Sydney II, Australien - 23. bis 28. April 2016

Die Autoabgabe in Auckland und der Überflug nach Sydney gingen reibungslos über die Bühne. Wie bereits auf der Hinreise haben wir uns erneut eine AirBnB-Unterkunft in Manly gebucht, weil es uns da so gut gefallen hat. Es war also fast ein wenig wie nach Hause kommen. Unsere Gastgeber hiessen Sebastien und Delphine. Die beiden waren uns auf Anhieb sehr sympathisch. Sebastien ist Maler und das kleine aber feine Appartement war sehr stilvoll und künstlerisch eingerichtet. Gleich nach unserer Ankunft legten wir uns erst mal ein paar Stunden aufs Ohr. Wir waren nämlich unter Berücksichtigung der Zeitverschiebung seit morgens um zwei Uhr auf den Beinen und wollten doch am Abend mit Silvan ausgehen. Silvan ist vor ein paar Jahren nach Sydney ausgewandert und ist damit ein weiteres verlorenes Schäfchen des endsgeilen Inline-Hockeyvereins Hurricanes Lenzburg. Er zeigte uns die Brauerei "Young Henri" und führte uns im coolen Stadtteil Newtown herum. Ein sehr gelungener Abend. Vielen Dank Silvan für Deine Zeit!

Das Tolle an Sydney war, dass wir nichts mehr mussten. Wir waren ja vor ein paar Monaten schon hier. Also spielten wir auch hier ein wenig Alltag, gingen ins Fitnesscenter und spazierten in Manly den Stränden entlang. Am Montag nahm mich Sebastien mit ins Pub zum Aussie-Football schauen. Schade nur, dass das Spiel leider ein wenig unter ging, weil die Einheimischen gerade den ANZAC-Day feierten, der zu Ehren der Kriegsveteranen abgehalten wurde. Dabei wird das ansonsten verbotene Glücksspiel "Two Up" gespielt und im Pup entsprechend zelebriert.

An unserem letzten Tag im Sydney haben wir uns von unseren warmen Kleidern und dem ganzen Trekking-Equipment getrennt und vieles davon per Post nach Hause geschickt. Die letzten zwei Monate unserer Reise wollen wir nämlich gemütlich an den Stränden Asiens ausklingen lassen. Unser nächster Stopp: Canggu auf der Götterinsel Bali.

Manly Beach

Auckland II, Neuseeland - 15. bis 23. April 2016

Wir haben uns für die letzten acht Nächte in Neuseeland wieder bei Bev einquartiert. Takapuna, ein Vorort von Auckland, schien uns gut geeignet, um den Autoverkauf so schnell wie möglich unter Dach und Fach zu bringen. Die Mechanismen von Angebot und Nachfrage wurden uns an der HFW zur Genüge eingetrichtert und so ahnten wir natürlich, dass es im Spätherbst etwas schwierig werden dürfte, einen Campervan zu angemessenen Konditionen zu verkaufen. Allerdings waren wir dann doch etwas besorgt, als die Resonanz auf unsere Online-Ausschreibungen gleich Null war. Also mussten wir die Braut schick machen und mit ihr auf Verkaufstour gehen. Zum Glück fanden am Wochenende gleich zwei grosse Auto-Auktionen statt. An der ersten, der Backpacker Car Faire, sass ich mir von morgens um acht bis nachmittags um drei Uhr den Allerwertesten platt, ohne auch nur mit einem einzigen potentiellen Kunden zu sprechen. Eine ernüchternde Bilanz. Fast noch schlimmer war aber die Tatsache, dass auf dem Platz mehr als 50 Autos feilgeboten wurden und gerade mal fünf Kunden die Messe besuchten. Immerhin war die Pakistaner-Mafia aktiv. Die haben sich auf diesen Markt spezialisiert, kaufen die Autos zu lächerlichen Preisen zusammen, machen sie flott und verkaufen sie in der neuen Saison für ein vielfaches des Preises wieder. Leider war ich es nicht wert, von diesen "Gschäftli-Machern" beachtet zu werden. Ich brach die Aktion ziemlich frustriert wieder ab. Zum Glück habe ich uns für den Abend Tickets für ein Rugby-Spiel im Eden Park besorgt. Das wertete den Tag dann doch noch auf. Das Spiel verstanden wir zwar nur im Ansatz, aber es bot sehr gute Unterhaltung und lenkte ein wenig von unserem Autoproblem ab.

