Posts mit dem Label Trekking werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Trekking werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Fiordland, Neuseeland - 16. bis 23. März 2016

(Video)

Am Morgen unserer Abreise in Wanaka hatte Andy eine Überraschung für uns parat: Er musste zwar schon ganz früh zur Arbeit, informierte aber per SMS, dass er uns ganz kurzfristig noch auf seinen 10-Uhr-Flug in den Milford Sound einbuchen konnte! Wir konnten unser Glück kaum fassen und waren ganz aufgeregt. Da wir sofort nach Queenstown aufbrechen mussten, blieb nur noch wenig Zeit zum Packen und für ein kurzes Frühstück. Danach verabschiedeten wir uns von Myl und fuhren über den Crown Range von Wanaka nach Queenstown. Nach gut einer Stunde erreichten wir pünktlich den Flughafen, wo wir bei Milford Sound Flights bereits von Andy erwartet wurden. In einer kleinen Maschine (12 Plätze) hoben wir ab und flogen bei traumhaftem Wetter über Queenstown, den Lake Wakatipu und die Südlichen Alpen in den Milford Sound hinein. Auf dem Hinflug sass ich als "Co-Pilot" neben Andy und hatte von da vorne natürlich die beste Aussicht! Aber das war noch nicht alles! Denn Andy wäre nicht Andy, hätte er uns nicht auch noch Plätze auf der zweistündigen Schiffstour im Milford Sound besorgt. Der Tag hätte perfekter nicht sein können. Und als ob das nicht schon längst genug gewesen wäre, wollte Andy kein Geld von uns haben... Es blieb uns nichts anderes übrig, als uns mit einem grossen Apero für das Milford Sound Flights Team wenigstens ein kleines Bisschen zu revanchieren. Dann mussten wir uns leider auch von Andy verabschieden. Wir hatten eine tolle Zeit, haben viel erlebt und sind unendlich dankbar! 

Immer noch ganz aus dem Häuschen, fuhren wir am Nachmittag am wunderschönen See entlang von Queenstown via Glenorchy nach Kinloch und richteten uns da auf dem DOC Campingplatz ein. Am Abend kam ein kalter Wind auf und wir verkrochen uns früh in unser super gemütliches Autokino, um ein paar Folgen "Breaking Bad" zu gucken.

Am nächsten Morgen brachen wir noch vor Sonnenaufgang und ohne Frühstück zum nahegelegenen Ausgangspunkt für den Routeburn Track auf. Eigentlich hatten wir letzten Herbst auch für diesen Great Walk alle Hütten vorgebucht. Da jedoch die Wetteraussichten für die kommenden Tage sehr schlecht waren, wir die Hütten aber wegen der starken Nachfrage nicht mehr umbuchen konnten, entschlossen wir uns, die Wanderung von vier auf zwei Tage zu verkürzen und nur den ersten Teil der Strecke zu laufen. Vom Parkplatz aus ging es bei Dämmerung in gut zwei Stunden durch einen schönen Wald zur ersten Hütte, wohin wir dann später auch für die Nacht zurückkehrten. Nach einem ausgiebigen Frühstück und mit leichtem Gepäck machten wir uns auf zum Harris Saddle. Da wir den in Rekordzeit erreichten, stiegen wir auch noch auf den Conical Hill hoch und wurden von da oben mit einer traumhaften Sicht auf die umliegenden Berge und die Tasmanische See belohnt. Als wir gegen Abend in der Hütte ankamen, traf uns beinahe der Schlag... wir teilten uns die Unterkunft mit rund 20 Schulmädchen im extrem anstrengenden Alter von 14 Jahren. Die eine Nacht hielten wir das gerade noch so knapp durch.

Am nächsten Morgen regnete es und der Ranger sprach eine Sturmwarnung aus. Zum Glück hatten wir es nicht mehr weit von der Hütte zurück zum Parkplatz. Auf den zwei Stunden durch den Wald kamen uns trotzdem Massen von Wanderern entgegen. Definitiv ein Nachteil dieser Great Walks, die einfach extrem touristisch und überlaufen sind. 

Wir fuhren zurück nach Queenstown. Da organisierten wir als erstes einen Garagentermin. Furia brauchte nämlich einen Ölwechsel und wir wollten bei der Gelegenheit gleich versuchen, einen neuen WOF (Warrant of Fitness = Strassenzulassung) zu bekommen. Als nächstes suchten wir einen Zahnarzt mit Notfalldienst. Sevi hatte eine Füllung verloren und sein Zahn schmerzte. Wir hatten beim dritten Anlauf Glück und bekamen noch am selben Tag einen Termin. Noch einmal Glück hatten wir dann auf dem Campingplatz. Wir waren spät dran und ergatterten den letzten Platz. 

Bei regnerischem Wetter verbrachten wir das Wochenende im viel zu touristischen Queenstown. Dort assen wir den legendären Ferg-Burger (der wirklich lecker war), tranken gutes Bier im Smith's, verweilten einen Nachmittag im Fitness-/Aqualand und planten unsere Weiterreise.

Am Montag brachten wir Furia zum Service. Um die Wartezeit zu verkürzen, mieteten wir uns zwei Downhill Bikes. Bei gutem Wetter ging's mit der Gondel hoch auf den Bob's Peak und auf einem der vielen Trails wieder runter. Das machte Spass! Auf der dritten Runde fühlte ich mich beflügelt, übermütig und stark genug, um in einem Affenzahn über eine schmale Holzrampe zu brettern. Mitten auf der Rampe verliess mich dann der Mut so schnell, wie er gekommen war. Statt in voller Fahrt geradeaus weiterzufahren, versuchte ich, abzubremsen. Ein fataler Fehler. Ich flog samt Bike in hohem Bogen von der Rampe und holte mir beim Sturz ein paar heftige Prellungen. Es war zum Glück nichts gebrochen und ich konnte bald schon über mich und meinen Übermut lachen.

Am Nachmittag holten wir Furia ab. Der Bescheid der Garage war dann etwas ernüchternd. Um den WOF für weitere sechs Monate zu erhalten, müssten wir ca. NZD 1'000 investieren, was sich für uns schlicht nicht lohnt. Und zwei neue Reifen müssen her. Na ja, Reifen besorgen wir. Der aktuelle WOF ist noch so lange gültig, wie wir in Neuseeland sind. Ist dann halt ein Nachteil, wenn wir den Wagen verkaufen müssen.

Nach der Garage fuhren wir von Queenstown weiter nach Te Anau am gleichnamigen See. Von da aus startet der Kepler Track, den wir kurzfristig ins Auge gefasst hatten. Leider waren die Hütten alle schon für Wochen ausgebucht. Daher beschlossen wir, einfach eine Tageswanderung daraus zu machen und so weit wie möglich zu marschieren. 

Am nächsten Morgen liessen wir uns mit dem Boot in die Brod Bay übersetzen. Damit ersparten wir uns 2,5 Stunden Laufzeit um den See herum. Dieser 10-minütige Spass kostete uns NZD 50... Wucher! Die Wanderung begann mit einem 800 m-Aufstieg durch einen wunderschönen Wald. Über der Baumgrenze hatten wir dann einen fantastischen Ausblick auf den Te Anau See. Wir erreichten die Luxmore Hütte und stiegen weiter hoch bis zum Gipfel des Mount Luxmore. Auf dem Rückweg machte sich dann meine Hüfte bemerkbar. Leider waren wir für das Boot zu spät dran und mussten den ganzen Weg bis nach Te Anau zurücklaufen. Die letzten drei Stunden lief ich unter teils heftigen Schmerzen. Auf dem Campingplatz gab es eine Sauna. Die kam für uns wie gerufen!

Während wir auf der Wanderung waren, bekam Furia zwei neue Reifen. Wir steuerten dafür einfach die erste Garage in Te Anau an. Sevi war sich ziemlich sicher, dass es sich bei dem Garagisten um den selben Typen handelte, der vor 12 Jahren sein Fahrzeug aus dem Milford Sound abgeschleppt und repariert hatte. Wie klein die Welt doch sein kann!

Southern Alps

Wanaka, Neuseeland - 11. bis 15. März 2016

(Video)

Wir hatten mit Andy vereinbart, dass wir uns vor der Abfahrt in Franz Josef bei ihm melden würden. Dummerweise ist die ganze Westküste ein einziges, grosses Funkloch und wir konnten erst nach vier Stunden Fahrzeit mit ihm Kontakt aufnehmen. Da waren wir schon am Lake Wanaka und standen praktisch vor seiner Haustür. Andy war am Telefon wenig überraschend etwas wortkarg. Er meinte, dass er erst abends um acht Uhr zu Hause wäre. Wir entschuldigten dafür, dass wir uns nicht früher gemeldet hatten und fuhren nach Wanaka rein, um die Zeit in einem Café zu überbrücken und eine Flasche Wein als Gastgeschenk zu organisieren. Als wir im Laden standen, rief uns Andy noch einmal an und meinte, wir sollten jetzt gleich zu seinem Haus fahren, wo seine Frau Myl mit dem Abendessen auf uns warten würde… Also machten wir uns schleunigst auf den Weg. Das Haus steht etwas ausserhalb von Wanaka auf einem grosszügigen Grundstück mit tollem Garten und einer herrlichen Aussicht auf die Berge. Myl begrüsste uns herzlich und erklärte uns, dass Andy gerade als Pilot mit einer Gruppe Geologen um die Gletscher fliegt. Nun war uns auch klar, wieso er am Telefon so kurz angebunden war. Sie zeigte uns unser Zimmer und da klingelte auch schon wieder das Telefon. Erneut war es Andy aus dem Flugzeug, der wissen wollte, ob wir Lust hätten, spontan mit ihm nach Queenstown zu fliegen. Was für eine Frage! Einige Minuten später flog er mit der kleinen Maschine eine extra Schlaufe über sein Haus. Derweil sprangen wir ins Auto und fuhren zum Flughafen Wanaka, wo Andy schon auf uns wartete. Was für ein Empfang! Bei gutem Wetter flogen wir über den Crown Range Pass in rund 20 Minuten nach Queenstown. Als die Maschine im Hangar verstaut war, hatte Andy auch endlich Feierabend und wir konnten uns richtig begrüssen. Wir fuhren in seinem Wagen über den Pass zurück nach Wanaka. Bereits bei der ersten Steigung wusste ich genau, um welche Strecke es sich hierbei handelte. Hier hatte ich zusammen mit F.K. aus B. vor 12 Jahren unser Auto verloren. Die verhängnisvolle(n) Kurve(n) sahen immer noch genau gleich aus, und ich musste Andy natürlich die ganze Geschichte erzählen. Seine berechtigte Frage war nur: «What drugs did you guys take»… Wer die ganze Geschichte kennt, kann diese Reaktion sicher nachvollziehen und verstehen, dass es für mich eine sehr emotionale Sache war, so unvermittelt wieder an diesem verhängnisvollen Ort zu stehen… Zurück in Wanaka, stand auch schon ein leckeres Essen für uns bereit. Danach sind wir todmüde ins Bett gefallen. Was für ein Tag!

