Minca, Kolumbien - 18. bis 21. März 2015

(Video)

Während ich diesen Blogeintrag schreibe, sitzen wir zusammen mit Ana Maria und Mike an einem der traumhaften Strände an der Karibik Kolumbiens. Es ist so schön, dass wir die beiden getroffen haben. Wie's dazu kam:

In Cartagena kehrte Luisa von ihrem Kurztripp zurück und schwärmte von der kleinen Ortschaft Minca. Immer wieder fragte ich mich, warum mir dieser Name so bekannt vorkam. Bis es mir durch den Kopf schoss: "Das ist doch der Ort, wo sich Ana Maria und Mike nach ihrer langen Reise niedergelassen haben!" Sofort die alten Mails gecheckt und genau so ist es: Ana Maria, eine ehemalige Arbeitskollegin bei Meng und Partner, hat sich nach einer Weltreise in Kolumbien niedergelassen und lebt mit ihrem Mann in Minca! Glücklicherweise konnten wir kurzfristig den Kontakt herstellen und wurden von den beiden spontan in ihr Haus eingeladen.

Isabel, unsere Host in Cartagena, hat für uns die Weiterfahrt organisiert und so fuhren wir im angenehm klimatisierten Kleinbus nach Santa Marta, wo wir kurz vor Mittag eintrafen. Als erstes sind wir bei Expotour vorbei, haben bei Cristian den Trekk zur Ciudad Perdida gebucht und gleich mal unser grosses Gepäck dagelassen. Anschliessend ging's per Collectivo nach Minca hoch. Auf rund 600 m oberhalb von Santa Marta liegt dieses idyllische, hübsche, verschlafene Nest, wo Ana Maria uns mit ihrem "Worldmobil" - zu einem Wohnmobil aufgerüsteter Toyota LandCruiser - im Dorfzentrum abgeholt hat. Mit diesem riesigen Gefährt sorgst du nicht nur hier in Minca für reichlich Aufsehen! In Australien gekauft, per Containerschiff nach Buenos Aires überführt und viele spannende km auf den Rädern... da sich das Fahrzeug in Kolumbien nicht einlösen lässt, steht es zum Kauf... wir überlegten ein paar Minuten. Aber unser Budget gibt das nötige Kleingeld nicht her. Zudem wollen wir doch gar nicht nach Australien. Oder??

Wir wurden von Ana und Mike herzlich empfangen und hatten einen wunderbaren Abend mit lecker Essen und Rotwein. Wir schliefen hervorragend und erwachten bei Vogelgezwitscher und mit spektakulärem Blick auf die wunderbaren Wälder der Sierra Nevada. Bei Tageslicht bestaunten wir die Gegend und das luftige, 2-stöckige Bambus-Traumhaus. Bei klarer Sicht sieht man Santa Marta und die Küste. Mike und seine zwei Mitarbeiter waren gerade dabei, die Fenster neu einzusetzen. Es gibt noch viel zu tun, wie Mike sagt. Und da steckt schon so viel Arbeit in dem tollen Haus! Wir sind total begeistert!

Während Mike am Haus rumwerkelt, nimmt uns Ana Maria mit ins Dorf, wo sie noch ein paar Besuche macht und wir dann anschliessend das Quadrimoto abholen, um auf ihre Finca hochzufahren. Mike hat uns extra noch eine Pumpe mitgegeben, und so konnten wir alle 4 Reifen gut mit Luft versorgen für die steile und holprige Fahrt auf unbefestigten Pisten. War das ein Spass! Unvorstellbar, wie die Strecke in der Regenzeit ausschaut. Aber Ana Maria meint, die wäre mit Töff oder Quadrimoto fahrbar. Die hat Nerven ;-)

Auf dem Weg machten wir Halt beim verpeilten (bekifft? besoffen? beides?) Jonas, einem Deutschen, der gerade dabei war, ein neues Bier zu brauen. Die Brauerei wurde erst kürzlich in einer ehemaligen Kirche eingerichtet. Der Typ war schon etwas schräg drauf. Aber sein Bier ist echt lecker! Gleich nebenan befindet sich die Hacienda Cafetera La Victoria, wo wir uns auf einer Führung die Kaffeeverarbeitung zeigen liessen. Sehr spannend. Über Stock und Stein ging es dann im Quadrimoto weiter. Auf der Finca von Ana und Mike wachsen auf rund 1'200 m  Mangos, Zitrusfrüchte, Guanabanas (Sevi's Nummer 1), Lulos und Kaffee. Der organisch angebaute Kaffee wird per Hand geerntet und aussortiert. So ein guter Kaffee! Ich will mich jetzt hier nicht im Detail verlieren, aber die beiden verfolgen ganz tolle Projekte und Geschäftsideen. Wir drücken die Daumen und wünschen viel Glück und gutes Gelingen!