Am nächsten Tag machte ich mich wieder früh am Morgen auf zur nächsten Messe, der Ellerslie Car Fair. Es regnete und ich machte mich auf noch weniger "Kunden" gefasst. Das Bild war dann effektiv dasselbe wie tags zuvor und die meisten langen Gesichter kannte ich bereits. Nachdem meine Nachbarn mir erzählt hatten, wie sie bei lokalen Garagen mit geradezu spöttischen Kaufangeboten abserviert worden sind, wurde mir klar, dass ich mein Glück selbst in die Hand nehmen musste. Keine fünf Minuten später lief der Chef der Pakistani-Mafia auf mich zu. Mir kam auf die Schnelle nichts Besseres in den Sinn, als ihn als Autodieb zu beheligen. Ich sah ihn nämlich mit dem identischen Auto wie unsere Furia vorfahren. Er schaute mich etwas konsterniert und skeptisch an, aber schwups, waren wir im Gespräch. Schnell spielte ich meinen wichtigsten Trumpf mit dem tiefen Kilometerstand aus. Das wirkte und der Herr nahm sich unser Vehikel etwas genauer unter die Lupe. Nachdem er offensichtlich angebissen hatte, wollte er eine Probefahrt machen. Dabei bot er mir die grosszügige Summe von 600$ für unsere geliebte Furia an (kleine Zusatzinfo: Wir kauften das Auto vor drei Monaten für 4000$, stellten es ins Internet für 3800$, dann boten wir es an der ersten Messe für 2800$ zum Verkauf an und heute noch für 2300$ -> krasser Preiszerfall). Wir einigten uns dann auf einen Preis von 1300$. Mehr war wirklich nicht aus ihm rauszuholen. Dafür durften wir das Auto noch so lange behalten, bis wir das Land verlassen. Das war ein faires Angebot von einem Mann, der sich der harten Verhandlung zum Trotz, als ziemlich sympathisch entpuppte.

Die nächsten Tage machten wir es uns bei Bev in Takapuna gemütlich. Wir gingen fast jeden Tag ins Fitness-Center und kochten uns leckere Sachen. Ich versuchte mich noch an einem neuen Hobby und besuchte zwei Mal die Surfschule auf unserem Haus-See. Das war ziemlich spassig und meine Manöver gelangen schon nach kurzer Zeit ganz gut. So richtig gepackt hat es mich aber nicht. Mal schauen , ob ich noch mehr Zeit in diesen Sport investieren werde.

Am vorletzten Tag brachten wir den Autoverkauf unter Dach und Fach und mieteten uns einen Wagen für die letzten beiden Tage. Das lief alles reibungslos und war günstiger, als ein Taxi zum Flughafen zu nehmen.

So hiess es nach drei Monaten von Neuseeland Abschied zu nehmen. Einem Land, welches landschaftlich seinesgleichen sucht und sehr einfach zu bereisen ist. Das hat aber auch seinen Preis. Die Touristenattraktionen sind alle völlig überbevölkert und oft kann man die Abgeschiedenheit in der Natur nicht richtig geniessen, weil ständig irgendwo ein Flugzeug oder ein Helikopter über einem kreist. Das nervt zum Teil gewaltig und wir würden vor allem die "Great Walks" nicht mehr machen, sondern uns auf die weniger bekannten Wanderrouten begeben. Auch ist der Lebensalltag ziemlich teuer hier, vor allem wenn man frisch und gesund essen möchte (eine Avocado kostet z.B. ca. CHF 4.00). Das Paradies gibt es halt nicht um sonst.

Sky City

Östliche Nordinsel, Neuseeland - 4. bis 14. April 2016

Nach einer gemütlichen Fahrt über den Queen Charlotte Scenic Drive entlang des Marlborough Sounds und einer dreistündigen Fahrt mit der Fähre sind wir abends um sechs Uhr nach Wellington zurückgekehrt. Erneut haben wir uns für ein AirBnB entschieden. Dieses Mal erwischten wir ein schönes Zimmer in einer richtig coolen Loft-Wohnung mitten in der Stadt. Am ersten Tag haben wir endlich das Nationalmuseum "Te Papa" besucht. Hier wird auf sechs Ebenen die Geschichte Neuseelands von der ersten Besiedlung bis zum heutigen Staat erklärt. Das war spannend, machte uns aber hundemüde. Schon bald hatten wir genug gesehen und sind per Cable Car zum botanischen Garten hochgefahren. Da schlenderten wir durch die verschiedenen, schön angelegten Gärten und genossen die Ruhe.

Weil wir vom Reisetempo der vergangenen Wochen immer noch groggy waren, entschieden wir uns, eine weitere Nacht in Wellington zu bleiben. Wir spazierten am Pier entlang und beobachteten die wahnsinnig vielen Jogger mit ihren teilweise unglaublich ungesund anzuschauenden Laufstilen, wanderten auf den Mount Victoria hoch, wo wir einen tollen Ausblick auf die Stadt geniessen konnten, flanierten anschliessend an der Cuba Street und kehrten im charmanten Kaffee Fidel ein. Zudem konnte ich mich endlich dazu durchringen, mir die dringend benötigten Schuhe zu kaufen.

Wellington ist eine tolle Stadt und wir genossen die Zeit sehr. Etwas mühsam war lediglich, dass wir keinen fixen Parkplatz hatten. So musste ich immer morgens kurz vor acht und abends um sieben unser Fahrzeug umparken. Dafür sparten wir so ein paar Bazen an Parkgebühren und gönnten uns in der tollen Pizzeria Napoli ein super Abendessen. Dummerweise ist mir dort wie vor ein paar Wochen beim Beissen erneut ein Stück einer Zahnfüllung abgebrochen. Am nächsten Tag kam es dann noch schlimmer. Der Zahn pochte konstant und ich musste am Tag unserer Weiterreise notgedrungen wieder einen Zahnarzt aufsuchen. Wir hatten Glück und konnten kurzfristig einen Termin für den Nachmittag vereinbaren. Erneut gingen wir ins Nationalmuseum, um dort die Zeit tot zu schlagen. Rapha ging es auch nicht besonders gut. Bei ihr machte sich so etwas wie eine grosse Reise-Müdigkeit bemerkbar. Nachdem mein Zahn endlich geflickt war, schleppten wir uns nach Marlborough auf den Zeltplatz und fielen dort um sechs in einen komatösen Schlaf. Wirklich ein anstrengender Tag!

