauseweg. 20 Meter neben dem Pub führt ein Pfad in den stockfinsteren Wald hinein, wo man Glühwürmchen bestaunen kann. Den Rest des Weges liefen wir unter einem fantastischen Sternenhimmel mit der gut sichtbaren Milchstrasse und dem Kreuz des Südens. Wie konnte ich Narr nur am Shambhala zweifeln…

Nach zwei herrlichen Tagen machten wir uns auf, um dem nördlichsten Zipfel der Insel einen Besuch abzustatten. Nach einer kurzen Fahrt erreichten wir Farewell Spit. Wir waren unschlüssig, was wir dort machen sollten und entschlossen uns, einfach mal ein paar Meter am Strand entlang zu laufen. Weil die Landschaft so toll war, liefen wir immer weiter und kämpften uns mehrmals über die Sanddünen und durch das Buschgestrüpp von einer zur anderen Seite dieser schmalen Küstenzunge. Auf dem Rückweg gerieten wir in einen starken Sandsturm und mussten gegen den Wind ankämpfen. Wir waren beide ziemlich platt, als wir endlich wieder beim Parkplatz angelangt sind. Wir fuhren die wenigen Kilometer zum Wharariki Beach Holiday Camp und checkten dort ein. Auch hier wollten wir nur kurz zum Strand laufen und auch hier zog uns ein mächtiger Sandsturm entgegen. Aber angetrieben von Rapha's neuem Slogan (always go the extra mile) liefen wir noch ein paar extra Schlaufen am Strand. Zum Glück! Der Strand ist gespickt von tollen Höhlen und Dünen, welche die meisten anderen Touristen nicht zu Gesicht bekommen weil sie zu früh umdrehen. Am Ende des Tages sind wir mal wieder über 20 Kilometer gelaufen; in Flip-Flops wohlgemerkt…

Am nächsten Tag haben wir noch die steilen Klippen mit dem Leuchtturm besucht und den Farewell Spit von einem Aussichtspunkt aus bestaunt. Danach ging es zurück ins Shambhala und ins Mussel Inn. Hier könnten wir problemlos einige Wochen verbringen. Aber wir mussten weiter. Neuseeland hat noch so viel zu bieten...

Der Hausstrand vom Shambhala

Abel Tasman Nationalpark, Neuseeland - 26. Februar bis 3. März 2016


Die Überfahrt von Wellington nach Picton fing ganz harmlos an. Die grosse, moderne Fähre verfügte über sehr konfortable Sitzecken. Wir richteten uns für die dreistündige Fahrt ein und frühstückten gemütlich. Irgendwann auf halber Strecke wurde die See deutlich unruhiger... Sevi und ich, beide so gar nicht seetauglich, mussten unseren Lesestoff beiseite legen und uns mit einem Anautin aus der sich anbahnenden Seekrankheit heraushelfen. Die Tablette wirkte im Nullkomanichts, machte uns aber extrem schläfrig.

Zur Mittagszeit legten wir in Picton an. Wir waren beide ziemlich groggy und froh darüber, dass wir an diesem Tag nicht mehr allzu weit fahren mussten. Unser erstes Ziel war Nelson. Da gingen wir beim DOC-Visitor-Center vorbei und brachten unseren nächsten Great Walk unter Dach und Fach. Sevi hatte nämlich die spontane Idee, den ersten der fünf Tage im Abel Tasman Nationalpark per Kayak statt zu Fuss zurückzulegen. Und das buchten wir gleich so. Anschliessend fuhren wir noch etwas näher an den Nationalpark ran und quartierten uns in Motueka in einem Top 10 Holiday Park ein. Da sind wir Mitglied und bekamen 10 % Rabatt. Der Campingplatz ist zwar mit 44 NZD  trotzdem teuer, hat aber alles zu bieten - heisse Duschen und ein kleiner Pool inklusive. Am Abend trafen wir uns mit anderen Campern im Barbecue-Bereich und genossen ein paar gesellige Stunden. Dabei konnten wir glücklicherweise einen grösseren Schaden verhindern... eine deutsch-neuseeländische Familie setzte nämlich den Gasgrill in Brand, ohne es zu merken! Zum Glück sass ich gerade in der Nähe und sah die aufsteigenden Flammen. Sevi war dann mit dem Feuerlöscher prompt zur Stelle.

Wir starteten unser nächstes Abenteuer in Marahau, rund 30 Autominuten vom Campingplatz entfernt. Nach einer ausführlichen Instruktion wurden wir samt Kayak bei Ebbe zu Wasser gelassen und paddelten los. Wir hatten ein Doppelkayak und mussten erst mal einen gemeinsamen Rhythmus finden. Das gelang uns relativ schnell und wir kamen flott voran. Das Wetter war bombastisch und es gab entlang der Küste kaum Wind. Wir genossen die Ruhe und die komplett andere Perspektive vom Wasser aus. An einigen der zahlreichen Sandstrände machten wir kurz Halt. Nach gut einer Stunde wagten wir uns aufs offene Meer hinaus und paddelten zur Adele Insel rüber. Der Wind da draussen peitschte das Wasser auf und wir kämpften gegen die Wellen an. Es kostete zwar einiges an Kraft, aber es war nicht umsonst! Auf der Insel sonnten sich gerade Seehunde mit ihren Babies und wir konnten die Tiere aus nächster Nähe beobachten. Die Rückfahrt ans Festland war dann dank Rückenwind weniger anstrengend. Wir legten an einem traumhaft schönen Strand an und machten Mittagspause. Am Nachmittag paddelten wir dann bis zur Torrent Bucht, wo wir uns für die erste Nacht in der Anchorage Hütte eingebucht hatten. Den restlichen Nachmittag verbrachten wir am Strand, später "kochten" wir uns eines der mitgebrachten Fertiggerichte und würfelten mit zwei Israeli - Mutter und Tochter - einige Runden Yatzy. Um 22 Uhr gingen wir als Letzte zu Bett! Wie wir festgestellt haben, gehen auf diesen Great Walks die meisten Leute immer schon sehr früh schlafen.

Am nächsten Morgen ging es dann auch für uns zu Fuss weiter. Der Wanderweg schlängelt sich über die Hügel an der Küste entlang und von einer Bucht in die nächste. Es war heiss und wir waren um jede Abkühlung froh. So sprangen wir in jedes Flüsschen, dass unseren Weg kreuzte. Zum Glück verläuft der Weg grösstenteils im Wald - nur an den Stränden ist man der prallen Sonne ausgesetzt.

Da wir im Voraus alle vier Hütten gebucht hatten, waren die täglichen Kilometer zu Fuss leicht zu bewältigen. Mein einziges Problem war, dass ich statt der Wanderschuhe nur meine Turnschuhe dabei hatte und schon nach einem Tag an fünf Zehen mehrere Blattern einlief.... sehr sehr clever...! Na ja, mit viel Pflaster liess es sich gerade so durchhalten. Am fünften und letzten Tag wählten wir den Weg über den Gibbs Hill zurück nach Totaranui, wo uns ein Wassertaxi zurück an unseren Ausgangspunkt nach Marahau brachte.

Wir genossen den Abel Tasman Coast Track sehr und hatten fünf Tage lang Wetter wie aus dem Bilderbuch. Die unzähligen Strände sind traumhaft und können allemal mit der Karibik mithalten.

Cast Away

Westliche Nordinsel, Neuseeland - 16. bis 20. Februar 2016

Nach einem gemütlichen Frühstück verabschiedeten wir uns von Mario, Céline und Danny. Bevor wir losfuhren, deckten wir uns in Hamilton mit allem ein, was wir für unseren ersten Great Walk benötigten. Und Furia bekam einen Ersatzschlüssel - sicher ist sicher.