Kaum auf der Finca oben angekommen, mussten wir feststellen, dass einer der Vorderreifen platt war. Gut, hat Mike uns die Pumpe mitgegeben. Saublöd, haben wir die im Dorf unten gelassen.... Kein Netz hier oben. Was tun? Ana überlegt nicht lange und entscheidet, das Quadrimoto beim Nachbarn unterzustellen, zu Fuss Richtung Minca (3 Stunden!) zu laufen und sobald wie möglich Mike anzurufen, damit er uns entgegenkommt. Das war ein schöner Spaziergang. Und Mike haben wir dann auch erreicht. Der hat sich gefreut! ;-) Kurz nach Einbruch der Dunkelheit waren wir zurück in Minca und belohnten uns mit einem leckeren Essen beim "Italiener".

Während Mike mit Pacho am nächsten Morgen bereits losgefahren ist, um unser Quadrimoto-Problem zu lösen, haben wir derweil ausgeschlafen und das reichhaltige Frühstück von Ana genossen. Mit frischem Guanabana-Saft! Sevi war sofort angefixt. Später kamen wir doch tatsächlich auch noch in den Genuss eines tropischen Regens - unüblich für diese Jahreszeit. Aber da es seit Dezember nicht mehr geregnet hat, mehr als nur willkommen für Natur und Mensch! Auf der offenen Terrasse genossen wir die Abkühlung. 2 Stunden später war's schon wieder vorbei und Sevi und ich machten uns auf den Weg zu den Cascadas. Vorher mussten wir im Auftrag von Mike mit einem Pack Gummibärchen bei Brigitte und Omar vorbei. Bei den beiden war's dann so gemütlich, dass es anschliessend zu spät für die Wasserfälle war und wir im Dunkeln nach Minca zurück sind.

Da wir zur Ciudad Perdida wandern wollten, mussten wir bereits am nächsten Morgen früh nach Santa Marta zurück. Der von Ana bestellte Privatfahrer kam einfach nicht. Kann in Kolumbien schon mal vorkommen. Sich ärgern nützt nichts. Ist halt so. Darum hat uns Ana ins Dorfzentrum gefahren, wo zum Glück gleich ein Collectivo bereit stand. So standen wir also pünktlich bei Expotour und waren bereit für das nächste Abenteuer...


Cartagena, Kolumbien - 27. Februar bis 18. März 2015

(Video)

„Cartagena de Indias ist die unangefochtene Königin der Karibikküste. Die Märchenstadt der Romantik und der Legenden präsentiert sich innerhalb der 13 km langen Stadtmauer aus Kolonialzeiten als makellos erhaltene Schönheit – hier zieht man ungern weiter, denn diese Stadt schlägt ihre Besucher in Bann und lässt sie einfach nicht mehr los.“

Nicht nur wegen dieser Lobeshymne im Lonely Planet freuten wir uns auf diesen Ort. Die Ankunft war aber brutal. Eine Mords-Hitze hier! Per Taxi sind wir zu Isabel gefahren, bei der wir über AirBnB für die nächsten drei Wochen ein Zimmer gebucht haben. Sie ist Kolumbianerin und wohnt mit ihrer 12-jährigen Tochter Lisa vor den Toren der Stadt. Sie nahm uns freundlich in Empfang und überraschte uns mit vier Katzen-Babies, die bei ihrer Tochter im Schrank wohnten. Die waren praktisch, um sich den Schweiss von der Stirn zu wischen. Wir haben uns von Isabel die Stadt erklären lassen und sind gleich los gezogen, um uns für die nächsten Wochen eine Spanisch-Schule zu suchen. Wir haben zwei Schulen angeschaut und uns dann für Babel entschieden. Die Schule ist zu Fuss in 10 Minuten zu erreichen und der Preis war unschlagbar. Wir hätten ein Vielfaches bezahlt, wenn wir aus der Schweiz gebucht hätten. Wir haben dort noch einen Einstufungstest gemacht und sind anschliessend durch die Strassen der Barrios Getsemani und Centro geschlendert. In der Tat sehr schöne Kolonialbauten hier!