Am nächsten Morgen sind wir von Kinderstimmen geweckt worden. Es stellte sich heraus, dass Mary mit ihren Enkelkindern zu Besuch war. Mary ist Andys Schwester und war ebenfalls mit uns in Bolivien am Biken. Was für eine tolle Überraschung! Sie war die letzten Tage im Gebirge am Wandern und liess sich am Morgen von einem ihrer Söhne per Helikopter aus dem Outback abholen, um uns zu besuchen. Klingt vielleicht komisch, ist aber so. Andy belustigte die zwei Jungs (und auch sich selber) mit einer selbst gebastelten "Orange Gun", mit der er Äpfel und anderes Grünzeug durch die Luft schleuderte. Nach einem gemeinsamen Frühstück gingen wir mit ihm an die grösste Landwirtschaftsmesse des Landes (so eine Art Neuseeländische Olma), die zufälligerweise gerade in Wanaka stattfand. Dort sahen wir verschiedenen Wettbewerben zu und flanierten gemeinsam übers Gelände. Anschliessend besuchten Rapha und ich ein Rodeo und dann gab es auch schon wieder Nachtessen. Lammfilet... hmmmm!

Für den nächsten Tag organisierte uns Andy zwei Plätze für eine Bootstour mit Eco Wanaka Adventures auf dem Lake Wanaka. Um neun Uhr schipperten wir mit unserem Guide Chris zur Insel Mou Waho in der Mitte des Sees. Chris erklärte uns mit viel Enthusiasmus, wie hier die vom Aussterben bedrohten Wekas wieder aufgezüchtet werden und wie seine Organisation den einheimischen Waldbestand schützt. Bei jeder seiner Tour pflanzen die Teilnehmer einen Baum auf der Insel. Besonders schön und wohl auch ziemlich einzigartig war der See auf der Insel im See. Die Wekas waren sehr zutraulich und selbstverständlich pflanzen auch wir einen Baum.

Für den Nachmittag hatte uns Andy dann zwei Fully-Bikes flott gemacht. Damit steuerten wir den nahe gelegenen Deans Bank Track an, der sich wunderschön dem Hawera River entlang schlängelt. Wir sind lange nicht mehr im Sattel gesessen und die 30 Kilometer brachten uns ganz schön ausser Atem. Aber der Singletrail war toll und wir genossen den Bikeausflug sehr. Am Abend habe ich Andy dann noch beim Holzhacken geholfen, was noch anstrengender war als das Biken.

Am vierten Tag wollten wir unbedingt die Gegend noch ein wenig erwandern. Wir waren nicht sehr motiviert, weil unsere Beine vom Biken immer noch stark in Mitleidenschaft gezogen waren. Aber weil das Wetter so toll war, entschlossen wir uns spontan, auf den Mount Roy zu klettern. Die 1'200 Höhenmeter waren schon ziemlich anstrengend. Aber die Aussicht auf den See und die südlichen Alpen waren die Strapazen definitiv wert.

An unserem letzten Tag bei Myl und Andy schlug das Wetter um und es regnete den ganzen Tag. Nach dem Mammut-Programm der vergangenen Tage kam uns der Regen sehr gelegen und wir nutzten die Zeit, um endlich wieder einmal unseren Blog nachzuführen. Am Nachmittag fuhren wir in die Stadt, um auf der DOC-Info unsere Möglichkeiten für den bereits gebuchten Routeburn Track (unsere nächste Destination) zu erörtern. Die Wettervorhersage für die kommenden Tage war nämlich sehr wechselhaft und wir hatten keine Lust, diese vier- bis sechstägige Wanderung im Dauerregen zu absolvieren. Leider konnten wir an der Buchung nichts mehr ändern, da alle Hütten komplett ausgebucht waren. Wir entschieden uns deshalb, das Programm einfach zu verkürzen und nur einmal in der ersten Hütte zu übernachten. Am Abend luden wir Myl und Andy zum Abendessen in ein Restaurant ein. Es war ein toller Abend und ein würdiger Abschluss unseres Besuchs bei den Woods. Vielen herzlichen Dank an dieser Stelle für die unglaubliche Gastfreundschaft! Wir haben es sehr genossen und Wanaka hat uns unglaublich gut gefallen. Wir fragten Andy beiläufig noch, wo wir allenfalls einen Rundflug zum Milford Sound buchen könnten. Er meinte nur, dass er uns für morgen allenfalls in einer Tour unterbringen könnte und uns auf den stolzen Preis von 500 NZD pro Person ziemlich sicher einen Rabatt von 50 % gewähren könnte. Es scheint, als stünden wir derzeit wirklich auf der Sonnenseite des Lebens. Mal schauen, was der morgige Tag uns bringt…

Anfahrt auf Wanaka

Abel Tasman Nationalpark, Neuseeland - 26. Februar bis 3. März 2016


Die Überfahrt von Wellington nach Picton fing ganz harmlos an. Die grosse, moderne Fähre verfügte über sehr konfortable Sitzecken. Wir richteten uns für die dreistündige Fahrt ein und frühstückten gemütlich. Irgendwann auf halber Strecke wurde die See deutlich unruhiger... Sevi und ich, beide so gar nicht seetauglich, mussten unseren Lesestoff beiseite legen und uns mit einem Anautin aus der sich anbahnenden Seekrankheit heraushelfen. Die Tablette wirkte im Nullkomanichts, machte uns aber extrem schläfrig.

Zur Mittagszeit legten wir in Picton an. Wir waren beide ziemlich groggy und froh darüber, dass wir an diesem Tag nicht mehr allzu weit fahren mussten. Unser erstes Ziel war Nelson. Da gingen wir beim DOC-Visitor-Center vorbei und brachten unseren nächsten Great Walk unter Dach und Fach. Sevi hatte nämlich die spontane Idee, den ersten der fünf Tage im Abel Tasman Nationalpark per Kayak statt zu Fuss zurückzulegen. Und das buchten wir gleich so. Anschliessend fuhren wir noch etwas näher an den Nationalpark ran und quartierten uns in Motueka in einem Top 10 Holiday Park ein. Da sind wir Mitglied und bekamen 10 % Rabatt. Der Campingplatz ist zwar mit 44 NZD  trotzdem teuer, hat aber alles zu bieten - heisse Duschen und ein kleiner Pool inklusive. Am Abend trafen wir uns mit anderen Campern im Barbecue-Bereich und genossen ein paar gesellige Stunden. Dabei konnten wir glücklicherweise einen grösseren Schaden verhindern... eine deutsch-neuseeländische Familie setzte nämlich den Gasgrill in Brand, ohne es zu merken! Zum Glück sass ich gerade in der Nähe und sah die aufsteigenden Flammen. Sevi war dann mit dem Feuerlöscher prompt zur Stelle.

Wir starteten unser nächstes Abenteuer in Marahau, rund 30 Autominuten vom Campingplatz entfernt. Nach einer ausführlichen Instruktion wurden wir samt Kayak bei Ebbe zu Wasser gelassen und paddelten los. Wir hatten ein Doppelkayak und mussten erst mal einen gemeinsamen Rhythmus finden. Das gelang uns relativ schnell und wir kamen flott voran. Das Wetter war bombastisch und es gab entlang der Küste kaum Wind. Wir genossen die Ruhe und die komplett andere Perspektive vom Wasser aus. An einigen der zahlreichen Sandstrände machten wir kurz Halt. Nach gut einer Stunde wagten wir uns aufs offene Meer hinaus und paddelten zur Adele Insel rüber. Der Wind da draussen peitschte das Wasser auf und wir kämpften gegen die Wellen an. Es kostete zwar einiges an Kraft, aber es war nicht umsonst! Auf der Insel sonnten sich gerade Seehunde mit ihren Babies und wir konnten die Tiere aus nächster Nähe beobachten. Die Rückfahrt ans Festland war dann dank Rückenwind weniger anstrengend. Wir legten an einem traumhaft schönen Strand an und machten Mittagspause. Am Nachmittag paddelten wir dann bis zur Torrent Bucht, wo wir uns für die erste Nacht in der Anchorage Hütte eingebucht hatten. Den restlichen Nachmittag verbrachten wir am Strand, später "kochten" wir uns eines der mitgebrachten Fertiggerichte und würfelten mit zwei Israeli - Mutter und Tochter - einige Runden Yatzy. Um 22 Uhr gingen wir als Letzte zu Bett! Wie wir festgestellt haben, gehen auf diesen Great Walks die meisten Leute immer schon sehr früh schlafen.

Am nächsten Morgen ging es dann auch für uns zu Fuss weiter. Der Wanderweg schlängelt sich über die Hügel an der Küste entlang und von einer Bucht in die nächste. Es war heiss und wir waren um jede Abkühlung froh. So sprangen wir in jedes Flüsschen, dass unseren Weg kreuzte. Zum Glück verläuft der Weg grösstenteils im Wald - nur an den Stränden ist man der prallen Sonne ausgesetzt.

Da wir im Voraus alle vier Hütten gebucht hatten, waren die täglichen Kilometer zu Fuss leicht zu bewältigen. Mein einziges Problem war, dass ich statt der Wanderschuhe nur meine Turnschuhe dabei hatte und schon nach einem Tag an fünf Zehen mehrere Blattern einlief.... sehr sehr clever...! Na ja, mit viel Pflaster liess es sich gerade so durchhalten. Am fünften und letzten Tag wählten wir den Weg über den Gibbs Hill zurück nach Totaranui, wo uns ein Wassertaxi zurück an unseren Ausgangspunkt nach Marahau brachte.

Wir genossen den Abel Tasman Coast Track sehr und hatten fünf Tage lang Wetter wie aus dem Bilderbuch. Die unzähligen Strände sind traumhaft und können allemal mit der Karibik mithalten.