Am nächsten Morgen hatte sich Rapha zum Glück etwas erholt und mein Kiefer funktionierte auch wieder... Um Raphas "Travel Blues" entgegen zu wirken, wollten wir das Reisetempo noch mehr drosseln. Allerdings hatten wir nur noch wenige Tage Zeit, bis wir zurück in Auckland sein mussten. Wir fuhren deshalb ohne Stopp via Napier nach Te Urewera am Lake Waikaremoana. Es war eine lange, aber sehr schöne und abwechslungsreiche Fahrt und der Zeltplatz am See war mit einer der schönsten Plätze auf unserer Reise. In der Nacht regnete es heftig und der Morgen war verhangen. So entschlossen wir uns, gleich direkt nach Rotorua aufzubrechen. Dabei hatten wir auf der 70 Kilometer langen Gravel-Road wirklich Glück, als der Wagen ins Schleudern kam. Irgendwie ein wenig sinnbildlich für die letzten Tage.

In Rotorua wollten wir wieder zu Kräften kommen. Wir schauten uns im Kino den sehr guten, neuseeländischen Film "Hunt for the Wilder People" an. Ansonsten liess ich Rapha so viel Freiraum wie möglich. So mietete ich mir ein Mountainbike und erkundete auf eigene Faust die Weltklasse-Trails im Redwood Forest. Rapha unternahm derweil Spaziergänge am See und in der Stadt und kam so allmählich wieder auf den Damm. Ein besonderes Highlight war das Thermalbad im Kerosene Creek, einem natürlich beheizten Bach etwas ausserhalb der Stadt.

Nach einer halben Woche in Rotorua fühlten wir uns bereit, um weiter zu ziehen. Das nächste Ziel war der Hot Water Beach auf der Halbinsel Coromandel. Der Strand heisst so, weil hier Thermalwasser aus dem Boden sickert und man sich seinen eigenen Hot-Pool graben kann. Weil dies nur rund 1 Stunde vor oder nach der Flut möglich ist, machten wir uns schon vor Sonnenaufgang auf den Weg. Leider waren wir trotzdem etwas spät dran und die besten Plätze waren bereits vergeben. So genossen wir halt einfach die ersten Sonnenstrahlen am schönen Strand - etwas abseits des ganzen Trubels. Weiter ging es danach zur Cathedral Cove, einer sehr malerischen Bucht ganz in der Nähe und mir noch bestens in Erinnerung. Wir machten in Thames auf einem Spielplatz kurz halt, wo ich vor 12 Jahren mit Fabian, Anni und Olga die Sterne beobachtet habe (das ist jetzt nicht irgend eine schlüpfrige Anspielung. Wir haben wirklich die Sterne beobachtet!) und gönnten uns kurz vor Auckland noch einmal zwei Nächte auf einem super luxuriösen Zeltplatz mit eigenem Thermalbad und Tennisplatz. So kurz vor dem Ende unserer Reise kam schon ein wenig Wehmut auf. Bald würden wir unsere geliebte Furia Roja verkaufen müssen.

Windy Wellington

East Coast, Neuseeland - 24. März bis 3. April 2016

(Video)

Wir waren etwas angeschlagen von der Marathon-Wanderung vom Vortag und gönnten uns eine erholsame Nacht auf dem Holiday Park Campground in Invercargill. Allerdings war es mit der Ruhe schnell vorbei, als sich Hani, unser AirBnB Gastgeber aus Auckland, bei uns meldete. Er hatte nämlich Post für uns bekommen und nun, nach der dritten scharfen Mahnung, endlich daran gedacht, uns zu kontaktieren. Die ursprüngliche Forderung von 45 NZD belief sich durch Mahngebühren und Inkassospesen inzwischen schon auf 100 NZD. Wir hatten keine Ahnung, wofür wir belangt werden sollten. Also riefen wir sofort beim Inkassobüro an, wo man uns auf die Sprünge half. Es handelte sich um eine Parkbusse vom 28. Januar, eingefangen in Dunedin. Da wir das Auto erst eine Woche später gekauft hatten und wir bis anhin noch gar nicht in Dunedin waren, war schnell klar, dass wir das Knöllchen von unseren Vorgängern «geerbt» hatten. Das interessierte die Dame am anderen Ende der Leitung aber leider nicht die Bohne. Erst unser Besuch bei der kostenlosen Rechtsberatung (bitte die Wortkombination «kostenlos» und «Rechtsberatung» mal kurz wirken lassen) und zwei weitere Telefonate brachten die Hyänen zur Räson.

Nach getaner Arbeit verliessen wir Invercargill in Richtung Catlins. Wir fuhren über die «Scenic Route» zur Curio Bay, wo wir Delphine und mit viel Glück sogar einen der seltenen «Yellow-Eyed» Pinguine beobachten konnten. Der Zeltplatz an der Curio Bay war fantastisch (vielen Dank Mel C. aus B. für den Tipp). Auf der Fahrt durch die Catlins machten wir kurze Spaziergänge entlang der Strasse zum Slope Point (der südlichste Punkt Neuseelands, mit seinen lustigen, vom Wind frisierten Wäldern), den McLean Falls (wunderschöner Wald), dem Lost Gipsy Bus (ein Sammelsurium skuriler Bastlereien und Sammlungen), den Purakaunui Falls (sahen auf dem Prospekt besser aus als in Echt) und dem Nugget Point (wunderschöner Leuchtturm hoch über den Klippen). Ich fand diesen «Stop-and-go»-Reisestil ziemlich anstrengend. Aber die wilde Küste hier ist schon etwas ganz Spezielles und steht in krassem Gegensatz zur Golden Bay auf der anderen Seite der Insel.