Die Fahrt führte uns über Taupo am Seeufer entlang Richtung Turangi. Nach ca. 5 Stunden erreichten wir Whakapapa Village im Tongariro Nationalpark. Da angekommen, steuerten wir als erstes die  DOC-Informationsstelle (Department of Conservation) an, um uns über den Treck zu informieren. Wir hatten schon mitbekommen, dass die Wetterlage für die kommenden Tage etwas aus den Fugen geraten sollte... aber was uns das DOC dann erzählte, war sehr ernüchternd. Für die kommenden Tage wurden heftige Regenfälle und Sturmböen von über 100 km/h vorausgesagt! Nicht so witzig, wenn man auf eine Kraterwanderung will. Klar, wir könnten den Treck trotzdem starten.... auf eigenes Risiko halt. Wir waren etwas ratlos. Da diese mehrtägige Wanderung von Hütte zu Hütte vorgebucht werden muss, rechneten wir eigentlich nicht damit, dass sich die Tour so kurzfristig umbuchen liess. Aber wir hatten Glück! Die erste Hütte war zwar ausgebucht, aber wir konnten die einfach auslassen, den Treck damit von vier auf drei Tage verkürzen und vier Tage später als geplant starten. Dafür war auch die Wetterprognose wieder freundlicher. So stimmte das für uns. Da es schon später Nachmittag war, entschlossen wir uns, in Whakapapa zu bleiben und übernachteten auf dem Campingplatz des Holiday Parks.

In der Nacht setzte dann wie erwartet Regen ein und es hörte auch vorerst nicht wieder auf. Am Morgen kühlte es deutlich ab. Als wir losfuhren, war alles verhangen und wir sahen keine fünf Meter weit. Wir waren beide so froh, nicht auf der Wanderung zu sein! Als alternatives Schlechtwetter-Programm suchten wir uns Waitomo aus. Der winzige Ort liegt in der King Country Region südlich von Hamilton und ist für seine vielen Kalksteinhöhlen voller Glühwürmchen bekannt. Wir quartierten uns im gemütlichen Juno Hall Hostel ein, kochten etwas Leckeres und kämpften uns durch das riesige und leider enorm teure Tourenangebot. Wir waren uns schnell einig: Es sollte keine nasse Tour mit Tubing, Canyoning u.ä. werden. Bei dem vielen Regen war das Risiko ziemlich hoch, dass die Touren wegen zu hohem Wasserstand abgesagt werden müssen. Vielmehr interessierte uns die Abseiltour für 360 NZD = 240 CHF pro Person. Ein extrem teurer Spass... Willkommen in Neuseeland. Wir fanden zum Glück ein Last-Minute-Angebot im Internet und zahlten 30 % weniger! Deal!

Die Lost World Tour bestand aus 100 Meter Abseilen in eine Höhle runter, in die Höhle reinklettern, Glühwürmchen bestaunen und zum Schluss an einer 30 Meter langen Eisenleiter wieder aus der Höhle rausklettern. Da ich etwas Höhenanst habe und sowas noch nie zuvor gemacht hatte, bekam ich es dann mit der Angst zu tun. Kurz bevor es los ging, verliess mich beinahe der Mut und es kostete mich viel Überwindung, trotzdem mitzufahren. Aber die Organisation, der Guide und die Ausrüstung waren so professionell, dass ich mich zu keiner Zeit unsicher fühlte. Ich überwand meine aufsteigende Panik und genoss es sehr! Wir seilten uns in eine wundervoll grüne Schlucht ab, wo tief unter uns ein kleiner Fluss rauschte. Ein tolles Erlebnis. Und die vielen Glühwürmchen in der dunklen Höhle waren wunderschön anzuschauen.

Wir hatten noch zwei volle Tage, bis wir mit unserem Tongariro Treck starten sollten. Am nächsten Morgen regnete es nur noch vereinzelt und wir fuhren durch hügelige Landschaften, meist auf Schotterpisten von Waitomo rüber an die Westküste und an der Tasmanischen See runter nach New Plymouth. Dort nahmen wir den Surf Highway und fuhren auf der Taranaki-Halbinsel bis nach Ohawe, wo wir für die Nacht ein nettes Plätzchen auf dem Beach Camp fanden. Der wilde Küstenabschnitt mit dem schwarzen Sandstrand hat uns da besonders gut gefallen. Weiter ging es via Stratford über den Forgotten World Highway, eine wirklich vergessene, dreistündige Strecke durch schönstes Niemandsland.

Und schon waren wir wieder zurück in Whakapapa Village. Der kleine Ort empfing uns mit strahlendem Sonnenschein und einem herrlichen Blick auf die umliegenden Vulkane. Wir waren bereit und freuten uns auf den Tongariro Northern Circuit.

Abseiling

Northland, Neuseeland - 7. bis 15. Februar 2016

(Video)

Was gibt es Schöneres, als den Tag mit einem reichhaltigen veganischen Frühstücksbuffet zu starten? Richtig: Eier, Speck, Butter, Wurst undsoweiterundsofort. Aber egal. Nach Toast und von Hippie-Händen gekneteter Guacamole verabschiedeten wir uns von Tom und Päde. Danke Euch beiden für die tolle Zeit! 

Uns blieben rund 10 Tage bis zu unserer ersten grossen Wanderung im Tongariro Nationalpark. Bis dahin wollten wir das Gebiet nördlich von Auckland erkunden. Bei schlechtem Wetter fuhren wir mit dem Fernziel Cape Reinga los Richtung Norden. Wir liessen uns treiben und steuerten am frühen Nachmittag spontan zu den Kai Iwi Lakes. Kurz vor der Ankunft drückte die Sonne durch und die Seen glitzerten fast kitschig in karibischen Blautönen. Was für ein Anblick! Spontan entschieden wir uns, die erste Nacht «on the road» auf dem Campingplatz direkt am See zu verbringen. Die Anlage war sehr spartanisch ausgestattet. Es gab nur ein WC-/Dusch-Häuschen und es nieselte praktisch den ganzen Rest des Tages. So verkrochen wir uns schon früh in unser rollendes Schneckenhaus.

Am nächsten Tag wurden wir von der Sonne wach geküsst. Nach einem Workout und einem leckeren Frühstück bepackten wir unsere Furia Roja und hielten weiter gegen Norden. Die Gegend hier ist berühmt für die mächtigen Kauri Bäume. Von denen gibt es allerdings nicht mehr allzu viele, weil die Europäer in ihrer Profitgier fast alle abgeholzt haben. Im Trounson Kauri Park und im Waipoua Kauri Forest konnten wir uns einige dieser Baumriesen anschauen. Darunter auch den mächtigsten Kauri Baum Neuseelands «Tane Mahuta» mit einem Durchmesser von 6 Metern und einer Höhe von 18 Metern. Auf der ganzen Fahrt waren wir immer wieder «geflasht» von der Natur. Alle 20 Minuten wähnten wir uns in einem anderen Land. Mal sah es aus wie bei uns auf dem Bözberg oder im Emmental mit saftigen Weiden und Kühen, mal wie im karibischen Dschungel oder wie in Kanada. Endgültig die Sprache verschlagen hat es uns, als wir die Bucht von Hokianga Harbour mit ihren Sanddünen und Mangroven erblickten. Wir fanden in Rawene einen top Campingplatz, wo wir mit netten Leuten einen geselligen Abend verbrachten.

Weil wir am dritten Tag die Fähre um ein paar Minuten verpassten, entschieden wir uns, die Bucht zu umfahren. So landeten wir versehentlich im Wairere Boulders Park, der von einem Schweizer Pärchen geführt wird. Wir wollten uns eigentlich nur mal kurz über den Ort informieren, aber Rita hat uns gleich in Beschlag genommen und wir sind erst nach 40 Minuten zum ersten Mal zu Wort gekommen. Also haben wir uns den Park fast notgedrungen und für NZD 30 auch noch angeschaut. Durch das Umfahren der Bucht und den Parkbesuch haben wir viel Zeit verloren und uns wurde schnell klar, dass wir es nicht mehr bis nach Cape Reinga schaffen würden. Als nach dem Einkauf auch noch Regen einsetzte, steuerten wir in Houhora den Wagener Holiday Park an und verbrachten einen gemütlichen Abend im überdachten BBQ-Bereich.