Cast Away

Tongariro NP & Wellington, Neuseeland - 21. bis 25. Februar 2016

(Video)

Mit ein paar Tagen Verspätung starteten wir endlich mit unserer ersten mehrtägigen Hüttenwanderung. Ein Bus brachte uns zum Ausgangspunkt des Trecks. Wir wussten, dass wir uns den Weg während den ersten 5 Stunden mit den «Tagestouristen» vom Tongariro Crossing teilen mussten. Diese kürzere Tageswanderung gehört zu einer der Top-Aktivitäten in ganz Neuseeland. Trotzdem hatten wir nicht mit einer solchen Menschenmasse gerechnet. Die ersten Stunden hatten mit Wandern relativ wenig zu tun und wir reihten uns widerwillig in die Lemming-Kolonne ein. Der Aufstieg gleich zu Beginn war ziemlich knackig und machte uns mehr zu schaffen, als wir gedacht hatten. Mit relativ viel Gepäck beladen ist es ziemlich mühsam, wenn man nicht sein eigenes Tempo gehen kann. Zudem kamen unsere neuen Wanderschuhe erstmals zum Einsatz und wir hatten beide mit diversen Druckstellen an den Füssen zu kämpfen. Die Aussicht oben entschädigte uns aber für alles. Es hat sich definitiv gelohnt, die Wanderung zu verschieben und auf besseres Wetter zu hoffen. Bei Top-Bedingungen und klarer Sicht genossen wir den Blick ins Tal und auf die umliegenden Vulkane. Nach einem kurzen Zwipf auf dem Mount Tongariro begann auch schon wieder der Abstieg vorbei an wunderschönen, türkisfarbenen Lagunen. Dabei ist Rapha unglücklich auf dem Lawa-Geröll ausgerutscht und hat sich beim Sturz die Hand aufgeschnitten. Auch das Display der Kamera ging dabei in die Brüche. Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert. Nachdem sich unser Weg von den Tages-Ausflüglern endlich getrennt hatte, machten wir eine Mittagspause an einem kleinen See. Endlich kehrte Ruhe ein! Wir wanderten noch rund 2 Stunden durch ein wunderschönes Tal und kamen gegen fünf Uhr in der Oturere Hut, unserer ersten Hütte, an. Die Unterkunft war sehr spartanisch eingerichtet und wir bezogen ein Bett direkt in der Küche/Aufenthaltsraum. Das Tolle an so einer Hütte ohne Rückzugsraum ist, dass alles sehr familiär zu- und hergeht. Dazu trug auch der Hüttenwart Bruce massgeblich bei. Nach einer kurzen Instruktion musste sich jeder kurz selber vorstellen und so war das Eis bereits gebrochen. Da es hier keine Duschen gibt, liefen wir zu einem Wasserfall, um uns dort im kristallklaren und saukalten Wasser frisch zu machen. Nach einem feinen «Z’Nacht» (Spaghetti an Pesto) genossen wir zum Tagesabschluss den Sonnenuntergang und legten uns bereits um neun Uhr schlafen.

Nach einer sehr kalten Nacht begann unser Tag mit einem tollen Sonnenaufgang. Danach liessen wir es extrem gemütlich angehen. Heute stand nur eine leichte, dreistündige Wanderung auf dem Programm. Es blieb mehr als genug Zeit für einen Schwatz mit dem Ranger und anderen Wanderern und für ein kräftigendes Frühstück. Die Wanderung war erneut spektakulär und die Landschaft veränderte sich laufend. Bereits am frühen Mittag sind wir bei der Waihohonu Hut, unserer zweiten Unterkunft, angekommen. Diese Hütte mutete eher wie eine Berg-Lodge an und bietete grosszügige Aufenthaltsbereiche und einen wunderschönen Blick durch die riesigen Fenster auf die Berge. Wir hatten erneut nette Gespräche mit den anderen Wanderern und gönnten uns eines dieser ultraleichten und ultraschnell gekochten Gerichte zum Abendessen. Es schmeckte überraschend gut und übertraf unsere Erwartungen bei Weitem. Jemand klärte uns dann freundlicherweise noch auf, dass es sich bei dem Vulkan, den wir seit zwei Tagen umrundeten, um denjenigen handelt, indem Frodo den Ring entsorgen musste. Somit haben wir, ohne es zu wissen, die erste «Lord of the Rings»-Attraktion abgehackt. Bei den vielen Gesprächen realisierten wir wieder einmal, wie privilegiert wir sind, soviel Zeit zur Verfügung zu haben. Die meisten anderen Gäste spulten die Strecke in zwei Tagen ab und spurteten regelrecht von Hütte zu Hütte. Zeit ist eben nicht nur Geld!

Am nächsten Tag sollte das Wetter mit lokalen Niederschlägen etwas schlechter werden. Als wir starteten, begann es zu nieseln und kurze Zeit später war von den Bergen nichts mehr zu sehen. Es schüttete wie aus Kübeln. Der Wind sorgte dafür, dass wir den Regen immer frontal ins Gesicht abbekamen, ganz egal in welche Richtung wir marschierten. Nach fünf Stunden kamen wir endlich in Whakapapa Village an. Wir waren trotz guter Ausrüstung nass bis auf die Knochen und freuten uns auf die heisse Dusche auf dem Campingplatz und auf unser trockenes Schneckenhaus.

Nach einer warmen und erholsamen Nacht besuchten wir am Vormittag mit Mordor und dem Tawhai Wasserfall noch zwei andere Lord-of-the-Rings-Drehorte in unmittelbarer Nähe. Danach steuerten wir direkt nach Wellington. Unterwegs machten wir bei einem Tank-Stopp auch gleich den Öl-Check und wunderten uns nicht schlecht, wie durstig unsere Furia Roja war. Wir mussten einen ganzen Liter Öl nachschütten. Zudem musste der Kuh-Dung endlich vom Unterboden weggewaschen werden. So schickten wir Furia auch noch in die Waschstrasse. Wir haben uns beide fürchterlich erschrocken, als beim Einseifprogramm der am Heck angebrachte Rückspiegel in die Brüche ging. Aber auf den können wir zum Glück guten Gewissens verzichten.

In Wellington haben wir wieder einmal ein AirBnB gebucht. Unser Gastgeber heisst Greig und hatte ein Doppelzimmer zu unschlagbaren 30 NZD mitten in der Stadt ausgeschrieben. Greig begrüsste uns mit einem Bier. Er war total verschwitzt, weil er so kurz vor dem eintrudeln der Gäste noch alle Zimmer auf Vordermann bringen musste. Er betreibt sein AirBnB erst seit einer Woche, hat aber schon 30 Gäste beherbergt! Unglaublich. Mit seiner chaotischen und verpeilten Art wirkte er ein wenig überfordert aber absolut liebenswürdig. Die Wohnung ist übrigens eine echte Bruchbude inmitten einer Bonzen-Gegend (laut Greig «the most shitty house of the whole street»). Wir fühlten uns trotzdem wohl. Wenig später trafen mit Esther und Marc auch noch zwei bekannte Gesichter vom Tongariro Treck im selben Haus ein. Kleine Backpacker-Welt! Wir beschlossen, wieder einmal auszugehen und fanden auf Greigs Empfehlung hin einen netten Italiener im Stadtzentrum. Dabei hat Rapha versehentlich zum Apéro eine ganze Flasche Rotwein bestellt. So wurde der Abend a) teurer und b) kürzer als erwartet.

Am zweiten Tag machten wir einen Stadtbummel ins Zentrum und entlang der Cuba Street. Wir kauften uns eine neue, kleine Fotokamera als Ersatz für die zerbrochene, genossen in einem Englischen Pub je 500g Steak und schauten uns Dead Pool in einem wahnsinnig schönen Kino an. Wellington mit den vielen tollen Bars und schönen Restaurants hat uns unglaublich gut gefallen und wir haben uns vorgenommen, auf der Rückfahrt ein paar Tage länger zu bleiben.

Für den Moment hiess es aber, Abschied zu nehmen von der Stadt und damit auch von der Nordinsel. Am frühen Morgen setzten wir mit der Fähre auf die Südinsel über.


Frodo's Kletterparadies

Santa Cruz, Bermejo und Samaipata, Bolivien - 8. bis 18. Oktober 2015

(Video)

Da wir viele Horror-Stories über Busfahrten in Bolivien gehört hatten, beschlossen wir, mit dem Flugzeug nach Santa Cruz zu reisen. Ich hatte zuvor viele Stunden im Internet recherchiert, bis ich sicher war, dass wir nicht wieder in so einem Laubflieger sitzen, der mich schon beim blossen Anblick zum Hyperventilieren bringt. Aber schlussendlich haben wir den passenden Flug gefunden und sind bequem innerhalb einer Stunde über die Cordillera Real ins Tiefland geflogen. 

Santa Cruz ist mit rund 1,5 Millionen Einwohnern die grösste Stadt Boliviens. Hier wird vor allem auch viel Geld aus dem Kokaingeschäft gewaschen und die Stadt wächst immer noch kreisförmig nach Aussen. Wir machten es uns am Hostel-Pool in den Hängematten bequem, um uns an das feucht-heisse Klima zu gewöhnen. Am Abend haben wir uns mit Luca, einem ehemaligen Junioren der Hurricanes Lenzburg, zum Essen verabredet. Luca arbeitet seit einigen Monaten als Rohstoffhändler hier und gehört mit seinem Schweizer Salär hier der Oberschicht an. Das letzte Mal, als ich ihn gesehen habe, war er 14 Jahre alt und ich zählte bereits 25 Lenze. Damals bestand er für mich nur aus einem übergrossen Trikot und einem Helm mit Gitter und wir haben damals nie ein Wort gewechselt. Mit 16 hat er die Hurries verlassen. Dank Facebook habe ich mitbekommen, dass es ihn nach Santa Cruz verschlagen hat, und so haben sich unsere Wege nach langer Zeit wieder gekreuzt. Es war spannend zu sehen, was aus dem kleinen Pfupf geworden ist.

Am nächsten Tag haben wir beim Frühstück Anna und Laurence aus England kennen gelernt. Die beiden waren uns auf Anhieb sympathisch und sie wollten wie wir nach Samaipata weiterreisen. Wir beschlossen, am nächsten Tag gemeinsam ein Taxi zu nehmen und verlängerten noch einmal eine Nacht, obwohl uns die Stadt nicht wirklich gefallen hat. Leider hat das Wetter über Nacht massiv umgeschlagen. Der Wind aus den Anden brachte Regen, Wind und Kälte. So verbrachten wir den Tag in der nigelnagelneuen Ventura Mall und gönnten uns einen leckeren Burger im Hardrock Café.