Nach so viel Wildnis haben wir uns in Dunedin wieder einmal in einem Hostel einquartiert. Da gerade Karfreitag war, lief in der ganzen Stadt rein gar nichts. Also tranken wir in der Küche eine Flasche Wein und freundeten uns mit Juli und Connor an. Mit Juli machten wir am nächsten Morgen einen kleinen Stadtbummel und besuchten den Farmers-Market am Bahnhof. Unterwegs habe ich noch den Eingang zum Club gesehen wo F.K. nun aus V. und ich vor 12 Jahren rausgeworfen worden sind. So viele tolle Erinnerungen hier an jeder Ecke. Am Nachmittag sind wir auf die vorgelagerte Halbinsel Otago gefahren und danach haben wir uns in der Spights Brauerei etwas Währschaftes gegönnt.

Am Ostersonntag verliessen wir Dunedin ohne konkretes Ziel. Wir fuhren der Ostküste entlang weiter nordwärts, machten bei den Moeraki Boulders halt und fuhren dann bei Oamaru landeinwärts. Die Landschaft wurde schnell wieder alpiner und beim Lake Pukaki verschlug es uns wirklich fast die Sprache. Dieser See ist so schön, dass es fast schon kitschig ist. Wir campten am Fusse des Mount Cook und machten am Morgen eine leichte Wanderung zum höchsten Berg Neuseelands (3'724 m). Danach fuhren wir zum Lake Tekapo (ebenfalls wunderschön) und anschliessend weiter Richtung Geraldine. Hier wollten wir eigentlich Mary noch besuchen (die Schwester von Andy). Aber weil wir sie nicht kontaktieren konnten, fuhren wir einfach weiter bis nach Akaroa.

Von Akarao war es nur noch ein Katzensprung nach Christchurch und ich wurde allmählich ziemlich nervös. Hier hatte ich vor 12 Jahren einen unglaublich tollen und intensiven Monat verbracht. Wir wussten natürlich, dass die Stadt seit dem verheerenden Erdbeben von 2011 nicht mehr dieselbe war. Trotzdem waren wir vom Ausmass der Zerstörung geschockt. Aber mal der Reihe nach. Ich wollte meiner damaligen Gastfamilie ein Geschenk kaufen und für F.K. aus V. bei der Laube am Fluss einen Schatz vergraben (an diesem Platz haben wir meist die Tage ausklingen lassen). Also kauften wir uns die Utensilien im Supermarkt und fuhren via Sumner (wo es noch einigermassen ok aussah) nach New Brighton. Nur konnte ich da mein altes Quartier nicht mehr finden. Ein Blick auf die Karte half mir zu verstehen, dass wir eigentlich schon am richtigen Ort waren. Nur war kein einziges Haus mehr dort und wir standen vor einer grossen Wiese, wo nur noch die betonierten Einfahrten daran erinnerten, dass hier mal Menschen gelebt haben. Die Strasse mit der Laube war komplett gesperrt und die Laube selber existierte auch nicht mehr. Uns standen die Tränen wirklich zuvorderst und wir machten uns völlig desillusioniert auf den Weg zu unserem Hostel. Am nächsten Tag wollten wir die Innenstadt erkunden. Auch hier traf mich fast der Schlag. Der Cathedral Square ist kaum wiederzuerkennen. Die Kathedrale ist zum Teil eingestürzt und die Gebäude drum herum entweder gesperrt, abgerissen oder ebenfalls eingestürzt. Es war wirklich traurig, diesen einst so lebendigen Platz so anzutreffen. Zwischen all den Bauruinen werden emsig neue Gebäude hochgezogen (sofern es die Statik erlaubt) und wenigstens war der Hagley Park noch derselbe. So versprüht die Stadt schon auch einen eigenen Charme und eine gewisse optimistische Haltung. Aber es war extrem schwierig für mich, all die schönen Erinnerungen durch die aktuellen Eindrücke überschattet zu sehen. 

Wir waren froh, als wir die Stadt wieder verliessen. Vor uns lag Kaikoura, wo wir eine Whale-Watching-Tour buchten. Per Schnellboot ging es weit raus aufs Meer und dort horchte der Kapitän mit einem Ortungsgerät den Ozean ab. Die Wale machen beim Auftauchen nämlich ein spezielles Geräusch uns so kann man dann rechtzeitig am richtigen Ort sein, wenn die dicken Fische ihre Fontänen in die Luft schiessen und mit der Flosse winken. So funktioniert es zumindest in der Theorie. In der Praxis war es dann leider so, dass wir kreuz und quer über den Ozean düsten und nirgends einen Walfisch zu Gesicht bekamen. Erst beim letzten Versuch hörte unser Stevie-Wonder-Verschnitt einen Wal. Wir sahen ihn von Weitem noch ein paar Sekunden an der Oberfläche, dann tauchte er ab und war weg. Schade. Vom Tourenanbieter gab es anschliessend 80 % des Preises zurück.

