Posts mit dem Label Peru werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Peru werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Cusco und das heilige Tal, Peru - 19. bis 27. August 2015

(Video)

Die vielen Eindrücke des Salkantay Treks und des Machu Picchu mussten wir erst mal setzen lassen. Wir genossen zwei wunderschöne Tage in Cusco, schlenderten durch die engen Gassen, die Hügel hinauf und hinunter, tranken Pisco und assen leckere Eintöpfe.

Wir hatten vor, noch ein paar Tage ins Valle Sagrado zu fahren und so suchten und fanden wir einen Mini Bus, der uns in knapp 2 Stunden nach Ollantaytambo brachte.

..."Ollantaytambo ist das einzige verbliebene Beispiel für Stadtplanung aus der Inka-Zeit. Die Gebäude und Inka-Terrassen sowie die engen Gassen der Stadt befinden sich noch in ihrem ursprünglichen Zustand. Die geraden und engen Strassen bilden 15 quadratische Blocks (canchas), die je einen Eingang zum zentralen Innenhof besitzen, der von Häusern umgeben ist. Einige vornehme Häuser bestehen aus perfekt gearbeiteten Inka-Mauern aus dunkelrosa Stein."... (Quelle: Wikipedia, 26.8.2015)

Da das angedachte Hostel keine verfügbaren Zimmer mehr hatte, wichen wir wieder mal auf Air BnB aus. Eine sehr gute Wahl, wie sich herausstellte! Wir wurden bereits von Florence erwartet, die gleich super Tipps in Sachen Restaurants und Ausflüge bereit hatte. Nach dem Mittagessen entschlossen wir uns, die kostenfreie und touristisch wenig frequentierte Inkastätte Pinkuylluna zu besuchen. Hoch oben am Berg haben die Inkas hier ihre Speicher gebaut - von da oben hat man einen tollen Blick ins heilige Tal, auf das kleine Städtchen und die gegenüber liegende Inka-Festung. Am Abend wurden wir von den Besitzern spontan zum Essen eingeladen: es gab Lomo saltado und frisches Brot aus dem Holzofen.

Nach einem Frühstück der Extraklasse wanderten wir am nächsten Tag nach Pumamarca. Der Inka-Trail führte uns durch das malerische Patacancha Tal, vorbei an alten Terrassen und ursprünglichen Dörfchen. Nach ca. 2 Stunden erreichten wir die Inka-Ruinen von Pumamarca. Wir waren die einzigen Besucher und die absolute Stille an diesem Ort war atemberaubend und irgendwie magisch. Zurück in Ollantaytambo spazierten wir durch den Ort zur alten Inka-Brücke und an den Gleisen entlang zum Bahnhof. Hier kommen nämlich alle Besucher an, die mit dem Zug von/nach Machu Picchu wollen (wie auch wir vor einigen Tagen).

Später gingen wir im besten und teuersten Lokal des Örtchens essen: ich hatte superzartes Lamm und Sevi einen Alpaka-Burger. Hmm... lecker. Die Freude dauerte dann leider nicht lange an. Sevi musste zwei Stunden später gleich zweimal hintereinander mächtig die Türen schletzen. Bei mir dauerte es etwas länger. Ich musste erst ab morgens um 4 Uhr raus - das dann allerdings alle 30 Minuten.... Nachdem die uns offenbar im dämlichen Schicki-Micki-Schuppen vergiften wollten, lag ich für 24 Stunden flach. Florence hat mir frischen Muña-Tee zubereitet, mich mit Kohletabletten versorgt und eine leichte Hühnersuppe gekocht. Bei Sevi war der Spuk schneller vorbei: er konnte abends mit den anderen schon wieder Pisco trinken und hatte gut einen sitzen.

Tags darauf fühlte ich mich wieder etwas besser und wir konnten die Rückfahrt nach Cusco antreten. Wir organisierten einen Taxifahrer und so konnten wir uns auf dem Weg in aller Ruhe Moray und die Salineras anschauen.

Leider waren die darauf folgenden 24 Stunden dann der Horror. Ich hatte einen Rückfall und war nicht im geringsten transportfähig - wir wollten per Nachtbus nach Copacabana, Bolivien. Sevi beschäftigte sich damit, mir Tee zu kochen und die bereits gebuchte Busfahrt und das Hostel zu verschieben.... höhere Gewalt halt. So blieben wir unfreiwillig noch etwas länger in Cusco, bevor wir dann endlich die Reise nach Bolivien antreten konnten.

Plaza de Armas von Cusco

Salkantay Trek und Machu Picchu, Peru - 14. bis 18. August 2015


Cusco war die Hauptstadt des Inkareiches und ist heute Ausgangspunkt für Touren zum Machu Picchu. Das Angebot für Touren zu dieser weltberühmten Inkastadt ist enorm und es wimmelt nur so von Agenturen und verschiedenen Trekking-Routen. Wir haben uns ein paar Tage Zeit genommen und die Angebote verglichen. Eigentlich wollten wir zuerst den Llares-Trek machen. Aber weil das Wetter nicht so gut war, wollten wir uns die Zeltübernachtungen auf über 4'000 m Höhe lieber nicht zumuten. So entschieden wir uns für den etwas längeren 5-tägigen Salkantay Trek mit der etwas teureren Agentur Alpaca Expeditions.

Bereits am Vortag haben wir die Gruppe und den Guide bei einem Briefing kennengelernt. Wir wurden über das Programm informiert und darüber, dass die Wetterprognose eher düster wäre. Cesar, unser Guide, erwartete für die ersten beiden Tage Schnee! So haben wir uns kurz vor Ladenschluss noch mit Termowäsche und Regenschutz eingedeckt.

Am folgenden Tag ging es dann mal wieder früh los. Um 05.00 wurden wir im Hostel abgeholt. Anschliessend holten wir die anderen Teilnehmer ab: Corin aus Manchester, sowie Emely und Shannon aus San Francisco. Nach einer rund dreistündigen Fahrt sind wir am Ausgangspunkt der Wanderung angelangt. Cesar hat uns den Rest der Crew vorgestellt, die aus einem Koch und drei Trägern (Chaskis) bestand. Nach einem erstklassigen Frühstück ging es dann endlich los. Das Wetter hatte über Nacht zum Glück umgeschlagen und wir wanderten im Neuschnee, aber bei Sonnenschein dem Salkantay Pass entgegen. Der Anstieg bis auf 4'600 m war knackig, aber weniger streng als wir erwartet hatten. So langsam macht sich unser Höhentraining bemerkbar. Auf dem Pass hat Cesar eine Inka-Gipfelzeremonie mit uns abgehalten. Das war sehr eindrücklich und wir fühlten uns Pacha Mama stark verbunden. Wie auf Kommando zogen zum Ende der Zeremonie zwei Kondore ihre Kreise über unseren Köpfen. Das sorgte für Gänsehaut, weil diese Tiere hier nur sehr selten gesichtet werden. Nach einem Abstieg bis unter die Schneefallgrenze wurden wir von unserer Crew bereits erwartet. Für jeden von uns stand ein eigenes Lavabo mit Seife bereit, um uns vor dem Essen die Hände zu waschen. Das wirkte für uns zwar etwas deplatziert, war aber nur ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte. Die Crew überraschte uns nämlich mit einem fantastischen und wunderschön angerichteten Dreigänger. Und nach dem Essen staunten wir nicht schlecht über die Chemietoilette. So viel Luxus auf 4'600 m hätten wir wirklich nicht erwartet. Nach einem kurzen 2-stündigen Fussmarsch sind wir dann bei unserem ersten Nachtlager angekommen. Auch hier ging es im gleichen Stil weiter. Die Zelte und Schlafsäcke waren top und das Abendessen hatte Sterne-Niveau. Es gab sogar Bettflaschen für die kalte Nacht im Zelt. Die Nachtruhe wurde durch unsere amerikanischen Freunde leider ein wenig beeinträchtigt. Weil sich Emely in der Stille fürchtet, musste eine "Soundmaschine" die ganze Nacht lang konstantes Meeresrauschen aussondern. Auch das wirkte deplatziert.

