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San Pedro de Atacama, Chile - 27. bis 31. Oktober 2015

(Video)

Die vielen Eindrücke, die wir aus Bolivien mitgebracht hatten, mussten wir erst mal sacken lassen. Unsere Unterkunft in der Casa Ancestral war wie geschaffen dafür und wir machten es uns erst mal gemütlich. 

Nach einem geruhsamen Mittagsschläfchen machten wir uns auf, die kleine Ortschaft San Pedro de Atacama zu erkunden. Das Örtchen liegt am nördlichen Rand der Salar de Atacama. Die Atacamawüste ist eine der trockensten Landschaften der Erde. In einigen Orten wurde jahrzehnteland kein Regen registriert. Die Oase San Pedro ist ein beliebtes Ziel für jährlich über 50'000 Touristen. Und so kommt es auch daher: schicke Restaurants und teure Boutiquen stehen im krassen Gegensatz zu allem, was wir in den vergangenen Wochen in Bolivien vorgefunden hatten. Ein ziemlicher Kulturschock für uns. Aber wir genossen das leckere Essen, die warmen Temperaturen und die vielen Eisdielen.

Wir hatten 4 volle Tage in San Pedro eingeplant und wollten etwas von der imposanten Natur in der Umgebung sehen. So machten wir uns auf die Suche nach einer Agentur und stellten schnell fest, dass allesamt exakt das Gleiche verkaufen. So pickten wir den für uns sympatischsten Anbieter aus und buchten gleich ein 4 Tages-Paket, was uns einen Rabatt von 10 % einbrachte. 

Am nächsten Tag ging es gleich zum ersten Highlight: wir besuchten das Valle de la Luna und genossen einen fantastischen Sonnenuntergang. Wir stellten auch gleich fest, dass die Guides hier um ein Vielfaches motivierter sind als noch in Bolivien. Kaum kommt man über die Grenze, legt das Wort "Dienstleistung" mächtig an Bedeutung zu...

Der folgende Tag war für mich der eindrücklichste: wir besuchten die Salar de Atacama, die Lagunas Altiplánicas und die Laguna Tuyajto (Piedras Rojas). Die Kombination der türkisfarbigen Lagune und der roten Steine war atemberaubend. Der singende Busfahrer und der tanzende Guide waren für sich schon ein Erlebnis. Die Lebensfreude der beiden war sehr ansteckend. Und als ob das nicht schon genug wäre, haben die beiden sich extrem ins Zeug gelegt. So nahmen wir uns an den einzelnen Orten viel Zeit und genossen ausserplanmässig einen wunderschönen Sonnenuntergang. Wir waren erst um 20 Uhr statt schon um 17 Uhr zurück in San Pedro. Wer würde bei uns schon freiwillig solche Überstunden leisten - noch dazu zu einem verhältnismässig geringen Salär...

Am dritten Tag hiess es früh aufstehen. Wir wollten den Geysir El Tatio besuchen und wurden um 05.00 Uhr abgeholt. Schon im Bus wurde es empfindlich kalt und beim Geysir-Feld auf rund 4'000 m über Meer angekommen fiel die Temperatur auf frostige minus 14 C. Glücklicherweise waren wir vorgewarnt - wir zogen alles an, was wir an warmen Klamotten dabei hatten. So war es auszuhalten. Die Herausforderung kam dann für uns etwas später: da oben beim Geysir gibt es ein Aussen-Thermalbad. Das Becken hat im besten Fall 30° C. Sich bei dieser Aussentemperatur auszuziehen, ist nicht jedermanns Sache und kostete uns einiges an Überwindung. Dann war es im Pool leider in etwa so, wie in einer abgekühlten Badewanne zu sitzen. Also alles andere als ein schön heisses Bad. Aber das Erlebnis und die Kulisse waren einmalig. Auf dem Rückweg wurden wir dann noch Zeuge, wie der Vulkan Láscar Rauch und Asche spuckte. In dem Moment ist uns wieder voll bewusst geworden, dass wir von lauter aktiven Vulkanen umgeben sind. Zum Glück blieb es bei etwas Rauch und Asche!