Nach dieser eher enttäuschenden Tour fuhren wir ganz in den Norden der Insel nach Nelson. In diesem schönen Städtchen verbrachten wir ein paar erholsame Tage, trafen uns nochmal mit Juli und liessen unsere Zeit auf der Südinsel gemächlich und bei ein paar Bierchen ausklingen.

Traumstrand an der Curio Bay

Fiordland, Neuseeland - 16. bis 23. März 2016

(Video)

Am Morgen unserer Abreise in Wanaka hatte Andy eine Überraschung für uns parat: Er musste zwar schon ganz früh zur Arbeit, informierte aber per SMS, dass er uns ganz kurzfristig noch auf seinen 10-Uhr-Flug in den Milford Sound einbuchen konnte! Wir konnten unser Glück kaum fassen und waren ganz aufgeregt. Da wir sofort nach Queenstown aufbrechen mussten, blieb nur noch wenig Zeit zum Packen und für ein kurzes Frühstück. Danach verabschiedeten wir uns von Myl und fuhren über den Crown Range von Wanaka nach Queenstown. Nach gut einer Stunde erreichten wir pünktlich den Flughafen, wo wir bei Milford Sound Flights bereits von Andy erwartet wurden. In einer kleinen Maschine (12 Plätze) hoben wir ab und flogen bei traumhaftem Wetter über Queenstown, den Lake Wakatipu und die Südlichen Alpen in den Milford Sound hinein. Auf dem Hinflug sass ich als "Co-Pilot" neben Andy und hatte von da vorne natürlich die beste Aussicht! Aber das war noch nicht alles! Denn Andy wäre nicht Andy, hätte er uns nicht auch noch Plätze auf der zweistündigen Schiffstour im Milford Sound besorgt. Der Tag hätte perfekter nicht sein können. Und als ob das nicht schon längst genug gewesen wäre, wollte Andy kein Geld von uns haben... Es blieb uns nichts anderes übrig, als uns mit einem grossen Apero für das Milford Sound Flights Team wenigstens ein kleines Bisschen zu revanchieren. Dann mussten wir uns leider auch von Andy verabschieden. Wir hatten eine tolle Zeit, haben viel erlebt und sind unendlich dankbar! 

Immer noch ganz aus dem Häuschen, fuhren wir am Nachmittag am wunderschönen See entlang von Queenstown via Glenorchy nach Kinloch und richteten uns da auf dem DOC Campingplatz ein. Am Abend kam ein kalter Wind auf und wir verkrochen uns früh in unser super gemütliches Autokino, um ein paar Folgen "Breaking Bad" zu gucken.

Am nächsten Morgen brachen wir noch vor Sonnenaufgang und ohne Frühstück zum nahegelegenen Ausgangspunkt für den Routeburn Track auf. Eigentlich hatten wir letzten Herbst auch für diesen Great Walk alle Hütten vorgebucht. Da jedoch die Wetteraussichten für die kommenden Tage sehr schlecht waren, wir die Hütten aber wegen der starken Nachfrage nicht mehr umbuchen konnten, entschlossen wir uns, die Wanderung von vier auf zwei Tage zu verkürzen und nur den ersten Teil der Strecke zu laufen. Vom Parkplatz aus ging es bei Dämmerung in gut zwei Stunden durch einen schönen Wald zur ersten Hütte, wohin wir dann später auch für die Nacht zurückkehrten. Nach einem ausgiebigen Frühstück und mit leichtem Gepäck machten wir uns auf zum Harris Saddle. Da wir den in Rekordzeit erreichten, stiegen wir auch noch auf den Conical Hill hoch und wurden von da oben mit einer traumhaften Sicht auf die umliegenden Berge und die Tasmanische See belohnt. Als wir gegen Abend in der Hütte ankamen, traf uns beinahe der Schlag... wir teilten uns die Unterkunft mit rund 20 Schulmädchen im extrem anstrengenden Alter von 14 Jahren. Die eine Nacht hielten wir das gerade noch so knapp durch.

Am nächsten Morgen regnete es und der Ranger sprach eine Sturmwarnung aus. Zum Glück hatten wir es nicht mehr weit von der Hütte zurück zum Parkplatz. Auf den zwei Stunden durch den Wald kamen uns trotzdem Massen von Wanderern entgegen. Definitiv ein Nachteil dieser Great Walks, die einfach extrem touristisch und überlaufen sind. 

Wir fuhren zurück nach Queenstown. Da organisierten wir als erstes einen Garagentermin. Furia brauchte nämlich einen Ölwechsel und wir wollten bei der Gelegenheit gleich versuchen, einen neuen WOF (Warrant of Fitness = Strassenzulassung) zu bekommen. Als nächstes suchten wir einen Zahnarzt mit Notfalldienst. Sevi hatte eine Füllung verloren und sein Zahn schmerzte. Wir hatten beim dritten Anlauf Glück und bekamen noch am selben Tag einen Termin. Noch einmal Glück hatten wir dann auf dem Campingplatz. Wir waren spät dran und ergatterten den letzten Platz. 