Das Wochenende haben wir weiter mit Sightseeing und Party bewältigt. Louisa, eine Mitbewohnerin, hat uns in den Bazurta Social Club mitgenommen. Ein Tanzschuppen voller Einheimischer. Am Montag ging‘s dann in die Schule. Dummerweise waren Rapha und ich in die gleiche Klasse eingeteilt. Dumm, weil wir eigentlich mal wieder jeder für sich etwas erleben wollten. In der Klasse waren auch noch Meli aus Frauenfeld und Alex aus Kopenhagen. Unser Lehrer hiess Eufarit und verwirrte uns gleich einmal mit grammatikalischen Zeiten. Nach einer Stunde wollte ich mich zurück stufen lassen. Eufarit hat dann aber gemerkt, dass wir alle keinen Plan hatten. Er hat dann das Tempo raus genommen und am richtigen Ort angesetzt. Eufarit war ein sehr guter Lehrer. Er hat meine Frauenwitze super gefunden. Allerdings habe ich es dann mit dem Michael Jackson Witz mit den Berner Young Boys wieder verbockt. Konnte ja nicht wissen, dass er Fan ist (also von Michael nicht vom BSC).

Dank der Schule hatten wir das erste Mal seit langem wieder einen geregelten Tagesablauf. Morgens ging’s zur Schule und am Nachmittag meist zum Strand. Meli hat sich uns angeschlossen und mein Harem wurde langsam grösser. Wobei das, was am Mittwoch passiert ist, nichts mehr mit Alltag zu tun hatte. Ich bin nichtsahnend durch die Strassen gelaufen, als ich plötzlich in Justin reingelaufen bin. Justin hat mit mir vor zwei Jahren in Bocas del Torro eine Spanischschule besucht. Seither hatten wir keinen Kontakt mehr. Schon komisch, wie das Leben manchmal so spielt und wie klein die Welt doch ist. Wir haben am Abend ein paar Biere auf die guten alten Zeiten zusammen gekippt. Am nächsten Tag musste Justin leider schon weiter.

Erwähnenswert ist noch der letzte Schultag der Woche. Einmal die Woche organisiert die Schule jeweils einen Tag ausserhalb des Schulhauses. Dieses Mal sind wir zu einer Uni in der Stadt gegangen, wo Kinder aus armen Verhältnissen in Spanisch, Englisch und Französisch unterrichtet werden. Die Kinder hatten gerade Pause und wir wurden aufgefordert, uns dazu zu setzen und mit ihnen zu sprechen. Das war einerseits für beide eine gute Sprachübung und andererseits natürlich sehr spannend, weil wir so mehr über ihren Alltag erfahren konnten. Das Eis habe ich gekonnt gebrochen, indem ich mich als Fussballfan geoutet und den Kids erklärt habe, dass Juan Zúñiga der beste Fussballer der Welt sei und sein Zweikampf mit Gaymar nie und nimmer ein Foul war.

Am Weekend sind wir dann zur Playa Blanca ausserhalb der Stadt gefahren, wo wir zum ersten Mal in Hängematten übernachtet haben. Der Strand war super schön aber total überlaufen. Die Menschenmassen sind dann zum Glück gegen Abend wieder abgezogen und dann war es richtig gemütlich. Die Nacht in der Hängematte war erstaunlich komfortabel. Eine wichtige Erkenntnis in Anbetracht dessen, was noch folgen sollte.

Am Montag wurden wir in der Schule informiert, dass wir eine neue Lehrerin bekommen und nur noch zu zweit wären. Alex war nicht mehr da und Meli hat sich zurück stufen lassen. Jetzt hatten wir also Privatunterricht und noch weniger Distanz zueinander. Bivi, unsere neue Lehrerin, ist eine super Frau und voll auf unserer Wellenlänge. Sie hat Journalismus studiert und konnte dann ihren Beruf nicht mehr ausüben. In ihrer Masterarbeit hat sie das Thema Menschenrechte in Kolumbien abgehandelt und wurde anschliessend massiv bedroht. Das hat uns dann schon zu denken gegeben.

Der zweite Outdoor-Schultag am Freitag wurde dann am Strand von Punta Arena abgehalten. Der Transport dorthin war ein organisatorisches Meisterwerk à la Colombiana. Unter anderem wurde auch noch ein Lehrer von einem Taxi angefahren (aber nicht so schlimm). Der Strandschultag war für uns super, weil wir endlich mal die anderen Leute der Schule kennen lernen konnten. Wir haben und mit Ramona und Mara (natürlich Schweizerinnen) auf Anhieb super verstanden und mein Harem ist noch grösser geworden.