Noch am gleichen Abend wollten wir Sterne gucken gehen. Die Atacama-Wüste ist ein beliebter Ort für Weltall-Beobachter aus aller Welt. Von Claudia und Raphael bekamen wir den Tipp, früh genug bei Space Obs zu reservieren. Wie gut, dass wir das rund zwei Wochen vorher auch taten. Als wir unsere Tickets abholten, war die Tour ausgebucht. Wir verbrachten einen eindrücklichen Abend unter einem fantastischen Sternenhimmel und bekamen viele interessante Infos über die Sternen und ihre Konstellationen. Es war auch nicht zu viel Fachjargon und wir konnten den Ausführungen folgen. Die Beobachtungen durch die rund 15 Teleskope waren dann für mich eher enttäuschend. Ich dachte, man käme näher ran und könnte mehr von den Sternen sehen. Aber die sind halt einfach viel zu weit weg. 

Am vierten Tag wäre nochmal ein Ausflug geplant gewesen. Aber wir konnten nicht mehr und wollten auch keine Lagune mehr sehen. Irgendwann führen die ganzen Eindrücke zu einer Art Übersättigung und man kann es nicht mehr richtig geniessen. So entschlossen wir uns, den Tag in der Casa Ancestral zu verbringen. Wir plauderten mit Salomé, die seit zwei Jahren in der Casa Ancestral arbeitet. Sie musste für ihren Job ihre Familie in Bolivien zurücklassen. Ihr jüngster Sohn ist gerade mal 5 Jahre alt! Sie vermisst ihre Kinder sehr und hofft, bald zurückkehren zu können. Aber die schlechten Jobaussichten in ihrem Heimatland lassen das im Moment einfach nicht zu. Gegen Abend gönnten wir uns eine entspannende Massage und assen zum letzten Mal Sevi's chilenische Lieblingsspeise "Pastel de Choclo". 

Am Tag der Abreise sortierten wir unsere warmen Kleider aus und liessen auch die Wanderschuhe zurück. Die haben nach über 7 Jahren mehr als ihren Dienst erfüllt. Kurz vor Mittag ging es dann im Bus weiter über die Grenze nach Salta, Argentinien.

Kirche in San Pedro de Atacama

Salzwüste von Uyuni, Bolivien - 22. bis 27. Oktober 2015


Nachdem wir von diversen Seiten vernommen hatten, dass es sich lohnt, von Tupiza statt von Uyuni aus in die Salzwüste zu fahren, entschlossen wir uns für die touristisch weniger frequentierte Alternativroute. Von Sucre ging es also erst mal im Nachtbus nach Tupiza. Für die knapp 8-stündige Fahrt stand uns keine Bustoilette zur Verfügung. Wie gut, dass ich vor Abfahrt auf's Bier verzichtet hatte! Die ersten Stunden war es heiss uns stickig im Bus, was dazu führte, dass alle Passagiere die Fenster aufrissen. Nach Mitternacht wurde die Strasse immer holpriger und die Fenster standen immer noch alle offen. Es wurde ungemütlich und empfindlich kalt. Eine typisch bolivianische Busfahrt halt... Morgens um vier trafen wir völlig übermüdet in Tupiza ein. Zum Glück betreibt unser Hostel eine 24-Stunden-Rezeption. Unser Zimmer war zwar noch nicht bereit, aber wir konnten die Couch im Aufenthaltstraum in Beschlag nehmen und mussten nicht auf der Strasse warten. Kurz nach 7 Uhr gab's dann auch schon Frühstück. Danach informierten wir uns bei Torre Tours über deren Angebot und buchten kurz entschlossen für den nächsten Morgen eine 4-tägige Tour durch die Reserva Eduardo Avaroa und die Salzwüste bis nach Uyuni. Danach hauten wir uns ein paar Stunden aufs Ohr. Am Nachmittag erkundeten wir das verschlafene Nest und liessen uns per Taxi zum Mirador Entre Rios fahren. So haben wir wenigstens noch etwas von der Umgebung gesehen. Tupiza ist echt ruhig und schön.