Tags darauf strahlte die Sonne. Wir machten Halt bei Te Paki, um uns die wunderschönen Sanddünen anzuschauen, welche sich vor der Küste auf eine Höhe von 150 Meter auftürmen. Danach erreichten wir endlich Cape Reinga mit dem malerischen Leuchtturm. Die Touristen-Massen besuchen diesen Ort in einem 11-stündigen Tagesausflug von Bay of Islands aus und haben keine Zeit für die kurze Wanderung zum Te Werahi Beach. Glück für uns. Wir hatten den vielleicht schönsten Strand, den wir je gesehen haben, ganz für uns alleine. Auf dem Weg dorthin konnten wir direkt vor der Klippe zwei Walfische beobachten, wie sie sich ihren Weg vom Tasmanischen See in den Pazifischen Ozean bahnten. Der Wahnsinn! Völlig geflasht von diesem mystischen Ort machten wir uns auf zum Kapowairua Zeltplatz an der Spirits Bay. Auch dieser Platz war einfach nur wunderschön. Wir campierten nur wenige Meter vom Strand entfernt und wurden, weil es gerade so gepasst hat, noch mit einem bilderbuchmässigen Sonnenuntergang belohnt. Dass der Tag nicht perfekt war, lag an den folgenden drei Gründen:

  1. Dem zweistündigen Kampf mit einem Sandkorn in meinem Auge, den ich jämmerlich verlor.
  2. Dem ziemlich hohen Haufen Kuhscheisse, den ich am Nachmittag überfahren hatte und der nun unter dem gesamten Fahrzeugboden klebend seine Duftwolken absonderte, sobald Furia warm wurde....
  3. Den 50 Moskitos, die sich in der Nacht durch einen 5 cm grossen Fensterspalt in unser Fahrzeug geschlichen hatten und getötet werden mussten.

Auch der nächste Tag hatte wieder viel zu bieten. Wir genossen den Morgen am Haus-Strand und sind dann wieder zurück Richtung Süden gefahren. Mit dem Rarawa Beach besuchten wir einen weiteren menschenverlassenen Strand mit schneeweissem Sand und kristallklarem Wasser an der Pazifikküste. Ganz anders präsentierte sich die Küste am 90 Miles Beach auf der anderen Seite der Insel. Die Tasmanische See ist sehr viel rauer und der Strand entsprechend wild. Auf der Karikari Halbinsel fanden wir wieder einen tollen Campingplatz direkt am Strand (Maitai Bay Camping Ground). Nach dem Badeplausch versuchten wir uns als Heimwerker und modifizierten unser Auto. Als erstes fixierten wir einen Haken an der Klappschublade unter unserem Bett, damit wir diese nicht immer von Hand hochhalten müssen. Dann fixierten wir ein Moskitonetz beim Fenster, damit die Blutfresser uns wenigstens in der Nacht in Ruhe lassen und zu guter Letzt befestigte ich eine Halterung für die Action Cam. Wir sollten unser Auto im Anschluss an unsere Reise nach Europa verschiffen und damit die zahlreichen Tuning-Veranstaltungen aufsuchen. Damit wir auch diesen Tag nicht als perfekt abbuchen konnten, hatte Rapha die glorreiche Idee, sich aufs offene Sackmesser zu setzen. Sie hat sich dabei die Schere ziemlich wüst in den Hintern gerammt. Die Wunde konnten wir aber ganz gut selbst versorgen: Es sah zum Glück schlimmer aus, als es tatsächlich war.

Eigentlich wollten wir am nächsten Tag weiterfahren. Aber uns gefiel es so gut, dass wir noch einmal hier übernachteten. Wir genossen einen gemütlichen Tag am Strand und konnten die Erlebnisse der letzten Tage ein wenig sacken lassen. Mit unseren Nachbarn, einem Rentnerpärchen aus Affoltern a.A. verstanden wir uns prächtig und wir liessen den Tag bei einem gemeinsamen Apéro ausklingen.

Nach einem gemütlichen Morgen machten wir uns auf zu der Bay of Islands. Eines der Top-Highlights im Norden. Leider war die Wettervorhersage für die nächsten Tage schlecht und so entschlossen wir uns, auf eine teure Kreuzfahrt zu den Inseln zu verzichten. Wir machten stattdessen eine kleine Wanderung zu den Haruru Falls. Hier war wieder einmal der Weg das Ziel. Ein fantastischer Pfad schlängelte sich der Bucht entlang durch Wälder und Mangroven zu einem (mikrigen) Wasserfall. Den Rest der Zeit nutzten wir für organisatorische Sachen (Blog, Reiseplanung, Finanzen nachführen etc.) und zum Ausspannen in der Lobby. Wir hatten die letzten 7 Tage ja kein Internet. Einen Umstand, den wir sehr genossen. Auch hier auf dem Zeltplatz in Waitangi muss man sich 1 GB für 24 Stunden Wifi für fünf Dollar extra kaufen.

Am Montag haben wir uns in Hamilton mit Mario verabredet. Wir verliessen Northland und trafen Mario und seine Freunde Céline und Danny 360 km weiter südlich in einem Motel etwas ausserhalb der Stadt. Es wurde ein gemütlicher Abend mit viel Bier und guten Gesprächen. Danke Mario für die tolle Zeit auf dieser Seite der Erde. Du bist ein super Kerli und ich hoffe, der Reisevirus hat Dich so richtig gepackt :-)

Wollten joggen gehen, sieht nach Regen aus.

Auckland, Neuseeland - 27. Januar bis 6. Februar 2016

Wir verliessen Sydney am australischen Nationalfeiertag. Damit war uns dann auch klar, weshalb unser Flug relativ günstig zu haben war :-) Die vier Stunden von Sydney nach Auckland verliefen ruhig und entspannt. Zudem sorgte Anthony, unser australischer Sitznachbar, für nette Unterhaltung. Mit dem Sammeltaxi ging es dann einmal quer durch Auckland, was mit viel Verkehr ziemlich zeitintensiv war. Nach knapp zwei Stunden Fahrt erreichten wir Takapuna, einen Vorort im Norden von Auckland, wo wir für acht Nächte AirBnB gebucht hatten.

Das Haus von Bev liegt in einem ruhigen Wohnquartier direkt am Pupuke Lake und in unmittelbarer Nähe zum Strand von Takapuna Beach. Bev, die Hausherrin, wartete schon auf uns. Mit ihr ihre Mutter Avril und ihre Tochter Emma. Drei Generationen unter einem Dach! Wie sich im Laufe unseres Aufenthaltes herausstellte, ķönnten die drei Frauen unterschiedlicher nicht sein. Bev kam vor Jahren aus England herüber, ist sportlich sehr aktiv und ständig auf Achse. Sie spricht viel, dazu viel zu schnell in einem für uns völlig unverständlichen Englisch. Wenn ihr der Trubel im eigenen Haus zuviel wird, schläft sie im Garten in einem Zelt oder auch mal draussen auf dem See in ihrem Boot. Ihre Tochter Emma, 25 Jahre alt, ist Sängerin, Schauspielerin und ein Nachtschattengewächs. Bei schönem Wetter bleibt sie lieber daheim. Wenn sie mal Bock hat, kommunikativ zu sein, ist sie sehr nett. Da das Jobangebot in ihrer Branche in Neuseeland denkbar mager ist, kann sie es kaum erwarten, zurück nach England zu fliegen. Bev's Mutter Avril ist im Ruhestand und verbringt jeweils die Sommermonate in Neuseeland bzw. England. Sie ist die gute Seele im Haus, kümmert sich um den Haushalt oder sitzt im Wohnzimmersessel und geniesst die Sicht auf den See.