Am nächsten Tag wurde dann nichts aus unserer gemütlichen Taxifahrt nach Samaipata. Wir warteten vergeblich auf unseren Fahrer und die Taxigesellschaft nahm unsere Anrufe einfach nicht mehr entgegen. So mussten wir notgedrungen zur Ecke fahren, wo die Sammeltaxis starten. Allerdings standen wir uns dort die Füsse in den Bauch und es wollte und wollte kein Fahrzeug kommen. Am Sonntag schien mal wieder keiner arbeiten zu wollen. Nachdem wir knapp zwei Stunden gewartet hatten, kam uns ein netter Bolivianer zu Hilfe und organisierte uns über Internet ein anderes Fahrzeug. Er begleitete uns sogar auf dem Fussmarsch durch eine eher ungemütliche Gegend dahin, wo der Minibus losfuhr und wir kamen endlich raus aus Santa Cruz. Rapha und ich stiegen bereits auf halbem Weg nach Samaipata aus. Hier in Bermejo wollten wir einige Tage auf einer Öko-Farm verbringen. Von der Strasse aus mussten wir mit all unserem Gepäck eine holprige Seilbrücke überqueren und waren froh, dass diese unserem Gewicht standhielt. Das Ginger’s Paradise wird von Chris und seiner Frau Sol geführt. Chris war Gitarrist bei „System of a Down“ und „American Flag“, zwei meiner absoluten Lieblingsbands. Irgendwann hatte er die Schnauze voll vom Musikbusiness und ist mit dem Fahrrad von Hollywood Richtung Süden gefahren und in Bolivien hängen geblieben. Hier hat er sich seinen Aussteiger-Traum verwirklicht und lebt praktisch ausschliesslich von selbst angepflanztem Grünzeug. Wollte man Musik hören, musste man zuerst auf ein zum Stromgenerator umfunktioniertes Velo steigen und in die Pedalen treten. Bei einem anderen Velo wurde auf dem Gepäckträger ein Mixer installiert, der ebenfalls mit Muskelkraft betrieben wird. Auch die Waschmaschine funktioniert nach diesem Prinzip. Alles hier ist einfach gehalten und die Dinge für den täglichen Gebrauch werden nach Möglichkeit selbst angebaut bzw. hergestellt. Wir schliefen im Massenschlag und mussten uns an die Trockentoilette und die eiskalte Dusche gewöhnen. Ein absolutes Highlight war das tolle Essen, das Sol jeden Tag auf den Tisch zauberte. Wir blieben drei Tage dort, machten Wanderungen und halfen auf dem Feld. Dabei habe ich in meinem Übermut beim Roden einiges an Gemüse zerstört. Die Wurzeln sahen für mich halt alle gleich aus. Chris’s Sohn Sisi hat mich nur völlig entgeistert gefragt, ob ich Probleme mit den Augen hätte. Am Abend spielten wir mit den anderen Gästen Schach und "vier gewinnt". Der Verlierer musste jeweils eine Tafel Schokolade bezahlen. Zwischendurch spielte Chris auf der Gitarre. Das waren wunderschöne Momente. In bester „System of a Down“ Manier zerstörte er die schönsten Melodien im richtigen Moment brachial. Ach, wie habe ich das vermisst… Als er mich fragte, wieso ich in der Schweiz alles hingeschmissen habe und durch Südamerika reise, antwortete seine Frau „because he is a rebel“. Dabei ist mir in Gegenwart dieser Koryphäe vor stolz fast der Kragen geplatzt. Wir waren richtig traurig, als wir das Paradies verlassen mussten. Chris und Sol sind so herzlich und wir haben uns in ihrer Familie richtig wohl gefühlt.

Und weiter ging es nach Samaipata. Wir warteten in sengender Hitze zweieinhalb Stunden am Strassenrand, ehe uns ein Bus mitnahm. Das war extrem schlechtes Timing... es war nämlich gerade Mittagszeit und damit Siesta... es fuhren kaum Fahrzeuge. Irgendwann kamen wir dann aber doch in Samaipata an. Wir wohnten im Hotel Landhaus, wo Anna und Laurence bereits auf uns warteten. Das Hotel hatte einen tollen Garten mit Pool und wir blieben fünf Tage hier. Wir besuchten die wunderschönen Wasserfälle von Cuevas, die Inka-Festung „Fuerte de Samaipata“ und ein Weingut. Sonst faulenzten wir. Für die Weiterfahrt nach Sucre entschieden wir uns wiederum für das Flugzeug. Wir wollten uns die 14-stündige Holperfahrt im Bus nicht antun und entspannt am Ziel ankommen.

omnipräsent

Titicacasee, Bolivien - 28. August bis 4. September 2015

(Video)

Nach 77 Tagen in Peru haben wir es endlich geschafft, das Land zu verlassen. Wir sind mit dem Nachtbus von Cusco via Puno nach Copacabana am Titicacasee (Bolivien) gefahren. Dieser See ist etwa 16 Mal grösser als der Bodensee und liegt auf einer Höhe von 3'810 Metern. Das ist zwar "nur" etwa 600 Meter höher als Cusco, machte uns aber ganz schön zu schaffen. Wir waren ziemlich aus der Puste, als wir das "Hügeli" zum Hostel erklommen hatten. Die Unterkunft im La Cupula war aber einmalig schön. Wir gönnten uns eine Suite mit eigener Küche und Panoramafenster mit Sicht auf den Hafen. Vor unserem Zimmer weideten Lamas und Alpacas. So lässt es sich definitiv gut ankommen. Von Julia und Robert (Kojen-Genossen auf den Galapagos) wussten wir, dass man hier Fondue essen kann. Darauf freute ich mich schon seit Monaten. Leider war das Essen dann für echte Schweizer Fondue-Puristen eher eine Enttäuschung. Nach dem Essen verkrochen wir uns mit Bettflasche bewaffnet im Bett. Rapha hat auf dieser Höhe leider grosse Probleme zu schlafen und so wurde die bitterkalte Nacht für sie zu einer weiteren Durchhalte-Übung. Am nächsten Tag mussten wir das Zimmer wechseln. Dieses war dann gottseitdank etwas wärmer.

Copacabana ist der wichtigste Wallfahrtsort des Landes und an jedem Wochenende kommen Leute von ganz Bolivien da hin, um ihre Autos segnen zu lassen. Das war lustig anzuschauen, wie die mit Girlanden verzierten Fahrzeuge gesegnet und anschliessend mit Bier übergossen wurden. Wir haben uns noch die schöne Basilika angeschaut und sind auf den Hausberg gepilgert, um die Aussicht und den Sonnenuntergang zu geniessen. Leider war der "heilige" Ort völlig zugemüllt. Uns ist es schleierhaft, wie die Gläubigen hier im Dreck ihre Kerzen anzünden und ihre Zeremonien abhalten können.

Am nächsten Tag fuhren wir dann morgens mit dem Boot zur Isla del Sol rüber. Nach einer zermürbenden Fahrt sind wir nach drei Stunden endlich im Norden der Insel in Challapampa angekommen. Zermürbend deshalb, weil das Boot so abartig langsam war und es an Bord dermassen nach Benzin gestunken hat. Auf der Insel haben wir uns dann erstmal ein Hostel ausgesucht und auf der Terrasse ein wenig gelesen. Weil wir erst später auf Erkundungstour aufbrachen, hatten wir den kleinen Ort fast ganz für uns alleine, weil die meisten Touristen die Insel nur einen Tag besuchen und bereits wieder Richtung Süden verschwunden waren. Wir mussten nicht einmal mehr Eintritt zu den Chinkana Ruinen bezahlen und trafen in der weitläufigen Anlage keine anderen Besucher. Nach einer erstaunlich warmen Vollmond-Nacht sind wir dann auch nach Süden gewandert. Wir hatten beide Mühe, die 200 Meter zum Grat hoch zu laufen. Offensichtlich hatten wir uns auch nach vier Tagen noch nicht an die Höhe gewöhnt. Danach ging es aber ziemlich flach weiter über die Insel bis nach Yumani und wir konnten die tolle Aussicht auf den unglaublich blauen See und die schneebedeckten Berge im Hintergrund geniessen. Wir haben weitere zwei Nächte in Yumani verbracht und von da aus den Süden der Insel erwandert. Nachdem wir den Kaffee durch Coca-Tee ersetzt hatten, konnten wir uns auch langsam mit der Höhe anfreunden. Es ist wirklich beeindruckend, wie wirksam diese Pflanze ist. Im Hostel haben wir Bekanntschaft mit Daniel und Lars aus Berlin gemacht und mit ihnen ein paar interessante Stunden verbracht. Ansonsten haben wir vor allem uns selbst und die Ruhe genossen. Es war wunderbar auf der Insel.

Da uns das La Cupula in Copacabana kein Zimmer anbieten konnte, mussten wir nach unser Rückkehr ins Las Olas ausweichen. Das Hotel gehört dem gleichen Besitzer und liegt gleich nebenan. Weil unsere Cabaña noch nicht bezugsbereit war, gingen wir ins Cupula zurück zum Mittagessen. Vom Balkon aus bemerkten wir ein Schweizer Pärchen im Innenhof. Nach einer Weile fing der Typ an, mit seinen Eltern zu telefonieren. Nach einer weiteren Weile dachte ich, dass mir diese Stimme bekannt vorkommt. Ich schaute genauer hin und fragte Rapha, ob das Iseli wäre. Könnte sein, aber sicher waren wir uns beide nicht. Also rief ich der Freundin des telefonierenden Typen zu, ob denn das Iseli wäre. Die Frage wurde durch ein lautes "das glaub ich ja nicht" vom Typ am Telefon und ungläubige Blicke aller Beteiligten beantwortet. Vielleicht muss ich hier noch erwähnen, dass Iseli während drei Jahren mein Sitznachbar an der famosen HFW war und ich ihn seither nicht mehr gesehen habe. Also ein weiteres Kapitel im spannenden Buch "Traveller's Destiny". Wir konnten alle kaum glauben, was gerade passiert war. Bei einem Bierchen verarbeiteten wir diese unverhoffte Begegnung und wärmten alte Geschichten auf. Iseli und Claudia sind auf Weltreise, haben in Südamerika in etwa dieselbe Reiseroute wie wir gewählt und sind "etwas" schneller unterwegs als wir. So kam es, dass sich unsere Wege im beschaulichen Copacabana gekreuzt haben.

Wir genossen noch ein paar geruhsame Tage im Las Olas, bevor wir in die noch höhere Hauptstadt La Paz weiter zogen.

Aussicht aus unserer Suite im La Cupula

Salkantay Trek und Machu Picchu, Peru - 14. bis 18. August 2015


Cusco war die Hauptstadt des Inkareiches und ist heute Ausgangspunkt für Touren zum Machu Picchu. Das Angebot für Touren zu dieser weltberühmten Inkastadt ist enorm und es wimmelt nur so von Agenturen und verschiedenen Trekking-Routen. Wir haben uns ein paar Tage Zeit genommen und die Angebote verglichen. Eigentlich wollten wir zuerst den Llares-Trek machen. Aber weil das Wetter nicht so gut war, wollten wir uns die Zeltübernachtungen auf über 4'000 m Höhe lieber nicht zumuten. So entschieden wir uns für den etwas längeren 5-tägigen Salkantay Trek mit der etwas teureren Agentur Alpaca Expeditions.

Bereits am Vortag haben wir die Gruppe und den Guide bei einem Briefing kennengelernt. Wir wurden über das Programm informiert und darüber, dass die Wetterprognose eher düster wäre. Cesar, unser Guide, erwartete für die ersten beiden Tage Schnee! So haben wir uns kurz vor Ladenschluss noch mit Termowäsche und Regenschutz eingedeckt.