Am nächsten Morgen ging's gleich nach dem Frühstück los. Wir teilten den Landcruiser mit Jéremy und Nancy, einem jungen, französischen Pärchen aus Paris, dem Fahrer Edwin und der Köchin Celia. Celia war auch gleichzeitig unser Guide für die Tour. Unsere Route war wie folgt:

1. Tag
Tupiza (2'950 m.ü.M.) - Sillar - Awanapampa - Cerrillos - Polulos - Pueblo Fantasma - San Antonio de Lípez - 1. Übernachtung in Quetena Chico (4'200 m.ü.M.)

2. Tag
Laguna Hedionda - Laguna Kollpa - Salar de Chalviri - Desierto de Dali - Laguna Blanca - Laguna Verde (4'400 m.ü.M.) mit Volcán Licancabur - Aguas Termales - Geysers - Laguna Colorado - 2. Übernachtung in Huayllajara (4'300 m.ü.M.)

3. Tag
Arbol de Piedra - Desierto de Siloli - Laguna Honda - Laguna Charcota - Laguna Hedionda - Laguna Cañape - Mirador Volcán Ollagüe - Salar Chiguana - 3. Übernachtung im Salzhotel in Chuvica (3'650 m.ü.M.)

4. Tag
Salar de Uyuni - Isla Incahuasi - Hotel de Sal - Colchani - Cementerio de trenes - Uyuni

Die Landschaft hat uns echt den Atem geraubt. Jedesmal, wenn wir dachten, "schöner kann's nicht mehr werden" kam schon das nächste Highlight. Der Höhepunkt der Tour war die Salar de Uyuni (auch Salar de Tunupa genannt), die mit mehr als 10'000 Quadratkilometer grösste Salzpfanne der Erde.

Leider war unser Guide Celia extrem unmotiviert. Sie und der Fahrer stiegen unterwegs nicht ein einziges Mal mit uns aus dem Fahrzeug, Infos gab's nur auf Anfrage und die wenigen "fotos locas", welche sie in der Salar de Uyuni von uns gemacht hat, waren miserabel. Den Bock abgeschossen haben die beiden dann am letzten Morgen, wo sie uns zu spät aufstehen liessen und wir prompt den Sonnenaufgang um 30 Minuten verpassten. Zum Glück war es bewölkt und damit der "Schaden" nicht ganz so gross. Ihre Antwort auf unsere Reklamation war dann, dass normalerweise die Sonne später aufgeht... hahaha... sich ärgern nützte nichts. Dafür war Celia eine hervorragende Köchin und Edwin ein sehr umsichtiger Fahrer. Man kann halt nicht alles haben ;-) Mit den Franzosen verbrachten wir gemütliche Abende bei gutem Essen und dem selbst mitgebrachten Wein. Die Unterkünfte waren auch viel besser als erwartet - einzig die Duschen fehlten bei den ersten beiden Übernachtungen.

Die Tage vergingen wie im Flug. Als wir in Tupiza ankamen, gab's nochmals kurz Ärger... Torre Tours hatte unseren Anschlusstransfer von Uyuni über die Grenze nach Chile verschlampt. Wir hatten Glück und es gab in einem Minibus noch zwei freie Plätze für uns! Der Abschied von Edwin und Celia fiel entsprechend kurz und etwas "unterkühlt" aus. Schade. Bis zu unserer Weiterfahrt blieben noch ein paar Stunden. Da es in Uyuni nicht viel zu sehen gab, setzten wir uns mit den beiden Franzosen und ein paar anderen Reisenden in ein Pup und genossen die gesellige Runde. Um 18 Uhr ging es dann für uns weiter. Nach gut drei Stunden erreichten wir Villa Mar, wo wir zu Abend assen und die Nacht verbrachten. Früh um 4.00 Uhr am nächsten Morgen ging die Fahrt weiter bis zur Grenze Hito Cajón. Wir erreichten San Pedro de Atacama gegen Mittag, assen eine Kleinigkeit und bezogen anschliessend ein wunderschönes Doppelzimmer mit eigenem Bad in der Casa Ancestral. Nach den letzten Tagen im Mehrbettzimmer und ohne warme Dusche genossen wir diesen erneuten Luxus sehr. Wie geht es uns doch gut!


