San Pedro de Atacama, Chile - 27. bis 31. Oktober 2015

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Die vielen Eindrücke, die wir aus Bolivien mitgebracht hatten, mussten wir erst mal sacken lassen. Unsere Unterkunft in der Casa Ancestral war wie geschaffen dafür und wir machten es uns erst mal gemütlich. 

Nach einem geruhsamen Mittagsschläfchen machten wir uns auf, die kleine Ortschaft San Pedro de Atacama zu erkunden. Das Örtchen liegt am nördlichen Rand der Salar de Atacama. Die Atacamawüste ist eine der trockensten Landschaften der Erde. In einigen Orten wurde jahrzehnteland kein Regen registriert. Die Oase San Pedro ist ein beliebtes Ziel für jährlich über 50'000 Touristen. Und so kommt es auch daher: schicke Restaurants und teure Boutiquen stehen im krassen Gegensatz zu allem, was wir in den vergangenen Wochen in Bolivien vorgefunden hatten. Ein ziemlicher Kulturschock für uns. Aber wir genossen das leckere Essen, die warmen Temperaturen und die vielen Eisdielen.

Wir hatten 4 volle Tage in San Pedro eingeplant und wollten etwas von der imposanten Natur in der Umgebung sehen. So machten wir uns auf die Suche nach einer Agentur und stellten schnell fest, dass allesamt exakt das Gleiche verkaufen. So pickten wir den für uns sympatischsten Anbieter aus und buchten gleich ein 4 Tages-Paket, was uns einen Rabatt von 10 % einbrachte. 

Am nächsten Tag ging es gleich zum ersten Highlight: wir besuchten das Valle de la Luna und genossen einen fantastischen Sonnenuntergang. Wir stellten auch gleich fest, dass die Guides hier um ein Vielfaches motivierter sind als noch in Bolivien. Kaum kommt man über die Grenze, legt das Wort "Dienstleistung" mächtig an Bedeutung zu...

Der folgende Tag war für mich der eindrücklichste: wir besuchten die Salar de Atacama, die Lagunas Altiplánicas und die Laguna Tuyajto (Piedras Rojas). Die Kombination der türkisfarbigen Lagune und der roten Steine war atemberaubend. Der singende Busfahrer und der tanzende Guide waren für sich schon ein Erlebnis. Die Lebensfreude der beiden war sehr ansteckend. Und als ob das nicht schon genug wäre, haben die beiden sich extrem ins Zeug gelegt. So nahmen wir uns an den einzelnen Orten viel Zeit und genossen ausserplanmässig einen wunderschönen Sonnenuntergang. Wir waren erst um 20 Uhr statt schon um 17 Uhr zurück in San Pedro. Wer würde bei uns schon freiwillig solche Überstunden leisten - noch dazu zu einem verhältnismässig geringen Salär...

Am dritten Tag hiess es früh aufstehen. Wir wollten den Geysir El Tatio besuchen und wurden um 05.00 Uhr abgeholt. Schon im Bus wurde es empfindlich kalt und beim Geysir-Feld auf rund 4'000 m über Meer angekommen fiel die Temperatur auf frostige minus 14 C. Glücklicherweise waren wir vorgewarnt - wir zogen alles an, was wir an warmen Klamotten dabei hatten. So war es auszuhalten. Die Herausforderung kam dann für uns etwas später: da oben beim Geysir gibt es ein Aussen-Thermalbad. Das Becken hat im besten Fall 30° C. Sich bei dieser Aussentemperatur auszuziehen, ist nicht jedermanns Sache und kostete uns einiges an Überwindung. Dann war es im Pool leider in etwa so, wie in einer abgekühlten Badewanne zu sitzen. Also alles andere als ein schön heisses Bad. Aber das Erlebnis und die Kulisse waren einmalig. Auf dem Rückweg wurden wir dann noch Zeuge, wie der Vulkan Láscar Rauch und Asche spuckte. In dem Moment ist uns wieder voll bewusst geworden, dass wir von lauter aktiven Vulkanen umgeben sind. Zum Glück blieb es bei etwas Rauch und Asche!

