Koh Tao, Thailand - 5. bis 21. Juni 2016

(Video)

Koh Tao ist die drittgrösste Insel des Samui Archipels, 21 Quadratkilometer gross und gilt bei Tauchanfängern als beliebtestes Tauchgebiet in Südostasien. Auch ich habe hier vor rund 7 Jahren meine Open-Water Tauchlizenz erworben. Weil mein rechtes Ohr seit einem Tauchunfall in Panama bereits bei geringer Druckzunahme anfängt zu pfeifen, konnten wir die Horden von "Tauchschul-Schleppern" bei unserer Ankunft am Pier getrost ignorieren.

Wir logierten ironischerweise trotzdem in einem Dive-Resort. Aus zwei Gründen haben wir uns im Ban’s Dive Resort eingebucht: Erstens wegen der zentralen Lage mitten am Sai Ree Beach und zweitens wegen den beiden Pools. Dummerweise entpuppte sich das Hotel als wahre Tauchfabrik und die Pools war praktisch ununterbrochen von Tauchern besetzt. Und als wir nach dem Check-In im "Golf-Wägeli" den Hügel hochgekarrt wurden (weit weg vom Strand), ärgerten wir uns gewaltig. Aber nur für kurze Zeit. Es stellte sich heraus, dass wir von einem Upgrade profitiert hatten und wir freuten uns über das geräumige Zimmer und den super Ausblick - ein wenig abseits vom ganzen Trubel.

Wir stürchelten sofort los, um uns beim sympathischen Schweizer Oli einen Scooter zu mieten. Damit steuerten wir als erstes einige Restaurants, Fitnesscenter und Yoga-Schulen an, um unser neues Territorium abzugrenzen. Beim Monsoon Gym kauften wir spontan je ein 12er Abo. Ich liebäugelte schon länger damit, in Thailand einmal Muay Thai auszuprobieren. Zu meiner grossen Überraschung sprang Rapha auf den Zug mit auf.

So kam es, dass wir bereits am Montag, morgens um acht, in den Genuss unserer ersten Kampfsport-Lektion kamen. Unsere Trainer hiessen Om, Si und Chang und sprachen fast kein Englisch. Das war zum Teil ziemlich drollig. "Balanbalanbalan" heisst zum Beispiel, dass man auf seine Balance achtgeben soll. Nachdem die Thais unsere Hände verbandagiert hatten, ging es bereits los. Und zwar ohne grosses Vorgeplänkel. Wir mussten als blutige Anfänger bereits Kicks, Ellbogen und alle erdenklichen Faustschläge austeilen. Das war bei der Hitze extrem anstrengend, machte aber richtig Spass. So kam es, dass wir innert zwei Wochen 16 Mal ins Training gingen. Zum Teil besuchten wir auch die High Intensive Intervall Trainings oder die Yin Yoga Kurse im Ocean Sound. Das ging zum Teil ziemlich an die Substanz. Wir hatten beide mit diversen Prellungen zu kämpfen und am Schluss waren auch die Füsse ein Problem. Aber wir waren ziemlich stolz auf unsere Fortschritte, die wir in so kurzer Zeit verzeichnen konnten.

Zwischen den Trainings erkundeten wir die Insel mit ihren vielen tollen Stränden oder gönnten uns ein paar Massagen. Besonders schön war der Kayak-Ausflug zu der Shark Island und die Schnorchel Tour rund um Koh Tao und der Nang Yuan Insel. Als tückisch erwiesen sich die Korallen. Wir haben uns beide beim Schnorcheln gewaltig die Füsse aufgeschnitten. Das haben wir dann natürlich jeden Tag im Training bei den Kicks gespürt.