Tupiza

Von Ushuaia via Mendoza nach Cartagena - 21. bis 27. Februar 2015

(Video)

Von Ushuaia sind wir - wieder mit dem Bus! - nach Punta Arenas gefahren. Ein kurzer, 10-stündiger Trip mit nur einem Grenzübergang. Wir haben in Punta Arenas in einem netten Hostel übernachtet und uns zum Abendessen nochmal mit Antje getroffen. Am nächsten Tag ging es zunächst mit dem Flugzeug zurück nach Santiago. Der dreistündige Flug war sensationell. Meine Flugangst habe ich wie üblich mit Glückspillen bekämpft und wir konnten bei perfektem Wetter noch einmal die Highlights der letzten Wochen an uns vorbei ziehen sehen. Die Gletscher Perito Moreno und Upsala, der Lago Argentino, Fitz Roy (wieso musste ich nur beim Wandern schon immer an diesen Sketch denken?), die Estancia Cristina und der Vulkan Osorno sehen auch aus der Luft spektakulär aus und zeigen ihre Dimensionen eindrücklich.

In Santiago ankommen war ein wenig wie nach Hause zu kommen. Wir haben im Hostel an der Plaza de Armas übernachtet und sind am nächsten Tag mit dem Bus nach Mendoza aufgebrochen. Wieder 10 Stunden, wieder die chilenisch-/argentinische Grenze passieren. Der Grenzübertritt alleine dauerte diesmal 3 Stunden!! Aber die Fahrt über die Anden war wunderschön! Wir hatten das Glück, auf den vordersten Plätzen im Oberdeck des Busses zu sitzen und hatten freie Sicht auf unseren 500 Zoll Monitor.

Mendoza empfing uns sogar abends um acht noch mit einer Mordshitze. Wir haben im Independencia Hostel im Herzen der Stadt eingecheckt. Das Hostel war super. Sehr verwinkelt, mit hohen Räumen und heimeligem Holzdekor. Die Crew war sehr herzlich. Die Gäste allerdings waren sehr distanziert. So haben wir beschlossen, auf eigene Faust die Weingüter der Region zu besuchen. Wir haben den lokalen Bus genommen und uns in Luján de Cuyo Fahrräder gemietet. Mit diesen haben wir verschiedene Weingüter angesteuert und deren Wein degustiert. Die Fahrräder waren schon nüchtern schwierig zu kontrollieren und wir haben deshalb die Destillerie zum Schluss ausgelassen. Das war ein guter Entscheid, denn im Hostel gab‘s von 19.00 – 21.00 Uhr gratis Wein. Die Stimmung im Hostel sollte sich am nächsten Tag schlagartig ändern, als König Fussball das Zepter übernahm. Ich schaute in der Lobby zunächst alleine den Kracher Bayer Leverkusen gegen Atletico Madrid. Hier verkaufen sie das Quilmes Bier in handlichen 1-Liter-Flaschen, welche bei diesen Temperaturen genau für eine Halbzeit reichen. Die Stimmung wurde (zumindest bei mir) immer besser und es gesellten sich immer mehr Leute dazu. Dank der Zeitverschiebung beginnen die Champions-League-Spiele hier bereits um 17.00 Uhr. So war nach dem Spiel (ich weiss nicht mehr, wie's geendet hat) direkt die Gratis-Weinrunde angesagt. Ich hab' den Fusel in mich reingeschüttet, als wär's Sirup und kann mit gutem Gewissen sagen, dass ich eine Mords-Sause angestossen habe. Dummerweise habe ich davon aber nicht mehr viel mitgekriegt. Um 22.00 Uhr war bei mir LiLö.