Noch am gleichen Abend wollten wir Sterne gucken gehen. Die Atacama-Wüste ist ein beliebter Ort für Weltall-Beobachter aus aller Welt. Von Claudia und Raphael bekamen wir den Tipp, früh genug bei Space Obs zu reservieren. Wie gut, dass wir das rund zwei Wochen vorher auch taten. Als wir unsere Tickets abholten, war die Tour ausgebucht. Wir verbrachten einen eindrücklichen Abend unter einem fantastischen Sternenhimmel und bekamen viele interessante Infos über die Sternen und ihre Konstellationen. Es war auch nicht zu viel Fachjargon und wir konnten den Ausführungen folgen. Die Beobachtungen durch die rund 15 Teleskope waren dann für mich eher enttäuschend. Ich dachte, man käme näher ran und könnte mehr von den Sternen sehen. Aber die sind halt einfach viel zu weit weg. 

Am vierten Tag wäre nochmal ein Ausflug geplant gewesen. Aber wir konnten nicht mehr und wollten auch keine Lagune mehr sehen. Irgendwann führen die ganzen Eindrücke zu einer Art Übersättigung und man kann es nicht mehr richtig geniessen. So entschlossen wir uns, den Tag in der Casa Ancestral zu verbringen. Wir plauderten mit Salomé, die seit zwei Jahren in der Casa Ancestral arbeitet. Sie musste für ihren Job ihre Familie in Bolivien zurücklassen. Ihr jüngster Sohn ist gerade mal 5 Jahre alt! Sie vermisst ihre Kinder sehr und hofft, bald zurückkehren zu können. Aber die schlechten Jobaussichten in ihrem Heimatland lassen das im Moment einfach nicht zu. Gegen Abend gönnten wir uns eine entspannende Massage und assen zum letzten Mal Sevi's chilenische Lieblingsspeise "Pastel de Choclo". 

Am Tag der Abreise sortierten wir unsere warmen Kleider aus und liessen auch die Wanderschuhe zurück. Die haben nach über 7 Jahren mehr als ihren Dienst erfüllt. Kurz vor Mittag ging es dann im Bus weiter über die Grenze nach Salta, Argentinien.

Kirche in San Pedro de Atacama

Salzwüste von Uyuni, Bolivien - 22. bis 27. Oktober 2015


Nachdem wir von diversen Seiten vernommen hatten, dass es sich lohnt, von Tupiza statt von Uyuni aus in die Salzwüste zu fahren, entschlossen wir uns für die touristisch weniger frequentierte Alternativroute. Von Sucre ging es also erst mal im Nachtbus nach Tupiza. Für die knapp 8-stündige Fahrt stand uns keine Bustoilette zur Verfügung. Wie gut, dass ich vor Abfahrt auf's Bier verzichtet hatte! Die ersten Stunden war es heiss uns stickig im Bus, was dazu führte, dass alle Passagiere die Fenster aufrissen. Nach Mitternacht wurde die Strasse immer holpriger und die Fenster standen immer noch alle offen. Es wurde ungemütlich und empfindlich kalt. Eine typisch bolivianische Busfahrt halt... Morgens um vier trafen wir völlig übermüdet in Tupiza ein. Zum Glück betreibt unser Hostel eine 24-Stunden-Rezeption. Unser Zimmer war zwar noch nicht bereit, aber wir konnten die Couch im Aufenthaltstraum in Beschlag nehmen und mussten nicht auf der Strasse warten. Kurz nach 7 Uhr gab's dann auch schon Frühstück. Danach informierten wir uns bei Torre Tours über deren Angebot und buchten kurz entschlossen für den nächsten Morgen eine 4-tägige Tour durch die Reserva Eduardo Avaroa und die Salzwüste bis nach Uyuni. Danach hauten wir uns ein paar Stunden aufs Ohr. Am Nachmittag erkundeten wir das verschlafene Nest und liessen uns per Taxi zum Mirador Entre Rios fahren. So haben wir wenigstens noch etwas von der Umgebung gesehen. Tupiza ist echt ruhig und schön.

Am nächsten Morgen ging's gleich nach dem Frühstück los. Wir teilten den Landcruiser mit Jéremy und Nancy, einem jungen, französischen Pärchen aus Paris, dem Fahrer Edwin und der Köchin Celia. Celia war auch gleichzeitig unser Guide für die Tour. Unsere Route war wie folgt:

1. Tag
Tupiza (2'950 m.ü.M.) - Sillar - Awanapampa - Cerrillos - Polulos - Pueblo Fantasma - San Antonio de Lípez - 1. Übernachtung in Quetena Chico (4'200 m.ü.M.)

