Ride & River / von La Paz nach Rurrenabaque - 21. bis 30. September 2015

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Endlich war es so weit. Wir freuten uns schon lange auf dieses "once in a lifetime" Abenteuer mit Gravity. Innerhalb von 6 Tagen sollte es per Mountainbike und Boot von den Anden bis in den Amazonas runter gehen. Dabei würden wir Orte sehen, wo sich kaum je ein Tourist hinverirrt, im Dschungel trekken, auf Strohbetten und in Zelten schlafen und uns in Flüssen waschen. Das Abenteuer begann allerdings viel früher, als wir erwartet hatten...

Wir fanden uns pünktlich um 06.40 Uhr im Gravity Workshop ein, wo wir von Moe, unserem Guide, empfangen und ausgerüstet wurden. Jeder kriegte einen Helm, Ellbogen- und Knieschutz, Handschuhe, Overall und Regen-Poncho. Alles sehr professionell und von guter Qualität. Wir lernten da auch gleich zwei weitere Teilnehmer kennen. Louise und Nick, ein aufgestelltes, junges Ehepaar aus Südafrika. Komplettiert wurde unsere temporäre Familie mit Alejandro (zweiter Guide), Mauricio (dem Fahrer), Franco (seinem Sohn) sowie fünf Neuseeländern, die wir noch am Flughafen abholen mussten. Unser Gefährt für die nächsten Tage stand auch schon bereit. Ein 4x4 Bus, der mehr wie ein Monster-Truck aussieht, weil ihn Mauricio extra für diese Tour umgebaut hat. Nachdem wir das Monstrum mit Bikes und Gepäck beladen hatten, sprang allerdings der Motor nicht an. Mauricio wollte unter dem Wagen nach dem Rechten sehen, als plötzlich Panik ausbrach. Sein Handschuh fing Feuer und aus dem Motor rauchte es. Zum Glück konnte Mauri den Handschuh gerade noch rechtzeitig abwerfen und wir opferten gedankenschnell all unser Trinkwasser, um den Brand zu löschen. Das war knapp! Glücklicherweise befindet sich der Tank hinten am Fahrzeug und war damit weit weg vom Brandherd. Es stellte sich heraus, dass die Deppen bei der Tankstelle nach dem Wahl-Wochenende wohl immer noch im Tiefschlaf waren und versehentlich Benzin statt Diesel getankt hatten. Also musste Mauri zuerst mal die Tanks leer kriegen. In der Zwischenzeit gingen wir mit Moe Kaffee trinken und nahmen dann die Seilbahn in das höher gelegene El Alto, wo uns Mauricio wieder abholen sollte. Er brachte den Wagen tatsächlich wieder zum laufen und lud uns unterwegs auf. Wir fuhren direkt zum Flughafen, um die wartenden Kiwis abzuholen. Nach einer etwa dreistündigen Fahrt erreichten wir den Startpunkt auf ca. 4'700 m für die erste Fahrradtour. Moe instruierte uns und wir gaben Pacha Mama, unseren Bikes und uns selbst einen Schluck Feuerwasser, um noch mehr Unglück von uns abzuwenden. Es ging gemächlich los; wir fuhren die meisten der rund 37 km auf asphaltierter Strasse. Erst am Schluss wurden noch ein paar Singletrails gefahren. Noch vor dem Eindunkeln erreichten wir das wunderschöne Sorata auf 2'721 m, wo wir eine tolle Unterkunft bezogen. Beim Abendessen lernten wir die Gruppe besser kennen. Die Kiwis haben uns am ersten Abend schon zu sich nach Neuseeland eingeladen. Ich glaube wirklich es gibt kein freundlicheres Volk auf diesem Planeten.

Am zweiten Tag mussten wir schon früh los. Mit dem Truck ging es eine spektakuläre Strasse hoch. Wir passierten surreale Landschaften, wo Lamas und wilde Pferde weideten und hatten eine phantastische Aussicht auf die über 6'000 Meter hohen, schneebedeckten Bergriesen. Die Strasse war zum Teil arg abschüssig und wir waren sehr froh, dass wir mit Mauricio einen erfahrenen Fahrer hatten. Auf 4'800 m sattelten wir wieder unsere Bikes und düsten rund 65 km und über 4'000 Höhenmeter den Berg runter. An diesem 2. Tag waren etliche Singletrails dabei, so dass wir voll auf unsere Kosten kamen. Je weiter runter wir kamen, desto mehr Sauerstoff strömte in unsere Lungen und es wurde erheblich wärmer. Hier gibt es viele Coca-Plantagen und Moe hat uns eine gezeigt und erklärt, wie wichtig diese Pflanze für die Kultur der Bolivianer ist. Er fügte an, dass wir Ärger bekommen würden, wenn uns der Coca-Bauer hier stehen sähe. Gerade noch rechtzeitig, bevor ich die Pflanzen bewässern konnte. "Jesus Sevi!!!" - war Moe's Kommentar dazu. Weil uns die heutige Unterkunft bereits im Vorfeld als "Shit-Hole" angepriesen wurde, beschlossen wir, uns in einem kleinen Fluss zu waschen. Was für eine Wohltat. Und genau die richtige Entscheidung. Das Hotel war nämlich wirklich alles andere als einladend. Die Strohbetten waren ziemlich unbequem und die Bilder der Toilette möchte man so schnell wie möglich wieder aus dem Gedächtnis eliminieren. Wir waren zum Glück hundemüde und nach einem leckeren Essen, welches die Guides für uns zubereitet hatten, und ein paar Bierchen sind wir trotzdem schnell eingeschlafen.

Traurig war niemand, als wir gleich am nächsten Morgen weiter zogen. Die Route des dritten Tages war eher flach und ein ständiges Auf und Ab. Die 55 km waren auf unseren schweren Downhill-Maschinen, bei brütender Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit nicht so leicht zu bewältigen. Immerhin konnten wir uns zwischendurch in einem Fluss abkühlen. Gegen Ende des Tages zogen dicke Wolken über uns auf und wir hatten just unser Ziel in Mapiri erreicht, als ein heftiges Gewitter einsetzte. Das war wirklich eine Punktlandung. Nun mussten wir von Alejandro, Mauricio, Franco, den Bikes und unserem lieb gewonnenen Monster-Truck Abschied nehmen. Hier war Endstation für unsere Fahrzeuge.