Timing ist ja bekanntlich etwas sehr wichtiges. Und ihr werdet mir glauben, dass diese Aktion am Abend vor einem 22-stündigen Trip suboptimal „ge-timed“ (komisches Wort) war. Mir war speiübel, als wir in den Bus stiegen…

Die Strecke zurück nach Santiago kannten wir ja schon. Verkatert ist sie übrigens nicht mehr ganz so schön. In Santiago ging es dann direkt zum Flughafen (wo ich endlich wieder feste Nahrung zu mir nehmen konnte), und um Mitternacht startete unser Flug via Bogota nach Cartagena, Kolumbien. Für den Nachtflug gab es nicht mehr Glücks- sondern Schlafpillen. Gute Nacht!


Chiloé, Chile - 25. Januar bis 1. Februar 2015

(Video)

Von Puerto Varas ging‘s mit dem Bus nach Ancud auf der Insel Chiloé. Mit an Bord war auch Caroline aus Brasilien die wir im Hostel kennen gelernt hatten. Sie kommt aus Coritiba in Brasilien, wo wir voraussichtlich im Oktober vorbei kommen werden. Wir haben die Adressen getauscht und uns vorgenommen, sie dort zu besuchen.

Die Fahrt nach Ancud dauerte bloss drei Stunden. Eine davon auf der Fähre. Auf der Überfahrt wurden wir von neugierigen Seehunden und Delfinen begleitet.

In Ancud haben wir dann ein schmuckes Bungalow im Hostel Nuevo Mundo bezogen und sind am gleichen Tag noch nach Pinguinos gefahren. Zu unserer „grossen Überraschung“ gab es dort ein paar Pinguinkolonien zu  bestaunen. Mit dem Boot sind wir zu den Felsen gefahren, wo die trottligen Vögel auf uns gewartet haben. Das war grossartig.

Am nächsten Tag haben wir eine Wanderung zu einem Leuchtturm an der Nordküste der Insel gemacht. Den Turm haben wir nie gefunden. Dafür haben wir ein nettes Spanisch/Belgisches Pärchen kennen gelernt. Sie reisen von Süden Richtung Kolumbien und wir haben uns vorgenommen, uns unterwegs zu treffen, wenn wir von Kolumbien Richtung Süden reisen. Langsam wird’s kompliziert!

Nach drei Nächten sind wir dann nach Castro (immer noch auf der Insel Chiloé) weiter gezogen. Castro und die Umgebung sind vor allem bekannt für die fantastischen Holzkirchen und die Palafitos (bei uns heissen die Pfahlbauten). Die Palafisten-Häuser haben wir uns am ersten Tag auf einem Spaziergang durch die Stadt angeschaut. Tags darauf wollten wir auf die Insel Mechuque (gesprochen „Meschugge“). Eine besonders schöne Insel, die ihren ursprünglichen Charme noch bewahrt haben soll. Leider verlangten die Halsabschneider in Castro 50 CHF für den Trip. Deshalb haben wir wieder den lokalen Reisebus in den, der Insel vorgelagerten Ort Tenaún genommen. Die holprige Busfahrt dauerte drei Stunden und wir waren die einzigen Touristen an Bord. Allerdings hat uns der Bus dann auch in einem Geister-Kaff ausgespuckt. Es gab dort ein paar Häuser, eine Holzkirche (natürlich!) und einen Bootssteg. Und keiner der Palafisten konnte uns sagen, wann und ob eine Fähre nach Meschugge übersetzt. Wir haben dann einfach mal gewartet. Die Wartezeit wurde uns versüsst durch 6 Delfin-Pärchen, die vor dem Steg am Strand entlang gewandert sind. Nach drei Stunden ist dann tatsächlich eine Fähre eingetroffen. Die Meschuggianer haben dann für uns das traditionelle Curanto en hoyo gemacht. Das ist ein lokales Gericht, bei dem Muscheln, Wurst, Hühnchen, Schwein und Kartoffeln im Erdloch gegart werden. Tönt dämlich, ist aber sehr lecker.