2. Tag
Laguna Hedionda - Laguna Kollpa - Salar de Chalviri - Desierto de Dali - Laguna Blanca - Laguna Verde (4'400 m.ü.M.) mit Volcán Licancabur - Aguas Termales - Geysers - Laguna Colorado - 2. Übernachtung in Huayllajara (4'300 m.ü.M.)

3. Tag
Arbol de Piedra - Desierto de Siloli - Laguna Honda - Laguna Charcota - Laguna Hedionda - Laguna Cañape - Mirador Volcán Ollagüe - Salar Chiguana - 3. Übernachtung im Salzhotel in Chuvica (3'650 m.ü.M.)

4. Tag
Salar de Uyuni - Isla Incahuasi - Hotel de Sal - Colchani - Cementerio de trenes - Uyuni

Die Landschaft hat uns echt den Atem geraubt. Jedesmal, wenn wir dachten, "schöner kann's nicht mehr werden" kam schon das nächste Highlight. Der Höhepunkt der Tour war die Salar de Uyuni (auch Salar de Tunupa genannt), die mit mehr als 10'000 Quadratkilometer grösste Salzpfanne der Erde.

Leider war unser Guide Celia extrem unmotiviert. Sie und der Fahrer stiegen unterwegs nicht ein einziges Mal mit uns aus dem Fahrzeug, Infos gab's nur auf Anfrage und die wenigen "fotos locas", welche sie in der Salar de Uyuni von uns gemacht hat, waren miserabel. Den Bock abgeschossen haben die beiden dann am letzten Morgen, wo sie uns zu spät aufstehen liessen und wir prompt den Sonnenaufgang um 30 Minuten verpassten. Zum Glück war es bewölkt und damit der "Schaden" nicht ganz so gross. Ihre Antwort auf unsere Reklamation war dann, dass normalerweise die Sonne später aufgeht... hahaha... sich ärgern nützte nichts. Dafür war Celia eine hervorragende Köchin und Edwin ein sehr umsichtiger Fahrer. Man kann halt nicht alles haben ;-) Mit den Franzosen verbrachten wir gemütliche Abende bei gutem Essen und dem selbst mitgebrachten Wein. Die Unterkünfte waren auch viel besser als erwartet - einzig die Duschen fehlten bei den ersten beiden Übernachtungen.

Die Tage vergingen wie im Flug. Als wir in Tupiza ankamen, gab's nochmals kurz Ärger... Torre Tours hatte unseren Anschlusstransfer von Uyuni über die Grenze nach Chile verschlampt. Wir hatten Glück und es gab in einem Minibus noch zwei freie Plätze für uns! Der Abschied von Edwin und Celia fiel entsprechend kurz und etwas "unterkühlt" aus. Schade. Bis zu unserer Weiterfahrt blieben noch ein paar Stunden. Da es in Uyuni nicht viel zu sehen gab, setzten wir uns mit den beiden Franzosen und ein paar anderen Reisenden in ein Pup und genossen die gesellige Runde. Um 18 Uhr ging es dann für uns weiter. Nach gut drei Stunden erreichten wir Villa Mar, wo wir zu Abend assen und die Nacht verbrachten. Früh um 4.00 Uhr am nächsten Morgen ging die Fahrt weiter bis zur Grenze Hito Cajón. Wir erreichten San Pedro de Atacama gegen Mittag, assen eine Kleinigkeit und bezogen anschliessend ein wunderschönes Doppelzimmer mit eigenem Bad in der Casa Ancestral. Nach den letzten Tagen im Mehrbettzimmer und ohne warme Dusche genossen wir diesen erneuten Luxus sehr. Wie geht es uns doch gut!


Tupiza

Sucre, Bolivien - 19. bis 21. Oktober 2015


Sucre sollte man als konservativ republikanische Familie auf keinen Fall bereisen. Bereits am Flughafen wird für das Dinosaurier-Museum und die Fussabdrücke der putzigen Echsen geworben. Dürfte also schwierig sein, hier den Kreatonismus vor dem gwundrigen Nachwuchs zu verteidigen.