Nach ein paar Wochen haben wir uns in Koh Tao wie zu Hause gefühlt. Eine Katze hat sich in unserem Zimmer einquartiert, wir hatten unsere Restaurant-Favoriten (Barracuda, Fitness Café, Coconut Monkey, Yin&Yang, La Carotte qui rit und Fizz Beachlounge) und lernten im Monsoon Gym nette Menschen kennen. Die Thais nannten uns konsequent Nico & Tim (was zu einiger Verwirrung führte) und Om nahm uns sogar mit zu einem Muay Thai Kampf ins Stadion. Auch als passiver Sportkonsument kam ich mit dem Stanley Cup, der Copa America und der Fussball-EM voll auf meine Kosten. Die Schweizer Nati metzgete sich ganz gut und qualifizierte sich für die nächste Runde. Für etwas Aufregung sorgte lediglich der Parkplatz für unseren Scooter, direkt unter einem Baum gelegen. Wir fanden es schlau, dort im Schatten zu parkieren, weil dann die Sitzfläche von der Sonne nicht so aufgeheizt wird. Nachdem wir bei der Ankunft wie immer mit dem ganzen Oberkörper die tief hängenden Äste touchiert hatten, entdeckten wir direkt über unseren Köpfen eine ziemlich grosse Schlange. Fortan bevorzugten wir Parkmöglichkeiten an der prallen Sonne, möglichst weit weg von irgendwelchem Gebüsch.

Für die letzten fünf Tage gönnten wir uns ein ziemlich edles Hotel mit privatem Pool und fantastischer Aussicht hoch über der Sai Ree Beach. Ein wunderschöner Abschluss auf dieser paradiesischen Insel.

Ankunft am Pier

Koh Phangan, Thailand - 30. Mai bis 4. Juni 2016

(Video)

Nach einem kurzen Flug landeten wir noch vor dem Mittag auf Koh Samui und organisierten gleich am Flughafen die Fähre auf die Nachbarinsel Koh Phangan. Diese Insel im Thailändischen Golf haben wir uns ausgesucht, da es hier eine gut bewertete Kiteschule gibt und wir Kitesurfen unbedingt mal ausprobieren wollten. Was wir halt nicht wussten war, ob es mit dem Wind auch hinhauen würde. Die Jahreszeit ist dafür eher ungünstig. Im Phangan Beach Resort angekommen, checkten wir gleich mal die Lage: Bei der Kiteschule am Strand war grade niemand und Wind gab es auch keinen. So relaxten wir in der wunderschönen Hotelanlage unter Palmen direkt am Strand und lernten an der Poolbar ein paar andere Gäste kennen.

Am nächsten Morgen fand gleich vor unserem Bungalow ein Boot Camp statt und so starteten wir mal wieder mit viel Bewegung in den Tag. Gleich nach dem Frühstück lernten wir Danny kennen. Ihm gehört die Welt ääh die Kiteschule. Der Thailänder hat viele Jahre in den USA gelebt, spricht einwandfrei englisch und hört sich selber sehr gerne reden. Mal abgesehen davon machte er und sein Equipment einen kompetenten Eindruck.

Es fehlte nach wie vor an genügend Wind. Wir entschieden uns trotzdem, schon mal mit der Theorie anzufangen. Das geht ja auch ohne Wind. Leider hatten wir die kommenden Tage windtechnisch so gar kein Glück und konnten die Theorie vorerst nicht in die Praxis umsetzen. 

Kiter-Danny mag wohl ein Poser sein, aber er versteht es, Leute zusammenzubringen und er hatte tolle Ausflugstipps für uns parat. Wir mieteten einen Roller, fuhren damit quer über die Insel und entdeckten wunderschöne Strände. Die Fahrten waren allerdings allgemein nicht sehr entspannend. Die Strassen sind teilweise extrem steil und grösstenteils unbefestigt, die Thais fahren wie die Irren, die Touristen haben null Erfahrung oder sind besoffen, was zu vielen Unfällen führt. Wir waren jedesmal froh, heil von A nach B zu kommen. 

Am fünften Tag hatten wir dann endlich etwas Wind und konnten uns am Kite versuchen. Als erstes ging es im seichten Wasser und ohne Board an den Füssen darum, den Drachen zu lenken. Das ist gar nicht so einfach und wir staunten, wieviel Kraft ein bisschen Wind schon produzieren kann. Leider kam ich mit dem Kite und vorallem mit Danny's militärischem Umgangston nicht so gut klar. Nach gut einer Stunde hatte ich die Schnauze voll und warf das Segel. Sevi hat sich da um einiges geschickter angestellt. Nach der zweiten Session war dann aber auch für ihn Schluss. Einerseits, weil der Wind schon wieder weg war und die Aussichten für die kommenden Tage miserabel waren. Andererseits hatte sich Danny wohl ein paar Mal zu oft im Ton vergriffen. Da hört der Spass auf. Vielleicht probieren wir es irgendwann unter besseren Bedingungen nochmal. 