Am folgenden Tag ging es dann mal wieder früh los. Um 05.00 wurden wir im Hostel abgeholt. Anschliessend holten wir die anderen Teilnehmer ab: Corin aus Manchester, sowie Emely und Shannon aus San Francisco. Nach einer rund dreistündigen Fahrt sind wir am Ausgangspunkt der Wanderung angelangt. Cesar hat uns den Rest der Crew vorgestellt, die aus einem Koch und drei Trägern (Chaskis) bestand. Nach einem erstklassigen Frühstück ging es dann endlich los. Das Wetter hatte über Nacht zum Glück umgeschlagen und wir wanderten im Neuschnee, aber bei Sonnenschein dem Salkantay Pass entgegen. Der Anstieg bis auf 4'600 m war knackig, aber weniger streng als wir erwartet hatten. So langsam macht sich unser Höhentraining bemerkbar. Auf dem Pass hat Cesar eine Inka-Gipfelzeremonie mit uns abgehalten. Das war sehr eindrücklich und wir fühlten uns Pacha Mama stark verbunden. Wie auf Kommando zogen zum Ende der Zeremonie zwei Kondore ihre Kreise über unseren Köpfen. Das sorgte für Gänsehaut, weil diese Tiere hier nur sehr selten gesichtet werden. Nach einem Abstieg bis unter die Schneefallgrenze wurden wir von unserer Crew bereits erwartet. Für jeden von uns stand ein eigenes Lavabo mit Seife bereit, um uns vor dem Essen die Hände zu waschen. Das wirkte für uns zwar etwas deplatziert, war aber nur ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte. Die Crew überraschte uns nämlich mit einem fantastischen und wunderschön angerichteten Dreigänger. Und nach dem Essen staunten wir nicht schlecht über die Chemietoilette. So viel Luxus auf 4'600 m hätten wir wirklich nicht erwartet. Nach einem kurzen 2-stündigen Fussmarsch sind wir dann bei unserem ersten Nachtlager angekommen. Auch hier ging es im gleichen Stil weiter. Die Zelte und Schlafsäcke waren top und das Abendessen hatte Sterne-Niveau. Es gab sogar Bettflaschen für die kalte Nacht im Zelt. Die Nachtruhe wurde durch unsere amerikanischen Freunde leider ein wenig beeinträchtigt. Weil sich Emely in der Stille fürchtet, musste eine "Soundmaschine" die ganze Nacht lang konstantes Meeresrauschen aussondern. Auch das wirkte deplatziert.

Der nächste Tag war dann etwas weniger spektakulär, aber wegen der langen Marschzeit von 9 Stunden anstrengender. Hinter uns verschwand der Salkantay wieder in dicken Wolken und wir konnten uns wirklich glücklich schätzen, dass wir den Pass nicht im Schneegestöber passieren mussten. Das Klima änderte sich nach ca. einer Stunde schlagartig. Als wir die Grenze zum Amazonas Gebiet erreichten, wurde es merklich wärmer und feuchter. Und auch ein paar Moskitos waren wieder da.

Am dritten Tag wurde es dann wieder spannend. Wir starteten den Tag auf einer Kaffee-Plantage, wo wir unseren eigenen Kaffee zubereiten konnten. Vor allem das pflücken der Bohnen ohne maschinelle Hilfe war ein Knochenjob! Unglaublich, was die Leute hier leisten. Und der Kaffee war super lecker. Anschliessend wanderten wir auf einem alten Inka Trail den Berg hoch und konnten von unserem Camp aus auf Machu Picchu rüber schauen. Ein Wahnsinns-Ausblick, den nur wenige Menschen zu Gesicht bekommen. Nach dem Mittagessen zog ein Gewitter auf und wir konnten im letzten Augenblick noch unsere Zelte aufstellen. Das war wirklich knapp. Zum Glück verzogen sich die Gewitterwolken schnell wieder und übrig blieb ein doppelter Regenbogen vor Machu Picchu. Richtig kitschig. Cesar lernte uns ein Kartenspiel aus den Anden und der Abend wurde dann sehr gemütlich und lustig. So langsam wuchsen wir als kleine Familie zusammen.

Der vierte Tag begann gewohnt ruhig. Aber das änderte sich schlagartig, als wir in Hidro Electrica eintrafen. Viele Touristen wandern von hier nach Aguas Calientes, um sich das teure Zugticket zu sparen. So konnten wir uns der Völkerwanderung anschliessen und uns langsam auf die touristische Invasion vorbereiten. In Aguas Calientes angekommen, staunten wir nicht schlecht über unsere Unterkunft. Das Bett war breiter als lang und auf die heisse Dusche freuten wir uns schon seit Tagen. Nach dem Abendessen mussten wir uns bereits von unserer Crew verabschieden. Das fiel uns nicht leicht, weil die Jungs wirklich einen klasse Job gemacht haben. Unglaublich, was die Chaskis alles für uns über die Berge geschleppt haben. Und was der Chefkoch Eulogio mit seinen gerade mal 22 Jahren für uns jeden Tag kredenzte, war einfach spitzenklasse. Ich habe im ganzen Leben noch nie 5 Tage am Stück so viel und so gut gegessen (ausser bei meinen Eltern natürlich). Emily hat dem Koch sogar einen Heiratsantrag gemacht und wollte ihn mit in die Staaten nehmen...

Viel Zeit zum traurig sein blieb uns aber nicht. Am nächsten Tag stand mit der Besichtigung von Machu Picchu das eigentliche Highlight auf dem Programm. Wir reihten uns um 04.30 Uhr in der Kolonne für den Bustransfer ein und erwischten einen der ersten 30 Busse. So gehörten wir zu den ersten Besuchern. Nach einer Führung mit Cesar durch die alten Ruinen machten wir uns zusammen mit Corin auf, den Machu Picchu Montaña zu besteigen. Der Aufstieg war zwar anstrengend, aber von oben hatten wir einen tollen Ausblick auf die Ruinen und die umliegenden Täler. Machu Picchu war, trotz der vielen Touristen, ein Highlight unserer Reise. Besonders beeindruckend war, wie gut erhalten die Bauten immer noch sind. Besonders, wenn man bedenkt dass die Festung auch vielen Erdbeben standhalten musste.

Nach einem späten Mittagessen in Aguas Calientes ging es um 16.22 Uhr mit dem Zug nach Ollantaytambo und von dort per Minibus zurück nach Cusco.

Die Reise war wirklich von A-Z ein tolles Erlebnis. Alpaca Tours hat alles hervorragend organisiert. Wir mussten uns jeweils nur ums Tagesgepäck kümmern. Gruppe, Guide, Crew und Wetter waren super. Zusammenfassend fällt mir eigentlich nur noch eines ein: Mucho Wow! (geflügeltes Wort aus Cesars umfangreichem Spanglish-Wortschatz).

Die ersten Schritte

Arequipa, Peru - 29. Juli bis 10. August 2015

(Video)

Arequipa ist die wichtigste Stadt im Süden von Peru. Direkt vor der Haustür liegen spektakuläre, noch aktive Vulkane sowie die beiden Schluchten Cotahuasi und Colca, die mit ihren bis zu 3'000 Metern Höhenunterschied zu den tiefsten der Welt zählen.

Auch die Stadt selber hat einiges zu bieten. Am ersten Tag haben wir uns einer City-Tour angeschlossen, um uns einen ersten Überblick zu verschaffen. Leider waren die Informationen und die besuchten Orte eher enttäuschend. Als wir dann auch noch die klassischen Touri-Fallen ansteuerten, haben wir uns auf "französisch" verabschiedet.

Die Stadt mit ihren zahlreichen Plätzen und Gässchen haben wir dann auf eigene Faust erkundschaftet. Wirklich schön ist die Plaza de Armas mit den tollen Kolonialbauten und der Kathedrale. Sie gilt als einzigartig, weil sie die ganze Seite der Plaza einnimmt. Noch beeindruckender ist das Kloster Santa Catalina, eines der wichtigsten Bauwerke der Kolonialzeit. Nach ein paar Tagen zog es uns aber wieder raus in die Natur. Weil die Peruaner gerade ihren Nationaltag feierten, war die Stadt voller Touristen (viele davon aus Lima) und die Touren zum Colca Cañon waren total überbucht. Wir entschlossen uns deshalb, den schwerer zugänglichen Cotahuasi Cañon zu bewandern und so dem Touristenstrom auszuweichen. Dafür buchten wir eine Tour mit Übernachtungen in einfachen Hostels und Guide. Am Vortag mussten wir noch einiges erledigen. So galt es, das Hostel zu wechseln, zu packen und unser 10-jähriges Zusammensein adäquat zu feiern. Wir liessen uns nicht lumpen und dinierten im schicksten Restaurant der Stadt.

Cotahuasi Cañon
Am frühen Morgen wurden wir dann mit einer halben Stunde Verspätung im neuen Hostel abgeholt und in eine Agentur geschleppt. Dort wurde uns eröffnet, dass es im Ort unserer dritten Übernachtung gar kein Hostel gäbe und wir zelten müssten. Auch der Guide, den wir bereits persönlich kennen gelernt hatten, wurde kurzerhand ausgewechselt. Zudem hatten die beiden anderen Teilnehmer aus gesundheitlichen Gründen abgesagt, so dass wir wieder einmal in den Genuss einer Privat-Tour kamen. Nachdem wir den Ärger über all diese Änderungen verdaut hatten, packten wir Zelt, Schlafsäcke und Isomatten auf unsere Rucksäcke und fuhren mit dem öffentlichen Bus bis nach Corire. Dort wanderten wir den Berg hoch zum Toro Muerto, wo wir einige der ca. 3'000 vulkanischen Steine mit Petroglyphen der Huari-Kultur (500 bis 1000 n.Chr.) bestaunen konnten. Weiter ging es per Taxi nach Toran, um uns T-Rex Fuss-Spuren anzuschauen. Nach dem Mittagessen in Aplao warteten wir auf dem Dorfplatz vier Stunden auf den Bus, der uns in weiteren 7 Stunden nach Coahuasi bringen sollte. Meine beiläufige Frage, welcher Depp denn eigentlich eine solche Tour zusammenstellen würde, beantwortete Rapha mit der berechtigen Gegenfrage, welcher Depp den eigentlich eine solche Tour buchen und sogar auch noch dafür bezahlen würde... Eine zufriedenstellende Antwort auf diese Fragen gab uns auch die Weiterfahrt nicht. Diese war aufgrund einer fehlenden Asphaltstrasse so holprig, dass es uns beinahe aus den Sitzen schüttelte. An Schlaf war also nicht zu denken und wir waren froh, als wir um 03.00 Uhr unser Ziel erreichten. Wir suchten uns ein Hotel (das klappte bereits beim dritten Anlauf!) und legten uns für 1 Stunde und 43 Minuten aufs Ohr. Denn um 05.00 Uhr mussten wir bereits wieder den Bus nach Pampamarca erwischen. Völlig übermüdet fuhren wir im völlig überfüllten Kleinbus auf einer völlig unbefestigten Strasse weitere drei Stunden den Berg hoch. Wir bezogen unsere Unterkunft und wanderten nach dem Frühstück zu einem phantastischen Steingarten mit traumhafter Aussicht. Die 1'000 Höhenmeter hoch und wieder runter hatten es in sich. Am Nachmittag besichtigten wir noch einen Aussichtspunkt mit einem herrlichen Blick in den Cañon. Danach waren die Batterien endgültig leer und wir gingen früh schlafen. Am nächsten Tag wanderten wir hoch über Cotahuasi der Bergflanke entlang Richtung Huarhua. Dabei konnten wir den ganzen Tag die wirklich atemberaubende Aussicht auf eine durch Canyons zerfurchte Landschaft geniessen. Huarhua ist eine Geisterstadt und die wenigen Personen, denen wir begegneten, machten nicht gerade den freundlichsten Eindruck. Nachdem wir die nahe Salzmine besichtigt hatten, stellten wir unser Zelt auf dem Dorfplatz vor der Kirche auf. Die Nacht war zwar weniger kalt als erwartet, aber dennoch eher ungemütlich zu Dritt im viel zu kleinen Zelt. Wir räumten unser Lager bereits um 4 Uhr morgens und wanderten noch im Dunkeln den Berg hinunter. Im Tal besichtigen wir den Sipia Wasserfall, bevor es per Kleinbus zurück nach Cotahuasi ging. Das Nachmittagsprogramm mit dem Bad in den heissen Quellen mussten wir aus Zeitgründen leider streichen. So fuhren wir um fünf mit dem holprigen Bus zurück nach Arequipa. Die Fahrt wurde uns zusätzlich "versüsst", weil wir direkt neben der Toilette sitzen durften. Statistisch gesehen dürfte höchstens 10 % vom entleerten Blaseninhalt ihr angedachtes Ziel erreicht haben. Ein feiner Duft, der uns da während der 10-stündigen Retourfahrt in die Nase gestiegen ist. Um drei Uhr nachts sind wir wieder in unserem Hostel in Arequipa angekommen und nach der sehnlichst erwarteten Dusche in einen komatösen Schlaf gefallen. Ob sich die Strapazen gelohnt haben? Oh ja!!! Zu 100 %. Aber ich gebe zu, dass ich vor 20 Jahren in der Rekrutenschule für so einen Tagesbefehl eine Meuterei angezettelt hätte.