Der nächste Tag war dann etwas weniger spektakulär, aber wegen der langen Marschzeit von 9 Stunden anstrengender. Hinter uns verschwand der Salkantay wieder in dicken Wolken und wir konnten uns wirklich glücklich schätzen, dass wir den Pass nicht im Schneegestöber passieren mussten. Das Klima änderte sich nach ca. einer Stunde schlagartig. Als wir die Grenze zum Amazonas Gebiet erreichten, wurde es merklich wärmer und feuchter. Und auch ein paar Moskitos waren wieder da.

Am dritten Tag wurde es dann wieder spannend. Wir starteten den Tag auf einer Kaffee-Plantage, wo wir unseren eigenen Kaffee zubereiten konnten. Vor allem das pflücken der Bohnen ohne maschinelle Hilfe war ein Knochenjob! Unglaublich, was die Leute hier leisten. Und der Kaffee war super lecker. Anschliessend wanderten wir auf einem alten Inka Trail den Berg hoch und konnten von unserem Camp aus auf Machu Picchu rüber schauen. Ein Wahnsinns-Ausblick, den nur wenige Menschen zu Gesicht bekommen. Nach dem Mittagessen zog ein Gewitter auf und wir konnten im letzten Augenblick noch unsere Zelte aufstellen. Das war wirklich knapp. Zum Glück verzogen sich die Gewitterwolken schnell wieder und übrig blieb ein doppelter Regenbogen vor Machu Picchu. Richtig kitschig. Cesar lernte uns ein Kartenspiel aus den Anden und der Abend wurde dann sehr gemütlich und lustig. So langsam wuchsen wir als kleine Familie zusammen.

Der vierte Tag begann gewohnt ruhig. Aber das änderte sich schlagartig, als wir in Hidro Electrica eintrafen. Viele Touristen wandern von hier nach Aguas Calientes, um sich das teure Zugticket zu sparen. So konnten wir uns der Völkerwanderung anschliessen und uns langsam auf die touristische Invasion vorbereiten. In Aguas Calientes angekommen, staunten wir nicht schlecht über unsere Unterkunft. Das Bett war breiter als lang und auf die heisse Dusche freuten wir uns schon seit Tagen. Nach dem Abendessen mussten wir uns bereits von unserer Crew verabschieden. Das fiel uns nicht leicht, weil die Jungs wirklich einen klasse Job gemacht haben. Unglaublich, was die Chaskis alles für uns über die Berge geschleppt haben. Und was der Chefkoch Eulogio mit seinen gerade mal 22 Jahren für uns jeden Tag kredenzte, war einfach spitzenklasse. Ich habe im ganzen Leben noch nie 5 Tage am Stück so viel und so gut gegessen (ausser bei meinen Eltern natürlich). Emily hat dem Koch sogar einen Heiratsantrag gemacht und wollte ihn mit in die Staaten nehmen...

Viel Zeit zum traurig sein blieb uns aber nicht. Am nächsten Tag stand mit der Besichtigung von Machu Picchu das eigentliche Highlight auf dem Programm. Wir reihten uns um 04.30 Uhr in der Kolonne für den Bustransfer ein und erwischten einen der ersten 30 Busse. So gehörten wir zu den ersten Besuchern. Nach einer Führung mit Cesar durch die alten Ruinen machten wir uns zusammen mit Corin auf, den Machu Picchu Montaña zu besteigen. Der Aufstieg war zwar anstrengend, aber von oben hatten wir einen tollen Ausblick auf die Ruinen und die umliegenden Täler. Machu Picchu war, trotz der vielen Touristen, ein Highlight unserer Reise. Besonders beeindruckend war, wie gut erhalten die Bauten immer noch sind. Besonders, wenn man bedenkt dass die Festung auch vielen Erdbeben standhalten musste.

Nach einem späten Mittagessen in Aguas Calientes ging es um 16.22 Uhr mit dem Zug nach Ollantaytambo und von dort per Minibus zurück nach Cusco.

Die Reise war wirklich von A-Z ein tolles Erlebnis. Alpaca Tours hat alles hervorragend organisiert. Wir mussten uns jeweils nur ums Tagesgepäck kümmern. Gruppe, Guide, Crew und Wetter waren super. Zusammenfassend fällt mir eigentlich nur noch eines ein: Mucho Wow! (geflügeltes Wort aus Cesars umfangreichem Spanglish-Wortschatz).

Die ersten Schritte

Arequipa, Peru - 29. Juli bis 10. August 2015

(Video)

Arequipa ist die wichtigste Stadt im Süden von Peru. Direkt vor der Haustür liegen spektakuläre, noch aktive Vulkane sowie die beiden Schluchten Cotahuasi und Colca, die mit ihren bis zu 3'000 Metern Höhenunterschied zu den tiefsten der Welt zählen.

Auch die Stadt selber hat einiges zu bieten. Am ersten Tag haben wir uns einer City-Tour angeschlossen, um uns einen ersten Überblick zu verschaffen. Leider waren die Informationen und die besuchten Orte eher enttäuschend. Als wir dann auch noch die klassischen Touri-Fallen ansteuerten, haben wir uns auf "französisch" verabschiedet.

Die Stadt mit ihren zahlreichen Plätzen und Gässchen haben wir dann auf eigene Faust erkundschaftet. Wirklich schön ist die Plaza de Armas mit den tollen Kolonialbauten und der Kathedrale. Sie gilt als einzigartig, weil sie die ganze Seite der Plaza einnimmt. Noch beeindruckender ist das Kloster Santa Catalina, eines der wichtigsten Bauwerke der Kolonialzeit. Nach ein paar Tagen zog es uns aber wieder raus in die Natur. Weil die Peruaner gerade ihren Nationaltag feierten, war die Stadt voller Touristen (viele davon aus Lima) und die Touren zum Colca Cañon waren total überbucht. Wir entschlossen uns deshalb, den schwerer zugänglichen Cotahuasi Cañon zu bewandern und so dem Touristenstrom auszuweichen. Dafür buchten wir eine Tour mit Übernachtungen in einfachen Hostels und Guide. Am Vortag mussten wir noch einiges erledigen. So galt es, das Hostel zu wechseln, zu packen und unser 10-jähriges Zusammensein adäquat zu feiern. Wir liessen uns nicht lumpen und dinierten im schicksten Restaurant der Stadt.