Wir genossen ein paar ruhige Tage auf der schönen Insel. Nach unserem Aktivmonat in Bali war es uns allerdings schon fast zu ruhig: Tage ohne sportliche Betätigung kamen uns schon ganz komisch vor. Deshalb suchten wir nach einer neuen Herausforderung. Sevi hatte mal wieder eine seiner glorreichen Ideen: Muay Thai Kampfsport sollte es diesmal sein... Nach etwas Recherchieren fanden wir heraus, dass es auf der Nachbarinsel Koh Tao eine Schule gibt, die neben Muay Thai auch noch Jiu Jitsu und ein tägliches HIIT Gruppentraining anbietet. Zudem gehört ein Fitnesscenter mit dazu. Für den Kampfsport konnte ich mich im besten Willen nicht begeistern, aber bei dem Angebot war für uns beide was dabei. 

Und so eröffneten wir ein neues Kapitel und setzten mit der Fähre rüber auf Koh Tao.

Ankunft auf Koh Samui

Kuala Lumpur, Malaysia - 27. bis 29. Mai 2016

Der Flug von Bali nach Kuala Lumpur in Malaysia war unglaublich holprig und wir waren froh, als wir endlich wieder festen Boden unter den Füssen hatten. Der Flughafen befindet sich sehr weit ausserhalb der Stadt und so kamen wir nach einer einstündigen Taxifahrt erst nach Mitternacht in unserem AirBnB an. Nikolas, unser Gastgeber, nahm uns in Empfang und führte uns in unser Zimmer. Wir konnten kaum glauben, was wir sahen. Völlig sprachlos genossen wir eine atemberaubende Sicht auf die berühmten Petronas Tower und die umliegende Skyline.

Am nächsten Morgen lernten wir Nikolas und seine thailändische Freundin Sasha besser kennen. Nikolas hat seinen Job als Autoverkäufer an den Nagel gehängt und betreibt sein AirBnB jetzt vollberuflich. Im Ganzen vermietet er 5 Zimmer in seinem tollen Appartement fast zuoberst in einem  40-stöckigen Wolkenkratzer. Zur Wohnung gehört auch eine grosse Terrasse mit fantastischem Blick auf die Stadt.

Nach einem kurzen Schwatz machten wir uns auf den Weg zur Shopping Mall nebenan. Hier deckten wir uns mit neuen Sportkleidern und den dringend benötigten neuen Turnschuhen ein.

Am späten Nachmittag kamen wir ziemlich erschöpft vom Shoppingwahn zurück. Aus einem Mittags-Schlaf wurde allerdings nichts. Nikolas lud uns spontan zum Apero auf dem Balkon ein und weil wir uns so gut verstanden, beschlossen wir, am Abend gemeinsam auszugehen. Wir fuhren ins trendige Quartier Jalan Alor, wo uns unsere Gastgeber ihr Lieblings-Thai-Restaurant zeigten. Wir überliessen das Bestellen den Locals und teilten uns das Essen. Wahnsinnig gut und wahnsinnig scharf!!! Danach streiften wir ein wenig durchs Quartier. Wenn man bedenkt, dass Malaysia ein muslimisches Land ist, dann würde man so eine Ausgeh-Meile hier nicht unbedingt erwarten. Es gibt unglaublich viele Bars und Kneipen. Auf einer Strassenkreuzung bestaunten wir einen Drummer, der ein Live-Konzert gab, bis uns ein Knall und eine Druckwelle zusammenzucken liess. Das war im ersten Moment ziemlich unheimlich. Da aber keine Panik ausbrach, waren es wohl nur irgendwelche Böller, die hinter uns gezündet worden sind. Wir beschlossen dennoch, uns auf den Heimweg zu begeben.