Nach zwei Wochen haben wir die Schule abgebrochen und noch ein paar Sehenswürdigkeiten angeschaut. Unter anderem das Castillo de San Felipe de Barajas, die grösste und standhafteste Festung, die die Spanier je in ihren Kolonien errichtet hatten und das Convento de lo Popa (Kloster), mit herrlichem Blick über die Stadt. Den spannenden Abschlussausflug haben wir mit Ramona und Mara zusammen zum Fuerte de San Fernando gemacht. Spannend, weil wir hier nach Strich und Faden von einem Schlepper verarscht worden sind. Wir sind mit dem Boot schon beim Fuerte draussen gewesen, als uns klar gemacht wurde, dass wir nur eine Hinfahrt bezahlt hätten. Wir mussten sehr laut werden, um ohne Aufpreis wieder zurück zu kommen. Das war die einzige ungemütliche Situation, weil wir die einzigen Turis waren und nicht wussten, ob wir jetzt richtig ausgenommen werden. Ansonsten haben wir die Kolumbianer als sehr freundliche, fröhliche  und hilfsbereite Menschen kennen gelernt.

Am letzten Tag haben wir auch noch Lisa kurz getroffen. Eine andere Freundin aus Panama von vor zwei Jahren. Dieses Mal allerdings hab‘ ich über Facebook erfahren, dass sie in Kolumbien ist und wir haben uns verabredet. Aber trotzdem spannend, wie sich die Wege wieder kreuzen…

Den am Anfang zitierten Text aus dem Reiseführer können wir nur bedingt unterschreiben. Cartagena hat eine wunderschöne Altstadt und ein legendäres Nachtleben. Wir hatten eine tolle Unterkunft, wo wir die Küche nutzen und Mangos direkt vom Baum pflücken konnten. Wir haben viele tolle Bekanntschaften gemacht. Cartagena ist aber auch eine sehr laute Stadt. Wir hatten vor unserem Zimmer eine Strasse mit 24-Stunden Hupkonzert. Auch hat Cartagena zwei Gesichter. In Bocagrande stehen moderne Wolkenkratzer neben Bauruinen und weiter ausserhalb reihen sich die Armenviertel auf. Und es war verdammt heiss. Daran haben wir uns auch in drei Wochen nicht gewöhnen können. Zudem ist Cartagena halt sehr touristisch und deshalb der teuerste Ort in Kolumbien. Wir haben darum beschlossen, bereits etwas früher weiter zu ziehen. Von anderen Reisenden haben wir von Minca gehört. Ein Ort in den Bergen der Sierra Nevada wo es etwas kühler sein soll. Dort wollen wir jetzt hin.

Hafenbecken

Von Ushuaia via Mendoza nach Cartagena - 21. bis 27. Februar 2015

(Video)

Von Ushuaia sind wir - wieder mit dem Bus! - nach Punta Arenas gefahren. Ein kurzer, 10-stündiger Trip mit nur einem Grenzübergang. Wir haben in Punta Arenas in einem netten Hostel übernachtet und uns zum Abendessen nochmal mit Antje getroffen. Am nächsten Tag ging es zunächst mit dem Flugzeug zurück nach Santiago. Der dreistündige Flug war sensationell. Meine Flugangst habe ich wie üblich mit Glückspillen bekämpft und wir konnten bei perfektem Wetter noch einmal die Highlights der letzten Wochen an uns vorbei ziehen sehen. Die Gletscher Perito Moreno und Upsala, der Lago Argentino, Fitz Roy (wieso musste ich nur beim Wandern schon immer an diesen Sketch denken?), die Estancia Cristina und der Vulkan Osorno sehen auch aus der Luft spektakulär aus und zeigen ihre Dimensionen eindrücklich.

In Santiago ankommen war ein wenig wie nach Hause zu kommen. Wir haben im Hostel an der Plaza de Armas übernachtet und sind am nächsten Tag mit dem Bus nach Mendoza aufgebrochen. Wieder 10 Stunden, wieder die chilenisch-/argentinische Grenze passieren. Der Grenzübertritt alleine dauerte diesmal 3 Stunden!! Aber die Fahrt über die Anden war wunderschön! Wir hatten das Glück, auf den vordersten Plätzen im Oberdeck des Busses zu sitzen und hatten freie Sicht auf unseren 500 Zoll Monitor.