An den verbleibenden Tagen haben wir dann von Castro aus noch den Nationalpark in Cucao bewandert und auf der Insel Achao ein Volksfest besucht. Von den gesamthaft 7 Tagen auf Chiloé waren wir an 6 Tagen mindestens 5 Stunden im Bus. Der Arsch ist eingesessen für die lange Fahrt ins gelobte Patagonien.


Puerto Varas, Chile - 20. Januar bis 25. Januar 2015


Wir verbrachten eine durchzogene Nacht im doppelstöckigen Bus. In den Semi-Camas schläft es sich zwar besser, als wir befürchtet hatten. Die Sitze lassen sich ziemlich weit runterklappen und die Beinfreiheit ist besser als in jedem Flieger. Soweit so gut :-) Wenn ich nicht mitten in der Nacht aufs Klo hätte müssen... so stürchelte ich also schlaftrunken und verpeilt durch den dunklen und ruckelnden Bus in den unteren Stock und brachte da die Klotür nicht auf. Ist da wer drin? Keine Reaktion auf mein Klopfen. Also wartete ich ein paar Minuten und versuchte dann mein Glück im 2. Stock. Auch zu!! Das gibt's doch nicht. Schliessen die in der Nacht die Toiletten ab?? Gibt es doch nicht! Alles schläft, kein Steward in Sicht. Die Tür zur Fahrerkabine verdunkelt und verriegelt. Ich geh' also zurück zu meinem Sitz und schmolle. Langsam wird's brenzlig. Als ich es kaum noch aushalte, wecke ich Sevi und schicke ihn los, meine Lage zu entschärfen. Er kriegt die Chauffeur-Türe auf. Der Fahrer erschrickt dabei so sehr, dass er voll in die Bremsen steigt... der halbe Bus wach... wie peinlich. Zu guter Letzt stellte sich dann auch noch heraus, dass die Toiletten die ganze Zeit offen waren! Sie klemmten leider so sehr, dass sie sich nur mit viel Kraft aufreissen liessen. Viel Lärm um Nichts :-) Die restliche Nacht verlief dann ruhiger. Nach knapp 14 Stunden Fahrt trafen wir kurz vor Mittag in Puerto Varas ein und waren froh, wieder mal ein paar Schritte laufen zu können.

Das Städtchen mit seinen rund 35'000 Einwohnern stand bei unserer Ankunft in dichtem Nebel - wir konnten nicht einmal den See Llanquihue vor uns erkennen, geschweige denn, die imposanten Vulkane wie Osorno und Calbuco  rund um den See. Zu Fuss machten wir uns auf den Weg vom Busbahnhof zu unserem Hostel. Der deutsche Einfluss des 19. Jahrhunderts lässt sich in diesem Ort schon auf den ersten Blick erkennen. Die Holzhäuser erinnern stark an den Schwarzwald. Und an jeder Ecke hat es eine Bäckerei, wo "Kuchen" auf den Schildern angepriesen wird, es gibt deutsche Bierbrauereien, ein deutsches Vereinshaus und edle Boutiquen. Von Benetton bis North Face ist in Puerto Varas alles vertreten.

Wir machten es uns im Hostel Vermont gemütlich und freundeten uns gleich mit Christýna und Sarka an, den beiden Mädels aus Tschechien, die sich hier mit viel Freude um alles kümmern. Wir kochten gemeinsam, tranken literweise chilenischen Rotwein und tauschten uns mit den verschiedensten Nationen aus: Kathy, die Fliegenfischerin aus den USA, Chris aus Marseille, Pedro und seine Freundin aus Rio, Brasilien, die beide noch nie zuvor Schnee gesehen hatten und freudig von ihrem ersten Schnee-Erlebnis auf dem Osorno-Vulkan berichteten.