Am zweiten Tag haben wir wieder mal ausgeschlafen. Gegen Mittag sind wir dann mit der U-Bahn zu den Batu Caves gefahren. Diese heilige Stätte etwas ausserhalb der Stadt ist sehr sehenswert. Danach haben wir die Stadt unter die Lupe genommen. Via KL Sentral sind wir nach China Town gefahren. Dort habe ich mir original Bose-Lautsprecher und ähnliche Artikel made in China für sehr wenig Geld gegönnt. Auch die Marktstände im Pasar Seni, das Sultan Abdul Samad Building und natürlich KLCC mit den Petronas Towern haben wir besucht. Alles sehr eindrücklich und mit den gut funktionierenden öffentlichen Verkehrsmitteln sehr einfach zu erkunden. Wir kamen spät nach Hause und mussten am nächsten Morgen früh weiterfliegen. So konnten wir uns leider nicht einmal mehr persönlich von Nikolas und Sasha verabschieden. Schade, aber was wir von Malaysia gesehen haben, machte uns gwundrig für mehr. Vielleicht kommen wir ja wieder einmal hierhin. Dann ist das AirBnB von unseren neuen Freunden Nikolas und Sasha ganz sicher unsere erste Anlaufstelle. Danke für die tolle Zeit und die unglaubliche Gastfreundschaft.

Zimmer mit Aussicht

Bali, Indonesien - 29. April bis 26. Mai 2016

(Video)

Wir sind am späten Nachmittag in Denpasar auf Bali gelandet. Auf dieser Insel haben wir vor knapp zehn Jahren unseren ersten "grossen" gemeinsamen Urlaub als Rucksacktouristen verbracht. Dieses Mal haben wir die Einreiseformalitäten studiert (das haben wir für Australien ja auf die schmerzliche Tour gelernt). Als Schweizer bekommt man bei der Einreise automatisch ein 30-tägiges Aufenthaltsrecht in Indonesien. Da wir nicht genau wussten, wie lange wir bleiben würden, kauften wir uns bei der Ankunft in Denpasar aber für USD 35 das verlängerbare Visum. Nur dieses lässt sich nach Ablauf der 30 Tage um einen weiteren Monat verlängern. Nach den ganzen Formalitäten waren wir froh, dass wir uns vorab beim Hotel einen Abholservice bestellt hatten. Der Taxifahrer wartete in der Ankunftshalle schon geduldig auf uns. Auf dem Weg zum Hotel beobachteten wir das heillose Chaos auf den Strassen und waren froh, dass wir nicht selber fahren mussten und wir uns in Canggu, etwas ausserhalb der grossen Touri-Orte, einquartiert hatten. Das Serenity Eco Guesthouse war unser Zuhause für die ersten Tage. Hier wollten wir vor allem Yoga praktizieren und so Körper und Seele nach den Reisestrapazen der vergangenen Monate wieder etwas erden. Das Hotel wartete mit einem unglaublichen Yoga-Programm auf. Pro Tag werden hier 10 verschiedene Körperverrenkungs-Praktiken durchgeführt. Bereits am ersten Tag stürzten wir uns in eine Vinyasa Klasse für Anfänger. Rapha war natürlich im Vorteil, weil sie wesentlich beweglicher ist als ich und im Gegensatz zu mir auch etwas Yoga-Erfahrung mitbrachte. Bei mir ging es in den ersten Stunden im Wesentlichen darum, mich nicht zu verknoten und entweichende Gase zu unterdrücken. Aber ich merkte schnell, dass mir die drolligen Posen gut taten und mit der Zeit sogar Spass machten.

Am dritten Tag mieteten wir uns für schlappe CHF 4.50 pro Tag einen Scooter und erkundeten damit die Umgebung. Um ehrlich zu sein, beschränkte sich unser Radius auf genau drei Strassen im Umkreis von ca. 3 Kilometern. Aber hier gab es erstaunlich viel zu entdecken: Strände mit Bars, Boutiquen, eine Underground-Location mit Skate-Pool und vor allem unglaublich gute Restaurants mit kreativer und gesunder Küche zu super Preisen. Auf einer Erkundungsfahrt entdeckten wir beiläufig auch das Bali Fit. Dieses Fitnesscenter bietet Gruppenfitness- und Yogakurse an. Wir entschlossen uns spontan, hier einen Monats-Pass zu buchen und quartierten uns in einem tollen Hotel an der gleichen Strasse ein. Das Zimmer dort hätte uns bei einer Online-Buchung USD 250 pro Nacht gekostet. Die "Walk-in-Rate" betrug gerade mal USD 50. Im Ressort gab es zwei Pools und wir waren meistens die einzigen Gäste. Wir entwickelten eine Tagesroutine, die etwa wie folgt ausschaute:

06.45 Tagwache
07.30 Training im Bali Fit
08.30 Proteinshake am Pool
10.30 Yin Yoga im Bali Fit
12.00 Frühstück / Lunch
14.00 Entspannen am Pool oder in der Massage
18.15 Yoga
20.00 Abendessen

Das Bali Fit wurde eine Art zu Hause für uns und wir waren begeistert von den Coaches. Mark, Clare, Lucy und Rachel brachten uns viel bei und forderten uns gewaltig. Vor allem die metabolischen Trainings-Sessions hatten es in sich, brachten uns regelmässig ans Limit und wir litten teilweise gewaltig an Muskelkater. Wir freundeten uns im Bali Fit mit anderen "Leidensgenossen" an. Vor allem Declan und Rommer sind uns schnell ans Herz gewachsen.

Canggu haben wir dann tatsächlich noch für einen Abend verlassen. Den Geburtstag von Rapha wollten wir am Strand von Seminyak feiern. Hier hatten wir bei unserem letzten Bali-Besuch im Restaurant Gado Gado eines der besten Desserts aller Zeiten gegessen. Zwar erkannten wir den Ort (wurde zugebaut) und das Restaurant (wurde umgebaut) nicht wieder, aber die Nachspeise schmeckte wirklich noch genauso gut wie anno dazumal.

Etwas weniger Glück hatte ich ein paar Tage später beim Verspeisen eines Fischgerichts. Bereits im Restaurant fing ich an zu schwitzen, bekam Herz-Rasen, rote Augen und komische Verfärbungen am ganzen Körper. Ich schaffte es gerade noch zurück ins Hotel, wo mich Rapha mit kalten Umschlägen und einem Antiallergikum wieder aufpäppelte. Der ganze Spuck dauerte ca. drei Stunden und dann war zum Glück wieder alles in Ordnung.

Nach knapp einem Monat mussten wir Canggu und unsere neu gewonnen Freunde schweren Herzens verlassen. Wir hatten das Visum bewusst nicht verlängert und uns einen Weiterflug über Kuala Lumpur nach Koh Samui gebucht. Nach einem letzten Training überreichte uns Mark noch ein "Training for Warriors" Armband mit der Bemerkung "we don’t sell it, you have to earn it"!

Es ist anzunehmen, dass viele Leser diese Art des Zeitvertreibens im Inselparadies nicht nachvollziehen können (mein Mammi benutzte das Wort "Kasteien"). Für uns war es aber gegen Ende unserer langen Reise genau das Richtige. Und da wir Bali schon mal bereisten, hatten wir deshalb auch nicht das Gefühl, dass wir etwas verpassen. Bali übte eine ganz eigene Magie auf uns aus, die sich schwer in Worte fassen lässt. Es ist definitiv ein Ort, mit dem uns sehr intensive Gedanken verbinden und wir sind fast sicher, eher früher als später wieder hierhin zurück zu kehren.

Bali Klassiker

Sydney II, Australien - 23. bis 28. April 2016

Die Autoabgabe in Auckland und der Überflug nach Sydney gingen reibungslos über die Bühne. Wie bereits auf der Hinreise haben wir uns erneut eine AirBnB-Unterkunft in Manly gebucht, weil es uns da so gut gefallen hat. Es war also fast ein wenig wie nach Hause kommen. Unsere Gastgeber hiessen Sebastien und Delphine. Die beiden waren uns auf Anhieb sehr sympathisch. Sebastien ist Maler und das kleine aber feine Appartement war sehr stilvoll und künstlerisch eingerichtet. Gleich nach unserer Ankunft legten wir uns erst mal ein paar Stunden aufs Ohr. Wir waren nämlich unter Berücksichtigung der Zeitverschiebung seit morgens um zwei Uhr auf den Beinen und wollten doch am Abend mit Silvan ausgehen. Silvan ist vor ein paar Jahren nach Sydney ausgewandert und ist damit ein weiteres verlorenes Schäfchen des endsgeilen Inline-Hockeyvereins Hurricanes Lenzburg. Er zeigte uns die Brauerei "Young Henri" und führte uns im coolen Stadtteil Newtown herum. Ein sehr gelungener Abend. Vielen Dank Silvan für Deine Zeit!