Da wir dank Steven Spielberg an die Existenz von T-Rex und Co. glauben, haben wir damit kein Problem. Im Gegenteil. Wir freuen uns riesig darauf, die Hauptstadt von Bolivien kennen zu lernen. Wir haben von allen Seiten nur Gutes gehört.

Wie das so ist mit hohen Erwartungen; sie bergen stets die Gefahr enttäuscht zu werden. So erging es uns leider auch mit Sucre. Wir wurden einfach nicht warm mit der Stadt. Uns war alles zu geordnet und es fehlte an Charme. Wir haben die Sehenswürdigkeiten schnell abgeklappert und waren froh, als wir nach drei Tagen weiter ziehen konnten.

Per Nachtbus ging es in 10 Stunden nach Tupiza. Dabei habe ich auf die schmerzliche Tour lernen müssen, dass man vor so einer langen Fahrt kein Chili con Carne essen sollte. Die Frodulenzen dürften schlimmer gewesen sein als ketzerische Fragen von Kreatonistenkindern über Dinos.


Hospital de Santa Barbara, Plaza de la Libertad

Reisepläne 2016

Die Würfel sind gefallen und viele haben es schon erfahren - wir werden unsere Reise nächstes Jahr auf der anderen Seite der Erde fortführen. Da wir als SVP Wähler glauben, dass die Erde eine Scheibe ist, müssen wir zuerst zurück in die Schweiz fliegen. Wir werden planmässig am 17. Dezember um 18.05 Uhr mit IB3474 in Zürich landen und freuen uns riesig darauf, Euch lieben Leute alle nach so langer Zeit endlich wieder zu sehen.

Unser Abenteuer werden wir am 13. Januar 2016 fortsetzen. Wir fliegen via Bangkok nach Sydney. Dort bleiben wir 10 Tage, bevor es dann nach Neuseeland weitergeht. Hier wollen wir uns ein Auto kaufen und während drei Monaten Mittelerde entdecken. Wie es anschliessend zurück in die Schweiz geht, ist zurzeit noch offen. Im Fokus stehen Indonesien und/oder Malaysia. Fest steht nur, dass wir pünktlich zum Zapfenstreich 2016 wieder in Brugg sein wollen.


Santa Cruz, Bermejo und Samaipata, Bolivien - 8. bis 18. Oktober 2015

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Da wir viele Horror-Stories über Busfahrten in Bolivien gehört hatten, beschlossen wir, mit dem Flugzeug nach Santa Cruz zu reisen. Ich hatte zuvor viele Stunden im Internet recherchiert, bis ich sicher war, dass wir nicht wieder in so einem Laubflieger sitzen, der mich schon beim blossen Anblick zum Hyperventilieren bringt. Aber schlussendlich haben wir den passenden Flug gefunden und sind bequem innerhalb einer Stunde über die Cordillera Real ins Tiefland geflogen. 

Santa Cruz ist mit rund 1,5 Millionen Einwohnern die grösste Stadt Boliviens. Hier wird vor allem auch viel Geld aus dem Kokaingeschäft gewaschen und die Stadt wächst immer noch kreisförmig nach Aussen. Wir machten es uns am Hostel-Pool in den Hängematten bequem, um uns an das feucht-heisse Klima zu gewöhnen. Am Abend haben wir uns mit Luca, einem ehemaligen Junioren der Hurricanes Lenzburg, zum Essen verabredet. Luca arbeitet seit einigen Monaten als Rohstoffhändler hier und gehört mit seinem Schweizer Salär hier der Oberschicht an. Das letzte Mal, als ich ihn gesehen habe, war er 14 Jahre alt und ich zählte bereits 25 Lenze. Damals bestand er für mich nur aus einem übergrossen Trikot und einem Helm mit Gitter und wir haben damals nie ein Wort gewechselt. Mit 16 hat er die Hurries verlassen. Dank Facebook habe ich mitbekommen, dass es ihn nach Santa Cruz verschlagen hat, und so haben sich unsere Wege nach langer Zeit wieder gekreuzt. Es war spannend zu sehen, was aus dem kleinen Pfupf geworden ist.