Cotahuasi Cañon
Am frühen Morgen wurden wir dann mit einer halben Stunde Verspätung im neuen Hostel abgeholt und in eine Agentur geschleppt. Dort wurde uns eröffnet, dass es im Ort unserer dritten Übernachtung gar kein Hostel gäbe und wir zelten müssten. Auch der Guide, den wir bereits persönlich kennen gelernt hatten, wurde kurzerhand ausgewechselt. Zudem hatten die beiden anderen Teilnehmer aus gesundheitlichen Gründen abgesagt, so dass wir wieder einmal in den Genuss einer Privat-Tour kamen. Nachdem wir den Ärger über all diese Änderungen verdaut hatten, packten wir Zelt, Schlafsäcke und Isomatten auf unsere Rucksäcke und fuhren mit dem öffentlichen Bus bis nach Corire. Dort wanderten wir den Berg hoch zum Toro Muerto, wo wir einige der ca. 3'000 vulkanischen Steine mit Petroglyphen der Huari-Kultur (500 bis 1000 n.Chr.) bestaunen konnten. Weiter ging es per Taxi nach Toran, um uns T-Rex Fuss-Spuren anzuschauen. Nach dem Mittagessen in Aplao warteten wir auf dem Dorfplatz vier Stunden auf den Bus, der uns in weiteren 7 Stunden nach Coahuasi bringen sollte. Meine beiläufige Frage, welcher Depp denn eigentlich eine solche Tour zusammenstellen würde, beantwortete Rapha mit der berechtigen Gegenfrage, welcher Depp den eigentlich eine solche Tour buchen und sogar auch noch dafür bezahlen würde... Eine zufriedenstellende Antwort auf diese Fragen gab uns auch die Weiterfahrt nicht. Diese war aufgrund einer fehlenden Asphaltstrasse so holprig, dass es uns beinahe aus den Sitzen schüttelte. An Schlaf war also nicht zu denken und wir waren froh, als wir um 03.00 Uhr unser Ziel erreichten. Wir suchten uns ein Hotel (das klappte bereits beim dritten Anlauf!) und legten uns für 1 Stunde und 43 Minuten aufs Ohr. Denn um 05.00 Uhr mussten wir bereits wieder den Bus nach Pampamarca erwischen. Völlig übermüdet fuhren wir im völlig überfüllten Kleinbus auf einer völlig unbefestigten Strasse weitere drei Stunden den Berg hoch. Wir bezogen unsere Unterkunft und wanderten nach dem Frühstück zu einem phantastischen Steingarten mit traumhafter Aussicht. Die 1'000 Höhenmeter hoch und wieder runter hatten es in sich. Am Nachmittag besichtigten wir noch einen Aussichtspunkt mit einem herrlichen Blick in den Cañon. Danach waren die Batterien endgültig leer und wir gingen früh schlafen. Am nächsten Tag wanderten wir hoch über Cotahuasi der Bergflanke entlang Richtung Huarhua. Dabei konnten wir den ganzen Tag die wirklich atemberaubende Aussicht auf eine durch Canyons zerfurchte Landschaft geniessen. Huarhua ist eine Geisterstadt und die wenigen Personen, denen wir begegneten, machten nicht gerade den freundlichsten Eindruck. Nachdem wir die nahe Salzmine besichtigt hatten, stellten wir unser Zelt auf dem Dorfplatz vor der Kirche auf. Die Nacht war zwar weniger kalt als erwartet, aber dennoch eher ungemütlich zu Dritt im viel zu kleinen Zelt. Wir räumten unser Lager bereits um 4 Uhr morgens und wanderten noch im Dunkeln den Berg hinunter. Im Tal besichtigen wir den Sipia Wasserfall, bevor es per Kleinbus zurück nach Cotahuasi ging. Das Nachmittagsprogramm mit dem Bad in den heissen Quellen mussten wir aus Zeitgründen leider streichen. So fuhren wir um fünf mit dem holprigen Bus zurück nach Arequipa. Die Fahrt wurde uns zusätzlich "versüsst", weil wir direkt neben der Toilette sitzen durften. Statistisch gesehen dürfte höchstens 10 % vom entleerten Blaseninhalt ihr angedachtes Ziel erreicht haben. Ein feiner Duft, der uns da während der 10-stündigen Retourfahrt in die Nase gestiegen ist. Um drei Uhr nachts sind wir wieder in unserem Hostel in Arequipa angekommen und nach der sehnlichst erwarteten Dusche in einen komatösen Schlaf gefallen. Ob sich die Strapazen gelohnt haben? Oh ja!!! Zu 100 %. Aber ich gebe zu, dass ich vor 20 Jahren in der Rekrutenschule für so einen Tagesbefehl eine Meuterei angezettelt hätte.

Colca Cañon
Wir erholten uns anschliessend zwei Tage in Arequipa. Dann machten wir uns in einer geführten Gruppe auf zum Colca Cañon. Dieses Mal wurden wir bereits nachts um 3 Uhr abgeholt. Nach einem kurzen Stopp bei einem Aussichtspunkt, wo wir mit rund 500 anderen Schaulustigen Kondore beobachten konnten, starteten wir unseren Treck in Cabanaconde. Unser Guide war ein wenig panisch. Er hatte in den letzten Wochen wohl genügend Probleme mit laufscheuer Kundschaft aus Lima. Deshalb warf er uns im Minutentakt neue Horrorszenarien an den Kopf, um die Wackelkandidaten vor dem Einstieg in die Schlucht zur Umkehr zu bewegen (extremer Ab- bzw. Anstieg, Brüche, kaputte Knie, Steinschlag, Erdbeben undsoweiterundsofort). Es liess sich aber niemand rausekeln und so wanderten wir die Schlucht runter zum Colca River, wo wir in einfachen Hütten übernachteten. Tags darauf ging es gemächlich weiter zur Oase Sangalle. Ein sehr idyllischer Ort. Wir konnten dort am Pool chillen und uns in den Hängematten erholen. Besonders schön war es, in der Nacht den sensationellen Sternenhimmel zu betrachten. Wir haben die Milchstrasse und Sternschnuppen noch nie so klar gesehen. Am letzten Tag mussten wir wieder früh los laufen: Abmarsch nullfünflochloch. Aber das kratzte die Latinos in unserer Gruppe natürlich nicht die Bohne. Die Schweizer waren die einzigen, die pünktlich stramm standen. Wir sind dann ohne die anderen los und noch vor dem Frühstück die tausend Höhenmeter aus der Schlucht rausgekraxelt. Das war ein wenig wie bei Walking Dead mit diesen vielen schlaftrunkenen und röchelnden Wanderern. Der Ausflug war sehr schön und wir hatten eine tolle Gruppe. Nach den Tagen in der Abgeschiedenheit des Cotahuasi Cañon störten uns auch die vielen Touristen im Colca nicht besonders.

Nach einer weiteren Übernachtung in Arequipa sind wir mit dem Nachtbus nach Cusco weitergefahren.

Plaza de Armas Arequipa

Nasca, Peru - 26. bis 28. Juli 2015

Nasca war wieder mal so ein Ort, der anfangs gar nicht auf unserer Liste stand. Da Rapha aber immer noch nicht fit war, wollten wir etwas langsamer Richtung Arequipa reisen. Deshalb legten wir hier einen Zwischenstopp ein. Der Ort ist bekannt für die Nasca-Linien. In der Wüste wurden auf einer Fläche von 500 km2 zahlreiche Bilder in den Sand gescharrt, welche aufgrund ihrer enormen Dimensionen nur aus grosser Entfernung zu erkennnen sind.

Wir beschlossen, uns das ganze aus der Luft anzuschauen. Mit Aero Paracas sind wir in einer Cesna 30 Minuten lang über die Wüstenlandschaft geflogen. Das war ziemlich holprig. Die Zeichnungen wurden dabei in einem 45-Grad-Winkel angeflogen, und zwar sowohl von der linken wie auch von der rechten Seite. Das war für Menschen mit latenter Flugangst wie mich ziemlich prekär. In meiner eigenen Wahrnehmung habe ich wegen dem Angstschweiss gestunken wie ein Fass Gülle. Ich war froh, dass die Piloten nicht in Ohnmacht gefallen sind. Auch Rapha hat es ein wenig auf den Magen geschlagen. Zum Glück hat sie in weiser Voraussicht aufs Frühstück verzichtet.

Es war trotzdem ein Erlebnis und die Linien-Bilder waren sehr eindrucksvoll. Wir haben unter anderem den Astronauten, den Kolibri, die Spinne und den Affen gesehen. Alles in allem rund 12 Bilder.

Die Stadt selber hat uns auch sehr gut gefallen. Nach zwei Tagen sind wir dann mit dem Nachtbus weiter nach Arequipa gefahren.

Startklar

Ica, Peru - 21. bis 26. Juli 2015

(Video)

In Lima haben wir nur den Bus gewechselt und sind direkt nach Ica weitergereist. Von dort ging es mit dem Taxi ins 5 km entfernte Huacachina. Dieser Ort liegt in einer von Sand-Dünen umgebenen Oase und ist eine touristische Attraktion. Wir verbrachten eine Nacht dort, weil wir unbedingt mal in einer Oase schlafen wollten. Am Folgetag buchten wir eine Sand-Buggy-Tour. Es war witzig, mit dem Gefährt Marke Eigenbau durch die Dünen zu rasen. Auf einigen Dünen machten wir Halt und konnten mit Sandboards die Hügel runter flitzen. Das brauchte anfangs ein wenig Überwindung, weil das Gefälle im Sand sehr schwer einzuschätzen ist. Rapha hatte dann die glorreiche Idee, einen Hügel auf dem Board stehend runter zu fahren. Ihren Übermut bezahlte sie mit einem schmerzhaften Sturz auf ihr Steissbein, was sie noch ein paar Wochen spüren sollte...

Nach der Tour wurden wir im Hostel von unserem Gastgeber aus Ica abgeholt. Wir staunten nicht schlecht, als wir unser temporäres Zuhause betraten. Eine schicke Villa mit Pool in einem noblen Viertel. Hier lässt es sich gut leben! Luis und Victoria, unsere Hosts, haben sich fantastisch um uns und die anderen Gäste gekümmert. Sie bieten sogar eigene Touren zu den umliegenden Sehenswürdigkeiten an. So sind wir mit Luis in das nahe gelegene Paracas Reservat gefahren. Ein wunderschönes, karges Küstengebiet in der Wüste.