Am nächsten Tag ging es dann per Boot auf dem Rio Mapiri weiter. Nach drei Stunden machten wir Halt in Guanay. Hier organisierten wir unsere Camping-Ausrüstung und den Proviant für die nächsten Tage. Nach weiteren drei Stunden auf dem Fluss kamen wir dann in unserem ersten Camp an. Ein wirklich idyllischer Ort neben einem Fluss mit kristallklarem Wasser. Nachdem die Zelte aufgestellt waren, bestiegen wir den schwindelerregenden Aussichtspunkt über dem Camp und nahmen anschliessend ein erfrischendes Bad im Fluss. Der Abend am Lagerfeuer wurde dann sehr gemütlich. Wir haben Marshmallows gegrillt und rausgefunden, dass man in Gegenwart von Neuseeländern immer noch nicht mit dem Americas-Cup-Sieg der Alinghi prahlen sollte.

Am nächsten Morgen machten wir zuerst eine zweistündige Wanderung zu einem wunderschönen Wasserfall, wo wir schwimmen konnten. Danach ging es auf dem Fluss weiter. Wir machten Halt in kleinen verschlafenen Nestern. Im Verlauf des Nachmittages erreichten wir den Rio Beni und bald auch die Grenze zum Naturschutzgebiet Madidi. Bis hierhin war der Fluss gesäumt von Goldschürfern. Von grossen Abbauanlagen bis hin zu Ein-Mann-Betrieben mit primitivsten Werkzeugen, alle suchen hier nach dem grossen Glück. Wir schlugen unsere Zelte an einem weiten Sandstrand nahe des Flusses auf. Noch vor dem Abendessen zogen wir los auf eine nächtliche Dschungeltour. Leider konnten wir ausser ein paar Baumratten (die uns unser Guide dreist als Baby-Monkeys verkaufen wollte) keine Tiere sehen. Aber die Stimmung im dunklen Dschungel, mit den vielen Geräuschen war schon einmalig. Nach dem Abendessen sind die meisten schnell ins Zelt. So mussten Moe und ich alleine die Wein- und Bierreserven aufbrauchen. Es war ein gemütlicher Abend am Lagerfeuer. Allerdings habe ich erst am nächsten Tag gemerkt, dass mich die Sandflies total verstochen hatten. Es juckte mich noch tagelang am ganzen Körper.

Als wir am nächsten Morgen zu unserem nächsten Dschungel-Marsch aufbrachen, konnten wir wenige Meter von unserem Camp entfernt frische Jaguarspuren sehen. Wahrscheinlich hat uns das Kätzchen die längste Zeit beim Rotwein trinken beobachtet. Die Tiere sind schon da, können sich aber in dem riesigen Park gut vor uns verstecken. Denn auch auf dem Morgentrekk konnten wir leider keine Tiere sehen. Das Mittagessen haben wir dann auf dem Boot eingenommen. Am Nachmittag kamen wir an unserem Ziel in Rurrenabaque an. Das Dorf ist viel schöner, als wir es uns vorgestellt hatten. Wir haben im tollen Hostel Oriental ein günstiges Zimmer bezogen, uns erst mal eine Dusche gegönnt und uns in der Hängematte erholt. Im Verlauf des Nachmittages hat dann so ziemlich jeder mal über Bauchschmerzen und Durchfall geklagt. Kein Wunder, wenn man bedenkt, wie die hygienischen Standards der letzten Tage waren. Kochen mit Wasser aus dem verdreckten Fluss, Abwasch mit dem selben Wasser und Zubereitung der Hühnchen auf dem Boot sind schon eine Herausforderung für unsere industrialisierten Verdauungstrakte. Der Spuck war dann zumindest bei Rapha und mir aber schnell wieder vorbei. Das Abschiedsessen konnten aber die wenigsten richtig geniessen.

Am Sonntag mussten wir uns von den Neuseeländern verabschieden. Wir hatten eine wirklich tolle Gruppe mit vielen lustigen Momenten und wir haben uns vorgenommen, unsere neuen Freunde im nächsten Jahr am anderen Ende der Erde zu besuchen. Louise und Nick, die beiden Südafrikaner, sind mit einer anderen Tour weiter in die Pampas gezogen. Wir hatten erst mal genug von Wildlife und beschlossen deshalb, einfach einige Tage im Ort zu bleiben und die warmen Temperaturen zu geniessen. Wir faulenzten nach belieben und rafften uns nur zum Baden und zum Essen auf. Das hat sehr gut getan. Vor allem schätzten wir die Wärme, nachdem wir uns die letzten Monate immer in höheren und damit kälteren Gefilden aufgehalten hatten. Am Dienstag-Abend kamen unsere südafrikanischen Freunde aus den Pampas zurück und wir verbrachten noch einmal einen geselligen Abend zusammen. Wir werden die beiden vermissen.

Der Rückflug nach La Paz dauerte zwar nur 40 Minuten, war für mich aber der reinste Horror. Die kleine Propellermaschine schaukelte ganz gewaltig und Rapha die Ärmste musste mich bei einigen Hyperventilations-Attacken beruhigen. Es ging zwar alles gut, aber ich werde mich ganz bestimmt nie wieder bei vollem Bewusstsein in so eine Klapperkiste setzen. Grosse Flugzeuge können die Strecke übrigens nicht fliegen, weil es von Rurre nach La Paz die ganze Zeit und viel zu steil nach oben geht. Wir sind also gut wieder in unserer WG angekommen und gönnten uns nach den Flugstrapazen ein leckeres Raclette bei Jean-Claude im Restaurant Swissfondue.