Mendoza empfing uns sogar abends um acht noch mit einer Mordshitze. Wir haben im Independencia Hostel im Herzen der Stadt eingecheckt. Das Hostel war super. Sehr verwinkelt, mit hohen Räumen und heimeligem Holzdekor. Die Crew war sehr herzlich. Die Gäste allerdings waren sehr distanziert. So haben wir beschlossen, auf eigene Faust die Weingüter der Region zu besuchen. Wir haben den lokalen Bus genommen und uns in Luján de Cuyo Fahrräder gemietet. Mit diesen haben wir verschiedene Weingüter angesteuert und deren Wein degustiert. Die Fahrräder waren schon nüchtern schwierig zu kontrollieren und wir haben deshalb die Destillerie zum Schluss ausgelassen. Das war ein guter Entscheid, denn im Hostel gab‘s von 19.00 – 21.00 Uhr gratis Wein. Die Stimmung im Hostel sollte sich am nächsten Tag schlagartig ändern, als König Fussball das Zepter übernahm. Ich schaute in der Lobby zunächst alleine den Kracher Bayer Leverkusen gegen Atletico Madrid. Hier verkaufen sie das Quilmes Bier in handlichen 1-Liter-Flaschen, welche bei diesen Temperaturen genau für eine Halbzeit reichen. Die Stimmung wurde (zumindest bei mir) immer besser und es gesellten sich immer mehr Leute dazu. Dank der Zeitverschiebung beginnen die Champions-League-Spiele hier bereits um 17.00 Uhr. So war nach dem Spiel (ich weiss nicht mehr, wie's geendet hat) direkt die Gratis-Weinrunde angesagt. Ich hab' den Fusel in mich reingeschüttet, als wär's Sirup und kann mit gutem Gewissen sagen, dass ich eine Mords-Sause angestossen habe. Dummerweise habe ich davon aber nicht mehr viel mitgekriegt. Um 22.00 Uhr war bei mir LiLö.

Timing ist ja bekanntlich etwas sehr wichtiges. Und ihr werdet mir glauben, dass diese Aktion am Abend vor einem 22-stündigen Trip suboptimal „ge-timed“ (komisches Wort) war. Mir war speiübel, als wir in den Bus stiegen…

Die Strecke zurück nach Santiago kannten wir ja schon. Verkatert ist sie übrigens nicht mehr ganz so schön. In Santiago ging es dann direkt zum Flughafen (wo ich endlich wieder feste Nahrung zu mir nehmen konnte), und um Mitternacht startete unser Flug via Bogota nach Cartagena, Kolumbien. Für den Nachtflug gab es nicht mehr Glücks- sondern Schlafpillen. Gute Nacht!


Ushuaia, Argentinien - 14. bis 20. Februar 2015

(Video)

Wieder Busfahren – Wieder 24 Stunden unterwegs. Dieses Mal haben wir die Reisestrapazen allerdings weniger gut verdaut. Um von El Chaltén nach Ushuaia zu gelangen, mussten wir zweimal den Bus wechseln und zweimal die chilenisch/argentinische Grenze passieren. Den ersten Bus mussten wir in El Calafate wechseln und dort von 22.00 bis 03.00 die Zeit totschlagen. Zu unserem Glück ist Antje ja schon ein Tag früher dorthin gereist und hat ein Hostel in der Nähe des Busbahnhofes bezogen. So konnten wir unser Gepäck bei ihr einlagern und gemeinsam noch einen Schlummi in der Stadt zu uns nehmen. Merke: White Russian wird hier „widde-ru-si-an“ ausgesprochen und schmeckt scheisse. Ein weiterer Bus hat uns dann nach Rio Gallegos gebracht. Dort wieder drei Stunden warten und dann weiter nach Ushuaia. Richtig mühsam waren dann die Grenzübertritte in unserem mittlerweile lethargischen Zustand. Die Busse werden separat abgefertigt und wir mussten teilweise über eine Stunde im Fahrzeug warten, bis wir an der Reihe waren. Es müssen alle aussteigen, sich den Ausreise-Stempel holen, wieder einsteigen und dann wird auf der anderen Seite des Zolls nach einer 30-minütigen Fahrt dasselbe „Rösslispiel“ für die Einreise wiederholt. Ah ja. Die Spürhunde, die beim Durchsuchen des Busses versehentlich an meinen Schuhen geschnüffelt haben, werden in ihrem Leben garantiert keine Drogen mehr finden. Aber das ist ein anderes Thema.