Da Rapha seit einigen Tagen über Zahnschmerzen klagte, beschlossen wir, in Ica einen Zahnarzt aufzusuchen. Wir waren froh, dass wir unsere gut situierte Gastfamilie um Rat fragen konnten. Victoria hat gleich einen Termin organisiert und uns ins Taxi gesetzt. Rapha hat während der Fahrt noch die wichtigsten zahnmedizinischen Begriffe auf Spanisch in ihr Kurzzeitgedächtnis gepaukt und wenig später sass sie bereits auf dem Schragen. Die Praxis war wider Erwarten sauber und modern eingerichtet. Ein Loch war es zum Glück nicht - aber irgendwas drückte wohl auf den Zahnnerv. Die Zahnärztin hat den Zahn aufgebohrt und den Nerv mit einem Medikament behandelt. Sollte es in fünf Tagen nicht besser sein, sollen wir wieder vorbei kommen. Gut, dass die Zahnarztpraxis auch Niederlassungen in anderen Städten hat. Wir hoffen aber natürlich, diesen Service nicht in Anspruch nehmen zu müssen.

Da Rapha auch sonst gesundheitlich immer noch angeschlagen war (die Erkältung hielt sich hartnäckig), haben wir ein paar Tage am Pool gefaulenzt. Zusammen mit einem Holländer bin ich noch auf die Düne hinter dem Haus gestiegen. Was von unten einfach aussah, entpuppte sich dann doch als ziemliche Herausforderung. Aber die Aussicht war fantastisch.

Das Highlight haben wir uns dann für den letzten Tag aufgehoben. Wir sind zurück in die Oase nach Huacachina gefahren. Dort haben wir die Skischule von Laurent aufgesucht. Laurent ist Schweizer und arbeitet mit viel Enthusiasmus daran, seinen Sport (Sandski und Sandboarding) in Peru zu etablieren. Nach einer kurzen Einführung sind wir bereits mit einem Sandbuggy zu den grossen Dünen gefahren. Mit echten Skis und Bindung, aber in kurzen Hosen, sind wir die Dünen runter gewedelt. Als durchschnittlicher Schnee-Skifahrer hat man den Dreh schnell raus und es macht irrsinnigen Spass.

Wir sind nach dem "Sandriden" zurück in unsere Villa gefahren, wo wir uns von unseren Gastgebern verabschiedet haben. Victoria war schon etwas traurig darüber, dass wir abreisten. Aber da ihre Tochter in Genf studiert, hoffen wir auf ein Wiedersehen in der Schweiz. Am Nachmittag haben wir den Bus nach Nasca genommen und erreichten unser Ziel nach knapp drei Stunden Fahrt.

Oase Huacachina

Trujillo / Huanchaco, Peru - 18. bis 20. Juli 2015

Die achtstündige Busfahrt von Huaraz nach Trujillo war mal wieder spektakulär! Zuerst ging es auf einer kurvenreichen, engen Bergstrasse einmal quer über die Cordillera Negra hoch bis auf 4'200 m.ü.M. und von da auf Meereshöhe runter. Und das im doppelstöckigen Bus... verrückt. Wer auf diesem Streckenabschnitt im Bus aufs Klo muss, hat verloren :-) 

Wir freuten uns auf Meer, Ceviche und wärmere Temperaturen. Obwohl es um die Jahreszeit an der Küste meist bewölkt ist und vom Meer her ein kühler Nebel ins Land zieht, hatten wir echt Glück mit dem Wetter und es war angenehm warm. In Trujillo angekommen, warteten auch schon die Taxifahrer auf uns und kämpften um unsere Aufmerksamkeit.... ich mag es gar nicht, so belagert zu werden. Nun gut, wir entschieden uns für einen der Herren und fuhren nach Huanchaco. Die rund 30-minütige Fahrt war sehr angenehm und unser Taxifahrer wusste links und rechts viel zu zeigen und zu erzählen. Huanchaco war dann optisch erstmal eher enttäuschend. Wohl ein Paradies für Surfer, aber der Ort an sich und der Strand haben wenig Charme. 

Wir waren froh, als wir endlich im Hostel ankamen. Ich war richtig platt. Zu meiner bestehenden Erkältung kamen fiese Kopfschmerzen hinzu, und so verbrachte ich die folgenden zwei Tage mehrheitlich im Bett. Unser Zimmer war wie geschaffen dafür: grosszügig, bequemes Bett, Blick aufs Meer, kleine Terrasse mit Hängematte. 

Viel länger wollten wir dann aber auch nicht in diesem Ort bleiben und entschieden daher, am 3. Tag den Nachtbus nach Lima zu nehmen. Nachdem ich mich wieder etwas fitter fühlte, nutzten wir den verbleibendem Tag für etwas Kultur. Und davon gibt es in Peru ja reichlich!

Am Vormittag besuchten wir die Huacas del Sol y de la Luna. Die Adobe-Pyramiden dienten als Zeremonialtempel der Moche-Kultur, die vom 1. bis zum 8. Jahrhundert von der Landwirtschaft lebten und dafür ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem entwickelten. Zudem betrieben die Moche ein hochentwickeltes Keramik-Handwerk. Viele, teilweise unversehrte Stücke sind im neu errichteten Museum ausgestellt. 

Am Nachmittag besuchten wir dann die Stätten der etwas jüngeren Chimú-Kultur (1250 bis 1470). Zuerst machten wir Halt am Regenbogentempel (Huaca Arco Iris), bevor wir Chan Chan besuchten. Diese Hauptstadt des Chimú-Reiches entstand um 1300, erstreckte sich auf 28 km2 und beherbergte zwischen 60'000 und 100'000 Einwohner.  

Selbstverständlich durfte auch ein kurzer Stopp an der Plaza de Armas in Trujillo nicht fehlen. Die gelbe Kathedrale, die da steht, sieht echt schön aus. 

Nachdem vollgepackten Tag waren wir müde genug, um auf der zehnstündigen Busfahrt nach Lima ein paar Stunden Schlaf zu kriegen.

Huanchaco Beach

Huaraz, Peru - 6. bis 17. Juli 2015

(Video)

Vom Amazonas flogen wir nach Lima, von wo aus wir direkt per Nachtbus nach Huaraz weiter fuhren. In knapp 14 Stunden von 124 m auf 3'100 m über Meer! Wir hatten einen heiden Respekt vor der Höhe und beschlossen deshalb, das Ganze gemütlich anzugehen. Huaraz ist Ausgangspunkt für die angrenzende Hochgebirgsregion Cordillera Blanca mit Perus höchstem Berg Huascarán (6'768 m). Die Stadt wurde durch Eissturm und Erdbegen zweimal fast komplett zerstört. Heute sieht man davon nichts mehr. Huaraz ist das Zentrum für Bergsport in der Region und wird auch die peruanische Schweiz genannt.

Die ersten beiden Tage haben wir gefaulenzt, das Stadtzentrum erkundschaftet und gut gegessen. Dabei ist uns beim minimalen Anstieg zurück zum Hostel bereits fast die Puste ausgegangen. Wir haben dann beschlossen, den ultimativen Stresstest zu wagen und buchten für den dritten Tag eine Mountainbike-Tour.

Julio, unser Guide (absolut empfehlenswert!), hat uns mit Top-Bikes, Helm und Handschuhen ausgerüstet. Der Aufstieg war zum Glück sehr sanft und wir waren überrascht, wie locker-flockig wir den Berg hoch radelten. Die Abfahrt war super abwechslungsreich. Mal auf Singletrails, mal über Wiesen, mal auf alten Inkastrassen ging es zurück nach Huaraz. Rapha hat mich dabei mit ihrem Mut beeindruckt. Wunderbar, mit welch' graziöser Aggressivität sie die technisch anspruchsvollen Passagen bewältigt hat. Wir hatten beide unseren Spass.

Am nächsten Tag machten wir uns zu Fuss auf zur Laguna Wilcacocha (3'750 m). Hier kamen wir schon mehr ins Schwitzen. Aber die Aussicht runter auf Huaraz mit den Bergen der Cordillera Blanca im Hintergrund waren den steilen Aufstieg mehr als wert.