Der Nebel verzog sich rasch. Unser erster Ausflug führte uns unter stahlblauem Himmel an den Lago Todos los Santos. Die gut einstündige Hinfahrt verbrachten wir stehend im komplett überfüllten Lokalbus. Dafür gönnten wir uns anschliessend eine kurze Bootstour über den See und genossen den freien Blick auf den Vulkan Osorno und die umliegenden Berge/Vulkane. Zusammen mit Kathy und Chris machten wir uns auf in den angrenzenden Nationalpark. Auf dem Wanderweg "Sendero Paso Desolación" am Fusse des Osornos waren wir der Sonne und den penetranten Mutantenfliegen schonungslos ausgeliefert. Als wir dann auch noch von stechenden Bremen angegriffen wurden, entschlossen wir nach knapp 5 km, wieder umzukehren. Aber die Landschaft und der Blick auf die Vulkane und den See Todos los Santos waren traumhaft schön. Zurück in Puerto Varas gab es dann zur Belohnung frischen Fisch im "Donde el Gordito".

Am nächsten Tag probierten wir den empfohlenen Wanderweg "Sendero El Solitario" auf der anderen Seite des Osornos aus. Die ersten 3 km durch den Wald (bosque mediano) waren markiert und super schön! Dann kamen wir aufs offene Lavafeld, wo sich die Spuren verliefen und die Markierungen komplett fehlten. Wir folgten 2 Stunden einem zurzeit trockenen Flussbett und kamen dem Osorno immer näher. Je höher wir stiegen, desto imposanter wurde der Rundumblick. Die riesigen Lavafelder erstreckten sich kilometerweit vor uns. Ausser uns war kein Mensch weit und breit. Um uns nicht zu verlaufen, legten wir Markierungen und nahmen dann denselben Weg durch das ausgewaschene Flussbett zurück an die Hauptstrasse. Auf dem Heimweg machten wir kurz Halt am Fluss Petrohué und bestaunten da zusammen mit geschätzten 1'000 anderen die Wasserfälle Saltos de Petrohué. Lange haben wir uns da aber nicht aufgehalten...

Den Tag vor unserer Weiterreise auf die Isla Chiloé verbrachten wir hauptsächlich damit, unsere Reise nach Patagonien zu planen, was wegen der Hochsaison gar nicht so einfach war. Am letzten Abend assen wir Dank dem Tipp von Maas im Restaurant La Marca super leckere Steaks. 

Nach erlebnisreichen Tagen im chilenischen Seengebiet freuten wir uns auf Chiloé und machten uns auf den Weg nach Ancud.


Valparaìso, Chile - 16. Januar bis 19. Januar 2015

(Video)

Valparaìso erstreckt sich über eine Vielzahl von Hügeln (cerros), hat ca. 300'000 Einwohner und liegt westlich von Santiago an der Pazifikküste.

Hafenstadt, Hauptsitz des chilenischen Kongresses, Künstlerstadt, Stadt der Wandmalereien und der Graffitis. Vorallem in den Altstadtvierteln des Cerro Alegre und des Cerro Concepción hat jede nur denkbare Fläche mindestens einmal Bekanntschaft mit einer Spraydose oder einem Farbpinsel gemacht. Seien es freistehende Wände, Mauern, ganze Häuser, Türen, Briefkästen oder die Müllabfuhr: Farbenfrohe Bilder, wo man hinschaut. Valparaìso gilt als kulturelle Hauptstadt Chiles. Der historische Stadtkern wurde zurecht zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt.

Valparaìso ist aber auch die Stadt der üblen Gerüche, der stinkenden Busse, der überfüllten Hauptstrassen und der streunenden Hunde. Die Kleinkriminalität nimmt stetig zu und Diebstähle sind hier wohl an der Tagesordnung: Immer wieder wurden wir von besorgten Einheimischen darauf aufmerksam gemacht, unsere Taschen unbedingt vorne zu tragen, nur das Allernötigste mitzunehmen, den Hafen zu meiden und bei Dunkelheit auch für kleine Strecken ein Taxi zu rufen. Wir haben die Ratschläge gerne befolgt und fühlten uns zu keiner Zeit unsicher.