Uns standen zwei Fahrräder, Kayaks und Standup-Boards zur freien Verfügung. Wir fühlten uns wohl in dem liebenswürdigen Chaos, kochten viel, trieben Sport direkt am See und tauschten uns mit der Familie und den anderen Gästen aus.

Die Unterkunft diente uns aber in erster Linie als Basis, um in Auckland ein Fahrzeug zu kaufen. Wir hatten uns vorgängig schon im Internet erkundigt und wussten ungefähr, nach was wir suchen wollten. Etwas in der Art Toyota Estima oder Honda Odyssey sollte es sein, so umgebaut, dass man bequem darin übernachten kann und noch genug Platz fürs Gepäck vorhanden ist. Als erstes sondierten wir mal die aktuelle Marktlage für Gebrauchtwagen im Netz vor. Das brauchbare Angebot auf den Portalen schien uns etwas mager. So entschlossen wir uns, am folgenden Tag mit dem Bus in die Innenstadt zu fahren und in den Hostels nachzufragen. Ich war überrascht, wie hoch die Ausbeute war! In fünf Hostels lagen Ordner mit Verkaufsangeboten von anderen Reisenden vor, die vor der Heimreise ihre Fahrzeuge wieder loswerden wollten. Wir kamen mit 15 Inseraten nach Hause und kontaktierten alle. Wir mussten eine Excel-Liste entwickeln, um den Überblick nicht zu verlieren. Bei einigen Fahrzeugen stellte sich relativ schnell heraus, dass sie für uns nicht in Frage kommen. Vor allem dann nicht, wenn die WOF Zulassung (Warrant of Fitness) nicht genug lange gültig war. Diese Prüfung muss bei alten Fahrzeugen alle sechs Monate gemacht werden und wir hatten keine Lust, in den kommenden drei Monaten eine solche vornehmen lassen zu müssen und dabei teure Reparaturen zu riskieren. Wir hatten uns ein Budget von maximal NZD 4'000 = ca. CHF 2'700 gesetzt. In dieser Preisklasse sind die Fahrzeuge alle älter als 20 Jahre und in höchst unterschiedlichem Zustand. Das stellten wir dann auch an der Fahrzeugmesse fest. Da sind zwei Wagen in die engere Auswahl gekommen, wir konnten uns aber nicht gleich vor Ort einigen. Die folgenden Tage bestanden darin, Termine zu vereinbaren und Fahrzeuge Probe zu fahren. Bev hat uns eine zuverlässige Garage empfohlen. Da sind wir zweimal mit einem vielversprechenden Auto hin. Der Check war dann sehr ernüchternd: Beide Male fand der Mechaniker neben runtergefahrenen Reifen und etwas Oelverlust auch schwerwiegende Mängel wie instabile Lenkung und defekte Bremsen. Kosten und Risiken, die wir nicht tragen wollten. Also ging die Suche von vorne los und ich wurde bereits ungeduldig.

Der Besuch von Mario war da eine willkommene Abwechslung. Mario verbrachte drei Wochen in Neuseeland und startete seine Rundreise in Auckland. Wir konnten ihn für seine ersten zwei Nächte ebenfalls bei Bev einquartieren, assen Riesenburger bei BurgerFuel, fuhren gemeinsam mit der Fähre von Devonport nach Auckland ins Zentrum, besuchten da den Sky Tower und gingen auf Pub-Tour. Nachdem Sevi und Mario sich noch beim Standup-Paddeln duelliert hatten, fuhr Mario mit seinem tollen Mietwagen davon und wir hatten immer noch keinen fahrbaren Untersatz.

Ich hatte die Schnauze jetzt schon gestrichen voll und ich strapazierte Sevi's Nerven. Das ging mir viel zu langsam und war mir viel zu umständlich.... mir fehlte es mal wieder komplett an Geduld. Beim Abchecken der Mietwagenpreise war aber sofort klar, dass wir uns eine Miete schlichtweg nicht leisten können. Also Schluss mit dem Theater und weiter mit der Suche! Dafür mussten wir aber erst noch unseren Aufenthalt in Auckland verlängern. Leider war Bev bereits ausgebucht und wir mussten die Unterkunft wechseln. Meine Nerven!! Zum Glück fanden wir ein anderes bezahlbares AirBnB in Takapuna. Mitten im Zentrum, keine 100 m zum Strand, und Hani und seine Freundin waren sehr nett.

Nach gefühlten 100 Fahrzeugen und acht Testfahrten sah es dann aber ganz nach einem Volltreffer aus. Die Spanier Jorge und Marina kamen mit ihrem Honda Odyssey 1997 bei uns vorbei. Sie hatten den Wagen erst vor drei Wochen gekauft und waren die ersten, die ihn als "Backpacker-/Campervan" benutzt hatten. Der Wagen hatte "erst" 150'000 km auf dem Tacho - vergleichbare Modelle hatten 250'000 km und mehr auf dem Buckel. Er fuhr sich sehr angenehm und machte keinerlei scheppernden, quitschenden oder surrenden Geräusche. Der Bettaufbau war ideal und bequem mit viel Stauraum darunter und ein Dachfenster fürs Sterne gucken gab's obendrauf. Das Pärchen verkaufte zudem ihre gesamte Campingausrüstung wie Tisch, Stühle, Gasgrill, Geschirr etc. gleich mit. Wir hofften sehr, dass die Garage keine gravierenden Mängel feststellen würde und hatten tatsächlich Glück! Der Mechaniker gab uns ein possitives Feedback. Die Umschreibung erfolgte gleich am nächsten Tag und wir hatten für NZD 3'800 ein komplett ausgerüstetes Fahrzeug! Wir waren total happy. Es versteht sich von selbst, dass wir den Deal gebührend mit Bier begossen.

Am nächsten Tag packten wir unser Zeug in den Honda und staunten nicht schlecht, wie gut da alles reinpasst. Klar, dass unser Auto einen Namen braucht. Einer spontanen Eingebung von Sevi folgend heisst unser Gefährt jetzt Furia Roja :-)))

Furia, Sevi und ich waren startklar. Bevor wir aber Auckland verlassen konnten, fuhren wir einmal quer durch die Stadt in den südlichen Teil, um da Tom und Päde zu treffen. Die beiden waren für fünf Wochen zum Biken in Neuseeland und wir freuten uns, die beiden noch zu sehen, bevor sie in die Schweiz zurück flogen. Tom und Päde hatten sich im "Fat Cat Backpackers" einquartiert und wir konnten da für NZD 40 in unserem Fahrzeug übernachten; Frühstück und Abendessen inbegriffen, was wir fair fanden. Als wir ankamen, fanden wir uns in einem Hippie-Mekka wieder. Alles sehr alternativ und äusserst naturverbunden. Und obendrauf auch noch schmuddelig. Zudem stellte sich heraus, dass sich da alle strickt vegan ernähren und Alkohol tabu ist.... so mussten Tom, Päde, Sevi und ich das (zum Glück!) selbst mitgebrachte Bier versteckt hinter unseren Autos heimlich trinken... Nach dem Abendessen (es gab Gemüsebrühe, 3 Kartoffeln und zwei vegane Gabeln Blattsalat) hatten wir solchen Kohldampf, dass wir uns entschlossen, irgendwo was Richtiges essen zu gehen. Nun ist das Hippie-Dorf extrem abgelegen und wegen dem Bier durfte von uns keiner mehr fahren. Also sind wir zu Fuss zum nächsten Bahnhof gelaufen, da in den Zug rein, eine Station weiter wieder ausgestiegen. Dort hielten wir Ausschau nach einem Restaurant. Das einzige was wir bekamen war dann Take away beim Chinesen.... tja, wir sind zumindest satt geworden bei dieser Spontanaktion und hatten was zu lachen.

Sevi und ich verbrachten dann unsere erste Nacht im Honda und schliefen erstaunlich gut. Nach einem (veganen?) Frühstück verabschiedeten wir uns von Tom und Päde und verliessen Auckland in Richtung Northland. Endlich!