Am nächsten Tag haben wir beim Frühstück Anna und Laurence aus England kennen gelernt. Die beiden waren uns auf Anhieb sympathisch und sie wollten wie wir nach Samaipata weiterreisen. Wir beschlossen, am nächsten Tag gemeinsam ein Taxi zu nehmen und verlängerten noch einmal eine Nacht, obwohl uns die Stadt nicht wirklich gefallen hat. Leider hat das Wetter über Nacht massiv umgeschlagen. Der Wind aus den Anden brachte Regen, Wind und Kälte. So verbrachten wir den Tag in der nigelnagelneuen Ventura Mall und gönnten uns einen leckeren Burger im Hardrock Café.

Am nächsten Tag wurde dann nichts aus unserer gemütlichen Taxifahrt nach Samaipata. Wir warteten vergeblich auf unseren Fahrer und die Taxigesellschaft nahm unsere Anrufe einfach nicht mehr entgegen. So mussten wir notgedrungen zur Ecke fahren, wo die Sammeltaxis starten. Allerdings standen wir uns dort die Füsse in den Bauch und es wollte und wollte kein Fahrzeug kommen. Am Sonntag schien mal wieder keiner arbeiten zu wollen. Nachdem wir knapp zwei Stunden gewartet hatten, kam uns ein netter Bolivianer zu Hilfe und organisierte uns über Internet ein anderes Fahrzeug. Er begleitete uns sogar auf dem Fussmarsch durch eine eher ungemütliche Gegend dahin, wo der Minibus losfuhr und wir kamen endlich raus aus Santa Cruz. Rapha und ich stiegen bereits auf halbem Weg nach Samaipata aus. Hier in Bermejo wollten wir einige Tage auf einer Öko-Farm verbringen. Von der Strasse aus mussten wir mit all unserem Gepäck eine holprige Seilbrücke überqueren und waren froh, dass diese unserem Gewicht standhielt. Das Ginger’s Paradise wird von Chris und seiner Frau Sol geführt. Chris war Gitarrist bei „System of a Down“ und „American Flag“, zwei meiner absoluten Lieblingsbands. Irgendwann hatte er die Schnauze voll vom Musikbusiness und ist mit dem Fahrrad von Hollywood Richtung Süden gefahren und in Bolivien hängen geblieben. Hier hat er sich seinen Aussteiger-Traum verwirklicht und lebt praktisch ausschliesslich von selbst angepflanztem Grünzeug. Wollte man Musik hören, musste man zuerst auf ein zum Stromgenerator umfunktioniertes Velo steigen und in die Pedalen treten. Bei einem anderen Velo wurde auf dem Gepäckträger ein Mixer installiert, der ebenfalls mit Muskelkraft betrieben wird. Auch die Waschmaschine funktioniert nach diesem Prinzip. Alles hier ist einfach gehalten und die Dinge für den täglichen Gebrauch werden nach Möglichkeit selbst angebaut bzw. hergestellt. Wir schliefen im Massenschlag und mussten uns an die Trockentoilette und die eiskalte Dusche gewöhnen. Ein absolutes Highlight war das tolle Essen, das Sol jeden Tag auf den Tisch zauberte. Wir blieben drei Tage dort, machten Wanderungen und halfen auf dem Feld. Dabei habe ich in meinem Übermut beim Roden einiges an Gemüse zerstört. Die Wurzeln sahen für mich halt alle gleich aus. Chris’s Sohn Sisi hat mich nur völlig entgeistert gefragt, ob ich Probleme mit den Augen hätte. Am Abend spielten wir mit den anderen Gästen Schach und "vier gewinnt". Der Verlierer musste jeweils eine Tafel Schokolade bezahlen. Zwischendurch spielte Chris auf der Gitarre. Das waren wunderschöne Momente. In bester „System of a Down“ Manier zerstörte er die schönsten Melodien im richtigen Moment brachial. Ach, wie habe ich das vermisst… Als er mich fragte, wieso ich in der Schweiz alles hingeschmissen habe und durch Südamerika reise, antwortete seine Frau „because he is a rebel“. Dabei ist mir in Gegenwart dieser Koryphäe vor stolz fast der Kragen geplatzt. Wir waren richtig traurig, als wir das Paradies verlassen mussten. Chris und Sol sind so herzlich und wir haben uns in ihrer Familie richtig wohl gefühlt.