El Tocoloco

La Paz und die Yungas - 5. bis 20. September 2015

Nach einer 4-stündigen Fahrt entlang des Titicacasees und einer kurzen Übersetzung mit der Fähre sind wir noch vor Einbruch der Dunkelheit in La Paz angekommen. Wenn man die Warnungen des EDAs beherzigen will, sollte man hier nachts aufpassen und nur sogenannte Radiotaxis nehmen, weil Express-Entführungen an der Tagesordnung seien. Dummerweise stand nirgends, wie denn so ein Radiotaxi ausschaut. So sind wir halt trotzdem einfach ins nächstbeste Taxi gestiegen und zum Hostel gefahren. Der Taxifahrer war zum Glück sehr freundlich. Er erklärte uns auch, dass am nächsten Tag, am sogenannten "Día Nacional del Peatón", in der ganzen Stadt keine Autos fahren dürfen. Da hatten wir ja wieder mal Glück. Einen Tag später und wir hätten mit dem ganzen Gepäck durch die Stadt laufen dürfen. Das wäre dann wahrscheinlich gemäss EDA einem Suizid-Versuch gleichgekommen.... ;-)

Eigentlich wollten wir ja nur kurz in La Paz bleiben und am Montag mit Gravity zu einer 6-tägigen Mountainbike-Tour nach Rurrenabaque im Amazonas aufbrechen. Leider waren wir am Samstagabend immer noch die beiden einzigen Teilnehmer und die Tour wird erst ab fünf Personen durchgeführt. Marcos von Gravity war aber immer noch optimistisch, dass wir die Gruppe bis Sonntag zusammen bringen würden.

Am Sonntag sind wir dann mal durch die autofreie Innenstadt geschlendert. Das war richtig toll, diese Grossstadt so kennen zu lernen. Die Leute spielten auf der Hauptstrasse Fussball, tanzten Flashmob und flanierten auf der Hauptverkehrsader. Eine richtig entspannte Atmosphäre. Um 14.00 Uhr wollten wir uns mit Simon und seiner Freundin in seinem Restaurant "Tomate" treffen. Ich kannte Simon noch flüchtig aus der Sonntagsschule und zufällig hat ein gemeinsamer Freund von uns mich darauf aufmerksam gemacht, dass Simon in La Paz wohnt. Also haben wir Kontakt aufgenommen und dieses Treffen vereinbart. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und bei einer Partie "Eile mit Weile" und gutem Wein alte Erinnerungen ausgetauscht. Das Spiel (ein Schweizer Klassiker, aber mit Karten gespielt) wurde uns von seiner Freundin Claudia auf Spanisch erklärt. Die beiden erzählten uns, dass sie am 3. Oktober in La Paz heiraten und haben uns spontan zur Hochzeit eingeladen. Das ist ja mal ein Ding. Wir haben natürlich ebenso spontan zugesagt. So viel zu unserem Plan, nur kurz in La Paz zu bleiben. Leider mussten wir die gemütliche Runde abrupt abbrechen, weil wir uns noch mit Marcos verabredet hatten, um das weitere Vorgehen bezüglich der Bike-Tour zu besprechen. Marcos erzählte uns, dass die Tour am nächsten Tag leider nicht stattfinden wird. Damit hatten wir gerechnet. Da wir nun aber wegen der Hochzeit fast einen Monat in La Paz bleiben, beschlossen wir, den Start auf den 21. September zu verlegen. Für dieses Datum hatten sich nämlich bereits fünf Neuseeländer angemeldet. Da Marcos wegen der ganzen Geschichte offenbar ein schlechtes Gewissen hatte, offerierte er uns, dass wir während dieser Zeit sein Zimmer beziehen könnten. Dieses stand frei, weil er zurzeit an Krücken geht und deshalb bei einem Freund einquartiert ist. Wir nahmen das Angebot mit Freude an und vereinbarten einen hammer Mietpreis von USD 70.00 für den Monat.

So kam es, dass wir am Montag ins Gravity House einzogen. Dabei handelt es sich um eine Wohngemeinschaft der Guides von Gravity im schönen Stadtteil Sopocachi. Der einzige anwesende Guide war Ansel aus Kanada. Nach kurzer Zeit kam dann der Auftritt von Kieron. Der kam nämlich um 11.30 Uhr direkt vom Ausgang nach Hause und war so sternhagelvoll, dass er nicht mehr alleine stehen konnte und seine Freundin ihn stützen und ins Bett bringen musste. Zudem hatte er nette Zeichnungen im Gesicht - so 'ne Art Kriegsbemalung.... reife Leistung. Wir haben uns am nächsten Tag dann erneut vorgestellt :-)

Um uns einen besseren Überblick über die Stadt zu verschaffen, schlossen wir uns einer Citytour an. La Paz ist eine der schönsten Städte auf unserer Reise bisher. Völlig unterschätzt und die eingangs erwähnte Panikmache des EDAs können wir bisher auch nicht nachvollziehen. Um uns für die Hochzeit vorzubereiten, mussten wir festliche Kleidung finden. Diese fehlt natürlich in unserem Rucksack. Wir sind auf dem riesigen Strassenmarkt ziemlich schnell fündig geworden. Ich werde mir einen Anzug für 100 Bolivianos mieten (ca. 15 CHF) und Rapha hat sich die Garderobe für 260 Bolivianos zusammengekauft, was rund CHF 35 entspricht. Billiger als beim Vögele (geiler Satz). Das einzige Problem waren die Schuhe. Die kleinen Bolivianer haben leider auch kleine Füsse. So haben wir für Rapha nirgends Schuhe gefunden und wir waren in sehr vielen Geschäften. Also haben wir mit Simons Vater in der Schweiz Kontakt aufgenommen, ihm von meiner Mutter ein Paar Schuhe von Rapha vorbei bringen lassen und ihn gebeten, diese für die Hochzeit mit nach Bolivien zu nehmen. Das hat alles wunderbar geklappt. Vielen Dank an dieser Stelle an Konrad und Mammi. Wir haben uns noch einmal mit Iseli und Claudia zum Pizza-Essen getroffen, im Restaurant "Swissfondue" endlich ein ausgezeichnetes Fondue gegessen und Jean-Claude, den Besitzer aus Fribourg kennen gelernt.