Sky-City

Sydney, Australien - 19. bis 26. Januar 2016

(Video)

Wir kamen pünktlich gegen elf Uhr morgens bei strahlend blauem Himmel in Sydney an. Da unser AirBnB-Gastgeber gerade arbeitete, tragen wir ihn zuerst in der Stadt, um die Schlüssel für unser Zimmer in Empfang zu nehmen. Mit dem Zug fuhren wir zum Circular Quay und warteten da in einem Restaurant auf Stu. Alles lief sehr relaxed und unkompliziert ab. Er hat uns noch kurz den Weg zu seinem Appartement beschrieben und weg war er schon wieder. Unsere Unterkunft liegt in Manly, nahe des berühmten Strandes. Um dorthin zu gelangen, mussten wir die Fähre nehmen. Dabei genossen wir die atemberaubende Sicht auf das Opera House, die Harbour Bridge und die eindrückliche Sky-Line von Sydney.

Nach einer 20-minütigen Bootsfahrt und einem kurzen Spaziergang dem Strand entlang waren wir auch schon in unserem neuen Zuhause angelangt. Erst jetzt merkten wir, wie müde wir waren. Wir wollten uns nur kurz etwas hinlegen (es war 15 Uhr), wachten aber erst am nächsten Morgen mit einem Mordshunger wieder auf. Eine schlechte Voraussetzung, um unsere Vorsätze (gesündere Ernährung und mehr Sport) in die Tat umzusetzen. Ich bin dann ohne Rapha (die war schon zu hangry) in den Supermarkt (Aldi!!) gestürchelt und hab uns mal alles gekauft, was gesund ausgesehen hat. Zum Frühstück gab's ein leckeres Rührei. Wegen der Reduktion der Kohlenhydrate, dem heissen Wetter und dem Jetlag fehlte es uns in den ersten Tagen etwas an Energie, um die Stadt zu erkunden. Wir begnügten uns mit kurzen Spaziergängen an den vielen schönen Stränden von Manly, machten morgens Sport auf der Dachterrasse und kochten wahnsinnig gute Sachen. Unser Gastgeber Stu war kaum zuhause und so hatten wir das wunderschöne Appartement meistens ganz für uns alleine.

Nach ein paar Tagen kamen wir langsam mit den neuen Gegebenheiten klar. Es blieb noch genug Zeit, um uns die Stadt anzuschauen. Wir schlenderten durch den Botanischen Garten, bestaunten die riesigen Kreuzfahrtschiffe bei «The Rocks», besuchten Darling Harbour und China Town und gönnten uns ein, zwei Bier in Kings Cross. Leider hat es nicht mehr geklappt, zwei alte Freunde zu treffen, die hier wohnen. Aber wir kommen ja in drei Monaten wieder. Sydney hat uns gut gefallen. Es geht hier alles sehr relaxed zu und her und die Leute sind viel weniger hektisch und gestresst als in vielen Gross-Städten in unseren Breitengraden. Wir freuen uns jetzt schon, hierhin zurück zu kehren.

imposante Skyline am Circular Quay

Rio de Janeiro, Brasilien - 10. bis 16. Dezember 2015

(Video)

"Ist es tatsächlich möglich, dass die 11 Monate in Südamerika schon bald um sind?" Wir wollten es kaum glauben. Mit gemischten Gefühlen machten wir uns auf den Weg nach Rio de Janeiro, wo wir uns mit Andy treffen wollten. Einerseits freuten wir uns auf ihn, auf die gemeinsame Woche in Rio und auf Weihnachten zuhause, andererseits war das alles irgendwie unbegreiflich und surreal.

Mal abgesehen von dem Gedanken-Karussell verlief die Fahrt nach Rio problemlos. Nach knapp 4 Stunden erreichten wir den Stadtteil Copacabana und fanden auf Anhieb die Adresse, wo wir für die kommende Woche ein Appartement gemietet hatten. Nur leider wussten wir die Wohnungsnummer nicht und der Portier nahm es da sehr genau. Mit den paar Brocken portugiesisch kamen wir leider nicht weit und der gute Herr war so gar nicht kooperativ.Nachdem er uns 10 Minuten auflaufen liess gelang es uns irgendwie, ihm mit Händen und Füssen klar zu machen, wer wir sind und was wir wollten. Die Wohnung liegt im 10. Stock, ist  hell und gross, an super Lage und ideal für 3 Personen.

Nach einer kleinen Verschnaufpause erkundeten wir die nähere Umgebung und assen an der Copacabana eine Kleinigkeit. Am Abend machten wir uns dann auf den Weg zum Flughafen, um Andy abzuholen. Der landete zwar pünktlich in Rio, musste aber eine Ewigkeit auf sein Gepäck warten. So sind wir erst nach Mitternacht vom Flughafen weggekommen. Es reichte gerade noch für ein Willkommens-Bierchen, bevor wir alle drei müde ins Bett fielen.

Am nächsten Tag ging's dann gleich in die Vollen: Es war schön und heiss, und so spazierten wir der Copacabana entlang, wo uns dann zufällig Belinda über den Weg lief. Nach einem Begrüssungs-Caipirinha entschlossen wir, das schöne Wetter auszunutzen und gleich zu viert den Zuckerhut zu besuchen. Die Aussicht von da oben ist einfach traumhaft! Man bekommt einen wunderbaren Gesamteindruck von der Stadt. Später fuhren wir dann an den Strand von Ipanema und verpassten vor lauter Caipirinha den Sonnenuntergang!

Tags darauf schauten wir uns die Innenstadt an. Die Hitze - es war an die 35° C - und die allgemeine Katerstimmung setzten uns ganz schön zu. Und so beschlossen wir, frühzeitig in die etwas kühlere Wohnung zurückzukehren. Am Abend setzte ein heftiges Gewitter ein, was uns aber nicht davon abhielt, fürs Abendessen in strömendem Regen in die nahe gelegene Churrascaria zu laufen. Zurück im Appartement, fielen wir satt und müde in einen komatösen Schlaf.

Am dritten Tag (es war Sonntag) wurde eine Demonstration erwartet und so beschlossen wir, uns nicht an der Copacabana aufzuhalten sondern mit der Fähre nach Niterói rüberzufahren. Es war noch heisser als am Vortag und der kleine Spaziergang entpuppte sich als eine echte Herausforderung. Zurück in der Innenstadt besuchten wir nur noch rasch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten wie die Kathedrale und das Aquädukt - mehr lag wegen der Hitze nicht mehr drin.

Sevi und Andy gingen am Montag ohne mich in die Favela von Santa Marta. Ich hatte mich erkältet (wahrscheinlich wegen den Klimaanlagen überall) und musste passen. Am Abend fühlte ich mich etwas besser. Andy schickte uns zwei alleine ins Restaurant und so gingen Sevi und ich nochmal in der Churrascaria essen und setzten uns später mit einem Caipi an den Strand.

Am Dienstag war ich dann auch wieder voller Tatendrang und zu Dritt fuhren wir per Taxi und Minibus auf den Corcovado zur Christus-Statue "Cristo Redentor". Es war wahnsinnig heiss und es hatte wahnsinnig viele Leute auf der Plattform - im Gegenzug war aber die Aussicht wahnsinnig beeindruckend :-) Anschliessend "schleppten" wir uns noch zur Escadaria Selarón, dieser bekannten Fliesentreppe im Stadtteil Santa Teresa. Den Abend verbrachten wir wieder bei Caipirinha am Strand von Ipanema. Und diesmal verpassten wir den fantastischen Sonnenuntergang nicht! 