Nach vier Tagen Akklimatisation fühlten wir uns bereit, um den populären viertägigen Santa Cruz Trek in Angriff zu nehmen. Morgens um fünf wurden wir im Hostel abgeholt und fuhren zusammen mit drei Spaniern, dem Guide, unserem Koch und dem Eseltreiber zum Ausgangspunkt nach Vaqueria. Die Fahrt dahin dauerte fünf Stunden und uns stockte auf den schmalen und holprigen Strassen mehrmals der Atem. In Vaqueria angekommen, wurde unser Gepäck, das Essen und die Zelte auf die Esel verpackt. Nach einer leichten, vierstündigen Wanderung kamen wir in unserem ersten Camp auf 3'800 m an. Wir waren froh, dass wir ein Esszelt dabei hatten, denn es wurde bitterkalt, als die Sonne hinter den Bergen verschwand. So fanden wir immerhin Schutz vor dem bissigen Wind. Mit allen verfügbaren Klamotten und mit Innenschlafsack ausgerüstet haben wir zu Abend gegessen. Um acht Uhr gingen wir bereits schlafen. Schön, wenn man wie ich mit einem so tiefen Schlaf gesegnet ist. Rapha ist da klar minderprivilegiert. Die Arme konnte kaum schlafen und musste mehrmals nachts auf die Toilette. Eine Tortur. Vor allem, weil uns am nächsten Tag die "Etappa Reyna" bevorstand.

Am Morgen bei unter Null Grad aus dem Schlafsack schlüpfen ist nicht gerade meine Lieblingsdisziplin. Zum Glück gab es Coca-Tee zum Aufwärmen. Wir haben schnell gefrühstückt und zusammengepackt. Heute sollten acht Stunden gewandert und dabei ein Pass auf 4'750 m passiert werden. Kein leichtes Unterfangen auf dieser Höhe, zumal wir beide so stark erkältet waren, dass wir nicht mehr durch die Nase atmen konnten. Bei Rapha kamen wahrscheinlich vom Biken noch starke Hüftschmerzen dazu. Um es kurz zu machen: wir kamen beide an unsere Grenzen und ich musste Rapha noch vor der Passhöhe versprechen, dass wir so etwas NIE mehr machen werden. Als wir endlich oben ankamen, waren die Strapazen - oh Wunder - wie weggewischt. Die atemberaubende Aussicht in das Santa Cruz Tal, umgeben von diversen Riesen (unter anderem dem Berg von Paramount Pictures), Gletschern und Seen war einmalig und jede Anstrengung wert. Die schönsten Sachen muss man sich halt hart erarbeiten. Und die Erkenntnis dazu auch. Der Abstieg zum Camp  2 auf 4'200 m war dann ein Leichtes.

Zum Glück waren die Etappen der letzten beiden Tage vorwiegend flach. So konnten wir die einmalige Bergwelt trotz Erschöpfung und Krankheitserscheinungen doch noch geniessen. Als wir nach vier Tagen endlich unser Ziel in Cashapampa erreichten, waren alle Teilnehmer gesundheitlich angeschlagen. Aber wir waren natürlich alle mächtig stolz auf unsere Leistung. Es war schon was Spezielles, auf einer Höhe von bis zu 4'200 m zu zelten. Wir hatten übrigens riesiges Glück mit dem Wetter und dem Guide. Und unser Koch hat uns mit einfachsten Mitteln sensationell verpflegt.

Leider hat sich Rapha auf der Wanderung noch stärker erkältet. So mussten wir die Tage nach dem Trek ein paar Gänge runter schalten und konnten keine weiteren Wanderungen mehr unternehmen. In unserem gemütlichen, aber leider etwas kalten Hostel, haben wir uns noch ein paar Tage von den Strapazen erholt.

Hellmine und Hellmut Tell

Iquitos, Peru - 1. bis 5. Juli 2015

(Video)

Es war schon 8 Uhr, als wir in Iquitos endlich von Bord durften. Die Mototaxis standen schon Schlange, wir nahmen gleich das erste und los ging's. Mein allererster Eindruck: wir sind hier in Bangkok. Es ist heiss, stickig, es wimmelt von TukTuks, überall Streetfood- und Marktstände - ein farbenfrohes, lautes Gewusel. Iquitos. 400'000 Einwohner. Am Amazonas. Nur auf dem Luft- oder Wasserweg zu erreichen. Mich hat die Stadt auf Anhieb begeistert und in ihren Bann gezogen. Unterwegs im TukTuk ist dann zweimal der Motor abgesoffen und zum Schluss verlangte der Fahrer stinkfrech 15 Soles (CHF 4,50) und damit den dreifachen Preis, dieser Halsabschneider! Hat uns mal wieder einer über den Tisch gezogen! Bis wir das realisiert hatten, war das Mototaxi schon weg. Naja, wir sprechen hier von ein paar Franken, aber es geht ums Prinzip! Kurz das angedachte Hostal aufgesucht, Gepäck abgeladen und ab zum Frühstücken. Gleich um die Ecke gabs ein Bistro mit dem besten Frühstück seit Monaten. Lecker Baquette und Gipfeli - und richtigen Kaffee! Wir waren happy und ab da jeden Tag mindestens einmal im Bistro.

Wir hatten kurz überlegt, von Iquitos nochmal ein paar Tage in den Regenwald zu fahren. Aber es lief recht harzig. Von der angefragten Finca erhielten wir keine Antwort und die anderen Lodges waren uns zu esoterisch oder zu stark Ayahuasca-orientiert. Ach ja... Ayahuasca... dieser halluzinogene Pflanzensud soll Körper und Geist reinigen und einen in höhere geistige Dimensionen bzw. in Trance versetzen. Zusammen mit Voodoo und Coca omnipresent in dieser Stadt. Keiner, der nicht davon spricht oder deswegen hier ist. Wir begegnen dem Ganzen sehr skeptisch und mit gemischten Empfindungen. Einerseits wissen wir schlicht zuwenig darüber, andererseits hat die Anwendung unter Aufsicht von (selbsternannten...?) Schamanen eher bedenkliche Auswirkungen auf den Menschen. Wir lassen da mal schön die Finger davon. Aber die spirituellen Schwingungen kriegen selbst wir als dafür kaum zugängliche Wesen zu spüren. Wir beide hatten nachts ganz intensive Träume - meine handelten von so vielen vergessen geglaubten/gehofften Momenten meiner Teenagerzeit... es war dermassen real, dass mich die Gedanken daran nicht mehr losgelassen haben. Ich habe mich tagelang wie in einer Blase im Kreis gedreht... diese unfreiwillige Rückführung hat mich erst im Flieger Richtung Lima wieder losgelassen. Eigenartig und kräfteraubend. Aber ich will jetzt nicht mehr weiter darüber nachdenken.

Die Tage in Iquitos verbrachten wir mit kleinen Ausflügen in und ausserhalb der Stadt. So besuchten wir die Pilpintuwasi-Schmetterlingsfarm in Padre Cocha, wo auch noch andere Tiere untergebracht sind, die irgendwo illegal als Haustiere gehalten wurden und glücklicherweise entkamen. Zwischendurch schaute sich Sevi die letzten Spiele der Copa America an. Und der Markt im Stadtteil Belén war natürlich ein Highlight sondergleichen.... hier kriegt man einfach alles! Vor allem alles, was illegal ist... Tukan- und Schildkrötenfleisch, Schlangen- und Krokodilleder, präparierte Affenköpfe und, und, und.... der weitläufige Markt ist an Düften, Gestank, Farben und Skurrilem nicht zu überbieten. Ein unvergleichliches teils befremdliches Erlebnis. Zwischenzeitlich hatte ich mich auch noch erkältet und so lief weiter nicht viel mehr. Wir schlenderten durch das quirllige Iquitos, unterhielten uns mit mehr oder weniger interessanten Leuten und planten unsere Weiterreise nach Huaraz. 5 volle Tage in dieser Stadt waren dann auch mehr als genug und wir freuten uns auf angenehmere Temperaturen.