Nach ein paar Tagen wollten wir wieder raus aus der Stadt. Wir beschlossen, mit Gravity die berühmte "Death Road" runter zu radeln und sind dann gleich eine Woche in den Yungas geblieben. Wir haben uns ausserhalb des Ortes Coroico ein Häuschen im Wald gemietet, wo wir selber kochen konnten und kein WLAN hatten. Das war super entspannend. Danach haben wir noch eine Nacht in der "Senda Verde", einem Tierschutzpark verbracht. Wir waren im Baumhaus untergebracht und wurden am Morgen von einem Ara und zwei Affen geweckt, die neugierig durchs Fenster guckten. Unsere Freunde von Gravity haben uns dann wieder nach La Paz mitgenommen und uns natürlich vor der Türe unserer WG abgesetzt. Rund-um-Service. Weil für Sonntag den 20. September Wahlen anstanden, gab es in ganz La Paz ab Freitag Mittag keinen Alkohol mehr zu kaufen. Das hat unsere WG-Freunde natürlich wenig gestört und so wurde am Samstag bis früh morgens die Hausbar geplündert. Am Sonntag haben wir uns dann noch einmal mit Simon, seinem Vater und Claudia getroffen.

Nun freuen wir uns riesig darauf, endlich die langersehnte Biketour nach Rurrenabaque in Angriff zu nehmen. Laut Lonely Planet eines der besten Outdoor-Abenteuer in ganz Südamerika. Wir sind gespannt.

Autofreies La Paz

Titicacasee, Bolivien - 28. August bis 4. September 2015

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Nach 77 Tagen in Peru haben wir es endlich geschafft, das Land zu verlassen. Wir sind mit dem Nachtbus von Cusco via Puno nach Copacabana am Titicacasee (Bolivien) gefahren. Dieser See ist etwa 16 Mal grösser als der Bodensee und liegt auf einer Höhe von 3'810 Metern. Das ist zwar "nur" etwa 600 Meter höher als Cusco, machte uns aber ganz schön zu schaffen. Wir waren ziemlich aus der Puste, als wir das "Hügeli" zum Hostel erklommen hatten. Die Unterkunft im La Cupula war aber einmalig schön. Wir gönnten uns eine Suite mit eigener Küche und Panoramafenster mit Sicht auf den Hafen. Vor unserem Zimmer weideten Lamas und Alpacas. So lässt es sich definitiv gut ankommen. Von Julia und Robert (Kojen-Genossen auf den Galapagos) wussten wir, dass man hier Fondue essen kann. Darauf freute ich mich schon seit Monaten. Leider war das Essen dann für echte Schweizer Fondue-Puristen eher eine Enttäuschung. Nach dem Essen verkrochen wir uns mit Bettflasche bewaffnet im Bett. Rapha hat auf dieser Höhe leider grosse Probleme zu schlafen und so wurde die bitterkalte Nacht für sie zu einer weiteren Durchhalte-Übung. Am nächsten Tag mussten wir das Zimmer wechseln. Dieses war dann gottseitdank etwas wärmer.

Copacabana ist der wichtigste Wallfahrtsort des Landes und an jedem Wochenende kommen Leute von ganz Bolivien da hin, um ihre Autos segnen zu lassen. Das war lustig anzuschauen, wie die mit Girlanden verzierten Fahrzeuge gesegnet und anschliessend mit Bier übergossen wurden. Wir haben uns noch die schöne Basilika angeschaut und sind auf den Hausberg gepilgert, um die Aussicht und den Sonnenuntergang zu geniessen. Leider war der "heilige" Ort völlig zugemüllt. Uns ist es schleierhaft, wie die Gläubigen hier im Dreck ihre Kerzen anzünden und ihre Zeremonien abhalten können.

Am nächsten Tag fuhren wir dann morgens mit dem Boot zur Isla del Sol rüber. Nach einer zermürbenden Fahrt sind wir nach drei Stunden endlich im Norden der Insel in Challapampa angekommen. Zermürbend deshalb, weil das Boot so abartig langsam war und es an Bord dermassen nach Benzin gestunken hat. Auf der Insel haben wir uns dann erstmal ein Hostel ausgesucht und auf der Terrasse ein wenig gelesen. Weil wir erst später auf Erkundungstour aufbrachen, hatten wir den kleinen Ort fast ganz für uns alleine, weil die meisten Touristen die Insel nur einen Tag besuchen und bereits wieder Richtung Süden verschwunden waren. Wir mussten nicht einmal mehr Eintritt zu den Chinkana Ruinen bezahlen und trafen in der weitläufigen Anlage keine anderen Besucher. Nach einer erstaunlich warmen Vollmond-Nacht sind wir dann auch nach Süden gewandert. Wir hatten beide Mühe, die 200 Meter zum Grat hoch zu laufen. Offensichtlich hatten wir uns auch nach vier Tagen noch nicht an die Höhe gewöhnt. Danach ging es aber ziemlich flach weiter über die Insel bis nach Yumani und wir konnten die tolle Aussicht auf den unglaublich blauen See und die schneebedeckten Berge im Hintergrund geniessen. Wir haben weitere zwei Nächte in Yumani verbracht und von da aus den Süden der Insel erwandert. Nachdem wir den Kaffee durch Coca-Tee ersetzt hatten, konnten wir uns auch langsam mit der Höhe anfreunden. Es ist wirklich beeindruckend, wie wirksam diese Pflanze ist. Im Hostel haben wir Bekanntschaft mit Daniel und Lars aus Berlin gemacht und mit ihnen ein paar interessante Stunden verbracht. Ansonsten haben wir vor allem uns selbst und die Ruhe genossen. Es war wunderbar auf der Insel.