Das Tolle an Sydney war, dass wir nichts mehr mussten. Wir waren ja vor ein paar Monaten schon hier. Also spielten wir auch hier ein wenig Alltag, gingen ins Fitnesscenter und spazierten in Manly den Stränden entlang. Am Montag nahm mich Sebastien mit ins Pub zum Aussie-Football schauen. Schade nur, dass das Spiel leider ein wenig unter ging, weil die Einheimischen gerade den ANZAC-Day feierten, der zu Ehren der Kriegsveteranen abgehalten wurde. Dabei wird das ansonsten verbotene Glücksspiel "Two Up" gespielt und im Pup entsprechend zelebriert.

An unserem letzten Tag im Sydney haben wir uns von unseren warmen Kleidern und dem ganzen Trekking-Equipment getrennt und vieles davon per Post nach Hause geschickt. Die letzten zwei Monate unserer Reise wollen wir nämlich gemütlich an den Stränden Asiens ausklingen lassen. Unser nächster Stopp: Canggu auf der Götterinsel Bali.

Manly Beach

Auckland II, Neuseeland - 15. bis 23. April 2016

Wir haben uns für die letzten acht Nächte in Neuseeland wieder bei Bev einquartiert. Takapuna, ein Vorort von Auckland, schien uns gut geeignet, um den Autoverkauf so schnell wie möglich unter Dach und Fach zu bringen. Die Mechanismen von Angebot und Nachfrage wurden uns an der HFW zur Genüge eingetrichtert und so ahnten wir natürlich, dass es im Spätherbst etwas schwierig werden dürfte, einen Campervan zu angemessenen Konditionen zu verkaufen. Allerdings waren wir dann doch etwas besorgt, als die Resonanz auf unsere Online-Ausschreibungen gleich Null war. Also mussten wir die Braut schick machen und mit ihr auf Verkaufstour gehen. Zum Glück fanden am Wochenende gleich zwei grosse Auto-Auktionen statt. An der ersten, der Backpacker Car Faire, sass ich mir von morgens um acht bis nachmittags um drei Uhr den Allerwertesten platt, ohne auch nur mit einem einzigen potentiellen Kunden zu sprechen. Eine ernüchternde Bilanz. Fast noch schlimmer war aber die Tatsache, dass auf dem Platz mehr als 50 Autos feilgeboten wurden und gerade mal fünf Kunden die Messe besuchten. Immerhin war die Pakistaner-Mafia aktiv. Die haben sich auf diesen Markt spezialisiert, kaufen die Autos zu lächerlichen Preisen zusammen, machen sie flott und verkaufen sie in der neuen Saison für ein vielfaches des Preises wieder. Leider war ich es nicht wert, von diesen "Gschäftli-Machern" beachtet zu werden. Ich brach die Aktion ziemlich frustriert wieder ab. Zum Glück habe ich uns für den Abend Tickets für ein Rugby-Spiel im Eden Park besorgt. Das wertete den Tag dann doch noch auf. Das Spiel verstanden wir zwar nur im Ansatz, aber es bot sehr gute Unterhaltung und lenkte ein wenig von unserem Autoproblem ab.

Am nächsten Tag machte ich mich wieder früh am Morgen auf zur nächsten Messe, der Ellerslie Car Fair. Es regnete und ich machte mich auf noch weniger "Kunden" gefasst. Das Bild war dann effektiv dasselbe wie tags zuvor und die meisten langen Gesichter kannte ich bereits. Nachdem meine Nachbarn mir erzählt hatten, wie sie bei lokalen Garagen mit geradezu spöttischen Kaufangeboten abserviert worden sind, wurde mir klar, dass ich mein Glück selbst in die Hand nehmen musste. Keine fünf Minuten später lief der Chef der Pakistani-Mafia auf mich zu. Mir kam auf die Schnelle nichts Besseres in den Sinn, als ihn als Autodieb zu beheligen. Ich sah ihn nämlich mit dem identischen Auto wie unsere Furia vorfahren. Er schaute mich etwas konsterniert und skeptisch an, aber schwups, waren wir im Gespräch. Schnell spielte ich meinen wichtigsten Trumpf mit dem tiefen Kilometerstand aus. Das wirkte und der Herr nahm sich unser Vehikel etwas genauer unter die Lupe. Nachdem er offensichtlich angebissen hatte, wollte er eine Probefahrt machen. Dabei bot er mir die grosszügige Summe von 600$ für unsere geliebte Furia an (kleine Zusatzinfo: Wir kauften das Auto vor drei Monaten für 4000$, stellten es ins Internet für 3800$, dann boten wir es an der ersten Messe für 2800$ zum Verkauf an und heute noch für 2300$ -> krasser Preiszerfall). Wir einigten uns dann auf einen Preis von 1300$. Mehr war wirklich nicht aus ihm rauszuholen. Dafür durften wir das Auto noch so lange behalten, bis wir das Land verlassen. Das war ein faires Angebot von einem Mann, der sich der harten Verhandlung zum Trotz, als ziemlich sympathisch entpuppte.