Frühstück im Amazon Bistro

Auf dem Amazonas von Lagunas nach Iquitos, Peru - 28. bis 30. Juni 2015

Da unser Frachter nach Iquitos erst gegen Abend am Hafen von Lagunas erwartet wurde, hatten wir den ganzen Tag Zeit, zu entspannen und die vielen Eindrücke aus dem Regenwald etwas setzen zu lassen. Wir gaben unsere Wäsche ab und gingen gemütlich bei Paólas Familie frühstücken. Es war Sonntag und auf dem Hauptplatz war grade eine Schulfeier. Alle Schüler waren rausgeputzt und in ihrer Schuluniform und wurden klassenweise vom Schulrektor geehrt. Da hat man mal wieder gesehen, wie kinderreich Südamerika doch ist.... vor allem in einem solchen "Kaff" wie Lagunas, mit bloss 10'000 Einwohnern.

Um 13.00 stand dann plötzlich Paóla vor unserer Tür und meinte, das Schiff käme nun doch früher als erwartet und wir müssten innerhalb einer Stunde am Hafen sein - da kam just etwas Hektik auf. Zum Glück war unsere Wäsche schon trocken und wir konnten packen. Keine 10 Minuten später setzte ein tropischer Regen ein.... gut, war da unsere Wäsche nicht mehr auf der Leine! Schnell das Hostel bezahlt und im Mototaxi zum Hafen. Unterwegs wollten wir uns noch Hängematten für die Schifffahrt kaufen. Leider waren alle Läden geschlossen (Sonntag). Sevi hat sich dann am Hafen nochmal auf die Suche gemacht, und ist prompt fündig geworden. Das Schiff kam dann übrigens doch erst um 17.00.... die paar Stunden haben wir also am Hafen totgeschlagen.

Die M/F Gilmer IV, ein verrostetes und bereits in die Jahre gekommenes Frachtschiff ist in drei Klassen eingeteilt. Auf dem untersten Deck werden Tiere und die ganze Fracht verstaut. Die zweite Klasse auf dem mittleren Deck ist die etwas günstigere Passagier-Kategorie und wird von den meisten Einheimischen gebucht. Auf dem obersten Deck befinden sich die erste Klasse sowie 6 Kabinen. Meine anfängliche Skepsis gegenüber der Schifffahrt hat sich schnell gelegt. Beim Boarding hat alles wunderbar geklappt und unsere Kabine sowie die Toiletten an Bord waren wider erwarten recht sauber. An Deck hängten wir unsere Hängematten auf, machten es uns gemütlich und quatschten mit den wenigen anderen Backpackern. An Bord waren rund 300 Menschen und nur 10 davon Touristen. Der Sonnenuntergang - begleitet von rosa Delfinen - war spektakulär. So schön hatten wir den schon ewig nicht mehr gesehen! An Deck wurde es dann allmählich recht frisch und wir zogen uns für die Nacht in unsere Kabine zurück. 

Zum Sonnenaufgang waren wir wieder draussen auf Deck. Ach war das schön! Den Tag verbrachten wir mit quatschen, lesen und schlafen in der Hängematte. Zwischendurch gab es auch mal was zu essen - gar nicht mal so schlecht. Weil die Peruaner total fussballverrückt sind und Peru gerade das Viertelfinal der Copa America gegen Chile bestritt, legten wir pünktlich zum Anpfiff in Nauta an. Die meisten Passagiere gingen hier von Bord und das Abladen der Ware hat gute zwei Stunden gedauert. Wir haben das Fussballspiel im Radio mitverfolgt. Peru hat verloren... die Peruaner nahmen es relativ gelassen hin und unsere Fahrt ging weiter. Kurz nach Nauta fliessen die beiden Flüsse Marañón und Ucayali zusammen und ab da heisst er Amazonas! Um 22.00 passierten wir diese Stelle - ein toller Gänsehaut-Moment, sich am Ursprung des riesigen Amazonas zu wissen! 

Kurz vor Sonnenaufgang trafen wir nach rund 44 Stunden am Handelshafen von Iquitos ein. Wir mussten noch einen Moment an Bord bleiben und konnten das emsige Treiben vom Oberdeck aus beobachten. Beim Zusammenpacken mussten wir dann leider feststellen, dass eine unserer Hängematten nicht mehr da hing und über Nacht den Besitzer gewechselt hat.... hier kommt einfach alles weg, was nicht niet- und nagelfest ist.... Gut, hatten wir für unser ganzes Zeug eine abschliessbare Kabine. Eine lohnenswerte Investition. Trotz dieses Wermutstropfens sind wir beide überglücklich, uns für diesen Weg entschieden zu haben! Wir sind um viele Bilder und Erlebnisse reicher.

Baden ist. Überall. Auch in Lagunas.

Tiere der Reserva Pacaya Samiria (nur Fotos)


Reserva Pacaya Samiria (Lagunas), Peru - 20. bis 27. Juni 2015

(Video)

"Wir könnten ja mit dem Boot über den Amazonas nach Iquitos reisen". Rapha war nicht gerade begeistert von dieser Idee. Aber der Gedanke hat sich nun mal in meinem Hirn eingenistet. Und je länger mir dieser durch den Kopf geisterte, desto mehr wollte ich diese Reise machen. Iquitos ist die grösste Stadt der Welt, die nur per Boot oder Flugzeug erreichbar ist. Es führt keine Strasse dahin. Diese Information allein genügte mir, um dorthin zu wollen. Ein echtes Abenteuer - halt völlig abseits der ausgetretenen Touristenpfade.

Leider habe ich Rapha damit etwas überfahren. Sie tendierte eher dazu, die Küste anzusteuern und ein paar Tage am Strand zu verbringen. Nach langem Hin und Her haben wir uns dann darauf geeinigt, zuerst mal den Nationalpark Pacaya Samiria im Amazonas-Delta anzusteuern und dann spontan vor Ort zu entscheiden, wie es weiter gehen soll.

Im völlig überfüllten Kleinbus (12 Stunden ohne Kopfstütze) sind wir von Chachapoyas via Tarapoto nach Yurimaguas gefahren. Dort wurden wir spät am Abend von Winston erwartet, den wir vorab für die Dschungeltour im Nationalpark kontaktiert hatten. Er hat uns in seinem privaten TukTuk zu unserem Hostel und anschliessend in sein Büro gefahren. Nach guter Beratung haben wir uns entschieden, am nächsten Tag mit dem Schnellboot nach Lagunas zu fahren (5 Stunden), von dort aus eine 6-tägige Dschungeltour zu machen und danach mit dem Cargo-Frachter in zwei Tagen nach Iquitos zu fahren. Dieser Plan stimmte nun auch für Rapha, weil es einfach zu viele Reisestunden gewesen wären, um auf dem Landweg an die Küste zurück zu fahren.

Winston hat uns am nächsten Tag abgeholt und zum Hafen gebracht. Ein vierzig Meter langes Boot mit ca. 80 Plätzen wartete da auf uns; bis auf den letzten Platz gefüllt und nicht sehr komfortabel. Wir waren froh, als wir nach gut 5 Stunden endlich in Lagunas ankamen. Dort wurden wir bereits von Paóla erwartet. Sie brachte uns zum Hostel und half uns am nächsten Tag bei den Formalitäten. Wir mussten zuerst zur Bank, um den Parkeintritt einzuzahlen und danach zur Polizei, um uns registrieren zu lassen. Da trafen wir dann auch auf unsere Guides, dem Ehepaar Abraham und Florina.

Schnell noch alles Nötige auf ein Mototaxi verladen und los gings. Nach 40-minütiger Fahrt zum Parkeingang stiegen wir ins Kanu um. In diesem Einbaumkanu wurden wir von Abraham (unserem Guide) und Florina (unserer Köchin) in Richtung Rio Samiria gondoliert. Erst jetzt realisierten wir allmählich, dass wir auf diesem Ausflug die Tage vorwiegend auf dem Fluss verbringen würden. Je weiter wir vorankamen, desto dichter wurde der Dschungel. Abraham war ein unglaublich guter Guide. Er hat Tiere gesehen, die wir aus nächster Nähe erst nach einigen Minuten erkennen konnten. Hier eine kleine Auflistung: Blaue und rote Aaras, Faultiere, Affen aller Art, Leguane, graue und rosa Delfine, Flussotter, Anakonda und andere Schlangen, Pirañas und andere Fische, viele Vögel (Adler, Tukane...), Kaimane, Krokodil, Eichhörnchen (das war grösser als viele der Missgeburten, die bei uns noch als Hunde durchgehen), Baumratten und Schildkröten. Es war schlicht der Wahnsinn!