Die Woche ging extrem schnell vorüber und schon mussten wir zusammenpacken. Auf diesen Tag konnte ich mich irgendwie nicht vorbereiten. Der Gedanke ans Heimfliegen raubte mir für einen kurzen Moment beinahe den Atem. "Wie bitteschön kann es denn sein, dass das Jahr schon um ist???" Und schon im nächsten Moment freute ich mich riesig, Familie und Freunde endlich wieder zu sehen. Ein Wechselbad der Gefühle. Andy, Sevi und ich fuhren in einer unglaublich langen Taxifahrt (wir benötigten wegen dem vielen Verkehr satte 2,5 Stunden) zum internationalen Flughafen. Da Andy über Portugal und wir über Spanien flogen, verabschiedeten wir uns. Für Andy lief ab da alles rund. Sevi und ich mussten noch ein paar Stunden ausstehen, da unser Iberia-Flug nicht durchgeführt werden konnte. Nach vielen Stunden ungewissem Rumstehen und warten wurden wir dann zum Schluss auf British Airways umgebucht und konnten kurz nach Mitternacht endlich in den Flieger steigen. Und so verliessen wir am 17. Dezember nach 11 Monaten diesen wunderbaren Kontinent. Mir war gleichzeitig zum Heulen und zum Lachen zumute.

Copacabana
(Foto: Andreas Fässler)

Paraty und Ilha Grande, Brasilien - 30. November bis 9. Dezember 2015

(Video)

Die vorerst letzte lange Busreise auf diesem Kontinent führte uns zuerst für einen kurzen Zwischenstopp nach Sao Paulo. Die rund 20-stündige Fahrt verbrachten wir ganz unverhofft recht komfortabel - wir hatten nämlich ohne es zu wissen "Cama" gebucht - sehr breite und bequeme Sitze, die sich beinahe flach herunterklappen lassen. So schliefen wir ein paar Stunden und trafen am nächsten Tag gegen Mittag am Busbahnhof von Sao Paulo ein. 

Der nächste Bus nach Paraty fuhr erst um 16 Uhr. Wir mussten also ein paar Stunden totschlagen und unsere Gastgeberin informieren, dass wir erst spät abends eintreffen würden. Wir kamen bei strömendem Regen gegen 22 Uhr an. Zum Glück holten uns Rejane und Lily am Busterminal ab. Wir waren nicht sicher, ob das uralte, rostige und lottrige Fahrzeug, in das wir einstiegen, es überhaupt noch 10 Meter schafft... zumal die unbefestigten Strassen in einem miserablen Zustand waren. Durch die starken Regenfälle der vergangenen Tage stand alles knöcheltief unter Wasser. Doch wir kamen heil in der Unterkunft an. Die schöne Anlage mit zwei Bungalows und einer Aussenküche steht etwas ausserhalb von Paraty und ist von tropischen Pflanzen und einem Teich umgeben. Ein Paradies - leider auch für Moskitos! Besonders bei diesem Wetter! Was für ein Glück, dass wir unser Moskitonetz dabei hatten. Wiedermal waren wir froh, es die ganze Zeit mitgeschleppt zu haben.

Da unsere Gastgeberin Rejane am nächsten Tag überstürzt abreiste, um irgendwo eine private Angelegenheit zu klären, kümmerte sich derweil Lily um uns. Sie holte uns am nächsten Tag ab und wir fuhren gemeinsam in der Schrottlaube ins Örtchen. Da es bald wieder zu regnen begann, brachen wir den Rundgang jedoch frühzeitig ab und gingen nur noch rasch einkaufen. Die kommenden Tage schüttete es ununterbrochen wie aus Kübeln. So verbrachten wir die meiste Zeit auf der trockenen Veranda und genossen die Ruhe - wir waren nämlich die einzigen Gäste und Rejane war ja auch nicht da. Dafür aber ihre Haustiere: 3 Hunde und geschätzte 12 Katzen kamen immer mal wieder bei uns zu Besuch oder verbrachten die Tage bei uns.

Bald schon hatten wir dann aber genug vom Rumhängen und Nichtstun und waren froh, abzureisen. Zum Glück holte Lily uns wieder ab und fuhr mit uns zum Busbahnhof. Die Strassen im Quartier standen inzwischen nämlich komplett unter Wasser und überall bildeten sich schlammige Seen. Wir wollten als nächstes auf die Ilha Grande - mit ihren über 80 Stränden eine der bekanntesten Inseln Brasiliens. Mit dem Bus ging es zuerst in 2 Stunden nach Angra dos Reis und von da in einer 40-minütigen Bootsfahrt rüber auf die Insel. Der Himmel war zwar nach wie vor bedeckt, aber es regnete nicht! Wir hatten wieder AirBnB gebucht. Diesmal bei Paulo in Vila do Abraão, dem Hauptort der Insel. Wir wurden herzlich begrüsst und gleich mit den wichtigstens Infos und Tipps versorgt. Den Nachmittag und Abend verbrachten wir dann am Strand bei (zu) vielen Caipirinhas und einem leckeren Abendessen (es gab brasilianischen Fischeintopf "moqueca de peixe"). 

Tags darauf schien endlich wieder mal die Sonne! Nachdem uns Paulo ein super Frühstück zubereitet hatte, fuhren wir mit einem Boot in den Südosten der Insel und gingen von da aus zu Fuss an den knapp 2,5 km langen Sandstrand von Lopes Mendes. Wunderschön! Am Abend trafen wir uns wieder mit Belinda, die wir bei den Wasserfällen kennengelernt hatten. Wir gingen schön was Essen und Caipi trinken. Eigentlich waren Belinda und ich danach so richtig in Partylaune. Aber Paulo wollte uns unbedingt zuhause noch seine Version von Caipirinha zubereiten. Der Abend endete damit, dass wir uns auf der Couch (langweilige) Youtube-Videos reinzogen und danach keiner mehr so richtig Bock auf Ausgang hatte. Gingen wir halt ins Bett. Spät genug war es.

Auch am nächsten Tag war das Wetter ganz ok und wir machten eine wunderbare, halbtägige Bootstour. Zurück bei Paulo, lud der uns zum Grillieren ein. Der Abend endete leider damit, dass Paulo zu einem elektrischen Notfall gerufen wurde, wir mit seinen Gästen alleine blieben und die Würste auf dem Grill dem schweren Gewitter, welches einsetzte, zum Opfer fielen.

Die nächsten Tage regnete es wieder und so unternahmen wir nicht mehr wirklich viel. Ich hatte nochmal einen netten Abend mit Belinda, bevor sie nach Rio weiterfuhr. Am letzten Tag unternahmen Sevi und ich einen kleinen Spaziergang am Strand entlang zu den Ruínas do Lazaretto und zum Aquädukt. Dann hiess es Abschied nehmen von der Insel. Wir mussten ja schliesslich pünktlich in Rio sein, um Andy vom Flughafen abzuholen.

Praia Lopes Mendes, Ilha Grande

Florianópolis, Brasilien - 16. bis 26. November 2015


Weniger ist ja bekanntlich mehr. Und so beschlossen wir, unser uruguayanisches Reisetempo nicht nach Brasilien zu exportieren. Für die verbleibenden 4 Wochen auf dem südamerikanischen Kontinent legten wir uns ein paar wenige Highlights im Süden von Brasilien zurecht. Wir wollten an einige der traumhaften Strände, zu den Iguaçu-Wasserfällen und nach Rio. So begannen wir in Floreanópolis - von den Einheimischen auch Floripa genannt. Der Hauptteil der Stadt mit dem Stadtzentrum liegt auf der Ilha de Santa Catarina und ist durch eine Brücke mit dem Festland verbunden. Auf der Insel gibt es über 40 wunderschöne Sandstrände.