Da uns das La Cupula in Copacabana kein Zimmer anbieten konnte, mussten wir nach unser Rückkehr ins Las Olas ausweichen. Das Hotel gehört dem gleichen Besitzer und liegt gleich nebenan. Weil unsere Cabaña noch nicht bezugsbereit war, gingen wir ins Cupula zurück zum Mittagessen. Vom Balkon aus bemerkten wir ein Schweizer Pärchen im Innenhof. Nach einer Weile fing der Typ an, mit seinen Eltern zu telefonieren. Nach einer weiteren Weile dachte ich, dass mir diese Stimme bekannt vorkommt. Ich schaute genauer hin und fragte Rapha, ob das Iseli wäre. Könnte sein, aber sicher waren wir uns beide nicht. Also rief ich der Freundin des telefonierenden Typen zu, ob denn das Iseli wäre. Die Frage wurde durch ein lautes "das glaub ich ja nicht" vom Typ am Telefon und ungläubige Blicke aller Beteiligten beantwortet. Vielleicht muss ich hier noch erwähnen, dass Iseli während drei Jahren mein Sitznachbar an der famosen HFW war und ich ihn seither nicht mehr gesehen habe. Also ein weiteres Kapitel im spannenden Buch "Traveller's Destiny". Wir konnten alle kaum glauben, was gerade passiert war. Bei einem Bierchen verarbeiteten wir diese unverhoffte Begegnung und wärmten alte Geschichten auf. Iseli und Claudia sind auf Weltreise, haben in Südamerika in etwa dieselbe Reiseroute wie wir gewählt und sind "etwas" schneller unterwegs als wir. So kam es, dass sich unsere Wege im beschaulichen Copacabana gekreuzt haben.

Wir genossen noch ein paar geruhsame Tage im Las Olas, bevor wir in die noch höhere Hauptstadt La Paz weiter zogen.

Aussicht aus unserer Suite im La Cupula

Cusco und das heilige Tal, Peru - 19. bis 27. August 2015

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Die vielen Eindrücke des Salkantay Treks und des Machu Picchu mussten wir erst mal setzen lassen. Wir genossen zwei wunderschöne Tage in Cusco, schlenderten durch die engen Gassen, die Hügel hinauf und hinunter, tranken Pisco und assen leckere Eintöpfe.

Wir hatten vor, noch ein paar Tage ins Valle Sagrado zu fahren und so suchten und fanden wir einen Mini Bus, der uns in knapp 2 Stunden nach Ollantaytambo brachte.

..."Ollantaytambo ist das einzige verbliebene Beispiel für Stadtplanung aus der Inka-Zeit. Die Gebäude und Inka-Terrassen sowie die engen Gassen der Stadt befinden sich noch in ihrem ursprünglichen Zustand. Die geraden und engen Strassen bilden 15 quadratische Blocks (canchas), die je einen Eingang zum zentralen Innenhof besitzen, der von Häusern umgeben ist. Einige vornehme Häuser bestehen aus perfekt gearbeiteten Inka-Mauern aus dunkelrosa Stein."... (Quelle: Wikipedia, 26.8.2015)

Da das angedachte Hostel keine verfügbaren Zimmer mehr hatte, wichen wir wieder mal auf Air BnB aus. Eine sehr gute Wahl, wie sich herausstellte! Wir wurden bereits von Florence erwartet, die gleich super Tipps in Sachen Restaurants und Ausflüge bereit hatte. Nach dem Mittagessen entschlossen wir uns, die kostenfreie und touristisch wenig frequentierte Inkastätte Pinkuylluna zu besuchen. Hoch oben am Berg haben die Inkas hier ihre Speicher gebaut - von da oben hat man einen tollen Blick ins heilige Tal, auf das kleine Städtchen und die gegenüber liegende Inka-Festung. Am Abend wurden wir von den Besitzern spontan zum Essen eingeladen: es gab Lomo saltado und frisches Brot aus dem Holzofen.

Nach einem Frühstück der Extraklasse wanderten wir am nächsten Tag nach Pumamarca. Der Inka-Trail führte uns durch das malerische Patacancha Tal, vorbei an alten Terrassen und ursprünglichen Dörfchen. Nach ca. 2 Stunden erreichten wir die Inka-Ruinen von Pumamarca. Wir waren die einzigen Besucher und die absolute Stille an diesem Ort war atemberaubend und irgendwie magisch. Zurück in Ollantaytambo spazierten wir durch den Ort zur alten Inka-Brücke und an den Gleisen entlang zum Bahnhof. Hier kommen nämlich alle Besucher an, die mit dem Zug von/nach Machu Picchu wollen (wie auch wir vor einigen Tagen).

Später gingen wir im besten und teuersten Lokal des Örtchens essen: ich hatte superzartes Lamm und Sevi einen Alpaka-Burger. Hmm... lecker. Die Freude dauerte dann leider nicht lange an. Sevi musste zwei Stunden später gleich zweimal hintereinander mächtig die Türen schletzen. Bei mir dauerte es etwas länger. Ich musste erst ab morgens um 4 Uhr raus - das dann allerdings alle 30 Minuten.... Nachdem die uns offenbar im dämlichen Schicki-Micki-Schuppen vergiften wollten, lag ich für 24 Stunden flach. Florence hat mir frischen Muña-Tee zubereitet, mich mit Kohletabletten versorgt und eine leichte Hühnersuppe gekocht. Bei Sevi war der Spuk schneller vorbei: er konnte abends mit den anderen schon wieder Pisco trinken und hatte gut einen sitzen.

Tags darauf fühlte ich mich wieder etwas besser und wir konnten die Rückfahrt nach Cusco antreten. Wir organisierten einen Taxifahrer und so konnten wir uns auf dem Weg in aller Ruhe Moray und die Salineras anschauen.

Leider waren die darauf folgenden 24 Stunden dann der Horror. Ich hatte einen Rückfall und war nicht im geringsten transportfähig - wir wollten per Nachtbus nach Copacabana, Bolivien. Sevi beschäftigte sich damit, mir Tee zu kochen und die bereits gebuchte Busfahrt und das Hostel zu verschieben.... höhere Gewalt halt. So blieben wir unfreiwillig noch etwas länger in Cusco, bevor wir dann endlich die Reise nach Bolivien antreten konnten.

Plaza de Armas von Cusco

Salkantay Trek und Machu Picchu, Peru - 14. bis 18. August 2015


Cusco war die Hauptstadt des Inkareiches und ist heute Ausgangspunkt für Touren zum Machu Picchu. Das Angebot für Touren zu dieser weltberühmten Inkastadt ist enorm und es wimmelt nur so von Agenturen und verschiedenen Trekking-Routen. Wir haben uns ein paar Tage Zeit genommen und die Angebote verglichen. Eigentlich wollten wir zuerst den Llares-Trek machen. Aber weil das Wetter nicht so gut war, wollten wir uns die Zeltübernachtungen auf über 4'000 m Höhe lieber nicht zumuten. So entschieden wir uns für den etwas längeren 5-tägigen Salkantay Trek mit der etwas teureren Agentur Alpaca Expeditions.