Übernachtet haben wir in einfachen, offenen Hütten ohne Strom und Betten. Florina hat uns jeden Abend eine Matte ausgelegt und ein Moskitonetz gespannt, und so haben wir auf dem Boden in unseren Seidenschlafsäcken geschlafen. Die Geräuschkulisse war atemberaubend. Mehr Dschungel geht nicht. Am ersten Tag gabs noch Dusche und Toilette im Camp. Aber auf diesen Komfort mussten wir ab dem zweiten Camp verzichten. Fliessendes Wasser gabs nur noch im Fluss. Wir haben die Abkühlung sehr genossen. Allerdings nicht sehr lange. Am dritten Tag durften wir uns nämlich als Fischer versuchen. Nach nur 2 Minuten hatten wir beide je einen roten Piraña aus dem Fluss gezogen. Das hat uns dann irgendwie von weiteren Badegängen abgehalten.... Fortan haben wir uns das Wasser zum Duschen mit einem Plastikbehälter geschöpft. Im selben Gefäss haben wir auch unsere Kleider gewaschen und daraus gegessen. Alles sehr einfach.

Das Essen war übrigens vorzüglich. Unglaublich, wie Florina uns mit einfachen Mitteln verwöhnt hat. Es gab täglich frischen Fisch, meist schon zum Frühstück (Fischknusperli). Gekocht wurde am offenen Feuer und mit Wasser aus dem Fluss. Im selben Fluss wurden auch Mensch und Geschirr gewaschen. Wir waren froh, dass unsere von der Industrie deformierten Wohlstandsmagen nicht komplett kolabierten.

Am dritten Abend wollten wir eigentlich nachts nochmal mit dem Kanu los, um Krokodile aufzuspüren. Leider hat es dann so stark geregnet, dass wir unverrichteter Dinge zu Bett gegangen sind. Nachts um drei Uhr hat uns Abraham geweckt und irgendetwas von "Cocodrillo" geschwafelt. Völlig schlaftrunken haben wir uns, leicht angesäuert, aus unseren Schlafsäcken geschält und wollten uns für die Bootstour bereit machen. Da haben wir gesehen, dass Abraham ein schwarzes Krokodil gefangen und wie einen Hund vor unserer Hütte angebunden hatte. Er ist dafür extra mitten in der Nacht los gefahren, um uns eine Freude zu machen. Fortan lebten wir aber mit der latenten Angst, dass er uns auch noch eine Anakonda vors Bett legt.

Nach sechs Tagen auf dem Fluss sind wir voller Eindrücke wieder in Lagunas angekommen. Die Expedition war ein unbeschreibliches Erlebnis. Tagelang vom Kanu aus die Natur geniessen und Tiere beobachten, widrigen Wetterbedingungen, Moskitos und Stechfliegen trotzen und die einfachen Dinge des Lebens schätzen. Manchmal braucht es so wenig zum perfekten Glück!

auf dem Río Marañón

Chachapoyas, Peru: Kuélap und Gocta Wasserfall

Nach dem anstrengenden Trekking freuten wir uns auf die gemütliche Bustour nach Kuélap, einer ehemaligen Festung der Chachapoya. Wir wurden erst gegen 10.00 Uhr in unserer Unterkunft in Choctámal abgeholt und konnten vorher noch in Ruhe frühstücken. Zusammen mit anderen Touris aus Chachapoyas fuhren wir dann die rund 45 Minuten im Bus. Die letzten 2 km hoch zur Fortaleza de Kuélap mussten wir zu Fuss bewältigen.

Die Festung liegt hoch oben auf einem Berg auf 3'000 Metern Höhe und ist nur von einer Seite zugänglich. Sie ist umgeben von einer gut 20 Meter hohen Mauer und beherbergte wohl bis zu 2'000 Menschen. In die Festung gelangt man über drei schmale Zugänge, durch die nur eine Person auf einmal durchpasst. Hinter den Mauern befinden sich Ruinen von über 300 Häusern, verteilt auf drei Plattformen, auf denen verschiedene Gesellschaftsklassen angesiedelt waren. Ob der Ort dauerhaft von den Chachapoya bewohnt oder lediglich im Notfall benutzt wurde, lässt sich nicht sagen. Von der Festung hat man einen herrlichen Rundumblick, was aus strategischer Sicht bestimmt von grosser Bedeutung war.

In Chachapoyas gönnten wir uns einen Ruhetag und führten mal wieder unseren Blog nach. Am folgenden Tag machten wir dann einen Ausflug zum Gocta-Wasserfall, der mit seinen 771 m Fallhöhe der drittgrösste der Welt ist. Nach zweistündiger Fahrt erreichten wir das kleine Dorf Cocachimba. Von da aus ging es dann 5 km zu Fuss zum Wasserfall, der schon von Weitem zu sehen war.

Der Wasserfall war lange unbekannt und wurde erst 2006 auf Initiative eines Deutschen hin registriert und vermessen. Die umliegende Bevölkerung glaubte nämlich, dass im Wasserfall eine Meerjungfrau mit ihren Schlangen einen Goldschatz beschützt und jeden mit dem Tod bestraft, der sich ihr nähert. Und so mieden die Menschen den Ort. Nachdem ihnen der Deutsche demonstriert hatte, dass sich dieser Mythos nicht bewahrheitet, begann man langsam, den Ort für den Tourismus zu erschliessen. Schon spannend, an was man so alles glauben kann... 

Wir haben unseren letzten Tag hier sehr genossen. Nun sind wir bereit für eine 12-stündige Busfahrt nach Yurimaguas. Wir haben nämlich spontan entschlossen, als nächstes in den Peruanischen Amazonas zu fahren. 

Chachapoyas, Peru: Trekking Ruta de la Gran Vilaya

Da wir ja gerne wandern, haben wir beschlossen, eine mehrtägige Tour zu machen. Pünktlich um 7.30 Uhr wurden wir von unserem Guide Ronald abgeholt. Zusammen mit Matt, einem jungen Mathematik-Lehrer aus London, machten wir's uns im PW erstmal gemütlich. Die Fahrt war einmal mehr spektakulär - stundenlang ging es auf gewundenen, grösstenteils unbefestigten Strassen über Hügel und Berge durch die Anden. In der Provinz Luya machten wir Halt und besuchten eine weitere Grabstätte - die Sarcófacos Karajía. Der Unterschied zu Revash ist hier, dass die Chachapoya ihre Mumien in über 2 Meter hohen Figuren bestattet haben, welche sie dann auf die Felsvorsprünge stellten. Sehr eindrücklich.

Dann wurde die Strasse immer unwegsamer und wir mussten vom PW in ein Offroad-Fahrzeug umsteigen. Es hatte in der Nacht zuvor geregnet und der lehmige Untergrund war dementsprechend aufgeweicht. Der Fahrer musste ein paar Mal aussteigen, um die Lage beurteilen zu können.

Kurz nach dem Mittag ging es dann endlich los. Wir wanderten durch das wunderschöne Flusstal "Valle Huaylla Belén", wo sich der Fluss noch seinen eigenen Weg suchen darf. Nach einem kurzen Anstieg ging es gut 1'000 Höhenmeter bergab - nach 4 Stunden trafen wir in Congón ein, wo wir übernachteten. Das kleine Bauerndörfchen hatte schon tagelang keinen Strom - so auch kein Warmwasser. Mussten wir halt kalt duschen. Doch Dank Agregator konnte der Fussballmatch Mexico gegen Chile dann doch geschaut werden. Und das ganze Dorf sass dabei! Um 21.00 war dann allgemeines Lichter-Löschen.