Nach einer eher ungemütlichen, 19-stündigen Busfahrt hat uns die Insel dann mit Regen begrüsst. Am Busbahnhof scheiterten wir erstmal bei den Bankomaten. Zum Glück hatten wir vor der Abreise vom weltbesten Verein "Mini-Z Racing Team Switzerland" als Abschiedsgeschenk eine grosszügige Summe Reales bekommen. So hatten wir wenigstens Bargeld für den Bus, um an den Flughafen zu kommen und unser Mietwagen in Empfang zu nehmen. Das war auch nicht ganz einfach: die bei der AVIA konnten alle kaum ein Wort Englisch und wir hatten unsere liebe Mühe mit dem Kauderwelsch, auch Portugiesisch genannt. Für mich klingt das eher wie eine Mischung aus Türkisch und Albanisch... einfach ein wenig liebenswerter und tolpatschiger. Irgendwie haben wir die Fahrzeugübergabe hingekriegt - mit Händen und Füssen, wie sich das gehört. 120 USD Miete für eine Woche. Ein Schnäppchen.

Das Bargeld-Problem war aber noch nicht gelöst und der Automat im Flughafengebäude wollte uns auch nichts rausgeben. Wir hatten noch ein paar USD übrig und wechselten die kurzerhand. Kaum waren wir aus dem Flughafen raus, standen dann da alle internationalen Bankautomaten...

Mit einiger Verspätung sind wir dann in Armaçao bei Fernanda angekommen, die gemeinsam mit ihrer Mutter Marcia ein Zimmer über AirBnB vermietet. Fernanda ist 27 Jahre alt, Architektin, unterrichtet an zwei Unis auf der Insel und spricht fliessend Englisch. Wir bezogen das wunderschöne Zimmer und gingen später bei strömendem Regen am Strand noch was Essen. Gut waren wir mit dem Auto unterwegs.

Der nächste Tag begann, wie der vorherige aufgehört hatte: es regnete in Strömen. Wir verbrachten den ganzen Tag im Haus von Fernanda und Marcia, entspannten, lasen gemütlich und arbeiteten an unserem Blog. Wie wir von unseren Gastgeberinnen erfuhren, hatte es bislang 72 Tage am Stück geregnet! Sehr ungewöhnlich für die Gegend und die Jahreszeit und mit ziemlich grosser Wahrscheinlichkeit dem Phänomen "El Niño" zuzuschreiben. Wir hatten riesiges Glück, denn die folgenden Tage waren sonnig und warm. Es war Mitte der Woche und Fernanda meinte, wir sollten zuerst den Norden der Insel besuchen, da am Wochenende viele Städter an die Strände fahren. Als wir ankamen, waren die Strände bei Daniela, Praia do Forte und Jurerê grösstenteils menschenleer. Wir genossen die Wärme, die weissen Sandstrände und das kühle Wasser. Den nächsten Tag verbrachten wir wieder im Norden - diesmal an den Stränden Praia Brava, Lagoinha und Ponta das Canas. Wie gut, dass wir mit einem eigenen Fahrzeug unterwegs waren und die Insel ganz flexibel bis in den hintersten Ecken erkunden konnten. Leider hatte es ziemlich viel Verkehr auf den Hauptachsen und die gefühlten 2 Mio. Temposchwellen waren mit der Zeit etwas nervtötend.

Den Süden der Insel haben wir uns dann fürs Wochenende aufgespart. Nach einigem Hin und Her entschlossen wir uns, die Wanderung zur Lagoinha do Leste zu machen - wohl einer der schönsten Strände überhaupt und nur zu Fuss zu erreichen. Die 3-stündige Küstenwanderung war wunderschön und weniger herausfordernd als beschrieben. Als wir den Strand erreichten, genossen wir ein erfrischendes Bad im Fluss und assen eine Kleinigkeit aus dem Rucksack. Um nicht wieder den gleichen Weg zurück zu wandern, nahmen wir die Route nach Pântano do Sul und von da den Bus zurück nach Armaçao, wo unser Wagen stand. Was für ein schöner Ausflug!

Da Fernanda und ihre Mutter in Urlaub fuhren, mussten wir die Unterkunft wechseln und wurden ganz in der Nähe fündig. Wieder ein wunderschönes AirBnB bei Marcia (die Zweite) und ihrer Familie. Es war Sonntag und wir machten uns gleich nach dem Umzug auf nach Naufragados, dem südlichsten Punkt der Insel. Zum Strand sind es rund 40 Minuten zu Fuss. Für mich war dies der schönste aller Strände auf der Insel. Auf dem Rückweg assen wir frische, leckere Austern.

Am Montag regnete es wieder. Es war unser letzter Tag auf Floripa. Den Nachmittag verbrachten wir an der Lagune und gingen am Abend nochmal Austern essen. Hmmm... Leider sind mir diese Austern dann nicht gut bekommen. Wahrscheinlich war eine schlechte dabei. Die geplante Weiterreise nach Foz do Iguaçu am nächsten Tag war unmöglich und so ging Sevi los und buchte alles um (Bustickets, Automiete, Unterkünfte...) - das war ein ziemliches Manöver, hatten wir doch für die nächsten zwei Wochen alles schon vorgebucht. Aber Dank Sevis Einsatz hat alles ohne Aufpreis geklappt. Marcia hat sich derweil rührend um mich gekümmert, hat Suppe und Tee für mich gekocht und mich mit einer Wärmeflasche versorgt. 24 Stunden später ging es mir wieder besser und wir nahmen mit zweitägiger Verspätung die Weiterreise zu den Wasserfällen in Angriff.

Auch wenn es sprachlich mächtig klemmt und wir uns auf portugiesisch kaum verständigen können, lernten wir die Brasilianer als offene, hilfsbereite, liebenswürdige und ideenreiche Menschen kennen. Wir fühlen uns wohl und freuen uns auf die verbleibenden (3) Wochen in Brasilien.

Praia Daniela

Von Colonia del Sacramento nach Punta del Diablo, Uruguay - 9. bis 15. November 2015


Ein Leben ohne Termine ist pures Glück und führt zu absoluter Entschleunigung. Dies hat sich vor allem auch auf unser Reisetempo ausgewirkt. So langsam aber sicher lief uns aber die Zeit davon! Wir mussten also dringend einen Zacken zulegen.

Mit der Fähre setzten wir von Buenos Aires, Argentinien nach Colonia del Sacramento in Uruguay über. Nach der reibungslosen Überfahrt mit Cüpli in der ersten Klasse stellten wir mit Entsetzen fest, dass die Argentinier an der Grenze ihre Pesos nicht zurück kaufen wollten und der Kurs auf der Uruguayo Seite 50 % unter dem offiziellen Bankkurs lag. Eben noch triumphierten wir über das chaotische Währungssystem, nun nervten wir uns gewaltig über den Währungsverlust. Der Ärger war allerdings schnell verflogen. Wir kontaktierten gleich nach unserer Ankunft Iseli und Claudia. Von denen wussten wir, dass sie uns entgegen reisen. Wir organisierten ein Treffen ein paar Tage später in Piriápolis und verkauften ihnen das Geld zum Vorzugskurs. So konnten alle profitieren. Nach so viel Arbeit wollten wir uns endlich das Städtchen Colonia ansehen. Wir kletterten auf den Leuchtturm und schlenderten durch die Strassen. Sehr hübsch aber auch sehr übersichtlich. Ein plötzlich aufziehender Sturm beendete unseren Spaziergang jäh. Tags darauf zogen wir weiter in die Hauptstadt Montevideo. Im Bus hatten wir high-speed-Wifi!!! Das ist hier eben Standard. Wir kamen uns ohnehin vor, wie wenn wir in einer anderen Welt unterwegs wären. Alles ist sauber hier. In den Bussen lungern keine düsteren Gestalten rum und die grüne Natur mit den Wäldern erinnerte uns stark an die Schweiz. Montevideo hakten wir auch an einem Tag ab. Wir mussten schliesslich weiter nach Piriápolis. Wir hatten uns dort nämlich doppelt verabredet. Am Nachmittag zu Kaffee und Kuchen bei einer Freundin von Rapha und am Abend mit Iseli für geschäftliche Angelegenheiten. Der besagte Deal war schnell unter Dach und Fach. Danach genossen wir einen der allerschönsten Sonnenuntergänge, den wir je gesehen haben (voll Premium halt) und ein leckeres Essen im Ort. War toll die beiden noch einmal gesehen zu haben.