Spät am Abend sind wir in Ushuaia angekommen. Wir haben zum ersten Mal über AirBnB gebucht und uns bei einer einheimischen Lady einquartiert. Liz hat uns herzlich begrüsst. Sie war gerade am Abendessen, als wir nachts um halb zwölf bei ihr geklingelt haben. Ist hier halt so.

Am nächsten Tag haben wir Bekanntschaft mit den anderen Gästen gemacht. Thomas und Roksana aus Genf und eine Russin, die mich stark an „Little Britain“ erinnert hat. Eine super liebe, aber leider extrem unbeholfene Frau. Sie hat bei der Busfahrt ihr gesamtes Gepäck verloren, weil sie davon ausgegangen ist, dass es beim Buswechsel wie beim Flugzeug durchgecheckt wird. Das ist je nach Sichtweise dumm, lustig oder sehr-sehr ärgerlich. Wir haben die Stadt erkundet, in einem französischen (wichtig!) Restaurant was gegessen und am Abend hat Liz ihre Gäste spontan zum Barbecue eingeladen. Mit am Tisch war auch ihr Bruder Ignazio, der wie Danny de Vito ausschaut und auch wie dieser im Film „Twins“ agiert. Da mein Spanisch noch nicht so toll ist, habe ich des Öfteren dumm vor mich her gegrinst, si-si oder no-no gesagt oder einfach die Leere in meinem Kopf genossen. Allerdings ist das niemandem aufgefallen, weil die Russin noch weniger gepeilt und wohl noch dämlicher gegrinst hat als ich. War ein netter Abend. 

Am nächsten Tag war bereits früh am Morgen einiges los. Zum einen Stand da um sechs Uhr die Russin mit Tränen in den Augen vor der Tür. Sie hat ihren Fern-Bus verpasst und musste ihr letztes Geld für einen Flug aufwenden, um weiterem Unheil zu entkommen. Ich hoffe sie kommt gut nach Hause – oder wohin auch immer. Zum anderen hat sich Rapha dummerweise einen Käfer eingefangen. Hätten wir doch bloss nicht bei den Franzosen gegessen. Die haben im Herbst 14 schon meine Leber vergiftet (wie hat Al Bundy gesagt? „Es ist falsch, Franzose zu sein!“ Genau!). Die Arme hat es richtig ins Bett gehauen und ich habe sie mit Reissuppe und Tee wieder probiert auf den Damm zu bringen. Wegen dem „Tout de Suiter“ haben wir dann zuerst mal die Fähre gecancelt, die uns am nächsten Tag nach Punta Arenas bringen sollte, und bei Liz um drei Tage verlängert.

Der Tag Pause hat uns gut getan. Rapha hat sich schnell erholt und ich konnte meine Batterien wieder laden. So konnten wir am nächsten Tag bereits wieder wandern. Wir haben einen leichten 4-stündigen Walk zur Laguna Esmeralda gemacht. Wunderschön.

Am Mittwoch hat uns Danny de Vito mit seinem Jeep (auf den er mordsstolz war) zum Hausgletscher hochgefahren. Er probierte uns mittlerweile als Kuppler einzuspannen, um seine schmierigen Komplimente an Tanja (eine neue Bewohnerin im Casa Liz) zu übermitteln. Ich bringe das Bild nicht mehr aus dem Kopf, wie Danny De Vito im Film mit einer Rose im Mund seine Angebetete bekniet und hoffe für Tanja, dass er seine Rolle nicht voll durchzieht. Auf dem Gletscher war es saukalt und es hat sogar leicht geschneit. Aber die Aussicht auf die Stadt und den Beagle-Kanal war fantastisch.


Am letzten Tag haben wir noch eine 7-stündige Küstenwanderung im Nationalpark Tierra del Fuego gemacht. Wir hätten es hier gut noch länger ausgehalten. Aber am Samstag müssen wir in Punta Arenas am Flughafen sein. So geht das erste Kapitel unserer Reise bereits zu Ende. Patagonien hat uns landschaftlich umgehauen. Wir haben nette Bekanntschaften gemacht und die Gastfreundschaft genossen. Allerdings ist es hier unten wirklich sehr teuer und es ist gut, dass wir weiter ziehen müssen.