Bei regnerischem Wetter verbrachten wir das Wochenende im viel zu touristischen Queenstown. Dort assen wir den legendären Ferg-Burger (der wirklich lecker war), tranken gutes Bier im Smith's, verweilten einen Nachmittag im Fitness-/Aqualand und planten unsere Weiterreise.

Am Montag brachten wir Furia zum Service. Um die Wartezeit zu verkürzen, mieteten wir uns zwei Downhill Bikes. Bei gutem Wetter ging's mit der Gondel hoch auf den Bob's Peak und auf einem der vielen Trails wieder runter. Das machte Spass! Auf der dritten Runde fühlte ich mich beflügelt, übermütig und stark genug, um in einem Affenzahn über eine schmale Holzrampe zu brettern. Mitten auf der Rampe verliess mich dann der Mut so schnell, wie er gekommen war. Statt in voller Fahrt geradeaus weiterzufahren, versuchte ich, abzubremsen. Ein fataler Fehler. Ich flog samt Bike in hohem Bogen von der Rampe und holte mir beim Sturz ein paar heftige Prellungen. Es war zum Glück nichts gebrochen und ich konnte bald schon über mich und meinen Übermut lachen.

Am Nachmittag holten wir Furia ab. Der Bescheid der Garage war dann etwas ernüchternd. Um den WOF für weitere sechs Monate zu erhalten, müssten wir ca. NZD 1'000 investieren, was sich für uns schlicht nicht lohnt. Und zwei neue Reifen müssen her. Na ja, Reifen besorgen wir. Der aktuelle WOF ist noch so lange gültig, wie wir in Neuseeland sind. Ist dann halt ein Nachteil, wenn wir den Wagen verkaufen müssen.

Nach der Garage fuhren wir von Queenstown weiter nach Te Anau am gleichnamigen See. Von da aus startet der Kepler Track, den wir kurzfristig ins Auge gefasst hatten. Leider waren die Hütten alle schon für Wochen ausgebucht. Daher beschlossen wir, einfach eine Tageswanderung daraus zu machen und so weit wie möglich zu marschieren. 

Am nächsten Morgen liessen wir uns mit dem Boot in die Brod Bay übersetzen. Damit ersparten wir uns 2,5 Stunden Laufzeit um den See herum. Dieser 10-minütige Spass kostete uns NZD 50... Wucher! Die Wanderung begann mit einem 800 m-Aufstieg durch einen wunderschönen Wald. Über der Baumgrenze hatten wir dann einen fantastischen Ausblick auf den Te Anau See. Wir erreichten die Luxmore Hütte und stiegen weiter hoch bis zum Gipfel des Mount Luxmore. Auf dem Rückweg machte sich dann meine Hüfte bemerkbar. Leider waren wir für das Boot zu spät dran und mussten den ganzen Weg bis nach Te Anau zurücklaufen. Die letzten drei Stunden lief ich unter teils heftigen Schmerzen. Auf dem Campingplatz gab es eine Sauna. Die kam für uns wie gerufen!

Während wir auf der Wanderung waren, bekam Furia zwei neue Reifen. Wir steuerten dafür einfach die erste Garage in Te Anau an. Sevi war sich ziemlich sicher, dass es sich bei dem Garagisten um den selben Typen handelte, der vor 12 Jahren sein Fahrzeug aus dem Milford Sound abgeschleppt und repariert hatte. Wie klein die Welt doch sein kann!

Southern Alps

Wanaka, Neuseeland - 11. bis 15. März 2016

(Video)

Wir hatten mit Andy vereinbart, dass wir uns vor der Abfahrt in Franz Josef bei ihm melden würden. Dummerweise ist die ganze Westküste ein einziges, grosses Funkloch und wir konnten erst nach vier Stunden Fahrzeit mit ihm Kontakt aufnehmen. Da waren wir schon am Lake Wanaka und standen praktisch vor seiner Haustür. Andy war am Telefon wenig überraschend etwas wortkarg. Er meinte, dass er erst abends um acht Uhr zu Hause wäre. Wir entschuldigten dafür, dass wir uns nicht früher gemeldet hatten und fuhren nach Wanaka rein, um die Zeit in einem Café zu überbrücken und eine Flasche Wein als Gastgeschenk zu organisieren. Als wir im Laden standen, rief uns Andy noch einmal an und meinte, wir sollten jetzt gleich zu seinem Haus fahren, wo seine Frau Myl mit dem Abendessen auf uns warten würde… Also machten wir uns schleunigst auf den Weg. Das Haus steht etwas ausserhalb von Wanaka auf einem grosszügigen Grundstück mit tollem Garten und einer herrlichen Aussicht auf die Berge. Myl begrüsste uns herzlich und erklärte uns, dass Andy gerade als Pilot mit einer Gruppe Geologen um die Gletscher fliegt. Nun war uns auch klar, wieso er am Telefon so kurz angebunden war. Sie zeigte uns unser Zimmer und da klingelte auch schon wieder das Telefon. Erneut war es Andy aus dem Flugzeug, der wissen wollte, ob wir Lust hätten, spontan mit ihm nach Queenstown zu fliegen. Was für eine Frage! Einige Minuten später flog er mit der kleinen Maschine eine extra Schlaufe über sein Haus. Derweil sprangen wir ins Auto und fuhren zum Flughafen Wanaka, wo Andy schon auf uns wartete. Was für ein Empfang! Bei gutem Wetter flogen wir über den Crown Range Pass in rund 20 Minuten nach Queenstown. Als die Maschine im Hangar verstaut war, hatte Andy auch endlich Feierabend und wir konnten uns richtig begrüssen. Wir fuhren in seinem Wagen über den Pass zurück nach Wanaka. Bereits bei der ersten Steigung wusste ich genau, um welche Strecke es sich hierbei handelte. Hier hatte ich zusammen mit F.K. aus B. vor 12 Jahren unser Auto verloren. Die verhängnisvolle(n) Kurve(n) sahen immer noch genau gleich aus, und ich musste Andy natürlich die ganze Geschichte erzählen. Seine berechtigte Frage war nur: «What drugs did you guys take»… Wer die ganze Geschichte kennt, kann diese Reaktion sicher nachvollziehen und verstehen, dass es für mich eine sehr emotionale Sache war, so unvermittelt wieder an diesem verhängnisvollen Ort zu stehen… Zurück in Wanaka, stand auch schon ein leckeres Essen für uns bereit. Danach sind wir todmüde ins Bett gefallen. Was für ein Tag!