Nach einer sehr geruhsamen Nacht und einem tollen Frühstück machten wir uns ans Herzstück der Tour: Es standen 9 Stunden und 30 km auf dem Programm. Davon rund 1'600 Höhenmeter aufwärts und 1'000 m abwärts. Zum Glück hatten wir für diesen Abschnitt ein Pferd dabei. So konnten wir ohne Rucksack loslaufen und hatten im Notfall noch einen Plan B. Sevi's Problem-Knie hatte auf dem steilen Abstieg vom Vortrag gelitten und schmerzte auf den ersten Kilometern höllisch. Zum "Glück" ging es nach ein paar km dann nur noch bergauf... damit hatte sein Knie keine Probleme mehr. Dafür aber meine Kondition! Zudem war das mit der Höhe mal wieder so eine Sache: ab 2'500 Meter über Meer ging uns erst recht die Luft aus. Unser Guide hatte dafür natürlich eine Lösung parat: Coca-Blätter sollten helfen. Man füllt sich die Backen mit den Blättern und kaut darauf rum. Ich habs's probiert. Genützt hat es nicht wirklich. Und schmecken tut es auch nicht. Als würde man auf einem Schwarzteebeutel rumkauen.... eklig. Ronald, unser Guide, schwört auf dieses Zeug. Bei ihm scheint es zu helfen - liegt wahrscheinlich daran, dass er Kalk dazumischt. Legal ist das wohl eher nicht....

Rückblickend kann ich nicht sagen, wie genau ich diese Tortour geschafft habe. Aber als wir dann auf dem höchsten Punkt in Yumal auf 3'350 m standen, war die Freude und die Erleichterung gross und wir alle waren mächtig stolz auf unsere Leistung. Die verbleibenden 3 Stunden runter ins Dorf nach Choctámal waren beinahe schon entspannend. Sevi's Knie war allem Anschein nach auch genug warm gelaufen und hat auf dem Abstieg keine Mätzchen mehr gemacht. Das kühle Bier haben wir uns mehr als verdient! Zum Abendessen gab es eine leckere Trucha (Forelle), bevor wir um 20.00 erschöpft ins Bett fielen. Leider war meine Nacht dann allerdings alles andere als erholsam. Mein Magen hat - wahrscheindlich aus lauter Erschöpfung - total verrückt gespielt und ich musste stündlich raus. Zum Glück stand am 3. und letzten Tag nur noch die Besichtigung von Kuélap auf dem Programm - im Bus und ohne langem Fussmarsch.

 Sarcófacos Karajía

Chachapoyas, Peru: Mausoleos de Revash

Für den Sonntag haben wir uns einer Tour angeschlossen und fuhren zuerst zum Markt nach Yerbabuena. Von da aus ging's durch eine spektakuläre Landschaft weiter hoch in das kleine Andendorf San Bartolo auf rund 3'000 m. In den vielen kleinen Bergdörfern scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.... Von San Bartolo erreicht man auf einem kleinen Fussmarsch die "Mausoleos de Revash". Die Chachapoya haben ihre Toten mumifiziert und im Fels bestattet. Je angesehener die Person zu Lebzeiten war, desto höher oben bekam sie ihre letzte Ruhestätte. Am Nachmittag besuchten wir das Museum in Leymebamba, mit vielen zusätzlichen Informationen über die Kultur der Chachapoya. Zudem weist das Museum eine beachtliche Anzahl gut erhaltener Mumien auf, welche in den Mausoleen bei der Laguna de los Condores gefunden wurden. Das war ein spannender, informativer und schöner Sonntagsausflug.


Chachapoyas, Peru - 13. bis 19. Juni 2015

(Video)

Chachapoyas ist die Hauptstadt der Region Amazonas, liegt im Norden von Peru auf 2'335 m und hat ca. 30'000 Einwohner. Hier lag früher auch das Zentrum der Chachapoya, einem prähistorischen Andenvolk, deren Kultur laut Forschern vor rund 2'000 Jahren begann und erst 1475 von den Inkas unterworfen wurde. Nicht so berühmt wie der Machu Picchu, fliessen die Gelder hier nur spärlich. Archäologen meinen, dass die Gegend eine der höchsten Dichten an unentdeckten, indigenen Orten in ganz Südamerika aufweist. Wir waren sehr gespannt.

Nach der langen und aufregenden Anreise brauchten wir aber erst eine kurze Verschnaufpause. José vom Chachapoyas Backpackers Hostel hatte für diesen Fall auch gleich einen Tipp parat: Das kleine Dorf Huancas. So haben wir erst mal gemütlich gefrühstückt und sind erst gegen Mittag per Minibus in das verschlafene Nest gefahren. Das Highlight: nur 15 Minuten zu Fuss und es eröffnet sich einem einen herrlichen Blick auf den Cañón del Sonche, wo tief unten der gleichnamige Fluss rauscht.

Zurück in Chachapoyas, sind wir zuerst durch die Innenstadt spaziert und haben gegen Abend auf der Dachterrasse des Hostels noch unser Fitnessprogramm absolviert. Zuschauer und Abendstimmung inklusive.

Dorfplatz in Huancas

Von Vilcabamba nach Chachapoyas, Peru

Wir hatten einen genauen Plan, wie wir von Vilcabamba nach Chachapoyas in Peru gelangen. Allerdings hatten wir keine Vorstellung davon, was uns effektiv erwarten sollte.

Am ersten Tag sind wir per Bus 5 Stunden nach Zumba gefahren. Die gut ausgebaute Strasse endete bereits kurz nach Vilcabamba und der Untergrund wechselte regelmässig zwischen Lehm und Schotter. Bei uns würden hier definitiv keine Busse verkehren. Die Strasse war an bedenklich vielen Orten von Schlammlawinen und Steinschlägen beschädigt und räkelte sich an teils schwindelerregenden Abgründen unserem Ziel entgegen. Irgendwo im Nirgendwo ging es dann erst mal gar nicht mehr weiter, weil die Strasse komplett verschüttet war. Wir mussten eine Stunde warten, bis ein Bagger den Weg frei geschaufelt hatte. Die Leute nahmen es mit Gelassenheit zur Kenntnis, und so sind wir zwar mit kleiner Verspätung, dafür aber heil in Zumba angekommen. Wir haben ein nettes Hostel bezogen und vom Zimmer aus den allerschönsten Regenbogen bestaunt. Nach einer kurzen Erkundungstour durchs Dorf haben wir uns noch das Eröffnungsspiel der Copa America zu Gemüte geführt. Der Ort hat uns, wohl weil er so abgeschieden ist, gut gefallen.

Am nächsten Tag ging es dann abenteuerlich weiter. Per "Ranchera" wollten wir zur Grenze La Balsa fahren. Bei diesem Gefährt handelt es sich um einen alten Lastwagen, bei dem die Lade durch einen Chiva Partybus-Aufsatz ausgewechselt worden ist. Die Strasse wurde noch holpriger. Die hölzernen Sitzbänke verbogen sich dabei so stark, dass sie teilweise sogar aus der Verankerung gesprungen sind und man sich den Kopf an der Decke angeschlagen hat. Dazu gab's aus den Boxen den üblichen Latinosound, der das Motorengeräusch knapp übertönte. So schlängelten wir uns, im Sitzen tanzend, unserem ersten Etappenziel entgegen. Dabei bekam die Definition von "am Arsch der Welt" mit jeder passierten Siedlung eine neue Bedeutung.

In La Balsa haben wir den Ausreisestempel vom Ecuadorianischen Beamten schnell bekommen. Leider mussten wir feststellen, dass das peruanische Büro auf der anderen Flussseite geschlossen war. Wir machten uns ein wenig Sorgen, hier zu stranden. Wir waren die einzigen Touris und es stand nur noch ein einziges Sammeltaxi für die Weiterfahrt bereit. Nach ca. einer Stunde warten kam dann der zuständige Beamte endlich. Er musste mal kurz zur Bank im nächsten Dorf...

Als wir die Einreiseformalitäten endlich hinter uns gebracht hatten, war das eine Taxi zum Glück immer noch da und wir konnten uns die letzten beiden Plätze ergattern. Wir kamen mit rund dreistündiger Verspätung in San Ignacio an und rechneten nicht mehr damit, unser Tagesziel zu erreichen. Aber von hier an lief plötzlich alles wie geschmiert. Wir mussten unser Fortbewegungsmittel noch vier Mal wechseln, dabei aber nie mehr als 10 Minuten warten, bis es weiter ging. Bei den Polizeikontrollen konnte man wahlweise entweder den Pass oder Geld überreichen. Über Jaén, Bagua Grande und Pedro Ruiz haben wir um 19.00 Uhr endlich Chachapoyas erreicht.

Es war eine anstrengende Reise aber ein tolles Erlebnis. Wir sind während der ganzen Zeit keinen anderen Gringos begegnet und die Landschaft war einmal mehr atemberaubend.

DER Plan