Colca Cañon
Wir erholten uns anschliessend zwei Tage in Arequipa. Dann machten wir uns in einer geführten Gruppe auf zum Colca Cañon. Dieses Mal wurden wir bereits nachts um 3 Uhr abgeholt. Nach einem kurzen Stopp bei einem Aussichtspunkt, wo wir mit rund 500 anderen Schaulustigen Kondore beobachten konnten, starteten wir unseren Treck in Cabanaconde. Unser Guide war ein wenig panisch. Er hatte in den letzten Wochen wohl genügend Probleme mit laufscheuer Kundschaft aus Lima. Deshalb warf er uns im Minutentakt neue Horrorszenarien an den Kopf, um die Wackelkandidaten vor dem Einstieg in die Schlucht zur Umkehr zu bewegen (extremer Ab- bzw. Anstieg, Brüche, kaputte Knie, Steinschlag, Erdbeben undsoweiterundsofort). Es liess sich aber niemand rausekeln und so wanderten wir die Schlucht runter zum Colca River, wo wir in einfachen Hütten übernachteten. Tags darauf ging es gemächlich weiter zur Oase Sangalle. Ein sehr idyllischer Ort. Wir konnten dort am Pool chillen und uns in den Hängematten erholen. Besonders schön war es, in der Nacht den sensationellen Sternenhimmel zu betrachten. Wir haben die Milchstrasse und Sternschnuppen noch nie so klar gesehen. Am letzten Tag mussten wir wieder früh los laufen: Abmarsch nullfünflochloch. Aber das kratzte die Latinos in unserer Gruppe natürlich nicht die Bohne. Die Schweizer waren die einzigen, die pünktlich stramm standen. Wir sind dann ohne die anderen los und noch vor dem Frühstück die tausend Höhenmeter aus der Schlucht rausgekraxelt. Das war ein wenig wie bei Walking Dead mit diesen vielen schlaftrunkenen und röchelnden Wanderern. Der Ausflug war sehr schön und wir hatten eine tolle Gruppe. Nach den Tagen in der Abgeschiedenheit des Cotahuasi Cañon störten uns auch die vielen Touristen im Colca nicht besonders.

Nach einer weiteren Übernachtung in Arequipa sind wir mit dem Nachtbus nach Cusco weitergefahren.

Plaza de Armas Arequipa

Huaraz, Peru - 6. bis 17. Juli 2015

(Video)

Vom Amazonas flogen wir nach Lima, von wo aus wir direkt per Nachtbus nach Huaraz weiter fuhren. In knapp 14 Stunden von 124 m auf 3'100 m über Meer! Wir hatten einen heiden Respekt vor der Höhe und beschlossen deshalb, das Ganze gemütlich anzugehen. Huaraz ist Ausgangspunkt für die angrenzende Hochgebirgsregion Cordillera Blanca mit Perus höchstem Berg Huascarán (6'768 m). Die Stadt wurde durch Eissturm und Erdbegen zweimal fast komplett zerstört. Heute sieht man davon nichts mehr. Huaraz ist das Zentrum für Bergsport in der Region und wird auch die peruanische Schweiz genannt.

Die ersten beiden Tage haben wir gefaulenzt, das Stadtzentrum erkundschaftet und gut gegessen. Dabei ist uns beim minimalen Anstieg zurück zum Hostel bereits fast die Puste ausgegangen. Wir haben dann beschlossen, den ultimativen Stresstest zu wagen und buchten für den dritten Tag eine Mountainbike-Tour.

Julio, unser Guide (absolut empfehlenswert!), hat uns mit Top-Bikes, Helm und Handschuhen ausgerüstet. Der Aufstieg war zum Glück sehr sanft und wir waren überrascht, wie locker-flockig wir den Berg hoch radelten. Die Abfahrt war super abwechslungsreich. Mal auf Singletrails, mal über Wiesen, mal auf alten Inkastrassen ging es zurück nach Huaraz. Rapha hat mich dabei mit ihrem Mut beeindruckt. Wunderbar, mit welch' graziöser Aggressivität sie die technisch anspruchsvollen Passagen bewältigt hat. Wir hatten beide unseren Spass.

Am nächsten Tag machten wir uns zu Fuss auf zur Laguna Wilcacocha (3'750 m). Hier kamen wir schon mehr ins Schwitzen. Aber die Aussicht runter auf Huaraz mit den Bergen der Cordillera Blanca im Hintergrund waren den steilen Aufstieg mehr als wert.

Nach vier Tagen Akklimatisation fühlten wir uns bereit, um den populären viertägigen Santa Cruz Trek in Angriff zu nehmen. Morgens um fünf wurden wir im Hostel abgeholt und fuhren zusammen mit drei Spaniern, dem Guide, unserem Koch und dem Eseltreiber zum Ausgangspunkt nach Vaqueria. Die Fahrt dahin dauerte fünf Stunden und uns stockte auf den schmalen und holprigen Strassen mehrmals der Atem. In Vaqueria angekommen, wurde unser Gepäck, das Essen und die Zelte auf die Esel verpackt. Nach einer leichten, vierstündigen Wanderung kamen wir in unserem ersten Camp auf 3'800 m an. Wir waren froh, dass wir ein Esszelt dabei hatten, denn es wurde bitterkalt, als die Sonne hinter den Bergen verschwand. So fanden wir immerhin Schutz vor dem bissigen Wind. Mit allen verfügbaren Klamotten und mit Innenschlafsack ausgerüstet haben wir zu Abend gegessen. Um acht Uhr gingen wir bereits schlafen. Schön, wenn man wie ich mit einem so tiefen Schlaf gesegnet ist. Rapha ist da klar minderprivilegiert. Die Arme konnte kaum schlafen und musste mehrmals nachts auf die Toilette. Eine Tortur. Vor allem, weil uns am nächsten Tag die "Etappa Reyna" bevorstand.

Am Morgen bei unter Null Grad aus dem Schlafsack schlüpfen ist nicht gerade meine Lieblingsdisziplin. Zum Glück gab es Coca-Tee zum Aufwärmen. Wir haben schnell gefrühstückt und zusammengepackt. Heute sollten acht Stunden gewandert und dabei ein Pass auf 4'750 m passiert werden. Kein leichtes Unterfangen auf dieser Höhe, zumal wir beide so stark erkältet waren, dass wir nicht mehr durch die Nase atmen konnten. Bei Rapha kamen wahrscheinlich vom Biken noch starke Hüftschmerzen dazu. Um es kurz zu machen: wir kamen beide an unsere Grenzen und ich musste Rapha noch vor der Passhöhe versprechen, dass wir so etwas NIE mehr machen werden. Als wir endlich oben ankamen, waren die Strapazen - oh Wunder - wie weggewischt. Die atemberaubende Aussicht in das Santa Cruz Tal, umgeben von diversen Riesen (unter anderem dem Berg von Paramount Pictures), Gletschern und Seen war einmalig und jede Anstrengung wert. Die schönsten Sachen muss man sich halt hart erarbeiten. Und die Erkenntnis dazu auch. Der Abstieg zum Camp  2 auf 4'200 m war dann ein Leichtes.

Zum Glück waren die Etappen der letzten beiden Tage vorwiegend flach. So konnten wir die einmalige Bergwelt trotz Erschöpfung und Krankheitserscheinungen doch noch geniessen. Als wir nach vier Tagen endlich unser Ziel in Cashapampa erreichten, waren alle Teilnehmer gesundheitlich angeschlagen. Aber wir waren natürlich alle mächtig stolz auf unsere Leistung. Es war schon was Spezielles, auf einer Höhe von bis zu 4'200 m zu zelten. Wir hatten übrigens riesiges Glück mit dem Wetter und dem Guide. Und unser Koch hat uns mit einfachsten Mitteln sensationell verpflegt.

Leider hat sich Rapha auf der Wanderung noch stärker erkältet. So mussten wir die Tage nach dem Trek ein paar Gänge runter schalten und konnten keine weiteren Wanderungen mehr unternehmen. In unserem gemütlichen, aber leider etwas kalten Hostel, haben wir uns noch ein paar Tage von den Strapazen erholt.

Hellmine und Hellmut Tell

Chachapoyas, Peru: Kuélap und Gocta Wasserfall

Nach dem anstrengenden Trekking freuten wir uns auf die gemütliche Bustour nach Kuélap, einer ehemaligen Festung der Chachapoya. Wir wurden erst gegen 10.00 Uhr in unserer Unterkunft in Choctámal abgeholt und konnten vorher noch in Ruhe frühstücken. Zusammen mit anderen Touris aus Chachapoyas fuhren wir dann die rund 45 Minuten im Bus. Die letzten 2 km hoch zur Fortaleza de Kuélap mussten wir zu Fuss bewältigen.

Die Festung liegt hoch oben auf einem Berg auf 3'000 Metern Höhe und ist nur von einer Seite zugänglich. Sie ist umgeben von einer gut 20 Meter hohen Mauer und beherbergte wohl bis zu 2'000 Menschen. In die Festung gelangt man über drei schmale Zugänge, durch die nur eine Person auf einmal durchpasst. Hinter den Mauern befinden sich Ruinen von über 300 Häusern, verteilt auf drei Plattformen, auf denen verschiedene Gesellschaftsklassen angesiedelt waren. Ob der Ort dauerhaft von den Chachapoya bewohnt oder lediglich im Notfall benutzt wurde, lässt sich nicht sagen. Von der Festung hat man einen herrlichen Rundumblick, was aus strategischer Sicht bestimmt von grosser Bedeutung war.