Am nächsten Morgen sind wir von Kinderstimmen geweckt worden. Es stellte sich heraus, dass Mary mit ihren Enkelkindern zu Besuch war. Mary ist Andys Schwester und war ebenfalls mit uns in Bolivien am Biken. Was für eine tolle Überraschung! Sie war die letzten Tage im Gebirge am Wandern und liess sich am Morgen von einem ihrer Söhne per Helikopter aus dem Outback abholen, um uns zu besuchen. Klingt vielleicht komisch, ist aber so. Andy belustigte die zwei Jungs (und auch sich selber) mit einer selbst gebastelten "Orange Gun", mit der er Äpfel und anderes Grünzeug durch die Luft schleuderte. Nach einem gemeinsamen Frühstück gingen wir mit ihm an die grösste Landwirtschaftsmesse des Landes (so eine Art Neuseeländische Olma), die zufälligerweise gerade in Wanaka stattfand. Dort sahen wir verschiedenen Wettbewerben zu und flanierten gemeinsam übers Gelände. Anschliessend besuchten Rapha und ich ein Rodeo und dann gab es auch schon wieder Nachtessen. Lammfilet... hmmmm!

Für den nächsten Tag organisierte uns Andy zwei Plätze für eine Bootstour mit Eco Wanaka Adventures auf dem Lake Wanaka. Um neun Uhr schipperten wir mit unserem Guide Chris zur Insel Mou Waho in der Mitte des Sees. Chris erklärte uns mit viel Enthusiasmus, wie hier die vom Aussterben bedrohten Wekas wieder aufgezüchtet werden und wie seine Organisation den einheimischen Waldbestand schützt. Bei jeder seiner Tour pflanzen die Teilnehmer einen Baum auf der Insel. Besonders schön und wohl auch ziemlich einzigartig war der See auf der Insel im See. Die Wekas waren sehr zutraulich und selbstverständlich pflanzen auch wir einen Baum.

Für den Nachmittag hatte uns Andy dann zwei Fully-Bikes flott gemacht. Damit steuerten wir den nahe gelegenen Deans Bank Track an, der sich wunderschön dem Hawera River entlang schlängelt. Wir sind lange nicht mehr im Sattel gesessen und die 30 Kilometer brachten uns ganz schön ausser Atem. Aber der Singletrail war toll und wir genossen den Bikeausflug sehr. Am Abend habe ich Andy dann noch beim Holzhacken geholfen, was noch anstrengender war als das Biken.

Am vierten Tag wollten wir unbedingt die Gegend noch ein wenig erwandern. Wir waren nicht sehr motiviert, weil unsere Beine vom Biken immer noch stark in Mitleidenschaft gezogen waren. Aber weil das Wetter so toll war, entschlossen wir uns spontan, auf den Mount Roy zu klettern. Die 1'200 Höhenmeter waren schon ziemlich anstrengend. Aber die Aussicht auf den See und die südlichen Alpen waren die Strapazen definitiv wert.

An unserem letzten Tag bei Myl und Andy schlug das Wetter um und es regnete den ganzen Tag. Nach dem Mammut-Programm der vergangenen Tage kam uns der Regen sehr gelegen und wir nutzten die Zeit, um endlich wieder einmal unseren Blog nachzuführen. Am Nachmittag fuhren wir in die Stadt, um auf der DOC-Info unsere Möglichkeiten für den bereits gebuchten Routeburn Track (unsere nächste Destination) zu erörtern. Die Wettervorhersage für die kommenden Tage war nämlich sehr wechselhaft und wir hatten keine Lust, diese vier- bis sechstägige Wanderung im Dauerregen zu absolvieren. Leider konnten wir an der Buchung nichts mehr ändern, da alle Hütten komplett ausgebucht waren. Wir entschieden uns deshalb, das Programm einfach zu verkürzen und nur einmal in der ersten Hütte zu übernachten. Am Abend luden wir Myl und Andy zum Abendessen in ein Restaurant ein. Es war ein toller Abend und ein würdiger Abschluss unseres Besuchs bei den Woods. Vielen herzlichen Dank an dieser Stelle für die unglaubliche Gastfreundschaft! Wir haben es sehr genossen und Wanaka hat uns unglaublich gut gefallen. Wir fragten Andy beiläufig noch, wo wir allenfalls einen Rundflug zum Milford Sound buchen könnten. Er meinte nur, dass er uns für morgen allenfalls in einer Tour unterbringen könnte und uns auf den stolzen Preis von 500 NZD pro Person ziemlich sicher einen Rabatt von 50 % gewähren könnte. Es scheint, als stünden wir derzeit wirklich auf der Sonnenseite des Lebens. Mal schauen, was der morgige Tag uns bringt…