Bereits am Vortag haben wir die Gruppe und den Guide bei einem Briefing kennengelernt. Wir wurden über das Programm informiert und darüber, dass die Wetterprognose eher düster wäre. Cesar, unser Guide, erwartete für die ersten beiden Tage Schnee! So haben wir uns kurz vor Ladenschluss noch mit Termowäsche und Regenschutz eingedeckt.

Am folgenden Tag ging es dann mal wieder früh los. Um 05.00 wurden wir im Hostel abgeholt. Anschliessend holten wir die anderen Teilnehmer ab: Corin aus Manchester, sowie Emely und Shannon aus San Francisco. Nach einer rund dreistündigen Fahrt sind wir am Ausgangspunkt der Wanderung angelangt. Cesar hat uns den Rest der Crew vorgestellt, die aus einem Koch und drei Trägern (Chaskis) bestand. Nach einem erstklassigen Frühstück ging es dann endlich los. Das Wetter hatte über Nacht zum Glück umgeschlagen und wir wanderten im Neuschnee, aber bei Sonnenschein dem Salkantay Pass entgegen. Der Anstieg bis auf 4'600 m war knackig, aber weniger streng als wir erwartet hatten. So langsam macht sich unser Höhentraining bemerkbar. Auf dem Pass hat Cesar eine Inka-Gipfelzeremonie mit uns abgehalten. Das war sehr eindrücklich und wir fühlten uns Pacha Mama stark verbunden. Wie auf Kommando zogen zum Ende der Zeremonie zwei Kondore ihre Kreise über unseren Köpfen. Das sorgte für Gänsehaut, weil diese Tiere hier nur sehr selten gesichtet werden. Nach einem Abstieg bis unter die Schneefallgrenze wurden wir von unserer Crew bereits erwartet. Für jeden von uns stand ein eigenes Lavabo mit Seife bereit, um uns vor dem Essen die Hände zu waschen. Das wirkte für uns zwar etwas deplatziert, war aber nur ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte. Die Crew überraschte uns nämlich mit einem fantastischen und wunderschön angerichteten Dreigänger. Und nach dem Essen staunten wir nicht schlecht über die Chemietoilette. So viel Luxus auf 4'600 m hätten wir wirklich nicht erwartet. Nach einem kurzen 2-stündigen Fussmarsch sind wir dann bei unserem ersten Nachtlager angekommen. Auch hier ging es im gleichen Stil weiter. Die Zelte und Schlafsäcke waren top und das Abendessen hatte Sterne-Niveau. Es gab sogar Bettflaschen für die kalte Nacht im Zelt. Die Nachtruhe wurde durch unsere amerikanischen Freunde leider ein wenig beeinträchtigt. Weil sich Emely in der Stille fürchtet, musste eine "Soundmaschine" die ganze Nacht lang konstantes Meeresrauschen aussondern. Auch das wirkte deplatziert.

Der nächste Tag war dann etwas weniger spektakulär, aber wegen der langen Marschzeit von 9 Stunden anstrengender. Hinter uns verschwand der Salkantay wieder in dicken Wolken und wir konnten uns wirklich glücklich schätzen, dass wir den Pass nicht im Schneegestöber passieren mussten. Das Klima änderte sich nach ca. einer Stunde schlagartig. Als wir die Grenze zum Amazonas Gebiet erreichten, wurde es merklich wärmer und feuchter. Und auch ein paar Moskitos waren wieder da.

Am dritten Tag wurde es dann wieder spannend. Wir starteten den Tag auf einer Kaffee-Plantage, wo wir unseren eigenen Kaffee zubereiten konnten. Vor allem das pflücken der Bohnen ohne maschinelle Hilfe war ein Knochenjob! Unglaublich, was die Leute hier leisten. Und der Kaffee war super lecker. Anschliessend wanderten wir auf einem alten Inka Trail den Berg hoch und konnten von unserem Camp aus auf Machu Picchu rüber schauen. Ein Wahnsinns-Ausblick, den nur wenige Menschen zu Gesicht bekommen. Nach dem Mittagessen zog ein Gewitter auf und wir konnten im letzten Augenblick noch unsere Zelte aufstellen. Das war wirklich knapp. Zum Glück verzogen sich die Gewitterwolken schnell wieder und übrig blieb ein doppelter Regenbogen vor Machu Picchu. Richtig kitschig. Cesar lernte uns ein Kartenspiel aus den Anden und der Abend wurde dann sehr gemütlich und lustig. So langsam wuchsen wir als kleine Familie zusammen.

Der vierte Tag begann gewohnt ruhig. Aber das änderte sich schlagartig, als wir in Hidro Electrica eintrafen. Viele Touristen wandern von hier nach Aguas Calientes, um sich das teure Zugticket zu sparen. So konnten wir uns der Völkerwanderung anschliessen und uns langsam auf die touristische Invasion vorbereiten. In Aguas Calientes angekommen, staunten wir nicht schlecht über unsere Unterkunft. Das Bett war breiter als lang und auf die heisse Dusche freuten wir uns schon seit Tagen. Nach dem Abendessen mussten wir uns bereits von unserer Crew verabschieden. Das fiel uns nicht leicht, weil die Jungs wirklich einen klasse Job gemacht haben. Unglaublich, was die Chaskis alles für uns über die Berge geschleppt haben. Und was der Chefkoch Eulogio mit seinen gerade mal 22 Jahren für uns jeden Tag kredenzte, war einfach spitzenklasse. Ich habe im ganzen Leben noch nie 5 Tage am Stück so viel und so gut gegessen (ausser bei meinen Eltern natürlich). Emily hat dem Koch sogar einen Heiratsantrag gemacht und wollte ihn mit in die Staaten nehmen...