El Chaltén, Argentinien - 6. Februar bis 13. Februar 2015

(Video)

Die Busfahrt von El Calafate nach El Chaltén war verhältnismässig kurz. Nach nur 3,5 Stunden erreichten wir das kleine Dorf, in welchem im Winter nur ca. 100 Menschen leben. Der Cerro Fitz Roy strahlte in der Abendsonne in seiner vollen Pracht und sein Anblick erzeugte Gänsehaut. Der langgezogene Ort ist komplett auf Tourismus ausgerichtet. Man kriegt alles an Trekking-, Camping- und Kletterausrüstung. Dafür sind Internet, Bargeld und frische Lebensmittel hier Mangelware. Gut wussten wir vorher davon und hatten in El Calafate noch genug Kohle aus den Automaten gezogen. 

Bezahlbare Unterkünfte sind ebenfalls rar, weshalb wir in der einen Woche 3x umziehen mussten. 
Nach der ersten Nacht und dem ersten Umzug verschafften wir uns Mal einen Überblick im Dorf und spatzierten bei heftigem Gegenwind zum Wasserfall. Über Nacht fielen die Temperaturen deutlich und wir waren zum ersten Mal froh um die warme Ausrüstung, die wir schon die ganze Zeit mit uns rumschleppten. Auf den Abend erwarteten wir Antje, die aus Bariloche zu uns stossen wollte. Nachdem wir uns im Hostel dann zwei Mal nur knapp verpasst hatten, trafen wir uns endlich. Juhee, das Wiedersehen musste gleich mit einer grossen Flasche Bier gefeiert werden. Beim gemeinsamen Abendessen planten wir die Wandertouren, die man wunderbar direkt aus dem Dorf in Angriff nehmen kann.

Die kommenden Tage verbrachten wir dann also hauptsächlich mit Wandern. Der Nationalpark mit seinen Bergen, Gletschern und Lagunen ist wunderschön und wir hatten echt Glück mit dem Wetter. Zwar etwas frisch mit viel Wind, dafür hatten wir die meiste Zeit freie Sicht auf den Fitz Roy. Hei de Fitz, ist der schön! Wir konnten uns kaum satt sehen. Wenn wir nicht gerade gewandert sind, haben wir lecker gegessen und literweise argentinischen Rotwein getrunken, gäll Antje :-)

An unserem einzigen "wanderfreien" Tag wollten wir dann mal länger schlafen, ausspannen, Fotos & Filme bearbeiten, vielleicht mal einen neuen Blogeintrag schreiben... nix da! Zum Frühstück servierte uns die Postfinance die Hiobsbotschaft: mit unseren EC-Karten wurden Barbezüge in den USA getätigt! Den restlichen "freien" Tag nutzten wir dann also dafür, bei katastrophal langsamem WLAN sämtliche Bankkonten zu überprüfen, Karten sperren zu lassen und bei der Polizei Anzeige zu erstatten. Naja, Glück im Unglück - es wurden nur die Magnetstreifen unserer Postcards kopiert und wir kriegen die rund 3'000 USD wieder zurück.

Antje reiste einen Tag früher als wir nach El Calafate weiter. Da wir auf unserer Weiterreise nach Ushuaia den Nachtbus in El Calafate nehmen wollten, verabredeten wir uns am nächsten Tag nochmal für einen Abschiedstee in El Calafate. Wein ging keiner mehr rein ;-) Schön war's mit dir, Antje! Weiterhin gute Reise und vielleicht bis später mal in Bolivien, Peru...


El Calafate, Argentinien - 3. Februar bis 6. Februar 2015

(Video)

El Calafate war unsere erste Station in Patagonien. Wir sind nachmittags um zwei angekommen und haben als erstes unser Hostel angesteuert. Hier ist Hochsaison und wir haben für die nächsten Tage alles im Voraus gebucht. Auf booking.com ist die Auslastungsrate überall über 90 %. Im Hostel angekommen, hat uns der Typ am Empfang eröffnet, dass er unsere Reservation verschlampt hätte. Schöner Empfang; nach 30 Stunden im Bus… Er hat uns dann aber ein anderes Zimmer zum selben Preis im Posada Larsen organisiert. So sind wir zu einem unerwarteten Upgrade mit Blick auf den Lago Argentino gekommen.

Carolina aus Buenos Aires hat uns freundlich empfangen und uns über die möglichen Ausflüge informiert. El Calafate liegt mitten im Nirgendwo und für die Sehenswürdigkeiten muss eine Tour gebucht werden. Wir haben dann beschlossen, uns das volle Touri-Programm zu geben: Perito Moreno Glacier und Schifffahrt auf dem Lago Argentino. Über die Wucherpreise hier wurden wir bereits vorgewarnt. Wir hatten dennoch mächtig daran zu beissen. Für den Perito Moreno Gletscher mussten wir umgerechnet pro Person rund 40 CHF für den Bus, 20 CHF für den Eintritt in den Nationalpark und weitere 20 CHF für das Boot hinblättern. Hier unten könnte es teuer werden…

Wir haben unser wunderschönes Zimmer bezogen und gleich anschliessend die Lagune Nimez im Ort besucht. Dort konnten wir Flamingos, neugierige Falken und langweilige Enten beobachten.