Unser Hostal Casa Amarilla liegt auf dem Cerro Artillería und bietet eine traumhafte Sicht über die Stadt und den Hafen. Wir hatten grosses Glück und kriegten das Zimmer mit einem sensationellen Ausblick auf die Stadt und den Hafen! Ana und ihre Familie gaben uns super Tipps und verwöhnten uns täglich mit einem exzellenten Frühstück. 

Von den unzähligen Hügeln aus lässt sich gut beobachten, wie im Hafen die Containerschiffe beladen werden. Und  immer mal wieder legt ein Kreuzfahrtschiff an, welches Menschenmassen ausspuckt, die dann im Eiltempo die Hügel erklimmen und für ein paar Stunden die Funiculares (Standseilbahnen), die Ascensores (Lifte) und die Aussichtsplattformen überfluten. Wir sind dann einfach zu Fuss über unzählige Stufen die Hügel hoch und runter und haben auf dem Weg viele Kleinigkeiten entdeckt, die diesem Ort Charm verleihen.

Jetzt aber ist es an der Zeit, die Stadtluft gegen die Landluft auszutauschen. Per Nachtbus machen wir uns auf ins chilenische Seengebiet (Región de los Lagos). Nächster Halt: Puerto Varas am Lago Llanquihue....

Santiago de Chile - 13. Januar bis 16. Januar 2015

Die Hauptstadt Chiles empfängt uns mit stahlblauem Himmel und rund 35 Grad. Was für ein Kontrast zu den kalten Temperaturen in der Schweiz! Wir geniessen die Wärme, saugen die Sonnenstrahlen auf und tauchen in die quirrlige Grossstadt ein.

In Santiago leben gut 5 Mio. Menschen. Zusammen mit dem angrenzenden Umland hat die Región Metropolitana rund 6 Mio. Einwohner, das sind 40 % der gesamten chilenischen Bevölkerung. Von einer Stadt in dieser Grössenordnung erwarteten wir eine gewisse Anonymität. Die Stadtbewohner aber überraschten uns immer wieder mit ihrer freundlichen, sozialen und offenen Art. Wir kauften bei "Claro" eine SIM-Karte und erhielten dazu ein paar tolle Stadt-Tipps von Nelson, der uns nach einem interessanten Gespräch sogar anbot, günstig bei ihm zuhause zu übernachten. Leider hatten wir da unsere Unterkunft schon bezahlt. Nelson meinte zudem, wir könnten ihn jederzeit anrufen, wenn wir später Fragen hätten oder eine Bleibe suchten.

Als wir in der Metro nicht gleich den richtigen Ausgang fanden und suchend in der Halle herumstanden, bot uns ein freundlicher Mann spontan seine Hilfe an. Und als wir einige Tage später mit dem ganzen Gepäck zum Busbahnhof wollten, hat uns ein Mann in der Metro unaufdringlich gefragt, wo wir denn hin wollten und hat uns die richtige Station gezeigt.

Die ersten Tage in Chile verbrachten wir nun also damit, die Innenstadt Santiagos zu durchstreifen und uns einen Weg durch die Menschenmassen zu bahnen. Etwas Ruhe fanden wir auf dem Cerro Santa Lucia oder dem Cerro San Cristobal, von wo man einen herrlichen Blick über die Stadt hat. Leider war die Sicht nicht ganz so klar.... Santiago liegt in einem Talkessel, umrundet von Hügeln und teils hohen Bergen. Gerade in der warmen Sommerzeit zirkuliert die Luft hier schlecht. Dies führt zu Smog und es ist heiss.

Nach einem kleinen Abstecher ins südlich der Hauptstadt gelegene Weinanbaugebiet im Maipo-Tal, was wohl als bestes Anbaugebiet Chiles gilt, entschlossen wir uns dann, ans Meer zu fahren und dem viel gerühmten Valparaìso einen Besuch abzustatten. Wir sind gespannt...


Plaza de Armas