In Chachapoyas gönnten wir uns einen Ruhetag und führten mal wieder unseren Blog nach. Am folgenden Tag machten wir dann einen Ausflug zum Gocta-Wasserfall, der mit seinen 771 m Fallhöhe der drittgrösste der Welt ist. Nach zweistündiger Fahrt erreichten wir das kleine Dorf Cocachimba. Von da aus ging es dann 5 km zu Fuss zum Wasserfall, der schon von Weitem zu sehen war.

Der Wasserfall war lange unbekannt und wurde erst 2006 auf Initiative eines Deutschen hin registriert und vermessen. Die umliegende Bevölkerung glaubte nämlich, dass im Wasserfall eine Meerjungfrau mit ihren Schlangen einen Goldschatz beschützt und jeden mit dem Tod bestraft, der sich ihr nähert. Und so mieden die Menschen den Ort. Nachdem ihnen der Deutsche demonstriert hatte, dass sich dieser Mythos nicht bewahrheitet, begann man langsam, den Ort für den Tourismus zu erschliessen. Schon spannend, an was man so alles glauben kann... 

Wir haben unseren letzten Tag hier sehr genossen. Nun sind wir bereit für eine 12-stündige Busfahrt nach Yurimaguas. Wir haben nämlich spontan entschlossen, als nächstes in den Peruanischen Amazonas zu fahren. 

Chachapoyas, Peru: Trekking Ruta de la Gran Vilaya

Da wir ja gerne wandern, haben wir beschlossen, eine mehrtägige Tour zu machen. Pünktlich um 7.30 Uhr wurden wir von unserem Guide Ronald abgeholt. Zusammen mit Matt, einem jungen Mathematik-Lehrer aus London, machten wir's uns im PW erstmal gemütlich. Die Fahrt war einmal mehr spektakulär - stundenlang ging es auf gewundenen, grösstenteils unbefestigten Strassen über Hügel und Berge durch die Anden. In der Provinz Luya machten wir Halt und besuchten eine weitere Grabstätte - die Sarcófacos Karajía. Der Unterschied zu Revash ist hier, dass die Chachapoya ihre Mumien in über 2 Meter hohen Figuren bestattet haben, welche sie dann auf die Felsvorsprünge stellten. Sehr eindrücklich.

Dann wurde die Strasse immer unwegsamer und wir mussten vom PW in ein Offroad-Fahrzeug umsteigen. Es hatte in der Nacht zuvor geregnet und der lehmige Untergrund war dementsprechend aufgeweicht. Der Fahrer musste ein paar Mal aussteigen, um die Lage beurteilen zu können.

Kurz nach dem Mittag ging es dann endlich los. Wir wanderten durch das wunderschöne Flusstal "Valle Huaylla Belén", wo sich der Fluss noch seinen eigenen Weg suchen darf. Nach einem kurzen Anstieg ging es gut 1'000 Höhenmeter bergab - nach 4 Stunden trafen wir in Congón ein, wo wir übernachteten. Das kleine Bauerndörfchen hatte schon tagelang keinen Strom - so auch kein Warmwasser. Mussten wir halt kalt duschen. Doch Dank Agregator konnte der Fussballmatch Mexico gegen Chile dann doch geschaut werden. Und das ganze Dorf sass dabei! Um 21.00 war dann allgemeines Lichter-Löschen.

Nach einer sehr geruhsamen Nacht und einem tollen Frühstück machten wir uns ans Herzstück der Tour: Es standen 9 Stunden und 30 km auf dem Programm. Davon rund 1'600 Höhenmeter aufwärts und 1'000 m abwärts. Zum Glück hatten wir für diesen Abschnitt ein Pferd dabei. So konnten wir ohne Rucksack loslaufen und hatten im Notfall noch einen Plan B. Sevi's Problem-Knie hatte auf dem steilen Abstieg vom Vortrag gelitten und schmerzte auf den ersten Kilometern höllisch. Zum "Glück" ging es nach ein paar km dann nur noch bergauf... damit hatte sein Knie keine Probleme mehr. Dafür aber meine Kondition! Zudem war das mit der Höhe mal wieder so eine Sache: ab 2'500 Meter über Meer ging uns erst recht die Luft aus. Unser Guide hatte dafür natürlich eine Lösung parat: Coca-Blätter sollten helfen. Man füllt sich die Backen mit den Blättern und kaut darauf rum. Ich habs's probiert. Genützt hat es nicht wirklich. Und schmecken tut es auch nicht. Als würde man auf einem Schwarzteebeutel rumkauen.... eklig. Ronald, unser Guide, schwört auf dieses Zeug. Bei ihm scheint es zu helfen - liegt wahrscheinlich daran, dass er Kalk dazumischt. Legal ist das wohl eher nicht....

Rückblickend kann ich nicht sagen, wie genau ich diese Tortour geschafft habe. Aber als wir dann auf dem höchsten Punkt in Yumal auf 3'350 m standen, war die Freude und die Erleichterung gross und wir alle waren mächtig stolz auf unsere Leistung. Die verbleibenden 3 Stunden runter ins Dorf nach Choctámal waren beinahe schon entspannend. Sevi's Knie war allem Anschein nach auch genug warm gelaufen und hat auf dem Abstieg keine Mätzchen mehr gemacht. Das kühle Bier haben wir uns mehr als verdient! Zum Abendessen gab es eine leckere Trucha (Forelle), bevor wir um 20.00 erschöpft ins Bett fielen. Leider war meine Nacht dann allerdings alles andere als erholsam. Mein Magen hat - wahrscheindlich aus lauter Erschöpfung - total verrückt gespielt und ich musste stündlich raus. Zum Glück stand am 3. und letzten Tag nur noch die Besichtigung von Kuélap auf dem Programm - im Bus und ohne langem Fussmarsch.

 Sarcófacos Karajía

Vilcabamba, Ecuador - 21. Mai bis 10. Juni 2015

(Video)

Wir brauchten dringend Urlaub! Das mag für einige erstmal ziemlich zynisch klingen. Aber nach dem Marathon-Programm der vergangenen Wochen waren wir beide ziemlich platt und zum ersten Mal auch ein wenig antriebslos. Vom Strand und der Hitze hatten wir auch erst mal genug. So entschlossen wir uns, von Guayaquil zurück nach Vilcabamba zu fahren, um in der Hosteria Izhcayluma unsere Batterien zu laden und all die gesammelten Eindrücke zu verarbeiten.

Manuela und Marco (die beiden haben wir auf den Galápagos Inseln kennengelernt) haben wir auch dorthin "geschickt", und so sassen wir mehr oder weniger zufällig im selben Bus.

Das Izhcayluma ist wirklich ein phantastischer Ort, um sich zu erholen. Die Hosteria liegt rund 2 Kilometer oberhalb des Ortes Vilcabamba mitten in den Bergen. Man kann hier in einer wunderschönen Anlage günstig professionelle Massagen (in Südamerika sehr rar) geniessen, gratis Yoga-Lektionen besuchen, am Pool, in der Hängematte oder an der Bar relaxen, Billard und Tischtennis spielen oder DVDs schauen. Das Hostel hat sogar ein eigenes Wandernetz aufgebaut - mit erstklassigen Markierungen und Kartenmaterial. Auch das Restaurant ist super und hat faire Preise. Es gibt hier unter anderem Deutsche Gerichte wie Currywurst oder das superleckere Bayrische Stroganoff mit Spätzle, was zu Marco's Lieblingsessen wurde.

Nachdem wir in den letzten Wochen unsere sportlichen Aktivitäten aus diversen fadenscheinigen Gründen (zu heiss / keine Zeit... ihr kennt das, oder?) komplett eingestellt hatten, wollten wir die Tage hier wieder etwas aktiver gestalten. Auf der Terrasse konnte ich mein TRX installieren und wir besuchten fleissig die morgendlichen Yoga-Stunden. Natürlich sind wir auch viel gewandert.

Zusammen mit Manu und Marco haben wir eine sechsstündige Wanderung im nahen Nationalpark Podocarpus unternommen. Diese musste ich nach dem ersten Drittel wegen meiner Höhenkrankeit auf einem Grat in 3'600 Meter Höhe leider vorzeitig abbrechen. Kurz darauf hat ein sintflutartiger Regen eingesetzt. Ich habe es gerade noch zurück ins Refugio geschafft. Die anderen drei hatten weniger Glück. Der Trail hat sich schnell in einen Bach verwandelt und der Abstieg war wohl ziemlich grenzwertig. Sie waren nass bis auf die Knochen, als wir uns wieder getroffen haben. Zum Glück ist alles gut gegangen. Ein Fehltritt dort wäre verheerend gewesen.

Bereits in der ersten Woche haben wir unser Zimmer um eine weitere Woche verlängert. Auch Manu und Marco konnten sich nicht lösen und haben noch ein paar Tage dran gehängt.

Am ersten Wochenende war im Dorf ein Rodeo Festival. Eine tolle Provinz-Veranstaltung. Das "Stadion" war eine gewagte Holzkonstruktion, welche wohl bei uns nicht mal im Wallis legal betrieben werden dürfte. Neben uns ist dann auch prompt ein Teil der Tribüne eingestürzt. Ist aber zum Glück nichts passiert. Die Einheimischen hatten gut getankt und fanden es lustig, in den Ring zu springen und die Tiere zu ärgern. Auch dabei ist zum Glück nichts passiert. Es gab dann auch noch seriöse Unterhaltung mit Bull- und Horseriding. Dabei habe ich gelernt, dass man wilde Pferde unterwürfig machen bzw. in den Griff bekommen kann, indem man ganz lang deren Ohren in eine Richtung dreht. Spannend! (??)

Auf weiteren tollen Wanderungen haben wir die wunderschöne Bergwelt rund um Vilcabamba erkundet. Unter anderem habe ich auf dem Izhcayluma Trail meiner Höhenangst getrotzt und eine Krete bewältigt, wo es links und rechts "fadegrad s Loch ab" geht. Beim Forgotten Road Trail sind wir acht Stunden lang gelaufen und haben dabei nur drei andere Personen getroffen. Dabei haben wir den Ort Tumianuma passiert, der kaum je von Touristen besucht wird. Ein extrem verschlafenes Nest.

Abends an der Bar gab es derweil legendäre Bekanntschaften. Mit Vicky und James aus Wales haben wir beim Jenga spielen und Shot trinken den Freistaat Switzerwales gegründet und die Nationalhymne komponiert (ich glaube, es war eine Mischung aus Borat und "God save the Queen"). Mit Greg aus Kalifornien haben wir uns blendend über Sport und Politik unterhalten. Eigentlich ein sympatischer und cleverer Kerl. Aber er hat uns dann doch ein wenig verdutzt mit seiner Aussage, dass er sich in Amerika sicher fühlt, weil er dort von verantwortungsvollen Waffenbesitzern umgeben ist. Meine Frage, ob es denn nicht sicherer wäre, wenn niemand eine Waffe tragen würde, wollte (konnte) er leider nicht beantworten. Ich fand es sinnvoll daraufhin noch anzumerken, dass ich meine Dienstwaffe vorzugsweise als Hammer benutze, um Ikea-Schränke und dergleichen zusammen zu basteln.