Am nächsten Tag ging es dann mit einer kleinen Gruppe im Reggae-Bus über eine holprige Strasse zum Perito Moreno Gletscher. Auf halbem Weg machten wir Pause auf einer Estancia. Dort gab‘s stinkende Schafsböcke (leider nicht zum Essen) und ein junges Alpaca (das Tier, das so ausschaut wie Marco Reus). Der Gletscher hat uns dann wirklich umgehauen. Er ist einer der wenigen auf der Welt, der nicht schrumpft und sehr gut zugänglich ist. Das hat natürlich seinen Preis. In der Hochsaison wird der Nationalpark von 4‘000 bis 5‘000 Besuchern täglich überrannt! Muss man aber gesehen haben, wenn man schon mal hier ist. Den Abend haben wir dann in einer Cervecería bei selbstgebrautem Bier und frischen Empanadas ausklingen lassen.

Noch schöner war die Bootsfahrt auf dem Lago Argentino, dem grössten See im Land (ca. dreimal so gross wie der Bodensee), zum Upsala Gletscher und zur Estancia Cristina. Auf dem See sind wir an haushohen Eisbergen vorbei gefahren und konnten den Gletscher aus nächster Nähe bestaunen. Am Nachmittag haben wir dann den Gletscher in einer waghalsigen Offroad-Fahrt von der Rückseite her angesteuert. Von oben lässt sich die enorme Grösse (gut 700 km2 d.h. halb so gross wie der ganze Kanton Aargau!) erst erkennen. Landschaftlich eine Wucht und die Fahrt schon sehr abenteuerlich. Nach diesen zwei durchorganisierten Tagen freuen wir uns auf El Chaltén, wo wir die Natur auf eigene Faust erkunden können.


Busfahrt von Chiloé nach El Calafate - 1. Februar bis 3. Februar 2015

Den Plan, über die Carretera Austral auf der Routa 7 nach Patagonien zu fahren, mussten wir leider begraben. Die Busverbindungen sind schlecht. Einige Strecken werden nur einmal pro Woche bedient und die Fahrpläne sind nicht aufeinander abgestimmt. Da wir nur von wenigen Busgesellschaften / Hotels eine Buchungsbestätigung erhalten hatten, war uns das Risiko zu gross, irgendwo im Niemandsland zu stranden und wertvolle Zeit zu verplempern, die wir dann doch lieber in Patagonien verbringen wollten und nicht auf Busbahnhöfen.
So entschlossen wir uns, den „klassischen Weg“ zu wählen und buchten den Bus von Castro über Bariloche nach El Calafate. Dabei hatten wir grosses Glück. Wir haben am Schalter tatsächlich die letzten zwei Tickets ergattert und zwar genau an dem Tag, an dem wir weiter wollten (auch diese Verbindung gibt’s nur einmal wöchentlich).


Wir sind dann am Sonntag um 06.30 von Castro los gefahren und abends um 19.00 Uhr in Bariloche (Argentinien) angekommen. Dort wollte ich im Hostel eigentlich den Super Bowl schauen. Aber hier ist die Welt noch in Ordnung und die Gauchos haben sich einen lokalen Fussball-Match (den richtigen Football halt) reingezogen. So ging für mich eine 10-jährige Tradition zu Ende. Seit meinem Neuseelandabenteuer mit Pavian habe ich mir jedes Endspiel bis zum Schluss reingezogen (ich schwör‘s). Nach einer komatösen Nacht ging‘s dann von Bariloche mit dem Bus in 30(!) Stunden nach El Calafate. Allerdings muss man festhalten, dass die Busse hier in Argentinien und Chile sehr komfortabel sind. Wir haben uns diesen Trip übler vorgestellt und haben die Reise dann als äusserst kurzweilig empfunden. Landschaftlich hat uns vor allem das Seengebiet um Bariloche gefallen. Aber auch die unglaubliche Weite dieses Landes zu begreifen, war eine tolle Erfahrung. Nun sind wir gespannt auf die Natur in Patagonien.