Und weiter ging es nach Samaipata. Wir warteten in sengender Hitze zweieinhalb Stunden am Strassenrand, ehe uns ein Bus mitnahm. Das war extrem schlechtes Timing... es war nämlich gerade Mittagszeit und damit Siesta... es fuhren kaum Fahrzeuge. Irgendwann kamen wir dann aber doch in Samaipata an. Wir wohnten im Hotel Landhaus, wo Anna und Laurence bereits auf uns warteten. Das Hotel hatte einen tollen Garten mit Pool und wir blieben fünf Tage hier. Wir besuchten die wunderschönen Wasserfälle von Cuevas, die Inka-Festung „Fuerte de Samaipata“ und ein Weingut. Sonst faulenzten wir. Für die Weiterfahrt nach Sucre entschieden wir uns wiederum für das Flugzeug. Wir wollten uns die 14-stündige Holperfahrt im Bus nicht antun und entspannt am Ziel ankommen.

omnipräsent

La Paz zum Dritten - 1. bis 7. Oktober 2015


Eigentlich wollten wir am Sonntag nach der Hochzeitsfeier zum Cholita-Wrestling nach El Alto hoch... aber aus "unerklärlichen Gründen" haben wir es nicht rechtzeitig aus dem Bett geschafft. Die nächsten Tage verbrachten wir mit Fotos aussortieren, shoppen und Teleférico fahren. Wir sind alle drei Linien mindestens einmal hoch- und wieder runtergefahren und genossen den spektakulären Blick von El Alto runter auf La Paz. Die Stadt plant mindestens noch zwei weitere Gondellinien. Eine tolle Sache, wie wir finden. Nur leider laufen die Bolivianer so ungern... wenn die Bahn nicht unmittelbar beim Zielort ankommt, nehmen sie nämlich lieber den Bus. Der hält, wo immer man will, an offizielle Haltestellen hält sich keiner. So ist es üblich, dass der Bus alle paar Meter anhält, weil irgendwer ein- oder aussteigen will. So wird der Verkehr in der Stadt natürlich nicht wirklich entlastet.

Nachdem wir ausgiebig eingekauft hatten, brachten wir ein knapp 7 kg schweres Paket zur Post. Das Porto war mit rund $ 120 fast so teuer, wie der gesamte Inhalt. Wir sind gespannt, wann das Paket in der Schweiz eintreffen wird (wenn überhaupt...). 

Am Abend vor unserer Weiterreise nach Santa Cruz trafen wir uns nochmal mit Claudia und Simon bei Jean-Claude im Restaurant Swissfondue, genossen eine gesellige Runde und wurden Zeuge, wie Simon seine langen Haare verlor. Nachdem er nämlich ausgesprochen hatte, dass er seine Haare schneiden will, holte Jean-Claude den Rasierer (aus der Küche?). Claudia fackelte nicht lange rum und "schwups" waren die Haare ab. Was für ein Spektakel. Wir werden unsere neuen Freunde vermissen!


La Boda: Hochzeit von Claudia & Simon in La Paz - 3. Oktober 2015


Zurück in La Paz, hatten wir als erstes mal wieder mit der Höhe zu kämpfen. Auf 3'500 m bekommt Sevi Kopfschmerzen und ich kann nachts nicht schlafen. Nach einer unruhigen und eher schlaflosen Nacht machten wir uns am nächsten Morgen etwas groggy auf in die Innenstadt. Da trafen wir uns mit Claudia in ihrem Tomate Café, wo wir ihr bei den Hochzeitsvorbereitungen halfen. Tischdeko stand auf dem Programm. So verbrachten wir ein paar bastelnde Stunden und dekorierten Weinflaschen. Am Mittag holte Claudia ihr Kleid ab und wir machten uns auf, Sevi's Anzug auszuleihen. Den hatten wir vor unserem Ausflug nach Rurrenabaque bereits "vor-ausgesucht". Wir hatten Glück, der Anzug war noch da. Es war nämlich der einzige, der nicht zu kurze Ärmel und Hochwasserhosen hatte... die kleinen Bolivianer ;-) An einem der tausend Marktstände kauften wir dann noch das passende Hemd zur geliehenen Krawatte. Schuhe und Gürtel hatten wir bereits vor zwei Wochen gekauft - zusammen mit meinem Outfit. Wir waren also kleidertechnisch ready. Am späteren Nachmittag trafen wir uns wieder mit Claudia und holten mit ihr die Ringe beim Juwelier ab. Da sie keine Rechnung dafür haben wollte, sprang ein fetter Rabatt für sie raus! So läuft das hier. Anschliessend gingen wir in einen Supermarkt, besorgten die restlichen Dinge, die ihr noch fehlten und brachten alles ins Tomate. Claudia, die Ärmste, machte sich dann auf den Weg zur Uni. Nebenbei studiert sie nämlich noch Wirtschaft/Office Administration und hatte an dem Abend eine Prüfung zu schreiben. Auf dem Heimweg holten Sevi und ich noch unser Hochzeitsgeschenk ab: ein Gutschein fürs Restaurant Swissfondue. Jean-Claude gab uns für die Deko Fähnchen mit den Schweizer Kantonen mit. 