Ende der zweiten Woche habe ich dann beschlossen, meine Warze am Knie mal untersuchen zu lassen. Die ist in den letzten Wochen leider immer grösser geworden. Reik von der Reception hat uns eine Ärztin empfohlen und diese kurzerhand in unser "Resort" bestellt. Sie heisst Sonja und meinte, dass man das Ding besser gleich raus schneiden sollte. Also wurde unser Zimmer kurzerhand zum Operationssaal umgestaltet und kurze Zeit später wurde an meinem Knie rum geschnippelt. Da mein Knie zuerst wieder abschwellen und verheilen musste, sahen wir uns "leider" gezwungen, unseren Urlaub hier erneut zu verlängern. Das war aber nicht so schlimm. Am Abend ist nämlich Sabrina, eine weitere Galápagos-Bekanntschaft, im Izhcayluma angekommen. Mit ihr haben wir dann noch ein paar sehr relaxte Tage verbracht.

Wir haben uns in den letzten drei Wochen hier wunderbar erholt. Nun freuen wir uns, weiterzuziehen und neue Orte zu entdecken. Als nächstes werden wir via Zumba über die Grenze nach Peru fahren. Unser erstes Ziel ist Chachapoyas, wo eine der eindrucksvollsten antiken Städte des Landes und scheinbar der drittgrösste Wasserfall der Erde auf uns warten. Wir sind gespannt!

Vilcabamba DownTown

Ecuador Rundreise - 15. April bis 1. Mai 2015

(Video)

Dorit und Jürgen lernten wir letztes Jahr in Kuba kennen. Wir haben uns super verstanden und die beiden haben sich spontan entschlossen, uns auf einer Etappe unserer grossen Reise zu begleiten. Schnell einigten wir uns auf Ecuador. Im Dezember machten wir dann Nägel mit Köpfen und buchten gemeinsam eine Rundreise bei World Insight.

Trotz der Vorfreude auf die beiden traten wir den Flug von Medellín via Bogota nach Quito mit gemischten Gefühlen an. Wir fühlten uns ein wenig ums Paradies (Kolumbien!) betrogen und wussten noch nicht so recht, wie wir auf die neuen Begebenheiten wie Selbstbestimmung vs. Fremdbestimmung, das Reisetempo und die Gruppe reagieren würden.

Am ersten Reisetag haben wir bei einem Stadtrundgang durch Quito die anderen Teilnehmer kennengelernt: Unsere Familie für die folgenden drei Wochen bestand aus 13 Personen plus Guide und Fahrer. Als Erster aus der Masse heraus gestochen ist Nobby. Ein Eintracht-Fan mit filigranen Füssen. Ansonsten war die Stimmung noch etwas zurückhaltend. Wir haben die historische Altstadt mit der Kathedrale, dem Plaza de la Independencia und den Kirchen San Fransisco und La Compañia angeschaut. Dabei fiel das Atmen auf 2'800 Meter Höhe schon ziemlich schwer. Am nächsten Tag ging es per Seilbahn auf den Hausberg Pichincha auf über 4'000 Meter über Meer. Auf dieser Höhe kamen dann zu den Atemschwierigkeiten auch noch Kopfschmerzen dazu. Gelohnt hat es sich wegen der Wahnsinns-Aussicht auf die Stadt und die umliegenden Vulkane aber auf jeden Fall.

Am vierten Tag fuhren wir nach Otavalo zum Indianermarkt. Unterwegs stoppten wir beim Äquatordenkmal bei Cayambe, wo unser Guide David viel Interessantes über die Bedeutung und die Vermessung des Äquators durch die Inkas zu erzählen wusste. Der Samstagsmarkt in Otavalo ist riesig, voller Farben und Gerüche und herrlich anzuschauen. Auf dem Weg nach Ibarra besuchten wir auch noch eine Weberei in Peguche. Die Unterkunft in Ibarra war ein krasses Gegenstück zu unserem gewohnten Backpacker-Dasein. Die Hacienda Chorlaví verfügte neben einem Wellness-Bereich und einem schicken Restaurant auch über einen Billardtisch. Eine gute Fügung, denn Billard und Bier waren der perfekte Rahmen, um die Gruppenmitglieder baesser kennen zu lernen. Anke und Mike haben sich als echte Billard-Cracks entpuppt. Und auch mit Jochen und Beate war das Eis dann schnell gebrochen. Am nächsten Tag machten wir uns auf zur Wanderung entlang des Kraterrandes der Laguna Cuicocha. Auf 3'000 Meter waren wir auch hier wieder recht schnell ausser Atem. Leider sind wir auf halbem Weg in ein heftiges Gewitter gekommen und mussten umkehren.

Weiter ging es nach Papallacta und da gleich auf eine kleine Wanderung an einem herrlichen Flüsschen entlang. Im Hotel hatten wir das Thermalbad direkt vor unseren Zimmern. Herrlich! Leider war nicht viel Zeit, um es richtig auszukosten. Am nächsten Tag haben wir das Hochland nämlich bereits wieder verlassen und sind in das Amazonas-Tiefland nach Misahuallí zu unserer Lodge am Napo-Fluss gefahren. Wir haben dort unter anderem eine wunderschöne Flussfahrt auf dem Napo gemacht und den ökologischen Zoo „Amazoonico” besucht. Die Philosophie dieser Institution ist ein wenig fragwürdig. Am Eingang stand ein kleiner Käfig mit einem Menschen drin. Uns wurde erläutert, dass es sich bei demselben um einen Volunteer handelt. Alle Mitarbeiter müssen regelmässig einen Tag in diesem Käfig verbringen, damit sie verstehen lernen, wie man sich als eingesperrtes Tier fühlt... Wenn die wirklich Tiere wieder auswildern wollen, sollten sie meines Erachtens lieber üben, wie man Käfige eliminiert. Der "Erfolg" spiegelt sich dann auch in der Auswilderungsqoute von 30 % wider. Den Menschen im Käfig haben sie übrigens erfolgreich wieder "ausgewildert". Während wir die (grösstenteils gestörten) Tiere im Zoo angeschaut haben, ist der nämlich aus dem Käfig gehechtet, als eine Kreuzotter aus dem Gebüsch direkt auf ihn zugesteuert ist. Zum Glück sass unser Guide noch dort und konnte das Arschlochtier mit einem Stock verscheuchen. Nicht auszudenken, was sonst passiert wäre. Gegen diese Viecher gibt es nämlich kein Gegengift. Unser Guide meinte nur lapidar, dass man das gebissene Körperteil halt hätte amputieren müssen.

Vom Dschungel ging es dann durch eine spektakuläre Landschaft weiter in Richtung Baños. Unterwegs stoppten wir beim Wasserfall Pailón del Diablo. Ein echtes Highlight von einem Mordswasserfall. Über schwindelerregende Hängebrücken und ein paar Stufen konnten wir direkt unter die Wassermassen absteigen und die Naturgewalt aus einem ungewohnten Winkel erleben. 

Am nächsten Tag wollten wir in Baños Reiten gehen. Rapha musste leider aussetzen, weil sie es seit der Ankunft in Quito mit dem Magen hatte. (Die Hälfte der Gruppe hat es im Amazonas übrigens auch mit Magen-Darm erwischt). Die Reittour wurde dann zur Tortur. Mein Gaul war voll der Asi. Es war schon fast fahrlässig, einem Anfänger so ein dämliches Pferd zu geben. Sogar der Guide (sein Name war Antonio Banderas...) hatte Mühe, dieses blöde Tier im Zaum zu halten. Und Gisela wurde von ihrem Pferd sogar gebissen....

Tags darauf fuhren wir weiter zum Chimborazo-Vulkan, wo wir eine Wanderung von rund 4'800 auf 5'050 m gemacht haben. Die Höhe war vor allem für Rapha heftig, lag sie doch am Vortag noch im Bett. Aber oben ankommen, waren die Strapazen gleich wieder vergessen.

Am 12. Tag stand die Fahrt mit der Riobamba-Andenbahn zur Teufelsnase auf dem Programm. Eine spektakuläre Fahrt, die es aber nicht ganz mit der Räthischen Bahn aufnehmen kann ;-) Vor der Zugfahrt hatten wir noch etwas Zeit, übe den Markt von Alausí zu schlendern. Der war ziemlich chaotisch, aber sehr farbenfroh und schön. Am späteren Nachmittag kamen wir dann in Ingapirca an, wo wir bei Regen und Wind die Inka-Ruinen besichtigten und uns dann im nahen Hotel aufzuwärmen versuchten. Gut, hat David Wärmeflaschen für uns besorgt! 

Und weiter ging's nach Cuenca. Eine schöne, koloniale Stadt mit Blumenmarkt, Kathedrale und quirliger Markthalle. Rapha hatte trotz einer Antibiotika-Kur immer noch den Toutsuiter. Das hat uns aber nicht daran gehindert, Meerschweinchen ("cuy") zu essen. Fazit: Die Viecher sind zu rein gar nichts zu gebrauchen. Wir haben uns dann aber doch entschlossen, die Sache mit der Verdauung untersuchen zu lassen. David hat uns dabei super unterstützt. Er hat uns zum Labor begleitet und die Ergebnisse direkt an seinen Onkel, der Arzt ist, weitergeleitet. Der Befund war eindeutig: Wir hatten Amöben aufgelesen. Das heisst, wir wurden von den beiden überflüssigsten Lebewesen auf diesem Planeten (Meerschweinchen und Amöben) bewohnt! Wir haben uns sofort mit den nötigen Medikamenten eingedeckt und die Parasiten gekillt. Am nächsten Tag war Rapha bereits wie ausgewechselt und dem Ausflug in den El Cajas-Nationalpark stand nichts mehr im Weg. Leider hat es auf der Wanderung mal wieder heftig geregnet und das letzte Stück war mehr Schlammschlacht als Fussmarsch. 

Vilcabamba, die letzte Station auf dem Festland, konnten wir bei bestem Wetter so richtig geniessen. Wir logierten in der Hostería Izhcayluma und machten eine wunderschöne Wanderung. Die Umgebung und die Anlage haben uns so gut gefallen, dass wir uns gut vorstellen können, später hier noch einmal vorbei zu kommen. Liegt ja auf dem Weg nach Peru.

Zuerst wollten wir aber noch auf die Galápagos Inseln. Eine lange Busfahrt führte uns von Vilcabama nach Guayaquil. Dort hiess es, von David und Wilson Abschied zu nehmen. Die beiden sind uns in den letzten Wochen richtig ans Herz gewachsen. David war nicht nur unglaublich kompetent, sondern auch ein herzensguter Mensch mit viel Humor. Und Wilson ist der aufmerksamste und beste Fahrer ever! Vielen Dank für alles!

Quito