Viel Zeit zum traurig sein blieb uns aber nicht. Am nächsten Tag stand mit der Besichtigung von Machu Picchu das eigentliche Highlight auf dem Programm. Wir reihten uns um 04.30 Uhr in der Kolonne für den Bustransfer ein und erwischten einen der ersten 30 Busse. So gehörten wir zu den ersten Besuchern. Nach einer Führung mit Cesar durch die alten Ruinen machten wir uns zusammen mit Corin auf, den Machu Picchu Montaña zu besteigen. Der Aufstieg war zwar anstrengend, aber von oben hatten wir einen tollen Ausblick auf die Ruinen und die umliegenden Täler. Machu Picchu war, trotz der vielen Touristen, ein Highlight unserer Reise. Besonders beeindruckend war, wie gut erhalten die Bauten immer noch sind. Besonders, wenn man bedenkt dass die Festung auch vielen Erdbeben standhalten musste.

Nach einem späten Mittagessen in Aguas Calientes ging es um 16.22 Uhr mit dem Zug nach Ollantaytambo und von dort per Minibus zurück nach Cusco.

Die Reise war wirklich von A-Z ein tolles Erlebnis. Alpaca Tours hat alles hervorragend organisiert. Wir mussten uns jeweils nur ums Tagesgepäck kümmern. Gruppe, Guide, Crew und Wetter waren super. Zusammenfassend fällt mir eigentlich nur noch eines ein: Mucho Wow! (geflügeltes Wort aus Cesars umfangreichem Spanglish-Wortschatz).

Die ersten Schritte

Arequipa, Peru - 29. Juli bis 10. August 2015

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Arequipa ist die wichtigste Stadt im Süden von Peru. Direkt vor der Haustür liegen spektakuläre, noch aktive Vulkane sowie die beiden Schluchten Cotahuasi und Colca, die mit ihren bis zu 3'000 Metern Höhenunterschied zu den tiefsten der Welt zählen.

Auch die Stadt selber hat einiges zu bieten. Am ersten Tag haben wir uns einer City-Tour angeschlossen, um uns einen ersten Überblick zu verschaffen. Leider waren die Informationen und die besuchten Orte eher enttäuschend. Als wir dann auch noch die klassischen Touri-Fallen ansteuerten, haben wir uns auf "französisch" verabschiedet.

Die Stadt mit ihren zahlreichen Plätzen und Gässchen haben wir dann auf eigene Faust erkundschaftet. Wirklich schön ist die Plaza de Armas mit den tollen Kolonialbauten und der Kathedrale. Sie gilt als einzigartig, weil sie die ganze Seite der Plaza einnimmt. Noch beeindruckender ist das Kloster Santa Catalina, eines der wichtigsten Bauwerke der Kolonialzeit. Nach ein paar Tagen zog es uns aber wieder raus in die Natur. Weil die Peruaner gerade ihren Nationaltag feierten, war die Stadt voller Touristen (viele davon aus Lima) und die Touren zum Colca Cañon waren total überbucht. Wir entschlossen uns deshalb, den schwerer zugänglichen Cotahuasi Cañon zu bewandern und so dem Touristenstrom auszuweichen. Dafür buchten wir eine Tour mit Übernachtungen in einfachen Hostels und Guide. Am Vortag mussten wir noch einiges erledigen. So galt es, das Hostel zu wechseln, zu packen und unser 10-jähriges Zusammensein adäquat zu feiern. Wir liessen uns nicht lumpen und dinierten im schicksten Restaurant der Stadt.

Cotahuasi Cañon
Am frühen Morgen wurden wir dann mit einer halben Stunde Verspätung im neuen Hostel abgeholt und in eine Agentur geschleppt. Dort wurde uns eröffnet, dass es im Ort unserer dritten Übernachtung gar kein Hostel gäbe und wir zelten müssten. Auch der Guide, den wir bereits persönlich kennen gelernt hatten, wurde kurzerhand ausgewechselt. Zudem hatten die beiden anderen Teilnehmer aus gesundheitlichen Gründen abgesagt, so dass wir wieder einmal in den Genuss einer Privat-Tour kamen. Nachdem wir den Ärger über all diese Änderungen verdaut hatten, packten wir Zelt, Schlafsäcke und Isomatten auf unsere Rucksäcke und fuhren mit dem öffentlichen Bus bis nach Corire. Dort wanderten wir den Berg hoch zum Toro Muerto, wo wir einige der ca. 3'000 vulkanischen Steine mit Petroglyphen der Huari-Kultur (500 bis 1000 n.Chr.) bestaunen konnten. Weiter ging es per Taxi nach Toran, um uns T-Rex Fuss-Spuren anzuschauen. Nach dem Mittagessen in Aplao warteten wir auf dem Dorfplatz vier Stunden auf den Bus, der uns in weiteren 7 Stunden nach Coahuasi bringen sollte. Meine beiläufige Frage, welcher Depp denn eigentlich eine solche Tour zusammenstellen würde, beantwortete Rapha mit der berechtigen Gegenfrage, welcher Depp den eigentlich eine solche Tour buchen und sogar auch noch dafür bezahlen würde... Eine zufriedenstellende Antwort auf diese Fragen gab uns auch die Weiterfahrt nicht. Diese war aufgrund einer fehlenden Asphaltstrasse so holprig, dass es uns beinahe aus den Sitzen schüttelte. An Schlaf war also nicht zu denken und wir waren froh, als wir um 03.00 Uhr unser Ziel erreichten. Wir suchten uns ein Hotel (das klappte bereits beim dritten Anlauf!) und legten uns für 1 Stunde und 43 Minuten aufs Ohr. Denn um 05.00 Uhr mussten wir bereits wieder den Bus nach Pampamarca erwischen. Völlig übermüdet fuhren wir im völlig überfüllten Kleinbus auf einer völlig unbefestigten Strasse weitere drei Stunden den Berg hoch. Wir bezogen unsere Unterkunft und wanderten nach dem Frühstück zu einem phantastischen Steingarten mit traumhafter Aussicht. Die 1'000 Höhenmeter hoch und wieder runter hatten es in sich. Am Nachmittag besichtigten wir noch einen Aussichtspunkt mit einem herrlichen Blick in den Cañon. Danach waren die Batterien endgültig leer und wir gingen früh schlafen. Am nächsten Tag wanderten wir hoch über Cotahuasi der Bergflanke entlang Richtung Huarhua. Dabei konnten wir den ganzen Tag die wirklich atemberaubende Aussicht auf eine durch Canyons zerfurchte Landschaft geniessen. Huarhua ist eine Geisterstadt und die wenigen Personen, denen wir begegneten, machten nicht gerade den freundlichsten Eindruck. Nachdem wir die nahe Salzmine besichtigt hatten, stellten wir unser Zelt auf dem Dorfplatz vor der Kirche auf. Die Nacht war zwar weniger kalt als erwartet, aber dennoch eher ungemütlich zu Dritt im viel zu kleinen Zelt. Wir räumten unser Lager bereits um 4 Uhr morgens und wanderten noch im Dunkeln den Berg hinunter. Im Tal besichtigen wir den Sipia Wasserfall, bevor es per Kleinbus zurück nach Cotahuasi ging. Das Nachmittagsprogramm mit dem Bad in den heissen Quellen mussten wir aus Zeitgründen leider streichen. So fuhren wir um fünf mit dem holprigen Bus zurück nach Arequipa. Die Fahrt wurde uns zusätzlich "versüsst", weil wir direkt neben der Toilette sitzen durften. Statistisch gesehen dürfte höchstens 10 % vom entleerten Blaseninhalt ihr angedachtes Ziel erreicht haben. Ein feiner Duft, der uns da während der 10-stündigen Retourfahrt in die Nase gestiegen ist. Um drei Uhr nachts sind wir wieder in unserem Hostel in Arequipa angekommen und nach der sehnlichst erwarteten Dusche in einen komatösen Schlaf gefallen. Ob sich die Strapazen gelohnt haben? Oh ja!!! Zu 100 %. Aber ich gebe zu, dass ich vor 20 Jahren in der Rekrutenschule für so einen Tagesbefehl eine Meuterei angezettelt hätte.