Die nächsten Tage machten wir es uns bei Bev in Takapuna gemütlich. Wir gingen fast jeden Tag ins Fitness-Center und kochten uns leckere Sachen. Ich versuchte mich noch an einem neuen Hobby und besuchte zwei Mal die Surfschule auf unserem Haus-See. Das war ziemlich spassig und meine Manöver gelangen schon nach kurzer Zeit ganz gut. So richtig gepackt hat es mich aber nicht. Mal schauen , ob ich noch mehr Zeit in diesen Sport investieren werde.

Am vorletzten Tag brachten wir den Autoverkauf unter Dach und Fach und mieteten uns einen Wagen für die letzten beiden Tage. Das lief alles reibungslos und war günstiger, als ein Taxi zum Flughafen zu nehmen.

So hiess es nach drei Monaten von Neuseeland Abschied zu nehmen. Einem Land, welches landschaftlich seinesgleichen sucht und sehr einfach zu bereisen ist. Das hat aber auch seinen Preis. Die Touristenattraktionen sind alle völlig überbevölkert und oft kann man die Abgeschiedenheit in der Natur nicht richtig geniessen, weil ständig irgendwo ein Flugzeug oder ein Helikopter über einem kreist. Das nervt zum Teil gewaltig und wir würden vor allem die "Great Walks" nicht mehr machen, sondern uns auf die weniger bekannten Wanderrouten begeben. Auch ist der Lebensalltag ziemlich teuer hier, vor allem wenn man frisch und gesund essen möchte (eine Avocado kostet z.B. ca. CHF 4.00). Das Paradies gibt es halt nicht um sonst.

Sky City

Östliche Nordinsel, Neuseeland - 4. bis 14. April 2016

Nach einer gemütlichen Fahrt über den Queen Charlotte Scenic Drive entlang des Marlborough Sounds und einer dreistündigen Fahrt mit der Fähre sind wir abends um sechs Uhr nach Wellington zurückgekehrt. Erneut haben wir uns für ein AirBnB entschieden. Dieses Mal erwischten wir ein schönes Zimmer in einer richtig coolen Loft-Wohnung mitten in der Stadt. Am ersten Tag haben wir endlich das Nationalmuseum "Te Papa" besucht. Hier wird auf sechs Ebenen die Geschichte Neuseelands von der ersten Besiedlung bis zum heutigen Staat erklärt. Das war spannend, machte uns aber hundemüde. Schon bald hatten wir genug gesehen und sind per Cable Car zum botanischen Garten hochgefahren. Da schlenderten wir durch die verschiedenen, schön angelegten Gärten und genossen die Ruhe.

Weil wir vom Reisetempo der vergangenen Wochen immer noch groggy waren, entschieden wir uns, eine weitere Nacht in Wellington zu bleiben. Wir spazierten am Pier entlang und beobachteten die wahnsinnig vielen Jogger mit ihren teilweise unglaublich ungesund anzuschauenden Laufstilen, wanderten auf den Mount Victoria hoch, wo wir einen tollen Ausblick auf die Stadt geniessen konnten, flanierten anschliessend an der Cuba Street und kehrten im charmanten Kaffee Fidel ein. Zudem konnte ich mich endlich dazu durchringen, mir die dringend benötigten Schuhe zu kaufen.