Am Tag vor der Hochzeit gingen Sevi und ich zum Quartier-Coiffeur und dann wieder zu Claudia ins Tomate. Da waren Claudia und ihr Team bereits damit beschäftigt, neben dem Tagesgeschäft das Hochzeitsmenu vorzubereiten. Das Tomate ist ein vegetarisches Restaurant und somit auch das Menu fleischlos. Wir halfen in der Küche mit und warteten auf Claudias Onkel, der dann am Abend mit seinem Minibus vorbeikam. Wir luden alles in den Bus, holten Simon und seinen Kühlschrank zuhause ab und fuhren aufs "Festgelände". Dieses liegt ca. eine Autostunde ausserhalb von La Paz in einer ländlichen Gegend. Von da hat man eine fantastische Aussicht rüber auf El Alto und die umliegenden Berge. Es war schon spät. Wir luden also alles aus und machten uns gleich auf den Rückweg.

Nun war er da, der grosse Tag von Claudia und Simon. Da Claudia die gesamte Hochzeit selber geplant und organisiert hatte, war sie früh morgens schon unterwegs, um in der Küche nach dem Rechten zu sehen. Zudem hatte Simon vergessen, ein Hemd zu besorgen. So ging Claudia los und kaufte eines. Wir trafen uns um 10.00 Uhr mit ihr am Plaza Humbolt und nahmen ein Colectivo. Auf dem Festplatz angekommen, waren Jean-Claude, Simon und zwei weitere Helfer bei den Vorbereitungen. Tische, Stühle, Pavillons, Deko, Beleuchtung, Getränke etc. etc. Auf 14 Uhr waren die Gäste bestellt, die Zeit drängte. Wir packten also gleich mit an. 

Mit einiger Verspätung trafen dann die Kosmetikerinnen ein und Claudia konnte sich endlich mal hinsetzen. Zur Ruhe kam sie allerdings nicht: es gab zuviel, was noch erledigt werden musste. Zeitgleich hatte ein heftiger Regen eingesetzt - die Openair-Zeremonie drohte, ins Wasser zu fallen und draussen kümmerte sich Simon im Hochzeitsanzug um die letzten Details und wurde klatschnass. Auf den letzten Drücker wurde alles fertig. Als die Gäste eintrafen, hatte es aufgehört zu regnen und wenig später kam sogar die Sonne durch! 

Der erste Teil der Hochzeit bestand aus der zivilen Trauung. Da kam bei der Braut kurzzeitig Panik auf, als sie während der Ansprache der Standesbeamtin feststellte, dass die Ringe fehlten. DER Klassiker.... die Trauzeugin reagierte geistesgegenwärtig, schlich sich rückwärts raus und holte die Ringe aus Claudias Tasche. Kaum einer hat was bemerkt. Gleich im Anschluss fand die traditionelle Indio-Zeremonie statt. Es war sehr schön zuzuschauen, auch wenn wir nur einen Bruchteil davon verstanden.

Nach dem offiziellen Teil ging es zum Apero über, die Livemusik spielte und es wurde getanzt. Dann wurde das vegetarische Buffet eröffnet. Das Küchenteam hatte das Besteck vergessen und so behalfen sich die Gäste mit den vorhandenen Löffeln und mit kleinen Zangen. Später am Abend sassen alle um das grosse Lagerfeuer, es wurde getrunken, gelacht und getanzt. Eine runde, gelungene und farbenfrohe Feier und wir sind glücklich, dass wir daran teilhaben durften.