Colca Cañon
Wir erholten uns anschliessend zwei Tage in Arequipa. Dann machten wir uns in einer geführten Gruppe auf zum Colca Cañon. Dieses Mal wurden wir bereits nachts um 3 Uhr abgeholt. Nach einem kurzen Stopp bei einem Aussichtspunkt, wo wir mit rund 500 anderen Schaulustigen Kondore beobachten konnten, starteten wir unseren Treck in Cabanaconde. Unser Guide war ein wenig panisch. Er hatte in den letzten Wochen wohl genügend Probleme mit laufscheuer Kundschaft aus Lima. Deshalb warf er uns im Minutentakt neue Horrorszenarien an den Kopf, um die Wackelkandidaten vor dem Einstieg in die Schlucht zur Umkehr zu bewegen (extremer Ab- bzw. Anstieg, Brüche, kaputte Knie, Steinschlag, Erdbeben undsoweiterundsofort). Es liess sich aber niemand rausekeln und so wanderten wir die Schlucht runter zum Colca River, wo wir in einfachen Hütten übernachteten. Tags darauf ging es gemächlich weiter zur Oase Sangalle. Ein sehr idyllischer Ort. Wir konnten dort am Pool chillen und uns in den Hängematten erholen. Besonders schön war es, in der Nacht den sensationellen Sternenhimmel zu betrachten. Wir haben die Milchstrasse und Sternschnuppen noch nie so klar gesehen. Am letzten Tag mussten wir wieder früh los laufen: Abmarsch nullfünflochloch. Aber das kratzte die Latinos in unserer Gruppe natürlich nicht die Bohne. Die Schweizer waren die einzigen, die pünktlich stramm standen. Wir sind dann ohne die anderen los und noch vor dem Frühstück die tausend Höhenmeter aus der Schlucht rausgekraxelt. Das war ein wenig wie bei Walking Dead mit diesen vielen schlaftrunkenen und röchelnden Wanderern. Der Ausflug war sehr schön und wir hatten eine tolle Gruppe. Nach den Tagen in der Abgeschiedenheit des Cotahuasi Cañon störten uns auch die vielen Touristen im Colca nicht besonders.

Nach einer weiteren Übernachtung in Arequipa sind wir mit dem Nachtbus nach Cusco weitergefahren.

Plaza de Armas Arequipa

Nasca, Peru - 26. bis 28. Juli 2015

Nasca war wieder mal so ein Ort, der anfangs gar nicht auf unserer Liste stand. Da Rapha aber immer noch nicht fit war, wollten wir etwas langsamer Richtung Arequipa reisen. Deshalb legten wir hier einen Zwischenstopp ein. Der Ort ist bekannt für die Nasca-Linien. In der Wüste wurden auf einer Fläche von 500 km2 zahlreiche Bilder in den Sand gescharrt, welche aufgrund ihrer enormen Dimensionen nur aus grosser Entfernung zu erkennnen sind.

Wir beschlossen, uns das ganze aus der Luft anzuschauen. Mit Aero Paracas sind wir in einer Cesna 30 Minuten lang über die Wüstenlandschaft geflogen. Das war ziemlich holprig. Die Zeichnungen wurden dabei in einem 45-Grad-Winkel angeflogen, und zwar sowohl von der linken wie auch von der rechten Seite. Das war für Menschen mit latenter Flugangst wie mich ziemlich prekär. In meiner eigenen Wahrnehmung habe ich wegen dem Angstschweiss gestunken wie ein Fass Gülle. Ich war froh, dass die Piloten nicht in Ohnmacht gefallen sind. Auch Rapha hat es ein wenig auf den Magen geschlagen. Zum Glück hat sie in weiser Voraussicht aufs Frühstück verzichtet.

Es war trotzdem ein Erlebnis und die Linien-Bilder waren sehr eindrucksvoll. Wir haben unter anderem den Astronauten, den Kolibri, die Spinne und den Affen gesehen. Alles in allem rund 12 Bilder.

Die Stadt selber hat uns auch sehr gut gefallen. Nach zwei Tagen sind wir dann mit dem Nachtbus weiter nach Arequipa gefahren.

Startklar