Anfahrt auf Wanaka

West Coast, Neuseeland - 8. bis 10. März 2016

(Video)

Wir kosteten unsere Zeit im Shambhala so lange wie möglich aus, besuchten am Morgen zuerst noch die Yoga-Stunde und frühstückten anschliessend gemütlich. Erst gegen Mittag waren wir startklar und fuhren über den Takaka Hill Saddle zurück nach Motueka und von dort weiter Richtung Westküste. Die kurvenreiche Strecke führte uns einmal mehr durch spektakuläre Landschaften entlang dem Buller River und durch die wunderbaren Wälder des Victoria Forest Parks. Wir suchten uns ein schönes Plätzchen für eine späte Mittagspause. Leider wurden wir von Sandflies regelrecht überfallen. Innert Kürze hatten wir mindestens 50 dieser kleinen, oberfiesen und sehr hungrigen Viecher im Auto. Nachdem wir den ganzen Innenraum mit Insektenspray eingenebelt hatten, waren alle Sandflies tot und wir räumten fluchtartig das Feld.

Nach gut vier Stunden Fahrt erreichten wir Westport an der Westküste. Da der Ort eher wenig Interessantes zu bieten hat, deckten wir uns lediglich mit Lebensmitteln ein und fuhren 50 km weiter Richtung Paparoa National Park. Die gesamte Strecke verläuft direkt dem Meer entlang. Wir konnten uns am wilden, felsigen Küstenabschnitt kaum satt sehen. Am Abend trafen wir in Punakaiki ein und machten es uns auf dem Beach Campingplatz gemütlich. Auch hier hatte es Sandflies - wie übrigens entlang der ganzen Westküste. Zum Glück waren es hier etwas weniger und sie liessen sich mit unserem "Bushmaster 40 % Deet" in Schach halten.

Und weil es uns so gut gefiel und das Wetter so toll mitspielte, entschlossen wir spontan, eine Nacht länger in Punakaiki zu bleiben. Daher hatten wir wunderbar Zeit für ein paar weitere Highlights. Wir sahen uns die Pancake Rocks an. Die Felsen in der Brandung sehen tatsächlich wie aufgeschichtete Pfannkuchen aus. Am Nachmittag unternahmen wir eine schöne Wanderung im Paparoa Nationalpark. Und später war noch genug Zeit für den kurzen Truman Track. Der 30-minütige Weg führt durch den einheimischen Regenwald an den tollsten Kiesstrand, den ich je gesehen habe! Als wir ankamen, waren wir mal wieder die einzigen am Strand. Es gibt da einen kleinen Wasserfall, spannende Felsformationen und durch das Wasser ausgespülte Höhlen. Am Abend waren wir dann zu Recht müde und hungrig.

Wie der Wetterbericht vorausgesagt hatte, regnete es am nächsten Morgen. Da morgens um 9 Uhr gerade Champions Leage lief, frühstückten wir im Restaurant und Sevi konnte Fussball gucken. Dazu gab es halt reichlich Kaffee statt Bier :-) Und weiter ging's an der immer noch spektakulären Westküste weiter nach Franz Josef. Trotz teilweise heftigem Regen genossen wir die Fahrt sehr. Dort angekommen, suchten wir sogleich den Top10 Holiday Park auf und stellten uns auf einen gemütlichen Nachmittag mit Kaffee trinken und Lesen ein. Daraus wurde dann allerdings nichts. 10 Minuten nach unserer Ankunft kam Wind auf, riess die Wolkendecke auf und die Sonne war da! Also nutzen wir die Gelegenheit und machten uns auf den Weg zum Gletscher. Nach knapp 40 Minuten erreichten wir den Aussichtspunkt und konnten die Gletscherkante des Franz Josef Glaciers bestaunen. Kurze Zeit später zog es wieder zu und es regnete wieder. Das war viel Glück kombiniert mit perfektem Timing.

Tags darauf fuhren wir zu Andy nach Wanaka. Andy, seine Schwester Mary mit Mann Gavin und sein Bruder Syd mit Tochter Kate hatten wir auf dem 5-tägigen Ride & River Ausflug in Bolivien kennengelernt. Ganz nach neuseeländischer Art wurden wir damals schon eingeladen und wurden nun tatsächlich in Wanaka erwartet. Ein Kiwi ein Wort! Doch bevor wir uns auf den Weg machten, genossen wir einen wunderschönen Morgen auf dem Lake Mapourika. Die Nacht war kalt und der morgen klar. Wir buchten eine vierstündige Kayaktour auf dem See und das Wetter spielte voll mit! Es war windstill, das Wasser spiegelglatt und Nebelschwaden sorgten für eine märchenhafte Stimmung. Die klare Sicht auf die Berge war noch das Tüpfchen auf dem i. Danach fuhren wir voller Spannung und Vorfreude über den Haast Pass zu Andy nach Wanaka.


Wunderschöne Westküste