Wellington ist eine tolle Stadt und wir genossen die Zeit sehr. Etwas mühsam war lediglich, dass wir keinen fixen Parkplatz hatten. So musste ich immer morgens kurz vor acht und abends um sieben unser Fahrzeug umparken. Dafür sparten wir so ein paar Bazen an Parkgebühren und gönnten uns in der tollen Pizzeria Napoli ein super Abendessen. Dummerweise ist mir dort wie vor ein paar Wochen beim Beissen erneut ein Stück einer Zahnfüllung abgebrochen. Am nächsten Tag kam es dann noch schlimmer. Der Zahn pochte konstant und ich musste am Tag unserer Weiterreise notgedrungen wieder einen Zahnarzt aufsuchen. Wir hatten Glück und konnten kurzfristig einen Termin für den Nachmittag vereinbaren. Erneut gingen wir ins Nationalmuseum, um dort die Zeit tot zu schlagen. Rapha ging es auch nicht besonders gut. Bei ihr machte sich so etwas wie eine grosse Reise-Müdigkeit bemerkbar. Nachdem mein Zahn endlich geflickt war, schleppten wir uns nach Marlborough auf den Zeltplatz und fielen dort um sechs in einen komatösen Schlaf. Wirklich ein anstrengender Tag!

Am nächsten Morgen hatte sich Rapha zum Glück etwas erholt und mein Kiefer funktionierte auch wieder... Um Raphas "Travel Blues" entgegen zu wirken, wollten wir das Reisetempo noch mehr drosseln. Allerdings hatten wir nur noch wenige Tage Zeit, bis wir zurück in Auckland sein mussten. Wir fuhren deshalb ohne Stopp via Napier nach Te Urewera am Lake Waikaremoana. Es war eine lange, aber sehr schöne und abwechslungsreiche Fahrt und der Zeltplatz am See war mit einer der schönsten Plätze auf unserer Reise. In der Nacht regnete es heftig und der Morgen war verhangen. So entschlossen wir uns, gleich direkt nach Rotorua aufzubrechen. Dabei hatten wir auf der 70 Kilometer langen Gravel-Road wirklich Glück, als der Wagen ins Schleudern kam. Irgendwie ein wenig sinnbildlich für die letzten Tage.

In Rotorua wollten wir wieder zu Kräften kommen. Wir schauten uns im Kino den sehr guten, neuseeländischen Film "Hunt for the Wilder People" an. Ansonsten liess ich Rapha so viel Freiraum wie möglich. So mietete ich mir ein Mountainbike und erkundete auf eigene Faust die Weltklasse-Trails im Redwood Forest. Rapha unternahm derweil Spaziergänge am See und in der Stadt und kam so allmählich wieder auf den Damm. Ein besonderes Highlight war das Thermalbad im Kerosene Creek, einem natürlich beheizten Bach etwas ausserhalb der Stadt.

Nach einer halben Woche in Rotorua fühlten wir uns bereit, um weiter zu ziehen. Das nächste Ziel war der Hot Water Beach auf der Halbinsel Coromandel. Der Strand heisst so, weil hier Thermalwasser aus dem Boden sickert und man sich seinen eigenen Hot-Pool graben kann. Weil dies nur rund 1 Stunde vor oder nach der Flut möglich ist, machten wir uns schon vor Sonnenaufgang auf den Weg. Leider waren wir trotzdem etwas spät dran und die besten Plätze waren bereits vergeben. So genossen wir halt einfach die ersten Sonnenstrahlen am schönen Strand - etwas abseits des ganzen Trubels. Weiter ging es danach zur Cathedral Cove, einer sehr malerischen Bucht ganz in der Nähe und mir noch bestens in Erinnerung. Wir machten in Thames auf einem Spielplatz kurz halt, wo ich vor 12 Jahren mit Fabian, Anni und Olga die Sterne beobachtet habe (das ist jetzt nicht irgend eine schlüpfrige Anspielung. Wir haben wirklich die Sterne beobachtet!) und gönnten uns kurz vor Auckland noch einmal zwei Nächte auf einem super luxuriösen Zeltplatz mit eigenem Thermalbad und Tennisplatz. So kurz vor dem Ende unserer Reise kam schon ein wenig Wehmut auf. Bald würden wir unsere geliebte Furia Roja verkaufen müssen.

Windy Wellington