Da wir ja neuerdings voll im Stress waren, mussten wir auch hier am nächsten Tag wieder weiterziehen. Als nächstes auf unserer Check-Liste: Punta del Este. Die Stadt sieht mit den Hochhäusern direkt am Strand ein wenig aus wie Miami. Da die Hauptsaison hier noch nicht begonnen hat, blieb uns das ganz grosse Touristen-Tohuwabohu zum Glück erspart. Bei unserer Ankunft kehrte das Wetter und am nächsten Tag schüttete es wie aus Eimern. Bei Rapha hat der Wetterumschwung auch gleich eine kurzzeitige Reisedepression ausgelöst. Unser neuer Reiserythmus hat das Ganze sicher noch verstärkt. Wir verlängerten im Hotel und beschlossen, drei Tage später einen Direktbus nach Florianópolis, Brasilien zu buchen, um länger am Strand zu entspannen. Am nächsten Tag besserte sich aber Rapha's Stimmung wie auch das Wetter zum Glück wieder. Wir liehen uns Velos und kurvten am Stadtstrand rum, besuchten Los Dedos (das Wahrzeichen der Stadt - eine Steinskulptur in Form einer Hand), und andere Sehenswürdigkeiten.

Für die letzten beiden Tage in Uruguay mieteten wir uns ein Auto, um die Küste noch ein wenig zu erkunden. Das war am Anfang schon komisch, nach so langer Zeit wieder am Steuer zu sitzen. Wir besuchten die Hippie-Komune in Cabo Polonio, wo wir vom Parkplatz aus in abenteuerlichen Gefährten über die Dünen zum Strand chauffiert wurden. Ein wirklich schöner Ort, indem es keine Elektrizität gibt. Auch hier steht ein malerischer Leuchtturm. Ich habe noch nie so viele davon gesehen. In Punta del Diablo fanden wir per Zufall ein wirklich tolles Hostel. Gemeinsam mir einem brasilianischen Pärchen genossen wir ein phantastisches Abendessen, bei dem wir uns mit Händen und einem wilden Mix aus Spanisch, Portugiesisch und Englisch verständigten. Funktioniert hat es wunderbar und die beiden waren sehr sympatisch. Es braucht manchmal halt wirklich nicht viel für einen gemütlichen Abend.

Tags darauf fuhren wir via Paloma und der Laguna de Rocha wieder zurück nach Punta del Este. Es blieb gerade noch genug Zeit und Geld, um ein Eis zu essen und danach das Restaurant "La Vista" zu besuchen. Es stellte sich heraus, dass  es sich hierbei um ein Dreh-Restaurant handelt, mit toller Sicht über die ganze Stadt. Ich wollte unbedingt noch eine 360 Grad-Timelapse-Aufnahme dort oben machen. Aber das blöde Ding drehte sich so langsam, dass ich nur einen Drittel davon im Kasten hatte, bevor wir die Aktion abbrechen mussten um unseren Bus noch zu erwischen. Wir rannten zum Auto runter, fuhren zum Hotel, um unsere Sachen zu packen, gaben den Wagen ab und kamen etwas verschwitzt und gestresst auf dem letzten Drücker am Busterminal an. Wie war das nochmal mit unserem neuen Reisetempo?

Colonia del Sacramento

Galápagos Inselhopping, Ecuador - 6. bis 11. Mai 2015

Nachdem die Gruppe abgereist war, zogen Sevi und ich in Puerto Ayora (Isla Santa Cruz) erst mal in eine günstigere Unterkunft. Zwar ohne Klimaanlage, aber sauber, gross und für $ 30 pro Nacht ein Schnäppchen. Und nun? Nach 3 Wochen Programm auf dem Silbertablett waren wir wieder auf uns gestellt und genossen die neue, alte Freiheit. Als erstes verschafften wir uns mal einen Überblick über die Tourenangebote... Mann hat das viele Agenturen - und wir waren in jeder drin! Nach einigem Hin und Her war uns klar: Eine Bootstour soll es sein. Aber welche Route? Wie viele Tage? Welches Boot? Preisliche Schmerzgrenze? Das erste Angebot war mir gleich sympatisch und machte einen seriösen Eindruck. Nach systematischem Vergleichen sind wir zum Schluss darauf zurückgekommen und buchten einen 6-tägigen Tripp mit dem roten Motorsegler "Encantada" um die Isla Isabela. Dafür hatten wir im Übrigen auch noch beste Referenz von Antje erhalten, die Anfang Jahr genau auf diesem Schiff war. Alles wunderbar.

Nachdem für Umzug und Organisation einen ganzen Tag draufging, genossen wir den nächsten Tag am herrlichen Strand von Tortuga Bay! Die lange Wanderung dorthin lohnte sich auf jeden Fall! Bis zum Start unserer Schiffstour blieben noch ein paar Tage - und so beschlossen wir, auf die Insel San Cristóbal überzusetzen. Und wieder war's eine holprige Speedboot-Fahrt. Einige der rund 20 Passagiere wurden seekrank und hingen über der Reling. Uns ging's zum Glück gut. Im familiär geführten Hostel wurden wir herzlich empfangen. Die Gastgeber sind pensioniert, die beiden Söhne studieren bzw. arbeiten auf dem Festland und das Rentner-Ehepaar kümmert sich derweil um die Gäste. Echt süss, die beiden! Kaum angekommen, lernten wir Manu kennen und entschieden spontan, mit auf die Tour zu gehen. Je mehr, desto günstiger. Und so fuhren wir zum Schluss zu fünft los: über die Insel zur Laguna El Junco, Besuch bei der Schildkröten-Aufzuchtfarm, runter zum Strand von Puerto Chino und auf dem Rückweg Kaffee und Kuchen bei der Casa de Arbol (Baumhaus) - und das bei schönstem Wetter.

Am nächsten Tag fiel der geplante Ausflug regelrecht ins Wasser - es regnete den ganzen Tag. So sind wir zusammen mit Manu nur bis zum Museum "Centro de Interpretacíon" spatziert. Bisschen Kultur und Geschichte, dann lecker Essen vom Grill.

Der 3. und letzte Tag auf San Cristóbal empfing uns wieder mit stahlblauem Himmel. Nach dem Frühstück fuhren Manu, Sevi und ich zu La Lobería raus und wanderten bis zur Roca Ballena. Und überall lagen da Echsen rum. Auf dem Rückweg konnte man wunderbar mit Wasserschildkröten schnorcheln. Traumhaft - ich war ganz aus dem Häuschen! Am Nachmittag war noch genug Zeit für den Cerro Tijeretas und Punta Carola. Den Tag schlossen wir mit Bier und Ceviche ab. Alles in allem mal wieder eine ganz runde Sache.

Ein Highlight, das Schnorcheln am León Dormido (Kicker Rock) haben wir bewusst ausgelassen. Die wollten allen ernstes $ 100 pro Person dafür haben! Da scheinbar vier der fünf Versorgungsschiffe für Galápagos abgesoffen sind, muss vieles eingeflogen werden, was das eh schon hohe Preisniveau auf den Inseln nochmal um rund 20 % erhöht. Ganz schön heftig und strapazierte unser Konto massiv.... aber da wir nun mal da waren, liess sich das kaum vermeiden. Wir dachten möglichst nicht daran und genossen die Zeit im Paradies.

Manu wartete auf San Cristóbal auf ihren Freund Marco, der eine Woche zum Tauchen rausgefahren ist. Sevi und ich mussten zurück nach Santa Cruz, weil von da unser Schiff ablegte. Wir verabredeten mit Manu, uns dann an meinem Geburtstag in Puerto Ayora nochmal zu treffen. 

Junge Riesenschildkröte auf San Cristóbal